Clarence Williams

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springenZur Suche springen
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum US-amerikanischen Schauspieler sieheClarence Williams III.
Chart­plat­zie­rungen
Erklärung der Daten
Singles[1]
’Tain’t Nobody’s Bizness If I Do
 R&B91924(1 Wo.)
Everybody Loves My Baby
 R&B101925(1 Wo.)
Cake Walkin’ Babies from Home
 R&B131925(1 Wo.)
Baby, Won’t You Please Come Home
 R&B131927(2 Wo.)

Clarence Williams (*8. Oktober1893[2] inPlaquemine,Louisiana; †6. November1965 inQueens,New York) war einUS-amerikanischer Jazzpianist, Sänger, Komponist sowie Plattenproduzent, Musikverleger und -agent.

Inhaltsverzeichnis

Leben

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Williams, der indianischer (Choctaw) undkreolischer Herkunft war, wurde in Plaquemine nahe New Orleans geboren. Sein Vater war Bassist, der ein kleines Hotel betrieb, so dass Clarence Williams seine ersten musikalischen Erfahrungen mit Auftritten im elterlichen Hotel sowie alsStraßenmusiker sammelte. 1906 kam Williams nach New Orleans. Im Alter von zwölf Jahren verließ er sein Elternhaus und zog mit Billy Kersands’Minstrelshow als Sänger durch die Gegend. Bereits kurz darauf übernahm er bei den Auftritten der Gruppe die Moderation.

Nachdem Williams nach New Orleans zurückgekehrt war, gründete er eine Firma für die Anzugreinigung für die zahlreichen stilbewussten Klavierlehrer der Stadt. Er spielte Klavier in denHonky-Tonks des StadtbezirkesStoryville. In diesem legendären Rotlichtdistrikt gab Williams, der nicht für Zurückhaltung bekannt war, an, dass er stark von dem einflussreichenRagtime-PianistenTony Jackson, dem Komponisten von „Pretty Baby“, beeinflusst war. Williams spielte in dieser Zeit unter anderem als Berufspianist mitSidney Bechet undBunk Johnson.

Williams verwandte einen Großteil seiner Zeit darauf, sich mit den aktuellen Strömungen der Musik zu beschäftigen und schrieb regelmäßig nach New York, um sich die neuesten Lieder zusenden zu lassen. In dieser Zeit gründete er ein eigenes Kabarett und schrieb seine erste kommerziell vermarktete KompositionBrownskin, Who You for?, die beiColumbia Records erschien. Nach seiner eigenen Aussage war sein Honorar für dieses Lied in Höhe von 1.600 Dollar die höchste Summe, die bis dahin je irgendjemand in New Orleans für einen Song erhalten hatte.

Um 1915 gründete er gemeinsam mitArmand Piron in New Orleans einen Musikverlag, der für mehrere Jahre im Geschäft bleiben sollte. Piron war ein Bandleader, dessen bekannteste Komposition das LiedI Wish I Could Shimmy Like My Sister Kate war. 1917 stellte er mit Williams zusammen ein Bühnenprogramm auf die Beine, in welchem Piron Geige spielte und Williams als Pianist und Sänger auftrat. Während ihrer Auftritte kamen sie in Kontakt mitW. C. Handy, der ihnen half, einige ihrer Kompositionen in Musikläden inMemphis (Tennessee) zu verkaufen. Als ein wichtiges Konzert in Atlanta von einem schwarzen Publikum auf weißes Publikum umgebucht wurde, weil so viele Weiße an der Musik interessiert waren, bat Handy Williams und Piron, mit ihm zusammenzuarbeiten, um das Programm weiter zu verbessern. Das Konzert wurde ein Triumph und das New Orleanser Duo beendete die bisherige Tournee.

Seit dieser Zeit beansprucht Williams für sich, der erste Songwriter gewesen zu sein, der das Wort „Jazz“ auf einem gedruckten Notenblatt verwendet zu haben, seine Visitenkarten bezeichneten ihn fortan als „Der Begründer von Jazz und Boogie Woogie“ („The Originator of Jazz and Boogie Woogie.“). Williams’ Partner bei vielen Liedern dieser Zeit wurdeSpencer Williams (der allerdings nicht mit ihm verwandt war). Ihre StückeI Ain’t Gonna Give Nobody None o’ This Jelly-Roll undRoyal Garden Blues wurden zu Klassikern des Dixieland-Stils.

„Wild Cat Blues“ von Clarence Williams und Sidney Bechet in der Version von Chris Barber’s Jazz Band (1957)

NachdemStoryville geschlossen worden war und die neueren Talente jetzt eher in den nördlichen Städten zu finden waren, zog Williams im Jahr 1920 von New Orleans nach Chicago. In der Nähe des Vendome Theaters eröffnete er hier einen Musikladen, der sich als so erfolgreich erwies, dass ihm bald zwei weitere Musikgeschäfte in der Stadt gehörten. In diesem Jahr nahmMamie Smith Perry Bradfords LiederCrazy Blues undIt’s Right Here For You auf, und als das Publikum, das hier erstmals eine schwarze Frau Blues singen hörte, mehr davon wollte, sah Williams eine neue Geschäftsidee und vermarktete hinfort Aufnahmen schwarzer Bluessängerinnen.

Im Jahr 1921 heiratete Williams die BluessängerinEva Taylor. Sie war eine der ersten weiblichen Bluessängerinnen, die im Radio auftrat,[3] ihre Darbietungen und ihr Stil beeinflussten viele spätere Gesangsstars. Unter den Liedern, die sie und ihr Ehemann produzierten und aufführten, war auch das LiedMay We Meet Again, geschrieben „in Erinnerung an unsere verehrteFlorence Mills“, einer der populärsten schwarzen Bühnenstars dieser Zeit.

Williams hatte das Marktpotential für den Verkauf der Musik aus New Orleans im Norden erkannt, und da New York City das Zentrum des Musikgewerbes war, verkaufte er 1923 seine Musikgeschäfte in Chicago und zog dorthin. Er mietete sich Räume im Gebäude des Gaiety Theater-Gebäudes am Broadway, in welchem sich bereits andere afro-amerikanische Entertainer, unter anderemBert Williams,Will Vodery,Pace and Handy sowiePerry Bradford niedergelassen hatten, und nahm noch im Februar desselben Jahres mitBessie Smith bei Columbia die ersten Platten auf. 1929 spielte er mit ihr auch „Nobody Knows You When You’re Down and Out“ ein.

Schon bald arbeiteten weitere aus New Orleans stammende Musiker mit ihm zusammen, darunterJames P. Johnson undFats Waller. Von 1923 bis 1928 war Williams Künstler- und Repertoiredirektor fürOkeh Records und entdeckte ständig neue Talente. In dieser Zeit organisierte er zahlreiche Sessions und förderte damit die Karriere vieler Größen des frühen Jazz wieLouis Armstrong und Sidney Bechet. Unter anderem stellte er die JazzmusikerDon Redman,King Oliver undColeman Hawkins ein.

Zwischen 1923 und 1937 wurde Williams ein anerkannter Produzent, der monatlich mindestens zwei Aufnahmesessions organisierte und unter seinem eigenen Namen über 300 Platten aufnahm. Eine seiner Eigenheiten war, ein Stück mit einer Gesellschaft aufzunehmen und, wenn ihm die Ergebnisse nicht gefielen, die gleiche Session mit einer anderen Gesellschaft unter einem anderen Namen aufzunehmen. Zwei der Pseudonyme, die er dabei verwendete, sind die Dixie Washboard Band und die Blue Grass Foot Warmers.

1927 machte Williams seine ersten Versuche imMusiktheater. Er schrieb das Buch und die Musik für die ShowBottomland, in welcher seine Frau Eva Taylor die Hauptrolle spielte. Die Show war kein überragender Erfolg, seine übrigen Geschäfte florierten aber; bis 1943 führte er seine Geschäfte fort und verkaufte dann seine Sammlung von über 2000 Songs an die Firma Decca für die Summe von ca. 50.000 Dollar.

Von den späten 1930er Jahren bis 1956 verbrachte Williams seine meiste Zeit mit der Komposition neuer Stücke. 1956 wurde er in einem Unfall von einem Taxi erfasst und erblindete an den Folgen.Der SchauspielerClarence Williams III ist sein Enkel.

Literatur

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Weblinks

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]
Commons: Clarence Williams – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]
  1. Alle Platten 78er. Einzelnachweise für US Billboard Black: Gerhard Klußmeier:Jazz in the Charts. Another view on jazz history. Liner notes und Begleitbuch der 100-CD-Edition. Membran International,ISBN 978-3-86735-062-4.
  2. Es finden sich auch die Angaben 1889 oder 1898. Letzteres z. B. Thomas Morgan:From Cakewalks to Concert Halls. Bohländer:Reclams Jazzführer schreibt 8. Oktober 1893
  3. Will Friedwald relativiert die Bedeutung Eva Taylors für die Entwicklung des Blues-Stils; ihr „Gesangsstil hatte so gut wie nichts mit dem Blues zu tun, und es ist zweifelhaft, ob sie jemals Aufnahmen gemacht hätte, wenn sie nicht Clarence Williams geheiratet hätte“.Will Friedwald:Swinging Voices of America – Ein Kompendium großer Stimmen. Hannibal, St. Andrä-Wördern 1992,ISBN 3-85445-075-3, S. 19.
Personendaten
NAMEWilliams, Clarence
KURZBESCHREIBUNGUS-amerikanischer Jazzpianist, Sänger, Komponist sowie Plattenproduzent, Musikverleger und -agent
GEBURTSDATUM8. Oktober 1893
GEBURTSORTPlaquemine,Louisiana
STERBEDATUM6. November 1965
STERBEORTQueens
Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Clarence_Williams&oldid=249919920
Kategorien: