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DSM-5

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition
(DSM-5)
AutorAmerican Psychiatric Association (APA)
OriginalspracheEnglisch
SerieDiagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders
Veröffentlichung 18. Mai 2013
MediumBuch,eBook
Zweck MedizinischeKlassifikation
ISBN978-0-89042-554-1
VorgängerDSM-IV-TR
NachfolgerDSM-5-TR
Text der DSM-5archive.org im Textarchiv – Internet Archive

DSM-5 bezeichnet die fünfte Auflage desDiagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM;englisch für „Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen“). Das DSM stellt das dominierende psychiatrischeKlassifikationssystem in denUSA dar und spielt dort eine zentrale Rolle bei der Definition vonpsychischen Erkrankungen. Es wird von derAmerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft (APA) herausgegeben.

2022 wurde die überarbeitete FassungDSM-5-TR (Text Revision) veröffentlicht.[1] Die Text Revision ist seitdem die aktuell gültige und für die psychiatrische Diagnostik verbindliche Ausgabe.[2]

Damit eine Störung gemäß dem DSM-5 alspsychische Störung eingestuft wird, muss dieseandauernd oderwiederkehrend sein. Die Symptome dürfen außerdem nicht auf eine Droge oder ein Medikament zurückzuführen sein und müssen in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen verursachen. Normale Trauer und sozial abweichendes Verhalten (im politischen, sexuellen oder religiösen Sinne) sind nicht als psychische Störung zu werten (siehe auchGrundsätzliches zum DSM).[3]

Entwicklung

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Die Arbeit am DSM-5 begann 1999. Ab 2000 war Darrel Regier als Forschungsdirektor der APA verantwortlich für die Koordination der Vorbereitungsarbeiten. Seit 2004 gibt es eine eigene Website. Seit 2006 steht die DSM-5-Arbeitsgruppe unter Leitung von David Kupfer, Stellvertreter ist Darrel Regier. Seit 2007 trafen sich regelmäßig Arbeitsgruppen (sog.Task Forces) zu den verschiedenen diagnostischen Kategorien. Außerdem wurden die Forschungsergebnisse zahlreicher Konferenzen und Kongresse eingearbeitet.[4]

Von Beginn der Entwicklung an war auch eine enge Abstimmung mit derICD-11 geplant. Im Mai 2013 wurde die endgültige DSM-5-Fassung schließlich veröffentlicht und löste damit das DSM-IV von 1994 ab.[5][6]

Aufbau

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Das aktuelle DSM-5 ist in folgende Kategorien gegliedert:

  1. Störungen der neuronalen und mentalen Entwicklung
  2. Schizophrenie-Spektrum und andere psychotische Störungen
  3. Bipolare und verwandte Störungen
  4. Depressive Störungen
  5. Angststörungen
  6. Zwangsstörung und verwandte Störungen
  7. Trauma- und belastungsbezogene Störungen
  8. Dissoziative Störungen
  9. Somatische Belastungsstörung und verwandte Störungen
  10. Fütter- und Essstörungen
  11. Ausscheidungsstörungen
  12. Schlaf-Wach-Störungen
  13. Sexuelle Funktionsstörungen
  14. Geschlechtsdysphorie
  15. Disruptive, Impulskontroll- und Sozialverhaltensstörungen
  16. Störungen im Zusammenhang mit psychotropen Substanzen und abhängigen Verhaltensweisen
  17. Neurokognitive Störungen (NCD)
  18. Persönlichkeitsstörungen
  19. Paraphile Störungen
  20. Andere psychische Störungen
  21. Medikamenteninduzierte Bewegungsstörungen und andere unerwünschte Medikamentenwirkungen
  22. Andere klinisch relevante Probleme

Veränderungen

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Veränderungen im DSM-5 betreffen z. B.:

Nach wie vor keine Diagnosen sind:Burnout-Syndrom,komplexe posttraumatische Belastungsstörung undInternetabhängigkeit.[8]

DSM-5-TR

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Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition, Text Revision
(DSM-5-TR)
AutorAmerican Psychiatric Association (APA)
OriginalspracheEnglisch
SerieDiagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders
Veröffentlichung 18. März 2022
MediumBuch,eBook
Zweck MedizinischeKlassifikation
ISBN978-0-89042-576-3
Vorgänger DSM-5
Text der DSM-5-TRarchive.org im Textarchiv – Internet Archive

Im März 2022 wurde eine Revision der DSM-5 alsDSM-5-TR veröffentlicht, in der die diagnostischen Kriterien aktualisiert wurden.[9] Die Entwicklung der DSM-5-TR wurde durch die Mitwirkung von mehr als 200 Experten realisiert und beinhaltet den vollständig überarbeiteten Text sowie die Referenzen des DSM-5.[10]

Die Diagnosekriterien u. a. für dieVermeidend-restriktive Ernährungsstörung wurden geändert und dieanhaltende Trauerstörung in die Revision aufgenommen.[11] Für die anhaltende Trauerstörung, die bereits imICD-11 enthalten ist, wurden die Kriterien in einem von der APA durchgeführten eintägigen Workshop im Konsens festgelegt.[12] Eine im Jahr 2022 durchgeführte Studie kommt zu dem Schluss, dass die in der ICD-11 höhere Diagnoserate für anhaltende Trauer auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass die Symptome gemäß den DSM-5-TR-Kriterien über einen Zeitraum von 12 Monaten anhalten müssen, während sie in der ICD-11 nur 6 Monate lang bestehen müssen.[13]

Kritik

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Die Anzahl der im DSM aufgeführten Krankheiten und Störungen ist stetig von 106 (DSM-I) auf 374 (DSM-5) angestiegen.[14]

Dies könnte u. a. daran liegen, dass viele der ins DSM-5 neu aufgenommenen Diagnosen möglicherweise wissenschaftlich nicht genug überprüft und die Schwellwerte für ältere Diagnosen gesenkt wurden.[15] Eine Studie derUniversity of Massachusetts Boston fand heraus, dass 69 % der DSM-5-Mitarbeiter Verbindungen zur Pharmaindustrie hatten; bei der Arbeitsgruppe zuaffektiven Störungen (englischmood disorders) waren es 83 % und bei den fürSchlafstörungen zuständigen Autoren waren es 100 %.[16]

Durch die Möglichkeit, jede Verhaltensauffälligkeit als „milde“ Störung zu diagnostizieren, befürchten Kritiker eine Inflation von Diagnosen, die den Betroffenen dann lebenslang anhängen können.[17][18] Prominentester Kritiker ist der US-amerikanische PsychiaterAllen Frances, der ehemalige Vorsitzende der DSM-IV-Kommission.[19] Auch dasNational Institute of Mental Health (NIMH) mit ihrem LeiterThomas Insel kritisiert das DSM-5 für einen Mangel anValidität, obwohl er dessen hoheReliabilität als Stärke anerkennt.[20]

Literatur

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Offizielle Ausgaben derAmerican Psychiatric Association (APA)

Deutsche Ausgaben

Weblinks

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Einzelnachweise

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  1. Michael B. First, Lamyaa H. Yousif, Diana E. Clarke, Philip S. Wang, Nitin Gogtay, Paul S. Appelbaum:DSM‐5‐TR: overview of what’s new and what’s changed. In:World Psychiatry.Band 21,Nr. 2, Juni 2022,S. 218–219,doi:10.1002/wps.20989,PMID 35524596,PMC 9077590 (freier Volltext). 
  2. About DSM-5-TR. In: psychiatry.org. American Psychiatric Association (APA), abgerufen am 20. April 2025 (englisch). 
  3. Peter Falkai, Hans-Ulrich Wittchen (Hrsg.):Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen DSM-5. Hogrefe, 2015,ISBN 978-3-8017-2599-0,S. 26–27. 
  4. DSM History. In: psychiatry.org. American Psychiatric Association (APA), abgerufen am 20. April 2025 (englisch). 
  5. DSM-5: The Future of Psychiatric Diagnosis (Memento vom 30. Januar 2013 imInternet Archive) – offizielle DSM-5 Entwicklungswebsite
  6. Markus Jäger (2015):Aktuelle psychiatrische Diagnostik. Kapitel 2.5 - Überblick über die psychiatrische Diagnostik im DSM-5 (S. 38). Thieme Verlag.ISBN 978-3-13-200531-0.
  7. Eva Asselmann, Psychotherapeutenkammer Hamburg (2014):DSM-5 – Wesentliche Neuerungen und Implikationen für ICD-11 (Memento desOriginals vom 16. Januar 2019 imInternet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäßAnleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www2.ptk-hamburg.de (Folie 10).
  8. Anna M. Ehret (2013):DSM-IV und DSM-5: Was hat sich tatsächlich verändert? (Review). In:Verhaltenstherapie.Band 23,Nr. 4,S. 258–266,doi:10.1159/000356537 (karger.com [PDF]). 
  9. APA - DSM - Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. Abgerufen am 20. April 2025. 
  10. American Psychiatric Association: APA veröffentlicht Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen, Fünfte Ausgabe, Textrevision (DSM-5-TR). Abgerufen am 20. April 2025. 
  11. Jelena Kecmanovic, Cara Rosenbloom, Angela Haupt, Allyson Chiu:Prolonged grief disorder recognized as official diagnosis. Here’s what to know about chronic mourning. In:The Washington Post. 21. Oktober 2021,ISSN 0190-8286 (washingtonpost.com [abgerufen am 20. April 2025]). 
  12. APA Offers Tips for Understanding Prolonged Grief Disorder. American Psychiatric Association (APA), 22. September 2021, abgerufen am 20. April 2025 (englisch). 
  13. Supplemental Material for Same Name, Same Content? Evaluation of DSM-5-TR and ICD-11 Prolonged Grief Criteria. Abgerufen am 20. April 2025. 
  14. James Davies:Cracked: Why Psychiatry is Doing More Harm Than Good. Icon Books, London 2013.
  15. Allen Frances: Psychologists Start Petition Against DSM 5. Psychology Today, abgerufen am 23. Januar 2017. 
  16. Lisa Cosgrove, Sheldon Krimsky:A Comparison of DSM-IV and DSM-5 Panel Members' Financial Associations with Industry: A Pernicious Problem Persists. In:PLoS Medicine.Band 9,Nr. 3, 13. März 2012,ISSN 1549-1676,S. e1001190,doi:10.1371/journal.pmed.1001190,PMID 22427747,PMC 3302834 (freier Volltext) – (plos.org [abgerufen am 16. Dezember 2023]). 
  17. Alenka Tschischka:Heiß diskutiert: DSM-V. In:report psychologie.Band 38,Nr. 5, 2013,S. 214. 
  18. «Wir haben die Unreife von Kindern in Krankheit verwandelt». derbund.ch, 4. Januar 2014, abgerufen am 20. Januar 2015. 
  19. Frank Jacobi, Wolfgang Maier, Andreas Heinz:Diagnostic and Statistical Manual Of Mental Disorders: Hilfestellung zur Indikation. In:Ärzteblatt. Jg. 110,Nr. 49, 2013 (online [PDF; abgerufen am 20. Januar 2015]). 
  20. Thomas Insel: Director’s Blog: Transforming Diagnosis. National Institute of Mental Health, 29. April 2013, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 29. Mai 2013; abgerufen am 11. Juni 2017 (englisch): „The goal of this new manual, as with all previous editions, is to provide a common language for describing psychopathology. While DSM has been described as a “Bible” for the field, it is, at best, a dictionary, creating a set of labels and defining each. The strength of each of the editions of DSM has been “reliability” – each edition has ensured that clinicians use the same terms in the same ways. The weakness is its lack of validity.“ 
Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient weder der Selbstdiagnose noch wird dadurch eine Diagnose durch einen Arzt ersetzt. Bitte hierzu denHinweis zu Gesundheitsthemen beachten!
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