Dieser Artikel behandelt den Wassermangel – zu anderen Bedeutungen sieheDürre (Begriffsklärung).
Hydrologische Dürre des Belesar-Stausees beiPortomarín, die älteren Brücken sind nur wegen des niedrigen Wasserstandes des Belesar-Stausees während der Trockenheit in Spanien im Sommer 2005 zu sehenBoden eines ausgetrockneten Sees
Dürre (wie mittelhochdeutschdürre, ‚Trockenheit‘, von althochdeutschdurri und älterthurri ‚dürr‘, ‚trocken‘, verwandt mit „Durst“[1]) ist ein extremer, über einen längeren Zeitraum vorherrschender Zustand, in dem weniger Wasser oder Niederschlag verfügbar ist als erforderlich. Dürre ist nicht nur einphysikalisches Phänomen, sondern auch ein Wechselspiel zwischen der Verfügbarkeit und dem Wasserbedarf vonOrganismen. Dürre tritt oft in Gegenden auf, woKontinentalklima herrscht.
Im Allgemeinen werden vier Typen von Bedingungen als Dürre bezeichnet:[4]
Meteorologische Dürre respektiveklimatologische Trockenheit entsteht, wennNiederschlag über einen längeren Zeitraum unterdurchschnittlich fällt.
Hydrologische Dürre ist zu verzeichnen, wenn dieWasserstände der Gewässer unter einen Normalwert fallen (Niedrigwasser) und die Wasserreserven in denSeen,Wasserreservoirs oderWasserspeichern unter den statistischen Durchschnitt fallen. Die Form ist die langfristigere Folge der meteorologischen Dürre.
Bodentrockenheit und in FolgeLandwirtschaftliche Dürre ist gegeben, wenn ein Wassermangel in der Wurzelschicht desBodenprofils herrscht, und es zu wenig Wasser für eine durchschnittliche landwirtschaftliche Produktion vonNutzpflanzen gibt. Das kann an langedauernd zu wenig Niederschlag liegen, aber auch andere Gründe für absinkendenGrundwasserspiegel haben (wiezu hohe Entnahme, Verlagerung vonGrundwasserströmen), aber auch ein prinzipiellesbodenkundliches Charakteristikum eines Bodens oder Landstrichs sein (siehe auchTurgeszenz,Turgor;Welke).
Sozio-ökonomische Dürre herrscht schließlich, wenn durch Wassermangel in Flüssen o. ä. Warentransportketten oder Energieversorgung eingeschränkt werden.[5]
AlsBlitzdürre (flash drought) werden abrupt auftretende, schwer prognostizierbare Dürren bezeichnet, die durch eine Überschneidung mehrerer Extremwetterereignisse (z. B. hohe Temperaturen, kein Niederschlag, starke Winde) auftreten können.[7][8][9]
AlsMegadürre bezeichnet man eine über einen Zeitraum von mindestens einem Jahrzehnt anhaltende Dürre oder, allgemeiner, besonders intensive oder lang anhaltende Dürren.[10]
die Belieferung vonSteinkohlekraftwerken per Schiff wird bei niedrigen Wasserständen aufwändiger (dieFrachtschiffe können nicht voll beladen werden)
Wärmekraftwerke müssen, vor allem im Sommer, ihre Leistung drosseln (zum einen haben sie mengenmäßig zu wenig Kühlwasser; zum anderen darf das Kühlwasser beim Zurückfließen in den Fluss nur eine gewisse Maximaltemperatur haben. Je wärmer das Wasser vor Entnahme schon ist, desto weniger Kühlleistung kann es erbringen).[12]
Das analysierte Dürreszenario erstreckt sich über sechs Jahre und leitet sich aus der extremen Dürreperiode in Deutschland in den Jahren 1971 bis 1976 ab. Für dieses Ereignis wurde eine Wiederkehrwahrscheinlichkeit von etwa 450 Jahren abgeschätzt. Aufgrund von Hitzewelle und Kälteperiode wurde eine erhöhte Mortalität ermittelt. Die untersuchten Auswirkungen des Dürreszenarios auf kritische Infrastrukturen in Deutschland erbrachten eine Vielzahl von Hinweisen auf erkannte Defizite und Verbesserungsvorschlägen.
Drei Millionen Menschen starben an Unterernährung, ebenfalls drei Millionen an Cholera. 36 Millionen Menschen waren insgesamt von der Katastrophe betroffen.[15]
1930–1938
Drei Dürrejahre (1930, 1935, 1937) innerhalb eines Jahrzehnts inNordamerika, die alsDust Bowl bezeichnet werden.
Missernten, Entvölkerung einiger Landstriche im Mittleren Westen.[15]
1473 gab es eine 14 Monate lang dauernde Dürre in West-, Mittel- und Osteuropa (Dürre in Europa 1473).[23]
DieDürre von 1540 wird von einigen Autoren als „die schlimmste Dürre des Jahrtausends in Deutschland“ beschrieben, von anderen wird diese These allerdings bezweifelt.[18][24] Eine Untersuchung ergab, dass es in dieser Zeit über 11 Monate kaum regnete, ein Ereignis, das durch heutige Klimamodelle nicht simuliert werden kann.[25] Die Temperaturen sollen fünf bis sieben Grad über dem Mittel des 20. Jahrhunderts gelegen haben.[26]
1857 hatte eine Dürre imEmsland erhebliche Auswirkungen.[27][28]
Im 20. Jahrhundert gab es mehrere Jahre mit außergewöhnlich niedrigen Niederschlägen. Lt. den Wetterstatistiken war im Jahr 1911 dertrockenste Sommer (mit 124,0 mm) und 1959 war dastrockenste Jahr (mit 551,6 mm)[29]. Daneben gab es noch zwei weitere Jahre, in denen es wegen zu geringer Niederschläge erhebliche Ernteausfälle gab: 1947 und 1976[30].
In Deutschland war das erste Halbjahr 2011 extrem trocken.[31]
Das Wetter in den Monaten März, April und Mai („Frühjahr“) 2011 fasste derDeutsche Wetterdienst u. a. so zusammen:[32]
„Mit 10,1 Grad Celsius zweitwärmstes Frühjahr seit 1881“ („2,4 Grad höher als der Klimawert von 7,7 °C“)
„der sonnigste Frühling seit Beginn der Sonnenscheinmessungen im Jahr 1951.“ (699 Stunden - gut 50 Prozent über dem langjährigen Mittel von 459 Stunden)
„Extreme Trockenheit, besonders in der Mitte Deutschlands“
„Mit im Mittel spärlichen 88 Litern pro Quadratmeter (l/m²) - im Durchschnitt fallen sonst 186 l/m² - erlebte Deutschland den zweittrockensten Frühling seit Beginn der Messungen vor 130 Jahren. Den meisten Regen erhielten noch die Gebiete am unmittelbaren Alpenrand. … Am trockensten war es im südlichen Rheinland-Pfalz, im nördlichen Baden-Württemberg, in Hessen, in Unterfranken und im südlichen Thüringen. … Vor allem die Landwirtschaft litt unter der großen Dürre. So waren die Wiesen zwar früh schnittreif, die Erträge an Heu und Gras-Silage aber nur gering. Das Getreide blieb im Wuchs zurück und zeigte Ende Mai deutliche Anzeichen derNotreife. Im Mai waren diePegel der meisten deutschen Flüsse so niedrig wie seit etwa 100 Jahren nicht mehr zu dieser Jahreszeit.“
Eine weitere Trockenheit gab es im Herbst 2011. September und Oktober brachten unterdurchschnittliche Niederschläge; der November war gebietsweise der trockenste November seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Im Jahr 2018 kam es zu derDürre und Hitze in Europa 2018, die u. a. in Deutschland großflächig schwere gesellschaftliche Folgen verursachte. Es kam zu großen Ernteausfällen, Niedrigwasser samt Transportproblemen über Wasserstraßen und zu zahlreichen Waldbränden. In Teilen Deutschlands, insbesondere Teilen von Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Frankens, setzte sich diese Dürre bis mindestens Sommer 2022 fort. In anderen Landesteilen löste sich die 2018 begonnene Dürre im Laufe des niederschlagsreichen Jahres 2021 auf. Dort bildete sich ab dem deutlich zu trockenen und zu warmen Winter 2021/22 eine neue Dürre aus.[33]
Von lang andauernden Trockenzeiten, die über das durchschnittliche Maß hinausgehen, sind in Europa vor allem dieMittelmeerländer betroffen.
2007 kam es inGriechenland, Spanien undPortugal zu monatelangen Dürren und zahlreichenWaldbränden. Stellenweise fiel fast der gesamte Wald den Flammen zum Opfer, was teilweise auf Brandlegungen derBodenspekulation zurückgeht. Neue Gesetze für ein langjährigesBauverbot sollen dies verhindern.
In weiten TeilenSpaniens herrschte von Frühjahr 2007 bis 2010 extreme Dürre – in einigenProvinzen regnete es 18 Monate lang nicht. DerNiederschlag war 2007/08 regional sehr unterschiedlich verteilt: während am Mittelmeer die 1½-jährige Dürre herrschte, gab es im April 2008 Überschwemmungen inAndalusien und in den spanischen Nordprovinzen.
Die regionalen Behörden bekämpften denTrinkwassermangel an der Küste mitEntsalzungsanlagen, was allerdings für dieBewässerung der Kulturen nicht ausreichte. Ab Beginn 2008 wurde daher der Einsatz vonTankschiffen geplant und an dieEU-Solidarität appelliert. Die wasserreicheren Nordprovinzen lehnten einen Wassertransport in den Süden ab.[34]
Tim Smedley:Die große Trockenheit: Hitze, Dürre, Wassernot: Was kann die Welt noch vor dem Verdursten retten? Wilhelm Ludwig Verl., München 2023,ISBN 978-3-453-28158-5.
Ute Scheub, Stefan Schwarzer:Aufbäumen gegen die Dürre: Wie uns die Natur helfen kann, den Wassernotstand zu beenden: Alles über regenerative Landwirtschaft, Schwammstädte, Klimalandschaften & Co. oekom Verl., München 2023,ISBN 978-3-98726-020-9.
Robert K. Booth u. a.:A severe centennial-scale drought in midcontinental North America 4200 years ago and apparent global linkages. In:The Holocene. Band 15, 2005, S. 321–328 (doi:10.1191/0959683605hl825ft).
John McK. Camp II:A Drought in the Late Eighth Century B. C. In:Hesperia. Band 48, 1979, S. 397–411 (doi:10.2307/147843).
Benjamin I. Cook:Drought - An Interdisciplinary Perspective. Columbia University Press, New York 2019,ISBN 978-0-231-17689-7.
Tuyen Ha Van, Juliane Huth, Felix Bachofer, Claudia Kuenzer: A Review of Earth Observation-Based Drought Studies in Southeast Asia. Remote Sensing, 14 (15), 2022, S. 3763–3794,doi:10.3390/rs14153763, ISSN 2072-4292.
↑Eine übersichtliche gut illustrierte Erläuterung zur Unterscheidung klimatischer Trockenheit, Bodentrockenheit, und hydrographischer Trockenheit (Niedrigwasser) siehe etwaSucho (Memento vom 16. Oktober 2015 imInternet Archive), Tschechisches Hydrometeorologisches Institut (chmi.cz, auf Tschechisch).
↑Xing Yuan, Yumiao Wang, Peng Ji, Peili Wu, Justin Sheffield, Jason A. Otkin:A global transition to flash droughts under climate change. In:Science.Band380,Nr.6641, 14. April 2023,ISSN0036-8075,S.187–191,doi:10.1126/science.abn6301 (science.org [abgerufen am 15. April 2023]).
↑Michael Marshall: Die Megadürre, die vielleicht keine war. In: spektrum.de. 10. Februar 2022, abgerufen am 12. Februar 2022 (der Artikel bestätigt Dürre-Erignisse in erwähntem Zeitraum und Region und stellt nur in Frage, ob diese global waren).
↑abcdeKarsten Schwanke, Nadja Podbregar, Dieter Lohmann, Harald Frater:Naturkatastrophen. Wirbelstürme, Beben, Vulkanausbrüche – Entfesselte Gewalten und ihre Folgen, Springer-Verlag Berlin und Heidelberg 2009,ISBN 978-3-540-88684-6, S. 193 (Auflistung „historisch bedeutsamer Dürren“ ohne detailliertere Information und ohne Quellenangaben).
↑Amartya Sen:Poverty and famines: an essay on entitlement and deprivation. Oxford University Press, New York 1981,ISBN 0-19-828426-8,S.39 (englisch,eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
↑Andrew Robinson:Erdgewalten Erdbeben, Unwetter und andere Katastrophen. vgs Verlagsgesellschaft, Köln 1994,ISBN 3-8025-1280-4, S. 203–206.
↑Oldrich Rakovec, Luis Samaniego, Vittal Hari, Yannis Markonis, Vojtěch Moravec, Stephan Thober, Martin Hanel, Rohini Kumar:The 2018–2020 Multi-Year Drought Sets a New Benchmark in Europe. In:Earth’s Future. 15. März 2022,doi:10.1029/2021EF002394.
↑Chantal Camenisch, Rudolf Brázdil, Andrea Kiss, Christian Pfister, Oliver Wetter, Christian Rohr, Antonio Contino, Dag Retsö:Extreme heat and drought in 1473 and their impacts in Europe in the context of the early 1470s. In:Regional Environmental Change.Band20,Nr.1, 10. Februar 2020,ISSN1436-378X,S.19,doi:10.1007/s10113-020-01601-0.
↑Büngten et al.:Commentary to Wetter et al. (2014): Limited tree-ring evidence for a 1540 European ‘Megadrought’. In:Climatic Change.Band131,Nr.2, Juli 2015,S.183–190,doi:10.1007/s10584-015-1423-1 (englisch).
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↑Sylke Tempel und Tobias Kaufmann "Die Tagesschau - Das große Deutschlandbuch" Rowohlt Berlin,ISBN 978-3-87134-687-3, Seite 268
↑Stephanie Hänsel, Andreas Hoy, Christoph Brendel, Maurizio Maugeri: Record summers in Europe: Variations in drought and heavy precipitation during 1901–2018. In: International Journal of Climatology. Oktober 2021,doi:10.1002/joc.7587