
Friedrich Victor Conradin Zschokke (*14. April1842 inSolothurn; †17. Dezember1918 inAarau) war einSchweizerBauingenieur,Bauunternehmer undPolitiker. Er war im BereichWasserbau aktiv und Gründer der Zschokke-Gruppe (spätere Zschokke-Holding, inzwischen aufgegangen in derImplenia). Zudem war er Mitglied imNationalrat, darunter 1902 alsNationalratspräsident, und im aargauischenGrossen Rat.
Conradin Zschokke wurde am 14. April 1842 Solothurn (nach anderen Angaben inAarau) als Sohn vonAlexander Zschokke geboren. Er studierte nach seinerMatura an derEidgenössischen Polytechnischen Schule (heuteETH Zürich) in ZürichBauingenieurwesen, 1862 erhielt er das Diplom.
Zunächst arbeitete Zschokke 1862 bei seinem OnkelOlivier Zschokke in der FirmaNaeff & Zschokke, ab 1864 in der FirmaAntoine Castor in Paris. Schon bald wurde ihm dort die Bauleitung für viele Brückenbauprojekte der Firma in Frankreich, Algerien und Österreich-Ungarn übertragen. Schon auf seiner ersten Baustelle lernte er eine Spezialtechnik, die sogenannteDruckluftgründung, kennen. Durch die Anwendung dieser Technik im Brücken- und Hafenbau erlangte er später Weltruf.
1867 heiratete Zschokke Arlesienne Eugénie Faure. Aus dieser Ehe gingen drei Söhne hervor, zwei starben jedoch schon im Kindesalter. Die Ehe wurde geschieden, er ehelichte nun seine vorherige Lebensgefährtin Antoinette Disque. Mit ihr bekam er 1870 einen weiteren Sohn. 1872 gründete er mit zwei seiner französischen Arbeitskollegen eine erste Bauunternehmung namensCastor, Hersent et Zschokke. Nach anderen Angaben gründete er erst 1876 mit seinem Werkführer die FirmaZschokke und Montagnier. Nach dem Tod Montagniers erfand Zschokke den erstenSchwimmbagger. In diesen Jahren baute er zahlreiche Brücken, in Deutschland vor allem an derDonau.
Im Jahr 1879 (nach anderen Angaben 1890) wechselte Zschokke wieder zurück in die Schweiz nachAarau und war als Bauingenieur bzw. Bauunternehmer tätig, mit Arbeitsgebiet Schweiz, wo er u. a. dasSuworow-Denkmal installierte.[1] Ansonsten war er auch in Italien (Regulierung desTiber) und Spanien tätig. Im Jahr 1890 wurde er an den Lehrstuhl für Wasserbau an dieEidgenössische Polytechnische Schule Zürich berufen, 1892 zum Professor ernannt, später auch zumDoktor honoris causa.

Er wurde in diesen Jahren zum Pionier der SchweizerWasserkraftwerke. Die Schweiz als rohstoffarmes Land war zur Entwicklung ihrer Industrie auf diese Art der Energieerzeugung angewiesen. 1897 wurde amHochrhein zwischen dembadischen Rheinfelden undRheinfelden in der SchweizEuropas erstes Flusskraftwerk, zugleich das erste Niederdruck-Wasserkraftwerk der Welt, nach Plänen von Zschokke errichtet. Auch dasWasserkraftwerk Hagneck amBielersee stammt von Zschokke.
1894 wurde Zschokke Mitglied desaargauischenGrossen Rates. Nach denParlamentswahlen 1899 war er bis 1917 auchNationalrat. Aufgrund dieses Mandats musste er 1899 seine Professur in Zürich aufgeben. 1902 amtierte er alsNationalratspräsident. Ab 1905 war er auch Präsident der Reorganisationskommission für das Eidgenössische Messwesen. 1909 gründete er dieAktiengesellschaft Conrad Zschokke. Vom Bundesrat der Schweiz wurde er 1910 zum ersten Präsidenten der Eidgenössischen Kommission für Mass und Gewicht (EKMG) ernannt.
Mit französischen Geschäftspartnern gründete er 1914 eine weitere Unternehmung, dieEntreprises de Grands Travaux Hydrauliques (EGTH) in Paris. Die technische Leitung der Wasserkraftwerksbauten dieser Firma lag aber weiterhin bei der Zschokke AG. Am 17. Dezember 1918 starb Zschokke im Alter von 76 Jahren in Aarau.
Nach dem Tod Zschokkes geriet die Firma aufgrund des Zusammenbruchs der Hauptaktionärin (Banque d’Escompte de Genève) in wirtschaftliche Schwierigkeiten. In der Nachkriegszeit erholte sich das Unternehmen aber wieder und expandierte weltweit. Nach und nach wurden zahlreiche Konkurrenzunternehmen übernommen.
Die weltweit tätigeZschokke-Gruppe (späterZschokke-Holding) mit den Geschäftsfeldern Generalplanung und-unternehmung, Bauproduktion sowie Immobiliendienstleistungen entwickelte sich mit einem Umsatz von zuletzt über 1,5 Milliarden Schweizer Franken zur mit Abstand grössten Schweizer Bauunternehmung.
Am 15. November 2005 gab die konzernleitendeZschokke Holding AG ihreFusion mit derBatigroup Holding AG rückwirkend zum 1. Januar 2006 zurImplenia AG bekannt. Die Fusion erfolgte mit einem zugrundegelegten Wertverhältnis von 65 Prozent für Zschokke und 35 Prozent für Batigroup. Die Implenia-Konzernleitung übernahm der bisherige Zschokke-Leiter Christian Bubb. Als Verwaltungsratspräsident eingesetzt wurdeAnton Affentranger, ehemals Zschokke-VR-Präsident.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Zschokke, Conradin |
| ALTERNATIVNAMEN | Zschokke, Friedrich Victor Conradin (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Bauingenieur und Bauunternehmer |
| GEBURTSDATUM | 14. April 1842 |
| GEBURTSORT | Solothurn |
| STERBEDATUM | 17. Dezember 1918 |
| STERBEORT | Aarau |