Dieser Artikel behandelt das Programm zum Auffinden von Fehlern. Zur Tätigkeit sieheDebuggen.
EinDebugger (von engl.de- (Präfix; dt.ent-,aus-) im Sinne vonentfernen und engl.bug im Sinne vonProgrammfehler) ist einWerkzeug zum Diagnostizieren und Auffinden von Fehlern inComputersystemen, dabei vor allem inProgrammen, aber auch in der für die Ausführung benötigtenHardware.Debugging bezeichnet die Tätigkeit, solche Fehler zu diagnostizieren und aufzufinden, sei es unter Verwendung eines Debuggers oder anderer Methoden.
Logbuch-Seite des Mark II Aiken Relay Calculator mit dem ersten Bug (1947)
Der Begriff „debugging“ (zu deutschentwanzen) wird häufigGrace Hopper zugeschrieben, eine Legende, die sie selber gerne erzählte, welche allerdings nicht ganz korrekt ist. 1947 hatte während der Arbeiten amMark II eine Motte für den Ausfall eines Relais dieses Computers gesorgt. Das Team von Grace Hopper fand die Motte und klebte sie in das Logbuch zusammen mit dem Satz „First actual case of bug being found.“ („Das erste Mal, dass tatsächlich ein Bug gefunden wurde.“). Daraufhin soll sich die Bezeichnung „debugging“ für „Fehlersuche“ im Team eingebürgert haben. Der Begriff „Bug“ (für Insekt, Käfer, Schädling) war allerdings im Englischen unter Ingenieuren bereits seit dem 19. Jahrhundert als Bezeichnung für Fehlfunktionen in Gebrauch und wurde entsprechend bereits 1937 im Webster’s New International Dictionary als Slang erwähnt.[1] MitBugfix (engl.fix für reparieren, ausbessern) wird die Behebung einesProgrammfehlers bezeichnet.
dieSteuerung des Programmablaufs, insbesondere durchHaltepunkte und die Einzelschritt-Verarbeitung von Befehlen
dasInspizieren von Daten, z. B. die Register, den aktuellen Programmcode als Assembler oder Hochsprachenquelltext, den allgemeinen Daten in festen und flüchtigen Speichern, der Erzeugung von fortgeschrittenen Daten-Interpretationen etwa durch eineAufrufstapel-Funktionalität oder das Anzeigen von Ein-/Ausgabe-Registern, Tabellen und Hochsprachen-Strukturen
dasModifizieren von Speichern, z. B. des Hauptspeichers, der externen Ein-/Ausgabe-Zustände und der Register des Prozessorkerns
Je nach Debugger und Beschaffenheit der Hardware ist es auch möglich, Rückmeldungen und Fehlerzustände (Exceptions) des Zielsystems aufzufangen. Hier sind vor allem Speicherzugriffsfehler interessant, ungültige Opcodes und Befehlsfolgen, bei denen Eingangs- oder Ausgangsgrößen fraglich sind, etwa eine versuchte Division durch Null.
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Remote-Debugging von entfernten Systemen und Debugging, das innerhalb des zu untersuchenden Prozessorsystems mit Bord-Mitteln vorgenommen wird. Eine Spezialversion ist das Remote-Debugging mittels einer Simulation des Zielsystems durch eine Prozessor-Simulation und weitere Elemente. Das Debuggen einervirtuellen Maschine stellt eine Zwischenform zwischen den beiden Typen dar, wobei die virtuelle Maschine prinzipiell sowohl den Charakter einer lokalen Anwendung wie auch eines eigenständigen Systems hat. Die Überwindung der Prozessor-Architektur stellt zumindest grundsätzlich einen gewissen Aufwand dar. Je nach Konzeption sind beim Debugging sogar taktgenaue Bestimmungen des Laufzeitverhaltens möglich, wobei z. B. eine Simulation dabei nicht zwangsweise in Echtzeit ablaufen muss. Bei Simulationen von Halbleitern der KategorieASIC,FPGA oderPLC sind sowohl Hardware- wie auch Software-Simulationen gängige Hilfsmittel, die über einen entsprechend speziellen Debugger für den Entwickler zugänglich sind.
Einfache Fehlersuche auf Assembler-Ebene ist bei einem dafür ausgelegten System jederzeit möglich. Manche Hochsprachen, wie etwa Skripte oder diverse BASIC-Varianten, lassen sich dagegen oft nur zeilenbasiert auf Quelltextebene untersuchen. Erweiterte Funktionalitäten, z. B. das Auflösen von Symbolen, Strukturen und Funktionsnamen werden mit dem Vorhandensein vonSymbol-Informationen in einer speziellen Datei oder eingebettet in einem Binärprogramm (z. B. DWARF-Debug-Information) möglich. Fortgeschrittene Debugger- undEntwicklungssysteme können weiterhin z. B. im laufenden Betrieb Daten mitschneiden, Leistungsanalysen anfertigen undnebenläufige Vorgänge visualisieren.
Ein Debugger ist systematisch am ehesten vergleichbar mit dem, was in der Elektrotechnik und Elektronik durch die typischen Messgeräte und Hilfsmittel, z. B. einen Logik-Tester, ein Multimeter, einOszilloskop oder einenSignalgenerator, an Möglichkeiten für die Inbetriebnahme und Überwachung von entsprechenden Systemen zur Verfügung steht.
Moderne Debugger haben die Möglichkeit, Änderungen amQuelltext während der Programmausführung direkt zu übersetzen und anschließend das Programm fortzusetzen. Diese Technik wird auch alsjust in time debugging bezeichnet. EinDebugger ist oft Bestandteil einerProgramm-Entwicklungsumgebung.
Darüber hinaus kann ein Debugger beimReverse Engineering auch dazu eingesetzt werden, um mit derAblaufverfolgung und dem Untersuchen von Variablen Fremdprogramme besser und schneller zu verstehen.
In objektorientiertenLaufzeitsystemen, bei derparallelen Programmierung oder inverteilten Systemen ist es sehr schwierig oder in der Praxis sogar unmöglich, eine genaue Programmabfolge zu definieren. Einige Entwicklungssysteme verzichten daher auf den Einsatz vonLaufzeit-Debuggern, lassen aber in der Regel die Definition von Haltepunkten zu, an dem der Zustand aller Variablen nach dem Programmstopp analysiert werden kann. Auch bei derAusnahmebehandlung, also nach Programmunterbrechungen, die zum Beispiel durch einen Fehler erzwungen werden, werden sogenanntePost-Mortem-Debugger in diesem Sinne eingesetzt.
Die wichtigste Fähigkeit eines Debuggers besteht darin,Haltepunkte zu setzen. Diese ermöglichen es, an beliebiger Stelle eines Programms dessen Ausführung zu unterbrechen und so die Untersuchung der Register und des Speichers zu ermöglichen.
Am häufigsten werden Software-Haltepunkte genutzt, welche ein Byte im zu untersuchenden Programm temporär verändern. Dieses Byte ist die Anweisung, einenBreakpoint Interrupt auszulösen, die Programmausführung beim veränderten Byte anzuhalten.
Diese Möglichkeit beinhaltet allerdings die Einschränkung, dass das zu untersuchende Programm sich selbst nicht aufIntegrität prüfen darf (zum Beispiel durch Überprüfung einerPrüfsumme, siehe dazu auchZyklische Redundanzprüfung). Diese Schwäche der weichen Haltepunkte nutzenMalwareprogrammierer zum Beispiel aus, um dieAnalyse eines Schadprogramms zu erschweren oder sogar zu verhindern.
Dieser Einschränkung unterliegen die Hardware-Haltepunkte nicht, da diese das zu untersuchende Programm nicht verändern. Hardware-Haltepunkte sind direkt im Prozessor realisiert; allerdings besitzt dieser nur begrenzte Ressourcen dafür, so dass nur eine begrenzte Anzahl dieser Haltepunkte zur Verfügung steht.
Viele Debugger erlauben es dem Programmierer, bedingte Haltepunkte zu setzen. Dabei gibt der Programmierer neben der Anweisung, wo die Programmausführung angehalten werden soll, den Befehl für einenbooleschen Ausdruck an. Der Debugger unterbricht die Programmausführung nur dann, wenn die angegebene Codezeile erreicht wurde und gleichzeitig der boolesche Ausdruck wahr ist.
Damit der Debugger testen kann, ob der boolesche Ausdruck wahr ist, muss dieser allerdings die Programmausführung temporär unterbrechen und den booleschen Ausdruck überprüfen, worauf der Debugger dann entweder die Programmausführung fortsetzt oder das Programm im unterbrochenen Zustand lässt.
David J. Agans:Debugging: The Nine Indispensable Rules for Finding Even the Most Elusive Software and Hardware Problems, AMACOM, 2002,ISBN 0-8144-7168-4.
Ann R. Ford, Toby J. Teorey:Practical Debugging in C++, Prentice Hall, 2002,ISBN 0-13-065394-2.
Matthew A. Telles, Yuan Hsieh, Matt Telles:The Science of Debugging, The Coriolis Group, 2001,ISBN 1-57610-917-8.