| Bundesministerium der Finanzen — BMF — | |
|---|---|
| Staatliche Ebene | Bund |
| Stellung | oberste Bundesbehörde |
| Gründung | 1880 alsReichsschatzamt |
| Vorgänger | Reichsfinanzministerium |
| Hauptsitz | Berlin |
| Bundesminister | Lars Klingbeil (SPD) |
| Haushaltsvolumen | 10,82 Mrd. Euro(2026)[1] |
| Netzauftritt | www.bundesfinanzministerium.de |
DasBundesministerium der Finanzen (AbkürzungBMF[2]) ist eineoberste Bundesbehörde derBundesrepublik Deutschland. Es hat seinen Hauptsitz bzw. erstenDienstsitz inBerlin und seinen zweiten Dienstsitz in der BundesstadtBonn. DemMinisterium steht derBundesminister der Finanzen,Lars Klingbeil (SPD), vor. Das BMF wird von einemwissenschaftlichen Beirat, einemFinTechRat und einem Beirat für nachhaltige Finanzierung unterstützt.[3]
Der Finanzminister ist neben demInnen-,Außen-,Justiz- undVerteidigungsminister eines derjenigen Regierungsmitglieder, die einem der sogenanntenklassischen Ressorts vorstehen. Um dies hervorzuheben, wird im Namen derbestimmte Artikel verwendet. Neben dem Justiz- und dem Verteidigungsministerium gehört das Finanzministerium zudem zu den drei Bundesministerien, die im Grundgesetz ausdrücklich erwähnt werden (Art. 112 S. 1 undArt. 114 Abs. 1) und deren Status als solche nicht angetastet werden darf (ansonsten steht es dem Bundeskanzler im Rahmen seiner Organisationsgewalt frei, Ministerien einzurichten oder aufzulösen).[4]
Nach Auflösung des kaiserlichenReichsschatzamtes wurde in derWeimarer Republik dasReichsfinanzministerium gegründet. Dieses war Vorläufer des heutigen Ministeriums. Der Gründung des Ministeriums 1949 unmittelbar voraus ging der 1947 geschaffeneGemeinsame Finanzrat.
Nach der Auflösung desBundesschatzministeriums 1969 wurden dessen Aufgaben zum Teil auf das Finanzministerium übertragen.
Von Mai 1971 bis Dezember 1972 war das Finanzministerium mit demBundesministerium für Wirtschaft zumBundesministerium für Wirtschaft und Finanzen verschmolzen.
Aufgrund desHauptstadtbeschlusses (Berlin/Bonn-Gesetz) desDeutschen Bundestags wurde der Hauptsitz des Ministeriums Mitte der 1990er Jahre schrittweise von Bonn nach Berlin verlegt. Ein Dienstsitz blieb in Bonn.
Seit 1998 ist das Bundesfinanzministerium auch für die Ausgabe der Postwertzeichen mit der BezeichnungDeutschland zuständig.
Die wesentlichen Zuständigkeiten des BMF liegen in derSteuer-,Haushaltspolitik (Staatsfinanzen) sowie in der Europäischen Finanzpolitik. Auch gehören die regelmäßige Erstellung und Veröffentlichung desTragfähigkeitsberichts zu seinen Aufgaben.
Darüber hinaus hat das Ministerium unter anderem die Rechts- und Fachaufsicht über folgendeBundesoberbehörden:
Nach § 26 der Geschäftsordnung der Bundesregierung besitzt der Bundesminister der Finanzen innerhalb der Bundesregierung einVetorecht in Fragen von finanzieller Bedeutung.[5]


Erster Dienstsitz des Bundesfinanzministerium ist dasDetlev-Rohwedder-Haus in derWilhelmstraße in Berlin.[6]
Das Gebäude wurde in derZeit des Nationalsozialismus 1935/1936 nach Plänen des ArchitektenErnst Sagebiel errichtet und war nach seiner Fertigstellung bis Kriegsende 1945 der Sitz desReichsluftfahrtministeriums (RLM).
Im Jahr 1949 war das Gebäude der Tagungsort desDeutschen Volksrats, der am 7. Oktober 1949 durch Inkraftsetzung derVerfassung im großen Festsaal dieDDRgründete und sich dort alsprovisorische Volkskammer konstituierte. Im Anschluss wurden in dem Komplex mehrere Fachministerien untergebracht, woraufhin der Bau nun offiziell als Haus der Ministerien der DDR bezeichnet wurde.
Nach derWende in der DDR war das Haus von 1991 bis 1994 Hauptsitz derTreuhandanstalt. 1992 wurde das Gebäude nach dem im Vorjahr ermordeten Präsidenten der TreuhandanstaltDetlev Rohwedder benannt.
Nachdem es zwischen 1994 und 1998 saniert und umgebaut wurde, dient es seit 1999 dem Bundesfinanzministerium als Hauptsitz.
AufEU-Ebene liegt die Hauptzuständigkeit des Finanzministeriums in der Abstimmung dereuropäischen Wirtschafts- und Währungspolitik im Auftrag der Bundesregierung. Daneben wirkt das Ministerium bei der Aufstellung und Kontrolle des EU-Haushalts mit und ist für die EU-RegelungsbereicheZoll,Steuern undFinanzdienstleistungen zuständig.[7]
Das Hauptorgan, in dem das Bundesfinanzministerium auf EU-Ebene tätig wird, ist derRat für Wirtschaft und Finanzen (ECOFIN). Der Bundesminister der Finanzen vertritt Deutschland im ECOFIN. Der ECOFIN tagt monatlich.[8]
Innerhalb des Ministeriums fällt die Gestaltung seiner europapolitischen Aufgabenbereiche in die Hauptzuständigkeit der Abteilung E unter der Leitung von MDin Hermes.[9]
Im Bundesfinanzministerium ist außerdem dieEU-Informationsstelle angesiedelt, die Ansprechpartner für Bürgerfragen zur europäischen Gesetzgebung, zu EU-Förderprogrammen und Politikbereichen der EU sowie Vermittlungsstelle für vielfältige Informationsquellen ist.[10]
Ein selbstbetiteltes „wesentliches Ziel“[7] des BMF in der Europapolitik ist die Stabilisierung desEuro und derEuropäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Zur Erreichung dieses Ziels setzt sich das BMF für eine reformierte Finanzmarktaufsicht in Europa, eine engere Koordinierung und Überwachung (Europäisches Semester, Reform desStabilitäts- und Wachstumspakts,Euro-Plus-Pakt etc.) sowie Rettungsmaßnahmen (ESM,EFSF etc.) ein.[7]
Daneben setzt sich das BMF in federführender Position innerhalb der Bundesregierung und in Zusammenarbeit mit demEuropäischen Rechnungshof, derEuropäischen Kommission und demEuropäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) für die ordnungsgemäße und effiziente Verwendung von gezahlten europäischenSubventionen ein.[7]

NachdemAlex Möller aus Protest gegen die Schuldenpolitik der anderen Ministerien zurückgetreten war, wurde in der Folgezeit das Finanzressort vom jeweiligenWirtschaftsminister, zunächst vonKarl Schiller, später vonHelmut Schmidt, mitverwaltet, ehe die ursprüngliche Teilung wiederhergestellt wurde. Kurzzeitig gab es diese Zusammenlegung zuvor schon einmal, als imzweiten Kabinett unterLudwig Erhard die FDP-Minister zurückgetreten waren, standKurt Schmücker an der Spitze beider Ministerien. Diese Personalunion endete mit der Bildung einerGroßen Koalition unter BundeskanzlerKurt Georg Kiesinger knapp einen Monat später.
| Nr. | Name | Bild | Lebensdaten | Partei | Beginn der Amtszeit | Ende der Amtszeit | Dauer der Amtszeit | Kabinett(e) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Bundesminister der Finanzen | ||||||||
| 1 | Fritz Schäffer | 1888–1967 | CSU | 20. September 1949 | 29. Oktober 1957 | 2.961 Tage | Adenauer I Adenauer II | |
| 2 | Franz Etzel | 1902–1970 | CDU | 29. Oktober 1957 | 14. November 1961 | 1.477 Tage | Adenauer III | |
| 3 | Heinz Starke | 1911–2001 | FDP | 14. November 1961 | 19. November 1962 | 370 Tage | Adenauer IV | |
| 4 | Rolf Dahlgrün | 1908–1969 | FDP | 14. Dezember 1962 | 28. Oktober 1966 | 1414 Tage | Adenauer V Erhard I Erhard II | |
| 5 | Kurt Schmücker | 1919–1996 | CDU | 8. November 1966 | 30. November 1966 | 22 Tage | Erhard II | |
| 6 | Franz Josef Strauß | 1915–1988 | CSU | 1. Dezember 1966 | 21. Oktober 1969 | 1.055 Tage | Kiesinger | |
| 7 | Alex Möller | 1903–1985 | SPD | 22. Oktober 1969 | 13. Mai 1971 | 568 Tage | Brandt I | |
| 8 | Karl Schiller | 1911–1994 | SPD | 13. Mai 1971 | 7. Juli 1972 | 421 Tage | ||
| 9 | Helmut Schmidt | 1918–2015 | SPD | 7. Juli 1972 | 15. Mai 1974 | 677 Tage | Brandt I Brandt II | |
| 10 | Hans Apel | 1932–2011 | SPD | 16. Mai 1974 | 15. Februar 1978 | 1.371 Tage | Schmidt I Schmidt II | |
| 11 | Hans Matthöfer | 1925–2009 | SPD | 16. Februar 1978 | 28. April 1982 | 1.532 Tage | Schmidt II Schmidt III | |
| 12 | Manfred Lahnstein | * 1937 | SPD | 28. April 1982 | 1. Oktober 1982 | 156 Tage | Schmidt III | |
| 13 | Gerhard Stoltenberg | 1928–2001 | CDU | 4. Oktober 1982 | 21. April 1989 | 2.391 Tage | Kohl I Kohl II Kohl III | |
| 14 | Theo Waigel | * 1939 | CSU | 21. April 1989 | 27. Oktober 1998 | 3.476 Tage | Kohl III Kohl IV Kohl V | |
| 15 | Oskar Lafontaine | * 1943 | SPD | 27. Oktober 1998 | 18. März 1999 | 142 Tage | Schröder I | |
| – | Werner Müller (kommissarisch) | 1946–2019 | parteilos | 18. März 1999 | 12. April 1999 | 25 Tage | ||
| 16 | Hans Eichel | * 1941 | SPD | 12. April 1999 | 22. November 2005 | 2.416 Tage | Schröder I Schröder II | |
| 17 | Peer Steinbrück | * 1947 | SPD | 22. November 2005 | 28. Oktober 2009 | 1.436 Tage | Merkel I | |
| 18 | Wolfgang Schäuble | 1942–2023 | CDU | 28. Oktober 2009 | 24. Oktober 2017 | 2.918 Tage | Merkel II Merkel III | |
| – | Peter Altmaier (kommissarisch) | * 1958 | CDU | 24. Oktober 2017 | 14. März 2018 | 141 Tage | Merkel III | |
| 19 | Olaf Scholz | * 1958 | SPD | 14. März 2018 | 8. Dezember 2021 | 1.365 Tage | Merkel IV | |
| 20 | Christian Lindner | * 1979 | FDP | 8. Dezember 2021 | 7. November 2024 | 1.065 Tage | Scholz | |
| 21 | Jörg Kukies | * 1968 | SPD | 7. November 2024 | 6. Mai 2025 | 180 Tage | ||
| 22 | Lars Klingbeil | * 1978 | SPD | 6. Mai 2025 | im Amt | seit 281 Tagen | Merz | |
Für das seit dem 1. Januar 2023 geltendePlattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG) erhielt das Bundesfinanzministerium, vertreten durch BundesfinanzministerChristian Lindner, 2023 den Datenschutz-NegativpreisBig Brother Award in der KategorieBehörden & Verwaltung.[11][12]
52.50867513.384058333333Koordinaten:52° 30′ 31,2″ N,13° 23′ 2,6″ O