

CDU/CSU (auch:Unionsparteien oder kurzUnion) ist die zusammenfassende Bezeichnung für dieSchwesterparteienChristlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) undChristlich-Soziale Union in Bayern (CSU). Die CSU existiert nur imFreistaat Bayern, die CDU nur in allen übrigenBundesländern. Sie arbeiten seit 1949 imDeutschen Bundestag in derCDU/CSU-Bundestagsfraktion zusammen, die eine für jedeLegislaturperiode erneuerteFraktionsgemeinschaft bildet. Seit 1979[1] konstituiert sich in ähnlicher Form dieCDU/CSU-Gruppe innerhalb derEVP-Fraktion imEuropäischen Parlament.
Die beiden rechtlich, organisatorisch, finanziell und programmatisch eigenständigenParteien haben mehrere gemeinsame Unterorganisationen, darunter dieJunge Union und dieMittelstands- und Wirtschaftsunion.

Programmatische Unterschiede zwischen der CDU und CSU liegen hauptsächlich darin, dass die CSU in derInnen-,Rechts- undGesellschaftspolitikkonservativer und in derWirtschafts- undSozialpolitik sozialer ist.[2]
CDU und CSU sind zwei eigenständigeParteien. Die CDU verfügt über 17 Landesverbände in 15Bundesländern (inNiedersachsen gibt es die drei Landesverbände Braunschweig, Hannover und Oldenburg), allerdings über keinen Landesverband inBayern. Die CSU hat hingegen keinen Landesverband außerhalb Bayerns. Auch aufBundesebene sind die Parteien organisatorisch voneinander getrennt: Die Bundespartei CDU umfasst geographisch nur 15 der 16 Bundesländer, die CSU nur den Freistaat Bayern. Entsprechend sieht es mit den Parteigliederungen auf kommunaler Ebene aus.
BeiWahlen auf sämtlichen politischen Ebenen tritt die CDU nur außerhalb Bayerns an, die CSU nur in Bayern.
Es gibt aber eine Zusammenarbeit bei der Durchführung desWahlkampfes und des Kanzlerkandidaten auf Bundesebene. CDU und CSU stimmen sich stets über einen gemeinsamen Spitzenkandidaten (Kanzlerkandidaten) ab. Meistens, aber nicht immer, gab es auch ein gemeinsamesWahlprogramm beider Parteien. Durch ein eigenes Wahlprogramm kann die CSU ihre Unabhängigkeit betonen, vor allem, wenn es personelle oder programmatische Meinungsverschiedenheiten mit der CDU gibt. Auch bei einem gemeinsamen Wahlprogramm, setzt die CSU zumeist zusätzliche eigene Akzente mit einem Bayernplan. Der Kanzlerkandidat wird bundesweit über die Parteigrenzen hinweg plakatiert und tritt ebenso zu Wahlkampfveranstaltungen auf. Auch weitere Spitzenpolitiker beider Parteien nehmen an Wahlkampfveranstaltungen im Gebiet der jeweils anderen Partei teil.
Parlamentarisch treten dieAbgeordneten der beiden Parteien auf Bundesebene und auf europäischer Ebene gemeinsam auf. Im Bundestag bilden sie in Form einerFraktionsgemeinschaft zusammen eineFraktion, imEuropäischen Parlament die CDU/CSU-Gruppe in derEVP-Fraktion.[3] CDU und CSU führen gemeinsam Koalitionsverhandlungen und beteiligen sich gemeinsam anBundesregierungen, sie stellen aber jeweils eigene Verhandlungsdelegationen und die Ministerposten sind extra CDU und CSU zugeordnet. Auch in den Koalitionsausschüssen verfügen sie jeweils über eigene Vertreter.
DieArbeitsgemeinschaft der Christlich-Demokratischen und Christlich-Sozialen Union Deutschlands[4] war in den Jahren 1947 bis 1950 das organisatorische Bindeglied zwischen den einzelnen Verbänden in den westlichenBesatzungszonen und den Landesverbänden beider Unionsparteien, einschließlich derExil-CDU.[5] Wegen der Unterdrückung der CDU in dersowjetisch besetzten Zone kam es im Herbst 1948 zum Abbruch der Zusammenarbeit derArbeitsgemeinschaft[6] mit der vonOtto Nuschke geführtenOst-CDU.[7]
Die Bindung zwischen CDU und CSU war keineswegs immer fest: Zu Zeiten des CSU-ParteivorsitzendenFranz Josef Strauß kam es 1976 zumKreuther Trennungsbeschluss der CSU, die seit 1949 bestehende gemeinsame Fraktion im8. Bundestag aufzulösen. Ziel der CSU war es, mehrRedezeit imParlament zu erhalten.
Bereits in den Jahren zuvor hatten sich in den deutschen Ländern außerhalb Bayerns „Freundeskreise der CSU“ gebildet, die sich u. a. zurAktionsgemeinschaft Vierte Partei (AVP) entwickelten. Die Unterstützung für die AVP wurde aber von der CSU auf Drängen der CDU wieder aufgegeben. Die AVP zog drei Wochen vor derBundestagswahl 1976 ihre Kandidatur wieder zurück. Nach der Wahl drohte Strauß, motiviert durch ein schlechtes Abschneiden der CDU und ein Ergebnis von 60 % für die CSU in Bayern, wieder mit der Gründung einer „Vierten Partei“. Diesen Gedanken ließ er aber fallen, nachdem die CDU mit ihrem Antreten in Bayern gedroht hatte.
Mitte 1979 wurde die Wahl eines Kanzlerkandidaten für dieBundestagswahl 1980 zur nächsten Zerreißprobe für die Union. Strauß ernannte sich im Mai zum Kandidaten, während die CDU wenig späterErnst Albrecht zum Kandidaten kürte. Eine Abstimmung am 2. Juli 1979 gab Strauß eine knappe Mehrheit, er hatte wieder einmal mit der „Vierten Partei“ gedroht.
Die Wahl 1980 ging für die Unionsparteien verloren; viele Wähler waren zurFDP gewechselt. Für Strauß bedeutete dies das Ende seinerbundespolitischen Ambitionen. Für denOppositionsführer der CDUHelmut Kohl war es dagegen die Chance zur eigenen bundespolitischen Etablierung. Er näherte die Union der FDP an und kam mit derWende 1982, nach dem FDP-Ausstieg aus der Koalition mit der SPD, durch einMisstrauensvotum in das Amt desBundeskanzlers.
Die Unionsparteien gewannen die folgenden vier Bundestagswahlen:1983,1987,1990 und1994; somit blieben sie bis 1998 sechzehn Jahre an der Regierung in einerschwarz-gelben Koalition mit der FDP. Nach derBundestagswahl 1998 gingen CDU, CSU und FDP bis zurBundestagswahl 2005 in dieOpposition.[8] Im Jahr 2002 unterstützte die Union wieder einen CSU-Kanzlerkandidaten, den bayerischen MinisterpräsidentenEdmund Stoiber, der knapp gegen denSPD-KanzlerGerhard Schröder unterlag.[9]
Von 2005 bis 2021 führteAngela Merkel (CDU) die jeweiligen Bundesregierungen alsBundeskanzlerin an. 2005 bis 2009 bildeten die Unionsparteien mit der SPD eineGroße Koalition, während sie im17. Bundestag von 2009 bis 2013 wieder mit der FDP eine Koalition eingingen. Nach derBundestagswahl 2013 und derWahl 2017 ging die Union erneut eine Koalition mit der SPD ein.[10][11] Wegen Meinungsverschiedenheiten zurFlüchtlingskrise 2015/2016 kam es wieder zu Diskussionen über einebundesweite Ausdehnung der CSU (vor allem 2016 und 2018).[12][13]
Ende Oktober 2018 erklärte Merkel, für dieBundestagswahl 2021 nicht wieder als Spitzenkandidatin der Union anzutreten. Im Vorfeld der Wahl versuchte der CSU-VorsitzendeMarkus Söder, von CSU und CDU als Kanzlerkandidat aufgestellt zu werden.[14] Die CDU-Bundesspitze bestand allerdings auf den CDU-VorsitzendenArmin Laschet, der sich schließlich im April 2021 durchsetzte.[15] Am Wahlabend erlitt die Union dramatische Verluste, fiel hinter die SPD zurück und wechselte nach Bildung einerAmpel-Koalition unter BundeskanzlerOlaf Scholz in die Opposition.
Nach dem Gang in die Opposition nach derBundestagswahl 2021 stellte sich die CDU neu auf. Neuer Vorsitzender der Partei und derUnions-Bundestagsfraktion wurdeFriedrich Merz; auf Seiten der CSU bliebAlexander Dobrindt Landesgruppenvorsitzender.
Bei derBundestagswahl 2025 erzielte die Union mit 28,6 % das zweitschlechteste Ergebnis der Unionsgeschichte, wurde aber dennoch stärkste Kraft.[16]
| Gemeinsame Bundestagswahlergebnisse[17] | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | Stimmenanzahl | Stimmenanteil | Sitze | Kanzlerkandidat | |
| 1949 | 07.359.084 | 31,0 % | 139 | Konrad Adenauer | CDU |
| 1953 | 12.443.981 | 45,2 % | 249 | ||
| 1957 | 15.008.339 | 50,2 % | 277 | ||
| 1961 | 14.298.372 | 45,3 % | 251 | ||
| 1965 | 15.524.068 | 47,6 % | 251 | Ludwig Erhard | |
| 1969 | 15.195.187 | 46,1 % | 250 | Kurt Georg Kiesinger | |
| 1972 | 16.806.020 | 44,9 % | 234 | Rainer Barzel | |
| 1976 | 18.394.801 | 48,6 % | 254 | Helmut Kohl | |
| 1980 | 16.897.659 | 44,5 % | 237 | Franz Josef Strauß | CSU |
| 1983 | 18.998.545 | 48,8 % | 255 | Helmut Kohl | CDU |
| 1987 | 16.761.572 | 44,3 % | 234 | ||
| 1990 | 20.358.096 | 43,8 % | 319 | ||
| 1994 | 19.517.156 | 41,4 % | 294 | ||
| 1998 | 17.329.388 | 35,1 % | 245 | ||
| 2002 | 18.482.641 | 38,5 % | 248 | Edmund Stoiber | CSU |
| 2005 | 16.631.049 | 35,2 % | 226 | Angela Merkel | CDU |
| 2009 | 14.658.515 | 33,8 % | 239 | ||
| 2013[18] | 18.165.446 | 41,5 % | 311 | ||
| 2017[19][20] | 15.317.344 | 32,9 % | 246 | ||
| 2021 | 11.177.747 | 24,2 % | 197 | Armin Laschet | |
| 2025 | 14.194.732 | 28,5 % | 208 | Friedrich Merz | |