Bergner wurde 1971 Mitglied derCDU der DDR. Er engagierte sich von September 1989 bis Januar 1990 imNeuen Forum inHalle (Saale). Er bewarb sich im Dezember 1991 um die Nachfolge des zurückgetretenenGerd Gies als Landesvorsitzender derCDU Sachsen-Anhalt, unterlag aber gegen den MinisterpräsidentenWerner Münch. Stattdessen war Bergner von 1991 bis 1995 stellvertretender Landesvorsitzender. Von 1995 bis 1998 war er Stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU Deutschlands. 2006 wurde er zum Aussiedlerbeauftragten der CDU Deutschlands ernannt und gehörte in dieser Funktion bis 2011[2] dem CDU-Bundesvorstand an.
ZurBundestagswahl 2017 trat Bergner nicht mehr an und wechselte nach dem Ende seines Bundestagsmandates in die Kommunalpolitik. Bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 wurde Christoph Bergner in den Stadtrat von Halle (Saale) gewählt.[4] Er ist Mitglied im Hauptausschuss und Vorsitzender des Sportausschusses.[5]
Nachdem im Dezember 1993 der MinisterpräsidentWerner Münch wegen einerAffäre um angeblich zu hohe Ministergehälter zurückgetreten war, wurde Bergner am 2. Dezember 1993 zumMinisterpräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt. Er erhielt bei der Abstimmung im Landtag 60 Stimmen und damit sechs mehr, als zur absoluten Mehrheit notwendig gewesen wären. An der Wahl hatten lediglich 83 der 106 Abgeordneten teilgenommen. 19 Abgeordnete der SPD und zwei fraktionslose Parlamentarier nahmen an der Abstimmung nicht teil.
Bei derLandtagswahl am 26. April 1998 war Bergner erneut Spitzenkandidat. Die CDU erhielt 22 Prozent der Wählerstimmen, während die SPD mit 35,9 Prozent erstmals stärkste Fraktion wurde.[7]2004 war er als Vertreter des Landes Sachsen-Anhalt Mitglied des Verwaltungsrates desDeutschlandRadios.
Bergners politische Laufbahn im Landtag von Sachsen-Anhalt begann als Bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Er widmete sich insbesondere der Hochschulerneuerung nach dem Zusammenbruch der DDR. Ein aus dieser Zeit bleibendes Thema ist die Problematik der sog. „Lückeprofessoren“.[16]
Gedenken an den Völkermord an den Armeniern
Bundespolitische und europäische Aufmerksamkeit erregte Bergner 2005 mit dem von ihm initiierten Bundestagsantrag zur Ächtung desVölkermordes an den Armeniern anlässlich des 90. Gedenktages der Ereignisse.[17] Seit 1916 hatte sich kein deutsches Parlament mit diesem Thema befasst. Der „Armenierantrag“ löste in der Türkei sowie in der deutsch-türkischen Community starke Debatten aus, die dazu beitrugen, dass der Antrag ohne Gegenstimme[18] vom Deutschen Bundestag angenommen wurde.[19][20]Eine Woche vor dem 100. Gedenktag sprach Bergner sich dafür aus, die Ereignisse alsVölkermord zu benennen („… bin ich gegen jeden Versuch, im Antragstext den Begriff Völkermord zu vermeiden, um ein verharmlosendes Bild der Geschehnisse vor 100 Jahren zu zeichnen“[21]). Kurz darauf nahmen die Koalitionsfraktionen und die Bundesregierung den Begriff „Völkermord“ in denEntschließungsantrag auf.[22][23][24]
Minderheitenpolitik
Schwerpunkte seiner Arbeit waren über viele Jahre die Belange der viernationalen Minderheiten in Deutschland sowie die deutschen Minderheiten in Ost- und Mittelosteuropa und Staaten der ehemaligen Sowjetunion sowie dieAussiedler und Spätaussiedler.In diesem Arbeitsbereich leitete er bilaterale Regierungskommissionen und schuf weitere Gesprächsforen zur Verbesserung der Minderheitensituation. So geht beispielsweise die Einrichtung des Runden Tisches mit der Republik Polen zu Fragen der nationalen Minderheiten auf seine Initiative zurück.
Bergner wird wegen seiner Mitgliedschaft in derCDU der DDR ab 1971 kritisiert. Er selbst begründete seinen Eintritt in die CDU als Möglichkeit, sich vor dem erwünschten Eintritt in die SED schützen zu können.[25] In diesem Zusammenhang verteidigte er die Aufarbeitung der Blockparteiengeschichte seiner Partei.[26]
Bergner ist wiederholt wegen seiner Ansichten zur völligenGleichstellung derEingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Ehe, sowie wegen seiner allgemeinen Ansichten bzgl. derhomosexuellen Minderheiten aufgefallen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Halle soll Bergner im Sommer 2009 gesagt haben, dass die höhere Selbstmordrate bei Homosexuellen aufStörungen in der Persönlichkeitsentwicklung zurückzuführen sei.[27] DerLSVD forderte Bergner auf, sich von diesen „skandalösen“ Äußerungen zu distanzieren. Hendrik Lange warf Bergner vor, sich nicht richtig informiert zu haben. Vielmehr sei die erhöhteSuizidgefährdung auf die hohe Intoleranz in der Bevölkerung zurückzuführen. Bergner selbst widersprach wiederholt dieser Darstellung zu seiner Äußerung, die verkürzt wiedergegeben werde.[28][29] Im Januar 2014 gerät er in das Blickfeld einer kritischen Medienberichterstattung, da er Kuratoriumsmitglied der Gesellschaft zur Lebensorientierung – „Leo e. V.“ ist, der vorgeworfen wurde, Seminare zurHeilung homosexueller Menschen in Sachsen-Anhalt anzubieten.[30][31][32] Eine Darstellung, der der Verein selbst widerspricht.[33]
Gemeinsam mit Matthias Weber: Aussiedler- und Minderheitenpolitik in Deutschland. Bilanz und Perspektiven. Schriften des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen in Osteuropa, Band 38. München 2009.ISBN 9783486590173[1]
Gemeinsam mit Carl Johann Blydal: Versöhnung, Instrumentalisierung und Beleidigung. Der „Armenierantrag“ im Jahr 2005 und die politische Willensbildung in Deutschland zum Völkermord an den Armeniern. In: Briskina Müller/Drost-Abgarjan/Meißner: Logos im Dialogos. Auf der Suche nach Orthodoxie. Gedenkschrift für Hermann Goltz. Münster 2011.ISBN 9783643110275
Das Ende der DDR. In: Bohley, Peter (Hrsg.): Erlebte DDR-Geschichte – Zeitzeugen berichten. Berlin 2014. Christoph Links Verlag S. 193–208.ISBN 978-3861537892
„Lückeprofessoren“ – Über die Rolle der Politik im Umgang mit dem Problem der Altersversorgung angestellter Hochschullehrer der neuen Länder. In: Forschung & Lehre 6/2014.[2]
Gemeinsam mit Hans Zehetmair: Deutsch als Identitätssprache der Deutschen Minderheiten. München 2014.ISBN 978-3-88795-438-3[3]
Modernes Brotgelehrtentum. Wissenschaftliches Ethos und Wissenschaftspolitik in der Wissensgesellschaft – 10 Thesen. In: Forschung & Lehre 9/2004.[4]
↑Lebenslauf auf der Internetseite des Deutschen BundestagesArchivlink (Memento vom 30. September 2015 imInternet Archive), abgerufen am 14. Oktober 2015