Cali (offiziell:Santiago de Cali) ist die Hauptstadt und eine Gemeinde (Municipio) deskolumbianischenDepartamentosValle del Cauca und nach der Einwohnerzahl drittgrößte Stadt des Landes. Cali bildet das ökonomische, industrielle und landwirtschaftliche Zentrum im Südwesten Kolumbiens. Mit der Gründung 1536 ist Cali eine der ältesten Städte Amerikas. Sie wird auch die Hauptstadt desSalsa oderSucursal del cielo (übersetzt etwa: Himmelsniederlassung) genannt.
Cali liegt in ca. 1000 m Meereshöhe im Westen des Landes am Zusammenfluss desRío Cauca mit demRío Cali. Durchschnittstemperatur ist 26,8 °C, es gibt aufgrund der Nähe zumÄquator keine großen saisonalen Schwankungen.
In der Umgebung gibt es eisen- und kohlehaltige Hügel, deren rostrote Farbe zusammen mit dem üppig grünen äquatorialen Pflanzenwuchs die Gegend charakterisiert.[2]
Die Gemeinde Cali hat 2.470.852 Einwohner, von denen 2.434.211 im städtischen Teil(cabecera municipal) der Gemeinde leben. In der Metropolregion leben 3.151.710 Einwohner (Stand: 2019).[3]
Cali wurde am 25. Juli 1536 von dem spanischen OffizierSebastián de Belalcázar, der zur EroberungsarmeeFrancisco Pizarros gehörte, unter dem NamenSantiago de Cali gegründet. Im August 1956 wurde die Stadt, damals rund 120.000 Einwohner zählend, im Kontext von Straßenbauarbeiten von einem schwerenExplosionsunglück getroffen,[4] wobei über 1.300 Menschen starben.
Die Stadt ist das Zentrum des Cauca-Tals, einer Region intensiver Landwirtschaft. Schwerpunkt ist die Herstellung vonRohrzucker. Wirtschaftlich wird die Region um Cali von einigen wenigen Familien dominiert.
Bekannt wurde die Stadt auch durch dasCali-Kartell, das im Handel mitKokain neben demKartell von Medellín eines der wichtigsten und mächtigsten Drogenkartelle der Welt war. Drogenhandel und im Zusammenhang mit Drogen stehende Gewaltkriminalität spielen trotz des Zerfalls des Kartells in Cali immer noch eine große Rolle.
Der Arzt Rodrigo Guerrero, der 1992 und nach mehreren Jahren Pause auch 2011 wieder Bürgermeister der Stadt wurde, nahm die Mordrate wahr, die in den frühen 1990er Jahren noch um ein Viertel höher lag als in der HauptstadtBogotá (dort: 80 pro 100.000 Einwohner). Anhand von Statistiken erkannte er das Mordrisiko als größte Einzelursache von Todesfällen und bekämpfte es gemäßWHO-Empfehlungen wie eine Krankheit. Da Morde – in den 1990ern – vor allem mit Alkohol und Bars zusammenhingen, wurde erfolgreich ein Alkoholausschankverbot in Lokalen ab 1 Uhr, am Wochenende ab 2 Uhr früh und an Wochenenden ein Waffenverbot verfügt. Anfang Oktober 2014 erhielt Guerrero den erstmals vergebenen und mit 100.000 US-Dollar dotiertenRoux-Preis, vergeben vomInstitute for Health Metrics and Evaluation derUniversität Washington und als Anerkennung für die Bekämpfung von Krankheiten mit Hilfe statistischer Daten.[5]
In der Stadt selbst gibt es mehrereInvasiones, Hüttensiedlungen, in denen aus anderen Landesteilen Vertriebene wohnen. Zu den Problemvierteln gehörenAguablanca, ein relativ neuer Stadtteil an den Ufern desRío Cauca, der vor allem von Vertriebenen des jahrzehntelangen Bürgerkriegs bewohnt wird, undSiloé an den Berghängen im Westen.
Cali bietet eine Vielzahl von Parks, Kirchen, Monumenten, Museen und Plätzen als Touristenattraktion. Das Nachtleben konzentriert sich auf Bars, Grills undRumbeaderos derAvenida Sexta und die Salsa-Diskotheken in Juanchito, Zona Rosa und Barrio Granada. In jüngerer Zeit hat der Stadtteil Menga in der an Cali angrenzenden Gemeinde Yumbo Juanchito als Zentrum des Nachtlebens weitgehend abgelöst. In Menga gibt es eine Vielzahl an Diskotheken, die zum Teil rund um die Uhr in Betrieb sind. Menga ist also die Stadt, die niemals schläft. Die Ursache dieser Entwicklung liegt darin begründet, dass in der Stadt Cali selbst generell eine Sperrstunde ab 4 Uhr morgens gilt. Daher hat sich das Nachtleben an die Stadtgrenzen verlagert. Im Dezember findet die berühmteFeria de Cali, u. a. imSalsódromo, statt.
Wechselnde Kunstausstellungen bieten dasCasa Pro Artes, in der Nähe dasCentro Cultural, FES und dasMuseo de Arte Moderno la Tertulia. Letzteres ist ein moderner Ausstellungsbau, der u. a. eine Cinemateca bereithält. Ausgestellt werden hier nationale Künstler aus allen Sparten der Bildenden Kunst. Die junge Kunstszene findet sich imlugar a dudas. Das Künstlerhaus, vom Documenta-TeilnehmerOscar Muñoz gegründet, zeigt wechselnde Ausstellungen und organisiert mit internationalen Filmen das Residenz-Programm für aus- und inländische Künstler.
Cerro de las Tres Cruces: Das Denkmal Tres Cruces liegt auf 1.480 m und befindet sich im nordwestlichen Teil der Stadt. Das Hauptkreuz in der Mitte ist das größte, mit 26 m Höhe und 11 m Breite. Die beiden Kreuze neben dem Hauptkreuz haben eine Höhe von 22 m und eine Breite von 8 m.
Cristo Rey: Ein religiöses Denkmal auf einem Hügel, der den besten Blick auf die Stadt bietet. Das Denkmal ist 31 m hoch.
El Gato del Río: Ein Park am Fluss gelegen, mit Katzenskulpturen von Hernando Tejada.
Plaza de Caicedo: Der Hauptplatz der Stadt, der in der Innenstadt von Cali liegt. Der Platz ist nach Calis Helden Joaquín de Caicedo y Cuero benannt.
Orquideorama Enrique Pérez Arbeláez: Dieser bewaldete Park, in der AV 2 N #48-10, ist Schauplatz einer großen Orchideenschau, die jedes Jahr im Herbst von derAsociación Vallecaucana de Orquideología veranstaltet wird. Es ist auch ein guter Ort für Vogelbeobachtung.
In Cali sind die SportclubsAmérica de Cali undDeportivo Cali beheimatet, zwei der erfolgreichsten Fußballvereine Kolumbiens. Beide zusammen kommen derzeit (Stand: 2019) auf sechs Finalteilnahmen in derCopa Libertadores – allerdings ohne dabei ein einziges Mal zu gewinnen. Das vom deutschen ArchitektenHerbert Schürmann geplante und 1970 erbauteVelódromo Alcides Nieto Patiño war Ort zahlreicher internationaler Bahnrad-Wettbewerbe, darunter mehrererWeltcup-Rennen.[6]
Cali ist nach einer Studie der OrganisationEl Consejo Ciudadano para la Seguridad Pública y la Justicia Penal (deutsch„Bürgerrat für öffentliche Sicherheit und Strafrecht“) die gefährlichste Stadt Kolumbiens, und weltweit auf dem 26. Platz im Jahre 2019.[7] Insgesamt 1.176 Mordfälle bei einer Einwohnerzahl von 2.599.468 entspricht einer Mordrate von 45,24 auf 100.000 Einwohner (2019).[8]
↑Datos de Cali y el Valle del Cauca. Alcaldía de Cali - Valle del Cauca, abgerufen am 2. Mai 2019 (spanisch, Informationen zur Geographie der Gemeinde).