
Ca’ Foscari, auchPalazzo Foscari genannt, ist einspätgotischerPalast inVenedig, der als Sitz dervenezianischen Universität dient. Zur Zeit seiner Errichtung war er das größte Privathaus Venedigs.[1] Gemeinsam mit dem benachbartenPalazzo Giustinian bildet die Ca’ Foscari seit 1942 einen zusammenhängendenGebäudekomplex[2] und damit den größten gotischen Palastkomplex Venedigs.[3] Er kann im Rahmen einer Führung entgeltlich besichtigt werden.
Der Palast wurde oft als Unterkunft für hochgestellte Gäste derRepublik Venedig genutzt. Das Haus bietet aufgrund seiner günstigen Lage an der ersten Biegung desCanal Grande, der sogenanntenvolta di Canal, eine außergewöhnlich weitreichende Sicht entlang der Wasserstraße. Der Blick reicht von derRialtobrücke im Nordosten bis zurAccademia-Brücke im Süden. Wegen seines Standortvorteils ist das Haus im September jedes Jahres der Zielpunkt derRegata storica.
Der Palast steht in prominenter Lage im StadtteilDorsoduro gegenüber demPalazzo Balbi und liegt dabei zwischen dem Rio di Ca’ Foscari und dem Rio di San Barnaba auf der rechten Seite in RichtungBacino di San Marco.
Der Ca’ Foscari ist ein typisches Beispiel für die spätgotischen Stadtpaläste des venezianischenAdels und der reichen Kaufleute. Das Erdgeschoss des vierstöckigen Gebäudes imFlamboyantstil[4] wurde früher als Lagerraum genutzt. Die beiden ersten Obergeschosse dienten den Bewohnern alsPiano nobile, also zu Wohnzwecken und Festlichkeiten. Das oberste Geschoss wird von einem flachen, mit rotenPfannen gedecktenWalmdach abgeschlossen. Das Anwesen besitzt zwei Eingänge. Der zum Kanal zeigende Eingang war früher dasHauptportal. DieserKielbogeneingang mit einemGewände aus hellemMarmor ist aufwändiger gestaltet als der zur Straße hin gelegene Eingang. Gleichermaßen verhält es sich mit derunverputzten wasserseitigen Fassade. Sie ist – mit Ausnahme einesFrieses – vollkommen symmetrisch gestaltet und zeigt im ersten sowie zweiten Obergeschoss eine Marmor-Loggia aus achtbogigenArkaden. Damit werden die beiden Piano nobili architektonisch besonders betont. Über denSäulen der Arkatur, die mitBlattwerk, Tieren und Masken verziert sind, findet sichVierpass-Maßwerk, das von einem marmornen Fries bekrönt ist. Dessen zentrales Motiv ist ein Helm, der an beiden Seiten von Wappenschild tragendenPutten flankiert wird. Die Schilde zeigen das Wappen der Familie Foscari. Die zur Landseite zeigende, hintere Fassade stammt nicht aus der Errichtungszeit des Gebäudes, sondern wahrscheinlich erst aus dem späten 16. Jahrhundert.[5]
Das kürzlichrestaurierte straßenseitige Portal führt in den großen Innenhof des Anwesens, der an zwei Seiten von einerRingmauer abgeschlossen wird. Der Hof ist nach dem desDogenpalasts der zweitgrößte seiner Art in Venedig.[6]

Im inneren ist vor allem derGroße Saal im zweiten Obergeschoss bemerkenswert. Er ist dem 1984 verstorbenen italienischenLiteraturprofessorMario Baratto gewidmet, weswegen er auchMario-Baratto-Saal genannt wird. DerSaal präsentiert sich mit einer Innenausstattung aus den 1930er und 1950er Jahren. Aus der Zeit der 1930er Jahre stammen auch die beiden imGroßen Saal hängendenFreskenVenezia, l’Italia e gli studi (deutschVenedig, Italien und die Studien) von Mario Sironi sowieLa scuola (deutschDie Schule) von Mario Deluigi. Letztgenanntes Werk befand sich zunächst im ersten Stockwerk, wurde dann jedoch in dengroßen Saal versetzt. Es zeigt einenPhilosophen umringt von seinen Schülern.

Am Ort des heutigen Palasts stand früher das sogenannteCasa delle Due Tori (deutschHaus der zwei Türme), das die Republik Venedig im Jahr 1429[7] von Bernardo Giustinian ankaufte, um es anschließend demCondottiereGianfrancesco I. Gonzaga,Graf vonMantua, zu schenken. Nachdem er die Seiten gewechselt und sich gegen Venedig gestellt hatte, wurde das Gebäude 1439konfisziert und anFrancesco I. Sforza, den späterenHerzog von Mailand, gegeben. Als auch dieser sich gegen Venedig gestellt hatte, zog die Republik es 1450[7] erneut ein und versteigerte es im Jahr 1452[8]. Käufer war derDogeFrancesco Foscari. Er ließ die dort stehenden Bauten niederlegen und ab 1453[5] einen neuen repräsentativen Palazzo errichten, dessen aufwändige Gestaltung seinem Stand angemessen war. Von seiner Familie erhielt der Neubau den heutigen Namen. Die Pläne für das Gebäude lieferte der venezianischeArchitektBartolomeo Bon.[6] Der Bau des Hauses dauerte mehrere Jahre und war beim Tod Francesco Foscaris im Jahr 1457 noch nicht beendet.
Zu den illustren Gästen des Palastes zählte 1574 der zukünftige französische KönigHeinrich III.[9] Der spätereKurfürst von Hannover,Ernst August, besuchte ab den 1640er Jahren häufig Venedig und mietete den Palazzo Foscari dauerhaft als seine Unterkunft an.[10]
Die Familie Foscari blieb bis 1845 Eigentümerin des Gebäudes, ehe sie es in jenem Jahr an dieCongregazione municipale di Venezia verkaufte.[7] Die nachfolgenden Nutzungen, zum Beispiel 1849 als Hospital, waren der historischen Bausubstanz sehr abträglich.[5] Auch, dass dieösterreichische Besatzungsmacht den Palast alsKaserne nutzte,[5] schadete dem Gebäude – vor allem im Inneren – sehr. Als dann 1868 die Gründung derKöniglichen Handelshochschule (italienischRegia Scuola Superiore di Commercio) beschlossen wurde, wurde der Ca’ Foscari zu deren Sitz bestimmt.
In den 1930er Jahren fanden unter der Federführung des italienischen ArchitektenCarlo Scarpa erste Instandsetzungsarbeiten statt. Scarpa gestaltete ab 1936 die Eingangshalle und denGroßen Saal (Aula Magna) mit den angrenzenden Räumen im zweiten Stockwerk neu. Außerdem wurden die beiden Eingänge des Anwesens instand gesetzt. 1956[2] wurde Scarpa erneut engagiert, um denGroßen Saal noch einmal umzugestalten. Dieser wurde 1979 bei einem Feuer zum Teil zerstört, aber anschließend von dem Architekten Valeriano Pastor wiederhergestellt.
Die bisher letzten großen Restaurierungsarbeiten, die auch den Palazzo Giustinian umfassten, fanden von Januar 2004 bis Sommer 2006 statt. Dabei wurden unter dem großen Innenhof Relikte aus dem 9. Jahrhundert gefunden und ein mit Fresken des 15. Jahrhunderts ausgestatteter Boden entdeckt.[2] Außerdem legte man in einem Raum des ersten Stockwerks eine reich dekorierte und vergoldete Decke aus dem 16. Jahrhundert frei.[2] Studenten der Universität restaurierten im Jahr 2008 das zur Straßenseite gelegene Portal des Palasts.
45.43446412.3266Koordinaten:45° 26′ 4,1″ N,12° 19′ 35,8″ O