Condom befindet sich in der historischen RegionArmagnac im Herzen derGascogne, die vor allem wegen des dort produziertenWeinbrands, desArmagnac, weltbekannt ist. Die typische Kleinstadt der Gascogne liegt an derBaïse, einem Nebenfluss derGaronne. Die nächste größere Stadt istAgen, welche man in nordöstlicher Richtung über dieD931 nach circa 40 Straßenkilometern erreicht. Die nächsten französischen Großstädte sindToulouse (95 km) im Südosten undBordeaux (124 km) im Nordwesten.[1]
Der nächste internationale Flughafen ist derInternational Airport Toulouse-Blagnac und der nächste Bahnhof befindet sich inAgen an derTGV-StreckeParis–Toulouse. An das französische Fernstraßennetz ist Condom über dieA62 Toulouse-Nord–Bordeaux und die Ausfahrten 7 (Périgueux) bzw. 8 (Valence d’Agen) angebunden.
Nach der Besiedlung des Gebiets durch dieRömer entstand 1011 dieBenediktinerabteiSaint Pierre. Diese Abtei wurde 1317 durch ein päpstlichesEdikt zumBischofssitz ernannt, was es bis zurFranzösischen Revolution blieb. Die Kosten für den Aufbau hatte der Bischof vonAgen zu tragen. Während desHundertjährigen Kriegs wird die Stadt zweimal von den Engländern besetzt.
Mit dem Bau der KathedraleSaint Pierre wurde erst 1507 begonnen, sie ist die letzte Kathedrale, die im Languedoc-Stil erbaut wurde. Bereits kurz nach ihrer Fertigstellung wurde sie im Verlauf derReligionskriege schwer beschädigt.
Ihren Reichtum im 18. Jahrhundert verdankt die Stadt vor allem dem Handel, da sie von alters her an der Kreuzung mehrerer wichtiger Handelswege lag. Der Ausbau derBaïse als Wasserstraße ermöglichte den Export von Weinen und Spirituosen überBordeaux.
Um 1314 entstanden zweiHospize zur Betreuung für Jakobspilger, die erst im späten 15. Jahrhundert ihre Bedeutung verloren. Heute bietet der Ort eine Pilgerherberge (französisch:Gîte d’étape), Hotels und Privatzimmer (französisch:Chambre d’hôtes) sowie einen Campingplatz und eine Touristeninformation.
Der Weg führt weiter durch die Weinberge desArmagnac. Aber auch kleine Wälder, Sonnenblumen- und Getreidefelder säumen den Weg. Auf den Hügeln liegen typischeBastide-Dörfer wieMontréal-du-Gers undLarressingle. Der nächste größere Ort istEauze, der über die D931 nach circa 30 Straßenkilometern zu erreichen ist. Weitere Unterkünfte vor Montréal-du-Gers befinden sich in Larressingle.
In der Mitte des Orts ragt diespätgotischeCathédrale Saint-Pierre auf. Während derHugenottenkriege drohte die Hugenottenarmee 1569 mit der Zerstörung des Kirchenbaus, was von den Dorfbewohnern jedoch mit der Zahlung eines beträchtlichen Lösegelds verhindert werden konnte.
Unter den Patrizierhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert verdient vor allem dasHôtel de Cugnac mit seinem alten Weinlager (chai) und seiner Brennerei Erwähnung. Condom liegt im besten Anbaugebiet für dieArmagnac-Herstellung, daher gibt es auch ein Museum, das der Armagnac-Herstellung gewidmet ist (Musée de l’Armagnac). Ein weiteres Museum der Stadt, dasmusée du préservatif, widmet sich der Geschichte desKondoms, obwohl die Stadt eigentlich nichts mit seiner Entstehung zu tun hat.
Die wesentlichen Wirtschaftszweige waren im Jahr 2015 derDienstleistungssektor (ca. 76 %) und hier insbesondere der Handel und der Tourismus. In der Landwirtschaft sind nur noch circa 7 % der Bevölkerung tätig.[2] Ein großer Teil der industriellen Beschäftigung beruht auf der Lebensmittelindustrie. An landwirtschaftlichen Produkten werden erzeugt: Getreide, Obst und Wein. Im Bereich der Viehzucht werden Enten, Gänse und Rinder gehalten. Weiterhin werden der Weinbrand (Armagnac) und Stopfleber (Foie gras) erzeugt.[3]
Bettina Forst:Französischer Jakobsweg. Von Le Puy-en-Velay nach Roncesvalles. Alle Etappen – mit Varianten und Höhenprofilen. Bergverlag Rother, München (recte: Ottobrunn) 2007,ISBN 978-3-7633-4350-8 (Rother-Wanderführer).
Bert Teklenborg:Radwandern entlang des Jakobswegs. Vom Rhein an das westliche Ende Europas. (Radwanderreiseführer, Routenplaner). 3. überarbeitete Auflage. Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck 2007,ISBN 978-3-7022-2626-8.