Curt Theodor Schimmelbusch (*16. November1860 inGroß Nogath,Kreis Graudenz,Westpreußen; †2. August1895 inBerlin) war ein deutscher Chirurg.[1]
Curt Schimmelbusch studierte zunächst von 1879 bis 1882 Naturwissenschaften an derAlbert-Ludwigs-Universität Freiburg und derLudwig-Maximilians-Universität München. Er wechselte zur Medizin an derJulius-Maximilians-Universität Würzburg, derFriedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin und derFriedrichs-Universität Halle. In Halle wurde er 1886 zumDr. med.promoviert.[2] Anschließend war er als Assistent beiKarl Joseph Eberth im Anatomischen Institut tätig. Ab 1888 war er Assistent im Bürgerhospital in Köln beiBernhard Bardenheuer und ab 1889 in Berlin beiErnst von Bergmann. 1892habilitierte er sich.
Nach ihm ist die ab den 1890er Jahren allgemein eingeführteSchimmelbusch-Maske benannt. Es handelt sich dabei um eine Modifikation der 1862 von dem Geburtshelfer Thomas Skinner[3] erfundenen Äther-Tropf-Maske in Form einer sterilisierbaren Maske aus Drahtgeflecht mit einem dazwischen einlegbarenGazestück.[4] Sie dient dazu, auf hygienische WeiseÄther vor dem Gesicht des Patienten zu verdampfen, wodurch die Äthernarkose (bzw.Äthertropfnarkose) durch Inhalation zustande kommt. Auch in der Instrumentenaufbereitung, d. h. der Sterilisation von Instrumenten und anderen Medizinprodukten, ist der Name Schimmelbusch ein Begriff. Ab 1886 führte Schimmelbusch an der Klinik von Bergmann unter anderem mit Sterilisationsmöglichkeiten für Instrumente und Verbandsmaterialien, steriler Operationskleidung und Händedesinfektion die aus derAntisepsis hervorgegangeneAsepsis ein.[5] Damit erfolgte auch durch Ernst von Bergmann und Curt Schimmelbusch die allgemeine Einführung der Dampfsterilisation in die Chirurgie.[6] Die von Schimmelbusch 1889 entwickelten Behälter für Instrumente und OP-Wäsche wurdenSchimmelbuschtrommeln genannt. Auf Basis dieser Behälter haben sich die heute verwendeten Container und Containersysteme entwickelt. Die von Schimmelbusch genutzte Sterilisermethode hat ihre Grundlage in der 1881 vonRobert Koch,Friedrich Loeffler undGeorg Gaffky publizierten grundlegenden Arbeit[7]Ueber die Verwerthbarkeit heißer Wasserdämpfe zu Desinfectionszwecken in denMitteilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamt.
Sterilisationsbehälter
Betäubungsmaske
- mit Karl Joseph Eberth:Blutplättchen und die Thrombose. Stuttgart 1888.
- mit Karl Joseph Eberth:Die Thrombose nach Versuchen und Leichenbefunden- Stuttgart 1888.
- Experimentelle Untersuchungen über die Thrombose. In:Virchows Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Medizin.Berlin.
- Über das Verhältnis der Thrombose zur Blutgerinnung. In:Virchows Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Medizin. Berlin.
- Die Zusammensetzung der Thrombus. In:Virchows Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Medizin. Berlin.
- Die Durchführung der Asepsis in der Klinik des Herrn Geheimrath von Bergmann in Berlin. In:Arch. klin. Chir. 1891, S. 123 ff.
- Anleitung zur aseptischen Wundbehandlung. Berlin 1892.
- Volker Hess: Schimmelbusch, Curt Theodor. In:Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005,ISBN 3-428-11203-2, S. 779 f. (Digitalisat).
- Christa Niedobitek, Fred Niedobitek:Genie ohne Ruhm. Biographien vonWalther Kausch,Franz Kuhn, Curt Schimmelbusch,Friedlieb Ferdinand Runge, Ernst Jeckeln,Friedrich Wegener. Jacobs, Lage 2010,ISBN 978-3-89918-186-9.
- J. Schnoor, A. Gohritz, P. M. Vogt:Curt Theodor Schimmelbusch (1860-1895) – Ein vergessener Wegbereiter der chirurgischen Asepsis, Wiederherstellungschirurgie und Anästhesie. Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 22. – 25. April 2008
- Julius Pagel:Schimmelbusch, Curt. In:Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Urban & Schwarzenberg, Berlin / Wien 1901,Sp. 1498–1499 (zeno.org).
- ↑Manfred Stürzbecher:Schimmelbusch, Curt Theodor. In:Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage,Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.):Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005,ISBN 3-11-015714-4, S. 1296.
- ↑Dissertation:Ueber Thrombose im gerinnungsunfähigen Blute.
- ↑Gabriele Stolecki, Dietmar Stolecki:Narkosearbeitsplatz. In: Lothar Ullrich Dietmar Stolecki, Matthias Grünewald (Hrsg.):[Thiemes] Intensivpflege und Anästhesie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart / New York 2005,ISBN 978-3-13-130910-5, S. 528–540, hier: S. 528.
- ↑Vgl. auch H. Orth, I. Kis:Schmerzbekämpfung und Narkose. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.):Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973,ISBN 3-87185-021-7, S. 1–32 (Äther), hier: S. 12.
- ↑Friedrich Wilhelm Gierhake:Asepsis. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.):Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973,ISBN 3-87185-021-7, S. 33–42, hier: S. 41.
- ↑Paul Diepgen,Heinz Goerke:Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 51.
- ↑Gundolf Keil:Robert Koch (1843–1910). Ein Essai. In:Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018 (2021), S. 73–109, hier: S. 86.
Personendaten |
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NAME | Schimmelbusch, Curt |
ALTERNATIVNAMEN | Schimmelbusch, Curt Theodor (vollständiger Name) |
KURZBESCHREIBUNG | deutscher Chirurg |
GEBURTSDATUM | 16. November 1860 |
GEBURTSORT | Groß Nogath, Westpreußen |
STERBEDATUM | 2. August 1895 |
STERBEORT | Berlin |