Der Name Dargun ist elbslawischer Herkunft, die Grundform lautete ursprünglich*Dargunj oder verkürzt*Dargun'. Diese geht auf den elbslawischen Personennamen*Dargun zurück, Kurzform zu Namen wie z. B.Dargomer.[4]
Nahe dem späteren Dorf Röcknitz entstand, wahrscheinlich in der Zeit zwischen dem 7. und dem 10. Jahrhundert, eine 1171 erwähnteelbslawische Burgsiedlung mit Burg, Wall und Wallgraben, die dann von den Dänen zerstört wurde. 1216 wurde der NameRokitnitze und 1219Rokenitze genannt. Dieelbslawische GrundformRokytnica geht auf den FlurnamenRokytina mit der Bedeutung Weidenbüsche zurück (elbslawischrokyta: Weide),[4] die am Röcknitz-Bach (1174rivulus [lat.kleiner Bach]Rokenize) sehr wahrscheinlich standen. Nahe Wagun befand sich zu dieser Zeit die heutigeWüstungClubuchziz, nahe Dargun die heutige WüstungCoueniz.
In der Nähe der Burg entstand ab 1172 eineZisterzienserabtei, zunächst als eineFilia desKlosters Esrom. 1173 wurde die ersteAltarweihe durch BischofBerno von Schwerin vorgenommen. Um 1200 siedelte nach einer ersten Zerstörung derKonvent nachEldena über. Die Neubesetzung erfolgte dann 1209 vomKloster Doberan aus. 1236 fiel das Kloster anMecklenburg, und 1242 wurde ihm dieMarktgerechtigkeit verliehen. Die Klosterkirche St. Marien – heute eine Ruine – entstand vom 13. bis zum 15. Jahrhundert alsgotische Backsteinkirche.
Nach 1657 wurde es vonCharles Philippe Dieussart zu einem dreigeschossigen Bau mit Ecktürmen und Arkaden im Innenhof umgestaltet. Auch der Teepavillon im neugestalteten Park und das Gelbe Tor stammen von diesem Baumeister.
Eine Blüte erlebte das Schloss von 1720 bis 1756 unterPrinzessin Augusta, der jüngsten Tochter Herzog Gustav-Adolfs zu Mecklenburg-Güstrow, die 1720 das Amt Dargun alsApanage erhielt. Sie war für ihre Frömmigkeitpietistischer Prägung und ihren Einsatz für den Glauben bekannt und förderte die Bildung und das Gesundheitswesen im Bereich Dargun. Augusta schuf durch den Einsatz sogenannter „Zugehfrauen“ eine Vorstufe der späteren Gemeindeschwester.
Bereits im 18. Jahrhundert siedelten sichJuden im Ort an, sie errichteten einen jüdischen Friedhof, der bis 1923 genutzt wurde. Er wurde in derZeit des Nationalsozialismus zerstört und erst 1963 wiederhergestellt.
Dargun war einMarktflecken im gleichnamigenDominialamt innerhalb der Herrschaft Rostock des GroßherzogtumsMecklenburg-Schwerin. Über den schiffbaren Darguner Kanal gab es eine Verbindung zur Peene und damit zum Kummerower See. 1851 erfolgte die Vereinigung mit dem DorfRöcknitz. 1865 wurde das Gebäude für dieLanddrostei Dargun gebaut. Neben Post- und Telegraphenamt waren eine Forstinspektion, ein Amtsgericht, zwei Kirchen, eine Industrieschule, einenVorschussverein, zwei Mühlen und eine Dampfmolkerei entstanden. Der Ort wurde alsLuftkurort besucht.[5]
In den letzten Kriegstagen 1945, nach dem Einmarsch derRoten Armee, wurde der gesamte Schlosskomplex mit Schlosskirche (ehemalige Klosterkirche, evangelisches Gotteshaus) durch mutmaßliche Brandstiftung zerstört und zur Ruine; die Täterschaft blieb ungeklärt.[7] Der Abbruch der Ruinen konnte verhindert werden. In den 1950er Jahren wurden jedoch Steine und wertvolle Verzierungen entwendet. Seit nach 1945 war bis 1995 in der Landdrostei dasAlte Rathaus. 1979 erfolgte die Eintragung des gesamten Komplexes von früherem Schloss und Schlosskirche in die Denkmalliste der DDR. Seit den 1980er Jahren engagierten sich Bürger für die Erhaltung und Sicherung der Ruinen. 1991 gründete sich ein Förderverein. DieDeutsche Stiftung Denkmalschutz und andere Institutionen ermöglichten die Sicherung der Mauern und den Ausbau des Mittelrisalits im Westflügel mit Schaffung von Raum für die Stadtinformation, die Stadtbibliothek und das Archiv.
1963 entstand hinter dem Sportplatz eine zweigeschossige Schule mit zehn Klassenräumen. 1973 wurde in Plattenbauweise ein zweiter Schulneubau für 13 Klassenräume errichtet.
Der Kern von Dargun mit seinen dörflichen Straßen wurde im Rahmen derStädtebauförderung seit 1991 grundlegend saniert. Dabei wurde auch der Wiederaufbau des Schlosses in Angriff genommen. 1996 wurde das Museum im ehemaligen Herbergsgebäude des Klosters eröffnet.
Aalbude befand sich im 14. Jahrhundert auf einer Insel, die im Westen von der heute zugeschütteten und verlandeten Achterpeene umflossen wurde. 1997 entstand der Wasserwanderrastplatz.
Brudersdorf: Dieneugotische Kirche stammt von 1863/66.
Glasow wurde erstmals 1216 urkundlich erwähnt. Der Name bedeutetOrt auf steinigem Boden. Glasow gehörte im 13. Jahrhundert zumKloster Dargun. Das niederdeutscheHallenhaus stammt aus dem 17. Jahrhundert.
Groß Methling: Die neugotische Kirche stammt von 1891.
Levin: Diespätromanische,zweijochigeJohanniskirche aus Feldstein mit eingezogenem quadratischenChor wurde bis 1256 erbaut. Der quadratische Westturm, unten aus Feldstein und oben aus Backstein, stammt aus dem 15. Jahrhundert.
Röcknitz war im 16. Jahrhundert ein Burgflecken und im 17. Jahrhundert ein Städtchen. Eine zwei Kilometer lange Straße verband das Dorf mit dem Schloss als Endpunkt. 1854 wurde Röcknitz alsDargun amtlich erwähnt, und 1875 wurden Dorf- und Schlosssiedlung eine Gemeinde.
Schwarzenhof: Das Gutshaus entstand um 1850, wurde um 1904 umgebaut und nach 2004 saniert.
Stubbendorf wurde 2004 nach Dargun eingemeindet.
Wagun war ein Gutsdorf. 1937 war das Gut 552 Hektar groß. Das Gutshaus stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es war nach 1945 Wohnhaus, Kindergarten, Schule und Sitz des Gemeinderats. Heute befindet sich hier u. a. eine kleine Kunstwerkstatt.
Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Altbauhof eingegliedert. Am 1. Januar 1951 wurden Barlin, Dörgelin, Glasow und Neubauhof eingemeindet. Der Ortsteil Lehnenhof der damals aufgelösten Gemeinde Darbein kam am selben Tag hinzu.[8] Aus dem ehemaligen Amt Dargun wurden am 13. Juni 2004 die Gemeinden Brudersdorf, Stubbendorf, Wagun und Zarnekow in die Stadt eingegliedert und das Amt aufgelöst.[9]
DieStadtvertretung ist die kommunaleVolksvertretung der Stadt Dargun. Sie besteht aus 15 Mitgliedern, über ihre Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre. DieKommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 67,7 % zu folgendem Ergebnis:[13]
1921–1933: Friedrich Karl Decker (Obervorsteher) (SPD)[6]
Mai 1945–Oktober 1945: Friedrich Karl Decker (SPD)
1990–2002: Hartmut Claassen (WVD)
2002–2016: Karl-Heinz Graupmann (Die Linke)
2016–2024: Sirko Wellnitz (parteilos)
seit 2024: Jana Böttcher (parteilos)
Wellnitz wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 18. September 2016 mit 61,8 Prozent der gültigen Stimmen gewählt.[15] In der Bürgermeisterstichwahl am 23. Juni 2024 wurde Jana Böttcher mit 65,4 Prozent der gültigen Stimmen zu seiner Nachfolgerin gewählt.[16] Ihre Amtszeit beträgt acht Jahre.[17] Sie tritt ihr Amt am 1. Dezember 2024 an.[18]
Blasonierung: „Halb gespalten und geteilt; oben: vorn in Gold ein hersehender, golden gekrönter schwarzer Stierkopf mit aufgerissenem roten Maul, silbernen Zähnen, ausgeschlagener roter Zunge, in sieben Spitzen abgerissenem Halsfell und silbernen Hörnern; hinten in Silber ein aufgerichteter, golden bewehrter roter Greif; unten in Blau ein querrechter goldener Abtsstab.“[19]
Wappenbegründung: In dem Wappen erinnert der Abtsstab an das von den pommerschen Fürsten gestiftete Zisterzienserkloster, den eigentlichen Ursprung und Kern des Ortes. Während der rote Greif die pommersche Landeshoheit über dieses Gebiet bis 1236 bzw. 1291 symbolisiert, soll mit dem Stierkopf als kleines landesherrliches Symbol des mecklenburgischen Herrscherhauses die spätere Zugehörigkeit zum Herzogtum, ab 1815 Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin gekennzeichnet werden.
Das Wappen wurde am 9. November 1875 von GroßherzogFriedrich Franz II. vonMecklenburg-Schwerin verliehen, 1998 neu gezeichnet und unter der Nr. 166 der Wappenrolle des Landes Mecklenburg-Vorpommern registriert.
Historisches Wappen
Wappen der Stadt Dargun 1939–1945
Blasonierung: „Geteilt; oben in Silber ein wachsender roter Greif, unten in Blau drei silberne Treuerunen übereinander.“[19]
Wappenbegründung: Das Wappen verlor schon bald nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges seine Gültigkeit.
Die Flagge wurde am 25. Juni 1998 durch das Ministerium des Innern genehmigt.
Die Flagge ist Blau – Gelb (1:1) längs gestreift. In der Mitte des Flaggentuchs liegt, auf jeweils zwei Drittel der Höhe des blauen und des gelben Streifens übergreifend, das Stadtwappen. Die Höhe des Flaggentuchs verhält sich zur Länge wie 3:5.[20]
Schloss Dargun mit der ehemaligen Klosterkirche, aus einemZisterzienserkloster hervorgegangen. Es wurde 1945 durch Brandstiftung zerstört. Baumaßnahmen zum Erhalt der Ruine und der teilweisen Neunutzung haben begonnen. Das Schloss war Nebenresidenz der Güstrower Herzöge aus dem Kloster entstanden und ist im 18. Jahrhundert als Apanage an Prinzessin Augusta, eine Tochter des letzten Mecklenburg-Güstrowschen Herrschaftshauses, gegangen. Im 19. Jahrhundert wurde es die erste Ackerbauschule Mecklenburgs und hatte Bestand bis Mai 1945.
Klosterkirche Sankt Marien mit ehemals vielen Kunstschätzen. DieArp-Schnitger-Orgel mit 23 Registern auf zwei Manualen und Pedal stammte von 1700, wurde 1911 vom OrgelbauerCarl Börger aus Rostock-Gehlsdorf völlig umgebaut und verlor nahezu ihre gesamte historische Substanz. 1945 war von der Originalsubstanz bis auf den Prospekt nichts mehr erhalten. 1989/90 wurde die Kirchenruine gesichert und das Langhaus überdacht. Es wird wieder für Gottesdienste und kulturelle Veranstaltungen genutzt. Gegen Chor und Querhaus ist das Langhaus durch eine Glaswand abgetrennt.
Pfarrkirche
Pfarrkirche Dargun, früher Dorfkirche Röcknitz, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit der Schlosssiedlung und der sogenannten „Neubaute“ zum Flecken zusammenwuchs. Eine Kirche wurde zum ersten Mal 1178 von Bischof Berno erwähnt. Sie war ursprünglich eingotischer Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert. Sie wurde 1753 und die Vorhalle 1861 in Ziegelbauweise erneuert. Der Altar ist ein spätgotischesTriptychon mit bemalten Flügelaußenseiten und filigranen Schnitzereien (Kreuzigungsgruppe und Aposteldarstellungen) im Innenbereich. Die Orgel von 1860 baute Friedrich Hermann Lütkemüller aus Wittstock, sie wurde 1995 restauriert.
Ortsteil Aalbude an der Peene
Katholische Kapelle von 1998 im neuen Gemeindehaus
Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) in derSchloßstraße 58
Jüdischer Friedhof nahe dem Gelände einer früheren slawischen Burg im Wald nordwestlich von Dargun. Ein Gedenkstein von 1963 erinnert an die Opfer derShoa.
Brudersdorf:Neugotische Kirche von 1863/66 als Feldsteinbau auf einem rechteckigen Grundriss mit polygonalem Chorschluss,Lütkemueller-Orgel von 1865
Groß Methling: Neugotische Kirche aus roten Backsteinen von 1891 nach Plänen vonGotthilf Ludwig Möckel mit schlichten Gewölbeausmalungen, Orgel von F. H. Lütkemueller (1859)
Kützerhof: Gutshaus als eingeschossiger Fachwerkbau
Levin:Spätromanische Johanniskirche von 1256 aus Feldstein mit eingezogenemChor und quadratischem Westturm aus Feldstein und Backstein aus dem 15. Jahrhundert, Orgel vonHeinrich Rasche von 1743, Innenausmalung von 1885, daneben das Pfarrhaus von 1750
Schwarzenhof: Gutshaus von um 1850, Umbau 1904, heute Ferienanlage
Stubbendorf: Europäische KooperativeLongo maï im Hof Ulenkrug.[23]Ralph Giordano widmete seinem Besuch auf dem Anwesen ein Kapitel in seinem BuchDeutschlandreise.
Gottlieb von Both (1837–1906), mecklenburgischer Verwaltungs- und Hofbeamter
Karl Buschmann, (* 2. November 1874 in Dargun), Vorsitzender desSondergerichts Schwerin (1933–1945), ab 1934 Präsident desLandgericht Schwerin, ab März 1945 stellvertretender Vorsitzender Standgerichts des Reichsverteidigungsbezirkes Mecklenburg in Schwerin.
Arnold Bernhard (1886–1944), Fabrikant, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Rostock
BIG Städtebau Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.):Dargun – 10 Jahre Stadterneuerung. 2002,DNB965578283.
Ralph Giordano:Deutschlandreise. Aufzeichnungen aus einer schwierigen Heimat. Dort: „Longo maï“ oder „Hier gibt es kein Reglement“ (über Longo maï im Hof Ulenkrug in Dargun–Stubbendorf). Kiepenheuer & Witsch, Köln 1998,ISBN 3-462-02739-5, S. 310–329.
Heinz Krüger:Das alte Dargun. Ein historischer Streifzug durch den Flecken. Kunsthaus, Boddin 2005,ISBN 3-933274-54-0.
Dorothee Reimann:Der Himmel über dem Chor. In:Monumente. Magazin für Denkmalkultur in Deutschland. Heft 5/6 (2010), S. 58–61.
↑Joachim Schultz-Naumann:Mecklenburg 1945. Hrsg.: Universitas Verlag. 1990,ISBN 3-8004-1215-2,S.199.
↑Statistisches Bundesamt (Hrsg.):Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995,ISBN 3-8246-0321-7.
↑abHans-Heinz Schütt:Auf Schild und Flagge - Die Wappen und Flaggen des Landes Mecklenburg-Vorpommern und seiner Kommunen. Hrsg.: produktionsbüro TINUS; Schwerin. 2011,ISBN 978-3-9814380-0-0,S.281/282.