Carl Oskar Ursinus (*11. März1878 inWeißenfels; †7. Juli1952 inFrankfurt am Main) war eindeutscherIngenieur,Luftfahrtpionier undHerausgeber.[1] Er ist der Namensgeber derOskar Ursinus Vereinigung.
Oskar Ursinus wurde als Sohn des in einer Brauerei tätigen Maschinenmeisters Friedrich-Karl Ursinus geboren. Nach der Schule studierte er von 1896 bis 1899Maschinenbau amTechnikum Mittweida. Im Jahre 1899 wurde ihm ein Patent für einen Diamantbohrer erteilt. Ab 1901 gab Oskar Ursinus die technische WochenzeitschriftVulkan in Frankfurt am Main heraus.
Sein wachsendes Interesse für dieLuftfahrt mündete 1908 in der Gründung der ZeitschriftFlugsport, die er bis 1944 als Herausgeber und Chefredakteur leitete.[2][3] Ursinus versuchte, die Leser für den Entwurf und den Bau von Flugzeugen zu begeistern. Anlässlich derLuftfahrtausstellung ILA in Frankfurt im Jahre 1909 stellte er seine Vorstellungen erstmals der Öffentlichkeit vor. 1908 lernte er seine spätere Ehefrau Hedwig Römer kennen, die ihn beruflich unterstützte, unter anderem von 1914 bis 1919 in der Rolle als Chefredakteurin des „Flugsport“. Das Ehepaar hatte zusammen vier Kinder, von denen drei die Pilotenlaufbahn einschlugen.[4]
Nach Beginn desErsten Weltkrieges trat Ursinus in seiner Eigenschaft als Unteroffizier der Reserve am 3. August 1914 bei derFliegerersatzabteilung 3 (FEA 3) inGriesheim seinen Dienst an. Dort konstruierte er dasAufklärungs- undBombenflugzeugFriedel-Ursinus FD, das nach dem Umzug der FEA 3 Anfang 1915 nachGotha bei der dortigenWaggonfabrik alsGotha G I in Lizenz gebaut wurde. Ursinus war noch vor der Stationierung in Gotha am 20. Dezember 1914 zum Offiziersstellvertreter der FEA 3 ernannt worden; nun wurde er für die Überwachung der Produktion seines Flugzeugs eingesetzt. Als der Bau von 18 Exemplaren im Oktober 1915 abgeschlossen war, wurde er am 26. des Monats zur 6. Armee nach Frankreich versetzt, wo er für die Erprobung von Waffen zuständig war, die in den beiLille undMontmédy stationierten G-I-Flugzeugen getestet wurden. Anschließend war er ab Dezember 1915 technischer Berater bei der FEA 6 inMetz. Im Februar 1916 kam er zurück nach Gotha, wurde von dort aber wahrscheinlich auf eigenen Wunsch hin nach Unstimmigkeiten mit der Belegschaft der Waggonbaufabrik vomReichsmarineamt zur Seefliegerstation inZeebrügge abkommandiert. Dort projektierte er ein einsitziges Seekampfflugzeug mit einziehbaren Schwimmern mit 9 m Spannweite und 1000 kg Startmasse, das 1916 gebaut, aber ein Jahr später abgelehnt wurde. Bis zum September 1918 blieb er in Zeebrügge und entwarf Seeflugzeuge, die aber allesamt nicht verwirklicht wurden. Kurz darauf erlitt er einen Nervenzusammenbruch und wurde ins Lazarett eingewiesen, wo er das Kriegsende erlebte.[5][6]
Nach Kriegsende war in Deutschland der Flugzeugbau zunächst verboten und Ursinus berichtete notgedrungen in seiner Zeitschrift überFlugmodell- undSegelflugsport, die ihn beide ebenfalls interessierten. In seiner Zeitschrift „Flugsport“ erschien 1919 regelmäßig eine Kolumne, in der es darum ging, wie man denGleitflugsport betreiben kann. Mit anderen Flugbegeisterten initiierte er den erstenRhön-Segelflugwettbewerb 1920 auf derWasserkuppe in derRhön (s. u.). Für seinen Beitrag zur Entwicklung der Luftfahrt, insbesondere des Segelflugsports und zum Rhönwettbewerb nannte man ihn anerkennendRhönvater Ursinus. Am 24. März 1920 unterstützte Ursinus in der Ausgabe No. 6/7 seiner ZeitschriftFlugsport einen Aufruf desFlugtechnischen Verein Dresdens, der 1920 den Verband Deutscher Modell- und Gleitflugvereine leitete, zum 1. Rhön-Segelflugwettbewerb auf der Wasserkuppe.[7][8] Als Veranstaltungsziele wurden die „einwandfreie, fachmännische und vergleichsfähige Wertung von Gleitflugleistungen“, die „rationelle Ausübung des Gleitflugsportes und Gleitflugstudiums“ und „die Lösung des Segelflugproblems“ benannt. Die organisatorische „Oberleitung des Rhön-Segelfluges“ hatte bei den ersten Veranstaltungen Ursinus selbst inne.[7] Die Rhönwettbewerbe wurden bis 1939 jährlich durchgeführt und halfen maßgeblich den Gleitflug zum Segelflug zu entwickeln.[9] Finanziell wurden die Wettbewerbe vom MäzenKarl Kotzenberg unterstützt.[10]
Im August 1924 wurde auf Initiative von Ursinus und Kotzenberg der FlugvereinRhön-Rossitten-Gesellschaft gegründet, der sich als Bindeglied zwischen Flugsport und flugwissenschaftlicher Forschung und Entwicklung verstand und unter anderem von 1925 bis 1931 die Rhönwettbewerbe veranstaltete.
1922 gründete Ursinus die ZeitschriftKlein-Motor-Sport, die sich vornehmlich mit dem Themenbereichen Kleinwagen und Motorrädern beschäftigte. Aus dieser ging 1929 die ZeitschriftMotor-Kritik hervor, nachdem 1928Josef Ganz die Schriftleitung übernommen hatte.
Die Rhön-Rossitten-Gesellschaft errichtete 1925 auf der Wasserkuppe ein festes Gebäude, in dem die Abteilungen Flugtechnik und Aerodynamik des Forschungsinstituts der Gesellschaft, die Leitung und Organisation der Rhönwettbewerbe und eine Wetterwarte des Preußischen Meteorologischen Dienstes untergebracht wurden. Zu Ehren des Mitbegründers der Rhönsegelflugwettbewerbe erhielt dieses Gebäude den NamenUrsinus Haus.[11]
Ihm zu Ehren trägt die am 9. März 1968 gegründeteOskar Ursinus Vereinigung (mit Sitz inBingen imLandkreis Sigmaringen) seinen Namen, ein Verein, der die Entwicklung und insbesondere den Hobby-Eigenbau von Flugzeugen mit höchstens zwei Sitzen unterstützt. Der Verein ist Mitglied im internationalen DachverbandExperimental Aircraft Association mit Sitz inOshkosh (Wisconsin).
InFrankfurt am Main,Nürnberg,Fulda,Manching,Gersfeld undKiel-Holtenau wurden Straßen nach Oskar Ursinus benannt.
Er ist auf demSüdfriedhof in Frankfurt am Main begraben. Sein Grab steht unterDenkmalschutz. Das Grabmal besteht aus einer lagerhaften rechteckige Stele aus geschliffenem gelben Jura. Im zurückgesetzten mittleren Feld befindet sich die Ritzung eines Adlers. Das Grabmal stammt von BildhauerCarl Stock.
Ursinus’ fachlicher Nachlass befindet sich imDeutschen Museum.
Personendaten | |
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NAME | Ursinus, Oskar |
ALTERNATIVNAMEN | Ursinus, Carl Oskar (vollständiger Name); Ursinus, Oscar |
KURZBESCHREIBUNG | deutscher Tiefbauingenieur und Luftfahrtpionier |
GEBURTSDATUM | 11. März 1878 |
GEBURTSORT | Weißenfels,Thüringen |
STERBEDATUM | 7. Juli 1952 |
STERBEORT | Frankfurt am Main |