Claus Roxin (*15. Mai1931 inHamburg; †18. Februar2025) war ein deutscherRechtswissenschaftler undHochschullehrer. Er gilt als einer der einflussreichstenDogmatiker des deutschenStrafrechts der Gegenwart und war national und international hoch angesehen. Insgesamt achtundzwanzig Universitäten verliehen ihm dieEhrendoktorwürde.
Claus Roxin wurde am 15. Mai 1931 als Sohn von Hans und Charlotte Roxin inHamburg geboren und verbrachte dort die Schulzeit. Nach dem Studium von 1950 bis 1954 an derUniversität Hamburg arbeitete Roxin als wissenschaftlicher Assistent amLehrstuhl vonHeinrich Henkel, wo er 1957 mit derDissertationOffene Tatbestände und Rechtspflichtmerkmalepromovierte und sich 1962 mit der StudieTäterschaft und Tatherrschafthabilitierte.[1]
Im Jahre 1963 wurde Roxin Professor an derGeorg-August-Universität Göttingen. Er zählt zu den Gründungsmitgliedern desArbeitskreises Alternativ-Entwurf, der 1966 unter seiner Mitarbeit den „Alternativ-Entwurf eines Strafgesetzbuches Allgemeiner Teil“ vorlegte.[2] Dieser im Rahmen derGroßen Strafrechtsreform beratene – für damalige Verhältnisse liberale und innovative – Alternativentwurf für den Allgemeinen Teil desbundesdeutschen Strafgesetzbuchs prägt das deutsche Strafrecht bis heute. Auch an allen folgenden Alternativ-Entwürfen dieses Arbeitskreises wirkte Roxin maßgeblich mit.[3]
Im Jahre 1971 wechselte Roxin von Göttingen an dieLudwig-Maximilians-Universität München. Dort forschte und lehrte er 28 Jahre alsOrdinarius für Strafrecht, Strafprozessrecht und allgemeine Rechtslehre. Ab 1974 war er Geschäftsführender Direktor des Instituts für die gesamten Strafrechtswissenschaften. Roxin wurde 1999 emeritiert.
Durch Gastauftritte in der FernsehreiheWie würden Sie entscheiden? wurde Roxin in den 1970er Jahren einem größeren Publikum bekannt.
Roxin war Mitherausgeber derZeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft, derNeuen Zeitschrift für Strafrecht und derZeitschrift für das Juristische Studium. Ab 1994 war er Mitglied derBayerischen Akademie der Wissenschaften.
Privat engagierte sich Roxin in der von ihm mitbegründetenKarl-May-Gesellschaft und war von 1971 bis 1999 Vorsitzender der Gesellschaft. 1999 wurde er zu ihremEhrenvorsitzenden ernannt.
Roxin war mit der Rechtsanwältin Imme Roxin verheiratet. Der Verbindung entstammen drei Kinder. Er starb am 18. Februar 2025 im Alter von 93 Jahren.[4]
Roxins Werk umfasst etliche Monografien und eine Vielzahl von Aufsätzen, Urteilsanmerkungen und Essays. Bezeichnend für Roxins Einfluss auf das deutsche Strafrecht ist das ungebrochene Interesse an seinen Schriften, die zu den Standardwerken der deutschen Strafrechtslehre zählen. SeineHabilitationsschriftTäterschaft und Tatherrschaft erschien als Klassiker der Allgemeinen Strafrechtslehre 2022 in der 11. Auflage.[5] Das von ihm 1967 übernommene Studienbuch zum Strafverfahrensrecht erschien zuletzt 2022 in 30. Auflage (seit der 26. Auflage 2009 bearbeitet von Bernd Schünemann).
Zu seinen wichtigsten Werken zählen:
- Offene Tatbestände und Rechtspflichtmerkmale. 2. Auflage. Verlag Cram, de Gruyter & Co., Hamburg 1970.
- Täterschaft und Tatherrschaft. 11. Auflage. Verlag de Gruyter, Hamburg 2022,ISBN 978-3-11-078162-5.
- Strafrecht, Allgemeiner Teil, Band I: Grundlagen. Der Aufbau der Verbrechenslehre. 4. Auflage. Verlag C. H. Beck, München 2006.
- Strafrecht, Allgemeiner Teil, Band II: Besondere Erscheinungsformen der Straftat. Verlag C. H. Beck, München 2003.
- Karl May, das Strafrecht und die Literatur. u. a. in:Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1978, S. 9–36. Für weitere Veröffentlichungen dieses Artikels siehehier (PDF, 585 kB).
Claus Roxin war national und international hoch angesehen[6] und bekam von 28 Universitäten dieEhrendoktorwürde verliehen:
- 19. Oktober 1984:Hanyang-Universität,Seoul,Südkorea
- 15. Juni 1989:Universität Urbino,Italien
- 19. Mai 1991:Universität Coimbra,Portugal
- 28. Januar 1994:Universität Complutense,Madrid,Spanien
- 15. Juni 1994:Universität Barcelona, Spanien
- 19. Oktober 1994:Universität Komotini,Griechenland
- 10. November 1997:Universität Athen, Griechenland
- 23. Oktober 1998:Universität Mailand, Italien
- 21. März 2000:Universität Lusíada,Lissabon, Portugal
- 4. September 2000:Nationales Institut für Strafrechtswissenschaft,Mexiko
- 16. November 2000:Universität Tabasco, Mexiko
- 18. Oktober 2001:Nationale Universität Córdoba,Argentinien
- 27. Mai 2003:Universidad del Norte,Asunción,Paraguay
- 27. Mai 2004:Universität Granada, Spanien
- 24. September 2007:Universidad Santa María,Caracas,Venezuela
- 25. September 2008:Universität Belgrad,Serbien
- 28. Januar 2009:Universität Huelva, Spanien
- 24. September 2009:Universität Andres Bello,Santiago de Chile/Viña del Mar,Chile
- 12. Oktober 2010:Universität San Marcos,Lima,Peru
- 30. Oktober 2012: Universität Gama Filho,Rio de Janeiro,Brasilien
- 7. November 2013:Universidad de Huánuco,Huánuco,Peru
- 1. September 2014:Universidade Presbiteriana Mackenzie,São Paulo,Brasilien
- 9. September 2014:Universidade do Estado do Rio de Janeiro,Rio de Janeiro, Brasilien
- 13. November 2014:Universität Pablo de Olavide,Sevilla, Spanien
- 6. September 2016:Universität Inca Garcilaso de la Vega, Lima, Peru
- 15. März 2017: Universität Libre,Bogotá,Kolumbien
- 13. November 2017: UniversitätGuanajuato,Mexiko
- 22. November 2021:Universidad Nacional del Altiplano de Puno, Peru.[7][8][9]
Claus Roxin war seit 1994 Träger des Ehrenkreuzes desOrden San Raimundo de Penafort, seit 2000 desVerdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (Verdienstkreuz 1. Klasse)[10] und seit 2023 desBayerische Verfassungsordens.[11]
Im Jahre 2002 wurde ihm dieBeccaria-Medaille in Gold und 2007 derMax-Friedlaender-Preis desBayerischen Anwaltverbandes verliehen.
Honorarprofessor war Roxin seit 19. Mai 2000 an derUniversidad de Lima (Peru), seit dem 27. November 2012 an derUniversidad Católica de Cuenca, (Ecuador), seit dem 6. März 2013 an derUniversidad Iberoamericana,Santo Domingo (Dominikanische Republik), seit dem 12. März 2013 an derUniversidad Autónoma de Santo Domingo (Dominikanische Republik) und seit dem 30. Oktober 2013 an derUniversidad Nacional del Nordeste,Corrientes (Argentinien).
- Bernd Schünemann (Hrsg.):Festschrift für Claus Roxin zum 70. Geburtstag am 15. Mai 2001. Verlag de Gruyter. Berlin, New York 2001,ISBN 3-11-016515-5.
- Bernd Schünemann (Hrsg.):Claus Roxin: Person – Werk – Epoche. Centaurus-Verlag. Herbolzheim 2003,ISBN 3-8255-0381-X.
- Hans Achenbach:Claus Roxin zum 75. Geburtstag. In:Neue Juristische Wochenschrift 2006, S. 1405.
- Jürgen Wolter u. a.:Festgabe für Claus Roxin zum 75. Geburtstag. In:Goltdammer’s Archiv für Strafrecht (Heft 5) 2006, S. 255–438.
- Manfred Heinrich,Christian Jäger,Hans Achenbach (Hrsg.), u. a.:Strafrecht als Scientia Universalis: Festschrift für Claus Roxin zum 80. Geburtstag am 15. Mai 2011. Band 1. Verlag de Gruyter. Berlin, New York 2011,ISBN 978-3-11-024010-8.
- Thomas Weigend:Claus Roxin zum 90. Geburtstag. In:Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft.Band 133,Nr. 2, 7. Juli 2021,ISSN 1612-703X,S. 281–286,doi:10.1515/zstw-2021-0010 (degruyter.com [abgerufen am 23. Oktober 2021]).
- ↑Datensatz der Dissertation auf d-nb.info (zuletzt abgerufen am 5. November 2020).
- ↑Arbeitskreis Alternativ-Entwurf:Alternativ-Entwurf eines Strafgesetzbuches – Allgemeiner Teil. Mohr Siebeck, Tübingen 1966 (der Entwurf wurde zunächst inüber 40 Einzelpublikationen vorgelegt).
- ↑Heike Jung:Auf den Spuren des Strafprozesskonzepts der Alternativ-Entwürfe, in:Goltdammer’s Archiv für Strafrecht 2016, S. 266.
- ↑Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Claus Roxin verstorben, karl-may-gesellschaft.de, 20. Februar 2025
- ↑Einordnung bspw. beiBernd Schünemann:Claus Roxin zum 70. Geburtstag, NJW 2001, 1476 oderHans Achenbach:Claus Roxin zum 75. Geburtstag, NJW 2006, 1405.
- ↑Interview with Claus Roxin for the greek journal "The Art of Crime". 8. März 2021, abgerufen am 8. März 2021.
- ↑Vita. Abgerufen am 14. Januar 2022.
- ↑Universidad Nacional del Altiplano Puno. Abgerufen am 14. Januar 2022.
- ↑Derecho - Facultad de Ciencias Jurídicas y Políticas de la Universidad Nacional del Altiplano de Puno - UNAP. Abgerufen am 14. Januar 2022.
- ↑Jürgen Seul: Ein Grenzgänger zwischen Strafrecht und Literatur. In: Legal Tribune Online. 23. April 2010, abgerufen am 28. November 2020.
- ↑Verleihung der Verfassungsorden 2023. In: bayern.landtag.de. 29. Februar 2024, abgerufen am 6. März 2024.
Personendaten |
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NAME | Roxin, Claus |
KURZBESCHREIBUNG | deutscher Strafrechtswissenschaftler |
GEBURTSDATUM | 15. Mai 1931 |
GEBURTSORT | Hamburg |
STERBEDATUM | 18. Februar 2025 |