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Davidstern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Der blaue Davidstern aus zwei ineinander verwobenen Dreiecken
Siegel Salomos
Davidstern rot-grün (jüdische Kunst)
Der Davidstern in der ältesten überlieferten Kopie desmasoretischen Textes, demcodex leningradensis, datiert1008.

DerDavidstern (hebräischמגן דודMagen David, deutsch‚Schild Davids‘), benannt nach dem um 1000 v. Chr. angenommenen KönigDavid, ist einHexagramm-Symbol mit religiöser Bedeutung. Er gilt heute vor allem alsSymbol des Volkes Israel und desJudentums. Die Bezeichnung stammt aus einer mittelalterlichen Legende. Davor (und noch später) wurde es auch als „Siegel Salomons“ (2. Bild) oderSalomos Siegel bezeichnet.

Das Symbol besteht aus zwei blauen, ineinander verwobenengleichseitigen Dreiecken, einem nach oben weisenden und einem nach unten weisenden, derenMittelpunkte identisch sind. Dadurch entsteht in der Mitte der Darstellung ein regelmäßigesSechseck, an dessen Seiten sich sechs kleine gleichseitige Dreiecke anschließen, derenSeitenlänge (und damit auch die des Sechsecks) jeweils ein Drittel der Seitenlänge der beiden Grunddreiecke beträgt.

Interpretation des Symbols

Je nach Zweck und Verwendung des Hexagramms variiert auch die Deutung dieses Symbols. Zum Beispiel wird der Davidstern als symbolische Darstellung der Beziehung zwischen Menschen und Gott interpretiert. Das nach unten weisende Dreieck besagt: Der Mensch hat sein Leben von Gott erhalten. Das nach oben weisende Dreieck besagt: der Mensch wird zu Gott zurückkehren.

Der Umriss hat sechsäußere Spitzen und sechs nachinnen geknickte Ecken, die zusammen zwölf Ecken bilden. Diese zwölf Ecken des Sterns sollen dieZwölf Stämme Israels darstellen. Außerdem stehen die sechs Dreiecke für diesechs Schöpfungstage und das große Sechseck in der Mitte steht für den siebenten Tag, den Ruhetag.

Geschichte des Davidsterns

Hellenismus, Talisman im Frühmittelalter

In derhellenistischen Welt war das Hexagramm zunächst ein allgemein vonJuden und Nichtjuden verwendetes dekoratives Motiv und hatte offenkundig keinen direkten Bezug zum Judentum.

ImFrühmittelalter bekam das Hexagramm eine abwehrende Bedeutung und wurde gleichermaßen vonMuslimen,Christen und Juden alsTalisman gegenDämonen und Feuergefahr verwendet. Man stattete Kirchengebäude,Bibelmanuskripte sowie christliche und jüdische Unterschriften auf amtlichen Dokumenten mit diesem Symbol aus.

Bedeutungsverschiebung von Gilden- zu jüdischer Symbolik, Legendenbildung

Um das 14. Jahrhundert verbanden jüdische mystische Texte das Hexagramm als Talisman – sowieandere Symbole – mit älteren Darstellungen auf einem Schild, der mit der Macht Gottes verbunden gewesen sein und einst König David geschützt haben soll. Mit dem Aufkommen des Buchdrucks im 15. Jahrhundert verwendeten einige jüdische Verleger in Europa das Hexagramm für die Gestaltung ihrerImprimatur.

Davidstern der einstigen Semper-Synagoge in Dresden, seit 2001 in der Neuen Synagoge Dresden
Element der Dachbalustrade derSynagoge in Hamm (Sieg) (erbaut 1813 oder 1894) mit Davidstern aus zwei ineinander verwobenen Dreiecken

Die in der Literatur vielfach zitierte Behauptung, dass KaiserKarl IV. 1357 den Prager Juden das Tragen einerFlagge mit dem Davidstern erlaubte, hat der tschechische HistorikerAlexander Putík bereits 1993 widerlegt. Als den Urheber dieser durch keinerlei Quellen nachzuweisenden Legende führt er den ChronistenWenzel Hagek (Hajek) von Libotschan an. Dieser beschreibt in seiner 1541 erschienenen und gern gelesenen, allerdings in den Angaben äußerst unzuverlässigen, da literarisch reichlich ausgeschmückten Chronik der tschechischen GeschichteKronyka Czeská ein rotesBanner mit Davidstern und Salomonssiegel.[1] Die weite Verbreitung und Hartnäckigkeit dieser Legende zeigt sich auch darin, dass ein rotes Banner mit goldenem Davidstern in dem großenWappen der Stadt Prag zu finden ist, in dem es den Prager StadtteilJosefov (Josefstadt) symbolisiert.

Putík wies nach, dass die jüdische Gemeinde von Prag denMagen David (Davidstern) auf ihrem Banner zum ersten Mal 1490 bei den öffentlichen Feierlichkeiten anlässlich der Krönung vonVladislav II. zum König von Ungarn verwendete. Das Banner hatte die gleiche Form wie die Banner derGilden, und das öffentliche Tragen wurde vermutlich von Vladislav II. bewilligt. Das Banner wurde in derAltneu-Synagoge in Prag aufbewahrt.

1598 erteilte KaiserRudolf II. dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde in PragMordechai Meisel als Zeichen einer besonderen Gnade das Recht, für seine Privatsynagoge ein gleich gestaltetes Banner anfertigen zu lassen. Die Banner wurden nur zu besonderen Anlässen wie Krönungsfeierlichkeiten, Besuchen des Königs in Prag oder Geburt eines Thronfolgers aus der Synagoge geholt und öffentlich gezeigt. Im Laufe der Geschichte erfuhren die Banner einige Änderungen. So wurde seit der Mitte des 16. Jahrhunderts im Davidstern einJudenhut eingebettet.

Seit 1623 durfte die Prager jüdische Gemeinde einSiegel verwenden, dessen erhaltene Abdrücke den Davidstern und Judenhut zeigen. Die gleichen Symbole finden sich als Zierde auf öffentlichen Gebäuden wie der Altneu-Synagoge und demJüdischen Rathaus. Von Prag aus verbreitete sich der Gebrauch des Hexagramms seit dem 17. Jahrhundert in den jüdischen Gemeinden ganz Europas. Putík führt diesen Umstand auf diemessianistische Bedeutung des Symbols zurück.[2]

Im 17. Jahrhundert trennte inWien ein Grenzstein das christliche Viertel (durch ein Kreuz) vom jüdischen Viertel (durch ein Hexagramm). Dort wurde erstmals das Hexagramm als ein dem Kreuz gleichwertiges Symbol der religiösen Identifikation verwendet.

Wie wenig der Stern im Mittelalter als Symbol der jüdischen Gemeinde galt, sondern eher alttestamentliche Zusammenhänge aufwies, zeigen einige Flaggen der vorosmanischen Reiche an der Ägäis. Während desSpätmittelalters wurde das Symbol als „Siegel Salomons“ in den Flaggen des türkischenCandar und vonKaraman verwendet.

Zunehmende politische Bedeutung

Karlsruher Synagoge mit dem Grundriss eines Davidsternes
Davidsternsymbolik in derMünchner Synagoge
Der Davidstern ist als jüdisches Symbol auch an profanen Gebäuden zu finden; hier Wasserspeier in Form eines Davidsterns, Gutenbergstraße 50, Krefeld[3]
Als politisches Symbol für denZionismus verwendet, fand der Davidstern seinen Weg auf die Flagge des StaatesIsrael.

Vom 18. Jahrhundert an gilt das Hexagramm als allgemeines Glaubenssymbol. Mit derAufklärung im 18. Jahrhundert, als in Europa dieJudenemanzipation Hoffnungen auf eine volle Staatsbürgerschaft in den neugebildeten europäischen Nationalstaaten weckte, trat ein wichtiger Wandel ein. Bisher war das Judentum von den übrigenBuchreligionen nie als gleichwertig anerkannt worden. Für die integrationsbewussten Juden der Aufklärung, die sich für das Judentum als Religion einsetzten, wurde ein Symbol erforderlich, das die Religion, wie das Kreuz das Christentum, repräsentierte. Als solches Symbol bot sich der Davidstern (Magen David) an. Nichtjüdische Architekten verwendeten denMagen David, um beim Synagogenbau die ähnlichen Gebäudeformen von Kirchen abzugrenzen.

Die frühe Abbildung eines als „Scutum Davidicum“ (Davidschild) bezeichneten Hexagramms findet sich alsFrontispiz in der vonGoethe zitierten Schrift „Natvrae Naturantis & [et] Naturatae Mysterivm, in Scvto Davidico exhibitum […] D. i. [Das ist] Geheimniß Der Schaffenden und Geschaffenen Natur; im Schilde Davids enthalten […] Berlenburg [Berleburg] bey Johann Jacob Haug/ Im Jahr 1724.“[4]

Als europäische Juden Ende des 19. Jahrhunderts schließlich tatsächlich zunehmend gleichberechtigt und am politischen Geschehen beteiligt wurden, wuchs allerdings derAntisemitismus in nicht-jüdischen Kreisen. Als Antwort darauf kann derZionismus betrachtet werden: die Bewegung zur Errichtung eines selbstständigen jüdischenNationalstaates. Die Zionisten übernahmen denMagen David eher alssäkulares denn als religiöses Symbol.

In derZeit des Nationalsozialismus wurde den nach denRassegesetzen als Juden geltenden Personen mit derPolizeiverordnung vom 1. September 1941 zwangsweise das Tragen einer abgewandelten Version desMagen David, des „Judensterns“ („Gelben Sterns“), zur öffentlichen Kennzeichnung ihrer Kleidung auferlegt. Das kann als Wiederholung von Geschehnissen des mittelalterlichen Europas gesehen werden, in dem christliche Fürsten das Tragen einesGelben Flecks anordneten, um die Juden für die Christen kenntlich zu machen.

Mit derStaatsgründung Israels am 14. Mai 1948 wurde derMagen David zum Emblem derNationalflagge Israels.

Sonstiges

  • Der Davidstern ist imUnicode-BlockDingbats als Schriftzeichen „✡“ festgelegt, er trägt die Unicode-Nummer U+2721 (10017) und als Dezimaler HTML Code ✡
  • Arthur Stephen Mavrogordato bestimmte den Davidstern zum Symbol der Polizei inTrinidad und Tobago.
  • Die gleiche Form besitzt derBrauerstern, ein Zunftzeichen der Brauer und Mälzer.
  • Die KrankenrettungsorganisationMagen David Adom benutzt den Stern in der Farbe Rot (in Anlehnung an dasRote Kreuz) als Organisationszeichen.
  • Das Symbol der Makkabi-Sportbewegung ist eine grafische Kombination aus dem Davidstern und dem NamenMakkabi in hebräischer Schrift (מכבי).[5] Das Makkabi-Symbol ist Bestandteil der Logos derMaccabi World Union sowie einzelner Makkabi-Vereine und -Verbände wie z. B.Makkabi Deutschland.
  • Das ursprüngliche, bis 1969 verwendete Logo derMakkabiade ist ebenfalls eine Variante des Davidsterns.[6]

Literatur

Weblinks

Commons: Davidstern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Davidstern – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Václav Hájek z Libočan:Kronyka Czeská. Hrsg. von J. F. von Ssenfeld/Johann Ferdinand von Schoenfeld. Prag 1819,OCLC42652452,urn:nbn:de:bvb:12-bsb10934558-2.
  2. Alexander Putík:The Origin of the Symbols of the Praque Jewish Town. The Banner of the Old-New Synagogue – David’s Shield and the „Swedish Hat“. In:Judaica Bohemiae. Hrsg. vomŽidovské Muzeum v Praze. Jg. XXIX, Praha 1993,ISSN 0022-5738. – Siehe dazu die Rezension von Joseph Gutmann:History and Judaica. In:Jewish Post. 11. Januar 1995, S. NAT 5, NAT 14 (englisch;newspapers.library.in.gov [abgerufen am 8. März 2019]).
  3. Rolf-Bernd Hechler: Zwei Häuser mit jüdischer Geschichte an der Gutenbergstraße in Krefeld. In: Die Heimat – Krefelder Jahrbuch, 94 (2023),ISBN 978-3-9802939-8-3, S. 175–181. Abgerufen am 11. Juni 2024. 
  4. Vgl. zu dieser Schrift und zur bereits 1714 veröffentlichten Vorlage für das im Frontispiz verwendete HexagrammReinhard Breymayer:Oetingers geheime Fehde mitChristian Thomasius. In:Mathesis, Naturphilosophie und Arkanwissenschaft im Umkreis Friedrich Christoph Oetingers (1702–1782) (=Contubernium. Tübinger Beiträge zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte. Band 63). Hrsg. vonSabine Holtz. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2005,ISBN 3-515-08439-8, S. 251–283; Abbildungen ebenda, S. 257–260; ferner besonders S. 266–271.
  5. FAQ auf der Website vonMakkabi Deutschland, siehe zweite Frage: Woher stammt der Name „Maccabi“?
  6. The history of Maccbiah auf maccabiah.com, Übersichtsseite zu den einzelnen Makkabiaden. Das ursprüngliche Logo ist als Motiv in den Bildern bis 1969 vorhanden (bei 1950 das Bild anklicken). Bei den Logos von 1973 bis 2009 ist teilweise noch eine Anlehnung an den Davidstern erkennbar.
Normdaten (Sachbegriff):GND:4334258-9 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS)
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