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Chloroform

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Strukturformel
Keilstrichformel von Chloroform
Keilstrichformel zur Verdeutlichung der Geometrie
Allgemeines
NameChloroform
Andere Namen
  • Trichlormethan (IUPAC)
  • Chloretherid
  • Methenylchlorid
  • Methinchlorid
  • TCM
  • R-20
SummenformelCHCl3
Kurzbeschreibung

farblose Flüssigkeit mit süßlichem Geruch[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer67-66-3
EG-Nummer200-663-8
ECHA-InfoCard100.000.603
PubChem6212
DrugBankDB11387
WikidataQ172275
Eigenschaften
Molare Masse119,38 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

1,48 g·cm−3 (20 °C)[1]

Schmelzpunkt

−63°C[1]

Siedepunkt

61 °C[1]

Dampfdruck
Löslichkeit
Dipolmoment

1,04(2)D[3] (3,5 · 10−30 C · m)

Brechungsindex

1,445 (nD20)[4]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[5] ggf. erweitert[1]
GefahrensymbolGefahrensymbol

Gefahr

H- und P-SätzeH:302​‐​331​‐​315​‐​319​‐​351​‐​361d​‐​336​‐​372
P:202​‐​301+312​‐​302+352​‐​304+340+311​‐​305+351+338​‐​308+313[1]
MAK

DFG/Schweiz: 0,5 ml·m−3 bzw. 2,5 mg·m−3[1][6]

Treibhauspotential

20 (bezogen auf 100 Jahre)[7]

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−134,1 kJ/mol[8]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten beiStandardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex:Na-D-Linie, 20 °C

Chloroform (systematische BezeichnungTrichlormethan;SummenformelCHCl3) ist eineorganischechemische Verbindung aus der Gruppe derChlorkohlenwasserstoffe. Es ist einDerivat desMethans, bei dem dreiWasserstoffatome durchChloratome substituiert sind. Formal ist es das Trichlorid der Orthoameisensäure, woraus sich der Name herleitet. Unter Normalbedingungen ist Chloroform eine farblose Flüssigkeit mit süßlichem Geruch.

In der Industrie dient es alsLösungsmittel und zur Herstellung vonFluorchlorkohlenwasserstoffen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts war Chloroform eines der ersten in der Medizin verbreitet eingesetztenNarkosemittel. Als solches wird es aber wegen seinerToxizität seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr eingesetzt. Es besteht der Verdacht auf einekrebserregende Wirkung.

Geschichte

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Entdeckung

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Chloroform wurde erstmals 1831 unabhängig voneinander von dem US-AmerikanerSamuel Guthrie,[9] dem DeutschenJustus Liebig[10] inGießen und dem FranzosenEugène Soubeiran inParis hergestellt. Seine physikalischen und chemischen Eigenschaften sowie eine Summenformel („C4H2Cl6[11] bzw. C2H2Cl6[12]) beschrieb erstmalsJean-Baptiste Dumas 1834. Dumas gab der von Liebig noch als „Chlorkohlenstoff“ bezeichneten Substanz auch den Namen „Chloroform“.[13]

Einsatz als Narkosemittel

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Karikatur: Der Effekt von Chloroform auf James Young Simpson und Freunde (ca. 1840er Jahre)

Dienarkotisierende Wirkung von Chloroform wurde imTierversuch schon 1842 von dembritischen ArztRobert Mortimer Glover und 1847 von dem französischen PhysiologenMarie Jean Pierre Flourens sowie dem schottischen Arzt undGeburtshelferJames Young Simpson[14][15] erkannt. Es war das Verdienst des Letzteren, Chloroform ein Jahr darauf neben dem schon seit Ende 1846 gebräuchlichenÄther in die ärztliche Praxis zur Ausschaltung oder Linderung von Geburtsschmerzen einzuführen.

Einen ersten Vorschlag zur praktischen Anwendung der Chloroformnarkose zur chirurgischen Anästhesie hatte zuvor wohl schon Simpsons Freund, der Chirurg und Chemiker David Waldie[16] (* 1813 in Linlithgow)[17] gemacht. Auch der Erlanger MedizinerJohann Ferdinand Heyfelder stellte ab 1847 neben klinischen Versuchen mit Äther auch solche mit Chloroform an und plädierte 1848 für dessen bevorzugte Anwendung[18] als Narkosemittel.

Aufgrund der schneller und für den Patienten angenehmer einsetzenden Wirkung, der tieferen Narkose, der geringeren Reizung der Bronchien und des seltener auftretenden postoperativen Erbrechens verdrängte Chloroform zunächst weitgehend den Äther als Narkosemittel.[19] Der erste dokumentierte Anästhesietodesfall war eine 1848 durchgeführte Chloroformnarkose bei der Patientin Hanna Greener.[20] Einer der Pioniere der Äthernarkose,Horace Wells, hatte sich im Januar 1848, bevor er sich bei seinemSuizid die Pulsadern öffnete, mit Chloroform betäubt.[21]

NachdemJohn Snow 1853 das Chloroform auch erfolgreich bei der KöniginVictoria (Oberhaupt der englischen Staatskirche) zur „Anaesthesie à la reine“[22][23] angewendet hatte, wurde es in Europa zunächst das am meisten verbreiteteNarkosemittel. Auch Joseph T. Clover (1825–1882), ab 1858 „Chloroformist“ in London, verwendete für seinen, ein Luft-Lachgas-Gemisch zuführenden Narkoseapparat auch Chloroform und Äther.[24]John Snow (England, 1858) undFriedrich Trendelenburg (Deutschland, 1871) verwendeten bei Narkosen ein Chloroform-Luft-Gemisch zur Verabreichung über einTracheostoma,William Macewen (Schottland, 1880) und E. Schlechtendahl (Deutschland, 1902) über einen oral eingeführtenEndotrachealtubus.[25][26] Im Jahr 1874 hatte T. G. Hake imPractitioner Forschungsergebnisse vonMoritz Schiff veröffentlicht, die zeigten, dass Versuchstiere, die nach hohen Dosen von Äther bzw. Chloroform einen Herzstillstand erlitten, im Falle von Äther durch künstliche Beatmung wiederbelebt werden konnten, im Falle von Chloroform aber zusätzlich eine direkte Herzmassage dazu benötigten (Schiff selbst veröffentlichte seine Ergebnisse erst 22 Jahre später schriftlich).[27]

Ab etwa 1890 wurde, wegen der unerwünschten Nebenwirkungen mit häufigenanästhesiebedingten Todesfällen[28][29] bei Chloroformnarkosen, jedoch (zunächst in den USA) wieder die Ätheranwendung bevorzugt[30] und ab 1900 löste der Äther in weitem Umfang Chloroform als Narkosemittel ab.[31] Eine tiefe Chloroformnarkose beschrieb E. Schlechtendahl inBarmen jedoch 1902 zur Betäubung vor deroralen Intubation.[32] DurchBernhard Kroenig erfolgte um 1903 eine technische Verbesserung der Äther- und Chloroformnarkose mit demRoth-Draegerschen Mischapparat.[33][34] Krakow und andere kombinierten Chloroform auch mit anderen Narkosemitteln, etwa mitHedonal.[35]

Die geburtshilfliche Schmerzlinderung mit Chloroform geschah gegen den Widerstand deranglikanischen Kirche. Viele Kleriker hielten Qualen der Geburt für die gerechte Strafe für Evas Sündenfall, also für gottgewollt.[36][37] Dem setzteJames Young Simpson, 1847 der Begründer der geburtshilflichen Anästhesie mit Äther bzw. Chloroform in einer 1849 von ihm veröffentlichten Schrift entgegen, dass bei der Erschaffung Evas ebenfalls eine „Anästhesie“ durchgeführt worden sei.[38]

Eine intravenöse Gabe des Chloroforms zur Erzielung einer Narkose, wie sie von dem Würzburger ChirurgenBurkhardt 1909 vorgestellt[39] wurde, hat sich nach schweren Komplikationen nicht durchsetzen können.[40]

Aus England kam 1957 das erste klinisch brauchbare halogenierte Inhalationsnarkotikum nach dem Chloroform, nämlichHalothan.[41]

Herstellung

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Industriell wird Chloroform durch Erhitzen vonChlor mitMethan oderChlormethan auf 400–500 °C erzeugt. Bei dieser Temperatur wird schrittweiseradikalisch substituiert bis hin zumTetrachlormethan:

CH4+Cl2CH3Cl+HCl{\displaystyle {\ce {CH4 + Cl2 -> CH3Cl + HCl}}}
CH3Cl+Cl2CH2Cl2+HCl{\displaystyle {\ce {CH3Cl + Cl2 -> CH2Cl2 + HCl}}}
CH2Cl2+Cl2CHCl3+HCl{\displaystyle {\ce {CH2Cl2 + Cl2 -> CHCl3 + HCl}}}
CHCl3+Cl2CCl4+HCl{\displaystyle {\ce {CHCl3 + Cl2 -> CCl4 + HCl}}}

Dabei reagiert Methan mit Chlor unter Bildung vonChlorwasserstoff zunächst zu Chlormethan, dann weiter zuDichlormethan, Trichlormethan und schließlich zuTetrachlormethan. Das Ergebnis des Prozesses ist eine Mischung der vier Chlormethane, welche durchDestillation getrennt werden können. Industriell hergestelltes Chloroform technischer Reinheit enthält zudem Brom- und Ethanderivate (z. B.Bromchlormethan,Bromdichlormethan,1,2-Dichlorethan) als Verunreinigung[42] sowieEthanol (< 1 %) oderPentene (< 0,1 %), die alsStabilisator künstlich zugefügt werden, um das beim Lagern an Luft und Licht entstehendePhosgen abzufangen.[43]

Alternativ kann Chloroform durchPhotochlorierung von Methan erhalten werden. Im Labor kann Chloroform durch die Reaktion vonNatriumhypochlorit mitAceton, eineHaloform-Reaktion, dargestellt werden.[44]

Eigenschaften

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Physikalische Eigenschaften

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Trichlormethan ist eine farblose, nicht entflammbare, flüchtige Flüssigkeit von süßlichem Geruch und Geschmack.[1][45] DerSchmelzpunkt liegt bei −63 °C, derSiedepunkt unterNormaldruck bei 61 °C. DieDampfdruckfunktion ergibt sich nachAntoine entsprechend log10(P) = A−(B/(T+C)) (P in bar, T in K) mit A = 4,20772, B = 1233,129 und C = −40,953 im Temperaturbereich von 215 bis 334 K und mit A = 4,56992, B = 1486,455 und C = −8,612 im Temperaturbereich von 334,4 bis 527 K.[46] Es hat eine größereDichte alsWasser und ist nur wenig darin löslich. Die Mischbarkeit mit Wasser ist begrenzt. Mit steigender Temperatur sinkt dieLöslichkeit von Chloroform in Wasser bzw. steigt die Löslichkeit von Wasser in Chloroform.[47]

Löslichkeiten zwischen Chloroform und Wasser[47]
Temperatur (in °C)09,519,629,539,349,259,2
Chloroform in Wasser (Massenanteil in %)1,020,930,820,790,740,770,79
Wasser in Chloroform (Massenanteil in %)0,03650,05270,06610,08410,11080,13530,1672

Die Verbindung bildet mit einer Reihe von Lösungsmittelnazeotrop siedende Gemische. Die azeotropen Zusammensetzungen und Siedepunkte finden sich in der folgenden Tabelle. Keine Azeotrope werden mitn-Pentan,n-Heptan,Cyclohexan,Benzol,Toluol,n-Propanol,i-Butanol,Tetrachlorkohlenstoff,Diethylether,1,4-Dioxan,n-Butylacetat,Essigsäure,Acetonitril,Nitrobenzol,Schwefelkohlenstoff undPyridin gebildet.[48]

Azeotrope mit verschiedenen Lösungsmitteln[48]
LösungsmittelWasserMethanolEthanol2-PropanolAceton2-Butanon
Gehalt Chloroformin w%978793967817
Siedepunktin °C565359616480
LösungsmittelDiisopropyletherTetrahydrofuranMethylacetatEthylacetatn-Hexan
Gehalt Chloroformin w%3666772883
Siedepunktin °C7173657860

Chemische Eigenschaften

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Chloroform wird durch Sauerstoff unter Lichteinfluss photochemisch zersetzt, dabei entstehenPhosgen,Chlor undChlorwasserstoff. Die Zersetzung kann jedoch auch durch Gammastrahlen sowie Ultraschall in Form einer Kettenreaktion in Gang gebracht werden.[49] Handelsübliches Chloroform enthält 0,5–1,0 % Ethanol alsStabilisator, um entstehendes Phosgen chemisch abzufangen.

Seine Struktur (CHX3) bildet einehomologe Reihe mitFluoroform,Bromoform undIodoform.

Reaktion mit Aceton

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Aceton und (das ähnlich riechende) Chloroform dürfen nicht in höheren Konzentrationen gemischt werden, weil es in Gegenwart von Spuren basisch reagierender Stoffe zu einer sehr heftigen Reaktion kommen kann, bei der1,1,1-Trichlor-2-methyl-2-propanol (α,α,α‐Trichlor‐tert‐butanol) entsteht. Auch aus diesem Grund sollen im Labor chlorierte und nicht chlorierte Lösemittelabfälle getrennt gesammelt werden.[50]

Reaktion von Aceton mit Chloroform
Reaktion von Aceton mit Chloroform

Verwendung

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Chloroform wird in erster Linie alsLösungsmittel und zur Herstellung vonFluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) verwendet.

Mitalkoholischem Kali undAmmoniak entsteht beim ErhitzenKaliumcyanid.[51] Bei VerwendungprimärerAmine statt Ammoniak erhält manIsonitrile. Mit dieser vonAugust Wilhelm von Hofmann entdeckten Reaktion lassen sich primäre Amine auch qualitativ nachweisen, denn die Isonitrile geben sich durch einen starken und üblen Geruch zu erkennen.[52]

In der chemischen Synthese wird es zur Herstellung vonDichlorcarben (in Gegenwart von Basen) verwendet. DurchFriedel-Crafts-Alkylierung mit Benzol erhält manTriphenylmethan.

Bei der Bestimmung der mikrobiellen Biomasse in Bodenproben mittelsChloroform-Fumigation-Extraktion wird ausgenutzt, dass ChloroformZelllyse verursacht.

Chloroform wird zur Bestimmung derIodzahl nachHanuš benutzt, und zur Bestimmung derPeroxidzahl nach Wheeler als Eisessig-Chloroform-Gemisch.

Sicherheitshinweise

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Akute Toxizität

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Chloroform ist giftig und kann durch Einatmen, Hautkontakt oder Verschlucken leicht aufgenommen werden. Der Geschmack wird als süßlich bezeichnet.[45] Zu den Zielorganen der Toxizität Chloroforms zählenLeber undNieren. Beim Einatmen der flüchtigen Flüssigkeit kommt es zu Reizungen, weiterhin wirkt es auf dasZentralnervensystem. Der Geruch von Chloroform kann ab 200 ppm wahrgenommen werden, ist aber kein zuverlässiger Indikator für die Gefahr. Nach wenigen Minuten bei Exposition zu 1000 ppm zeigen sich Symptome wieKopfschmerz,Müdigkeit undSchwindel bis hin zuÜbelkeit. In höheren Konzentrationen wirkt Chloroformnarkotisch, bei 14.000 ppm (1,4 %) tritt eine Vollnarkose ein. Während dieser kann der Tod durchHerzrhythmusstörungen undHypoventilation eintreten.[1] Bereits Anfang 1848 gab es den ersten Bericht über eine tödlich verlaufene Narkoseeinleitung mit Chloroform. Im Jahr 1850[53] waren mindestens elf Chloroformtodesfälle bekannt.[54] Noch höhere Konzentrationen führen zurErstickung. Es wurden auch Nierenschädigungen und, in tödlichen Fällen, Leberschädigungen beobachtet. Schwere Vergiftungen äußern sich inBewusstlosigkeit undAtemversagen. Dieletale Dosis für einen erwachsenen Menschen bei oraler Aufnahme liegt Schätzungen zufolge bei rund 30 ml bzw. 45 g.[1]

Chronische Toxizität

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Bei Arbeiten mit Exposition gegenüber Chloroform wurde ab Konzentrationen von 16–32 ppm in der Luft einehepatotoxische Wirkung festgestellt. Bereits bei einer Expositionsdauer von weniger als 4 Monaten wurde vonHepatitiden berichtet. Bei längeren Expositionen von 1–4 Jahren gegenüber 2–202 ppm wurden ebenfalls Leberschädigungen, darunter Hepatitis, beobachtet, weiterhin wurde bei einem Viertel aller Exponierten eineHepatomegalie dokumentiert. Hepatotoxische Wirkungen konnten bei einer Konzentration von 2,6 ppm nicht festgestellt werden, bei 6 ppm oder unterhalb sind solche Effekte unwahrscheinlich.[1]

DieInternationale Agentur für Krebsforschung stuft Chloroform in die Gruppe 2B (möglicherweise krebserregend) ein.[55] Es gibt zwar Anhaltspunkte in Tierversuchen, epidemiologische Daten beim Menschen zurKarzinogenität von Chloroform fehlen allerdings. Bei Einatmen verursachte Chloroform bei männlichen MäusenNierentumore, beim gleichen Expositionsweg wurden bei Ratten allerdings keine solchen Wirkungen festgestellt. Bei oraler Exposition verursachte Chloroform bei Ratten jedochTumoren in den Nieren und in der Schilddrüse, während sich bei MäusenLebertumore häuften. In Hunden wurde bei oraler Gabe keine krebserregende Wirkung festgestellt.[1]

Auch bezüglich derMutagenität von Chloroform sind die Ergebnisse von Studien uneinheitlich, positive Ergebnisse auf eine schwach mutagene undklastogene Wirkung wurden bei hohen Dosierungenin vitro festgestellt. Eineteratogene Wirkung von Chloroform ist vermutlich vorhanden, Versuche an Ratten liefern positive Ergebnisse.[1]

Rechtsbestimmungen

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Die Anwendung von Chloroform ist bei Lebensmittel liefernden Tieren gemäß derEU-Rückstandshöchstmengen-Verordnung für Lebensmittel tierischen Ursprungs in der Europäischen Union generell verboten.

Deuterochloroform

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Deuteriertes Chloroform

Deuteriertes Chloroform[S 1] (Summenformel: CDCl3, CAS-Nr.:865-49-6), auchDeuterochloroform genannt, findet in derKernresonanzspektroskopie (NMR) als Lösungsmittel Verwendung.

Die Synthese erfolgt durch Umsetzung des Calciumsalzes derTrichloressigsäure mitschwerem Wasser.[56]

(Cl3CCO2)2Ca+D2O2Cl3CD+CaCO3+CO2{\displaystyle {\ce {(Cl_3CCO_2)_2 Ca + D_2O -> 2 Cl_3CD + CaCO_3 + CO_2}}}

Die physikalischen Eigenschaften unterscheiden sich geringfügig von der nichtdeuterierten Verbindung:[57]

  • Schmelzpunkt: −64 °C
  • Siedepunkt: 60,9 °C
  • Dichte: 1,500 g/ml (25 °C)
  • Brechungsindex: 1,444 (20 °C)

Literatur

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  • Albert Faulconer, Thomas Edward Keys:Chloroform. In:Foundations of Anesthesiology. 2 Bände, Charles C Thomas, Springfield (Illinois) 1965, Band 1, S. 442–481.
  • Franz Hartmann:Beitrag zur Literatur über die Wirkung des Chloroforms. Ferber, Giessen 1855 (Digitalisat)
  • H. Orth, I. Kis:Schmerzbekämpfung und Narkose. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.):Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973,ISBN 3-87185-021-7, S. 1–32, hier: S. 12–14 und 25.
  • M. Rossberg; W. Lendle; G. Pfleiderer, A. Tögel; T.R. Torkelson, K.K. Beutel:Chloromethanes, in:Ullmanns Enzyklopädie der Technischen Chemie, Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim 2012;doi:10.1002/14356007.a06_233.pub3.

Weblinks

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Commons: Chloroform – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Chloroform – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. abcdefghijklmnopqEintrag zuTrichlormethan in derGESTIS-Stoffdatenbank desIFA, abgerufen am 2. Januar 2026. (JavaScript erforderlich)
  2. The Merck Index - Fifteenth Edition.Royal Society of Chemistry, 2013,ISBN 978-1-84973-670-1,S. 379–380 (englisch). 
  3. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL,Dipole Moments, S. 9-58.
  4. DatenblattChloroform beiSigma-Aldrich, abgerufen am 19. Juli 2010 (PDF).Vorlage:Sigma-Aldrich/Name nicht angegeben
  5. Eintrag zuChloroform in der DatenbankECHA CHEM derEuropäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw.Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnungerweitern.
  6. Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva):Grenzwerte – Aktuelle MAK- und BAT-Werte (Suche nach67-66-3 bzw. Chloroform), abgerufen am 2. November 2015.
  7. G. Myhre, D. Shindell et al.:Climate Change 2013: The Physical Science Basis. Working Group I contribution to the IPCC Fifth Assessment Report. Hrsg.:Intergovernmental Panel on Climate Change. 2013, Chapter 8: Anthropogenic and Natural Radiative Forcing,S. 24–39; Table 8.SM.16 (ipcc.ch [PDF;15,5 MB]). 
  8. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL,Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-19.
  9. Chloroform in derNotable Names Database (englisch)
  10. Justus Liebig:Ueber die Verbindungen, welche durch die Einwirkung des Chlors auf Alkohol, Aether, ölbildndes Gas und Essiggeist entstehen. In:Annalen der Pharmacie. Band 1, 1832, S. 182–230 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  11. Jean-Baptiste-André Dumas:Recherches relatives à l’action du chlore sur l’alcool. In:L’Institut. Journal général des société et travaux scientifiques des la France et l’étranger. Band 2, (5. April) 1834, S. 106–108.
  12. Jean-Baptiste-André Dumas:Untersuchung über die Wirkung des Chlors auf den Alkohol. In:Annalen der Physik und Chemie. Neue Folge, Band 31, 1834, S. 650–673 (Digitalisat auf Gallica).
  13. Albert Faulconer, Thomas Edward Keys:Chloroform. In:Foundations of Anesthesiology. 2 Bände, Charles C Thomas, Springfield (Illinois) 1965, Band 1, S. 442–481, hier: S. 442 f., 455–462.
  14. J. Y. Simpson:On a new anaesthetic agent, more efficient than sulphuric ether. In:Lancet, II. Band 17, (20. November) 1847, S. 549 f. (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  15. James Young Simpson:On a new anaesthetic agent, more efficient than sulfuric ether. In:Lancet, II. Band 17, 1847. S. 549 ff.
  16. Ray J. Defalque, Amos J. Wright:The Discovery of Chloroform: Has David Waldie's Role Been Exaggerated? In:Anesthesiology. Band 114, Nr. 4, 2011, S. 1004–1005,doi:10.1097/ALN.0b013e31820ca94c.
  17. www.annethousemuseum: zuDavid Waldie.
  18. Ulrich von Hintzenstern, Wolfgang Schwarz:Frühe Erlanger Beiträge zur Theorie und Praxis der Äther- und Chloroformnarkose. Teil 1:Heyfelders klinische Versuche mit Äther und Chloroform. In:Der Anaesthesist. Band 45, Heft 2, 1996, S. 131–139.
  19. H. Orth, I. Kis:Schmerzbekämpfung und Narkose. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.):Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973,ISBN 3-87185-021-7, S. 1–32, hier: S. 13.
  20. Michael Heck, Michael Fresenius:Repetitorium Anaesthesiologie. Vorbereitung auf die anästhesiologische Facharztprüfung und das Europäische Diplom für Anästhesiologie. 3., vollständig überarbeitete Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg / New York u. a. 2001,ISBN 3-540-67331-8, S. 803.
  21. H. Orth, I. Kis:Schmerzbekämpfung und Narkose. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.):Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973,ISBN 3-87185-021-7, S. 1–32, hier: S. 11.
  22. H. Orth, I. Kis:Schmerzbekämpfung und Narkose. 1973, S. 13.
  23. Rudolf Frey,Otto Mayrhofer, mit Unterstützung von Thomas E. Keys und John S. Lundy:Wichtige Daten aus der Geschichte der Anaesthesie. In: R. Frey,Werner Hügin, O. Mayrhofer (Hrsg.):Lehrbuch der Anaesthesiologie und Wiederbelebung. Springer, Heidelberg/Basel/Wien 1955; 2., neubearbeitete und erweiterte Auflage. Unter Mitarbeit von H. Benzer. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 1971,ISBN 3-540-05196-1, S. 13–16, hier: S. 14.
  24. Otto Mayrhofer:Gedanken zum 150. Geburtstag der Anästhesie. In:Der Anaesthesist. Band 45, 1996, S. 881–883, hier: S. 881.
  25. Trumpp:Chloroformnarkose ohne Maske mittels Kehlkopfkanüle. In:Münchner medizinische Wochenschrift. Band 10, 1902 (online).
  26. H. Orth, I. Kis:Schmerzbekämpfung und Narkose. 1973, S. 21 f.
  27. Heinrich L’Allemand:Wiederbelebung. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.):Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973,ISBN 3-87185-021-7, S. 217–228, hier: S. 219.
  28. Vgl. H. Orth, I. Kis:Schmerzbekämpfung und Narkose. 1973, S. 13 f.
  29. Vgl. auch E. H. Embley:The causation of death during the administration of chloroform. In:British medical Journal. Band 1, 1902, S. 817, 885 und 951.
  30. Christoph Weißer:Chloroform. In:Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage,Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.):Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin 2005,ISBN 3-11-015714-4, S. 257.
  31. Paul Diepgen,Heinz Goerke:Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 59.
  32. H. Orth, I. Kis:Schmerzbekämpfung und Narkose. 1973, S. 21 f.
  33. Paul Diepgen,Heinz Goerke:Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 58.
  34. Ulrich Koppitz, Alfons Labisch, Norbert Paul:Historizität: Erfahrung und Handeln, Geschichte und Medizin. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2004,ISBN 3-515-08507-6,S. 234 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  35. N. P. Krakow:Über die Hedonal-Chloroformnarkose. In:Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie. Supplement 317, 1908.
  36. WDR1 – Stichtag 9. November 2007 – Vor 160 Jahren: Erste Entbindung mit Chloroform-Narkose. Abgerufen am 29. November 2017.
  37. 175 Jahre Anästhesie. In: laekh.de. Landesärztekammer Hessen, 2021, abgerufen am 18. August 2025. 
  38. Ludwig Brandt, Karl-Heinz Krauskopf:„Eine Entdeckung in der Chirurgie“. 150 Jahre Anästhesie. In:Der Anaesthesist. Band 45, 1996, S. 970–975, hier: S. 971.
  39. Ludwig Burkhardt:Die intravenöse Narkose mit Äther und Chloroform. In:Münchner medizinische Wochenschrift. Band 2, 1909, S. 2365 ff.
  40. H. Orth, I. Kis:Schmerzbekämpfung und Narkose. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.):Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973,ISBN 3-87185-021-7, S. 1–32, hier: S. 16.
  41. Otto Mayrhofer:Gedanken zum 150. Geburtstag der Anästhesie. In:Der Anaesthesist. Band 45, 1996, S. 881–883, hier: S. 882 f.
  42. Schadstofflexikon:Trichlormethan (Chloroform) (Memento vom 15. April 2018 imInternet Archive), abgerufen am 7. April 2018.
  43. Sigma-Aldrich:Chloroform.
  44. Chemgapedia:Synthese von Trichlormethan.
  45. abR. S. Shallenberger:Taste Chemistry.Springer Science+Business Media, 2012,ISBN 978-1-4615-2666-7 (englisch). 
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Externe Links zu erwähnten Verbindungen

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  1. Externe Identifikatoren von bzw. Datenbank-Links zuDeuterochloroform: CAS-Nr.:865-49-6,EG-Nr.: 212-742-4,ECHA-InfoCard:100.011.585,PubChem:71583,ChemSpider:64654,Wikidata:Q1032539.
Trihalogenmethane

Fluoroform |Chloroform |Bromoform |Iodoform

Normdaten (Sachbegriff):GND:4123008-5 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS) |LCCN:sh85024563
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