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Buchtitel

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Dieser Artikel erläutert den Werktitel des Buchs, zur Seite drei des Buchblocks sieheTitelblatt.

EinBuchtitel bezeichnet denWerktitel einesBuches, aber auch einerSchriftrolle (sieheSillybos), unter dem es erscheint (publiziert wird) und in Titellisten geführt wird. Oft werden demHaupttitel auch ergänzende Angaben in einemUntertitel bzw.Nebentitel hinzugefügt.

Funktionen und Arten von Buchtiteln

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Philipp Erchinger unterscheidet in Anlehnung anKarl Bühler undRoman Ossipowitsch Jakobson vier grundlegende Funktionen des Buchtitels:

  • diereferentielle odermitteilende Funktion, die daraus besteht, dass der Titel auf den Inhalt, den Gegenstand oder das Thema des Haupttextes verweist, indem er Zeit- bzw. Ortsangaben macht, den Namen desProtagonisten oder die Gattung benennt.
  • dieAppell- oder Wirkungsfunktion, die oft durch eineelliptische, suggestive oder anpreisende Sprache hervorgehoben wird. Titel erzeugen eine Erwartungshaltung und versuchen Aufmerksamkeit und Neugier zu wecken.
  • dieAusdrucksfunktion tritt vor allem in literarischen Texten hervor, so durch „demonstrative Exposition einer individuellen Kunstfertigkeit“, eine „eigenwillige Manier“ oder durch „intertextuelle Bezugnahmen“.
  • Eng damit verbunden ist diepoetische Funktion, die durch auffälligen Sprachgebrauch evozierte „Einstellung auf die BOTSCHAFT als solche“ (Roman Jakobson). Bei literarischen Werken kann sie dazu dienen, diese Werke überhaupt erst als literarisch zu kennzeichnen.[1]

Gérard Genette unterscheidet in seinem BuchParatexte zwischenthematischen undrhematischen Buchtiteln.Thematische Titel sind demnach solche Titel, die sich auf den „Inhalt“ des Textes beziehen,rhematische Titel hingegen solche, die beispielsweise alsGattungsangabe die „Form“ des Textes bezeichnen.[2]

Geschichte

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Europa

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Buchtitel in der Form, wie sie heute verwendet werden, waren in derAntike noch nicht geläufig. Zwar sind fürDramen undEpen in den Quellen des Altertums schon früh Nennungen von Werktiteln bezeugt, in derProsa ist das jedoch nicht der Fall. Viele der Titel, unter denen die antiken Texte heute bekannt sind, stammen wahrscheinlich nicht vomAutor selbst, sondern vonKopisten undBibliothekaren.[3]

ImMittelalter diente vor allem dasKolophon oder dasIncipit zur Kennzeichnung des Buches. Das separateTitelblatt als fester Bestandteil des dadurch benannten und als in sich geschlossenes Werk ausgewiesenen Buches entsteht erst mit der Einführung desBuchdrucks zur Zeit derRenaissance. In der Renaissance hat die Appellfunktion des Titels großes Gewicht, weil Druckerzeugnisse miteinander konkurrieren. Die Wahl des Buchtitels ist dabei meist nicht Sache der Autoren, sondern der Verleger, die eine Reihe von topischen Formeln zur Anpreisung des Buches entwickeln.[4]

Im 17. Jahrhundert findet sich die Titelgebung verstärkt in Handbüchern zurRhetorik undPoetik. Die in diesen Büchern geforderte Kürze von Buchtiteln wird in der Publizistik desBarock nur selten berücksichtigt. 1668 erscheint mitDe ineptis librorum titulis die erste eigenständige Abhandlung zu Buchtiteln, die verschiedene „ungeeignete“ Buchtitel auflistet und kritisiert.[5]

Im Vergleich zur vorangehenden Zeit werden die Buchtitel im 18. und 19. Jahrhundert im Durchschnitt erheblich kürzer. Die programmatische Formel für diese Abwendung von der Tradition der ausladenden Titel des Barock liefertLessing in seinerHamburgischen Dramaturgie (1767–1769): „Der Titel muss kein Küchenzettel sein. Je weniger er von dem Inhalt verrät, desto besser ist er.“[6] Die mediale Funktion des Titels als Instanz zwischen Text und Publikum wird später vonArthur Schopenhauer betont, der den Buchtitel mit der Aufschrift eines Briefes vergleicht. Zweck des Titels sei es vor allem, das Buch „dem Theil des Publikums zuzuführen, welchem sein Inhalt interessant seyn kann“. Diese Aufgabe erfülle er am besten, wenn er „koncis, lakonisch, prägnant und womöglich ein Monogramm [Grundriß] des Inhalts“ sei.[7] Mitte des 20. Jahrhunderts lehnteTheodor W. Adorno – unter Rekurs auf Lessing – genau diese Konzentration des Titels auf den Inhalt ausliteraturtheoretischen Erwägungen ab.[8]

Islamische Länder

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In den islamischen Ländern, in denen diearabische Sprache als Literatursprache diente, wurden ab dem 10. Jahrhundert gereimte Titel populär. Sie dominierten nahezu ein Jahrtausend lang in den Werksbezeichnungen, um erst im Laufe des 19. Jahrhunderts zurückzutreten.[9]

Die gereimten arabischen Buchtitel, die zum Teil auch für Werke inpersischer,osmanisch-türkischer Sprache und aufUrdu verwendet wurden, sind inSadschʿ gehalten und bestehen nach Arne A. Ambros üblicherweise aus zwei Teilen, einerLeitphrase, „die keine Information über den Inhalt des Werkes kommuniziert und nur dazu dienen soll, beim Leser eine positive Einstellung zu dem betreffenden Buche herbeizuführen“, und einerThemaphrase, die mit „über, betreffend“ eingeleitet ist, mit der Leitphrase reimt und eine Art Untertitel bildet.[10] Als Beispiel für diese Titelstruktur verweist Arne Ambros auf die TitelKifāyat al-fuḥūl fī ʿilm al-uṣūl „Die Genüge der Meister, über die Wissenschaft von den Grundlagen derRechtstheorie“ undal-Ǧauhar aṯ-ṯamīn fī siyar al-ḫulafāʾ wa-s-salāṭīn „Das kostbare Juwel über die Biographien der Kalifen und Sultane“, die er willkürlich aus derGeschichte der arabischen Litteratur vonCarl Brockelmann herausgegriffen hat.[10]

Rechtsfragen

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Grundsätzlich entsteht einMarkenrecht an einem Buchtitel mit derVeröffentlichung des Werkes. Um den Titel schon vor dem Erscheinen zu schützen (z. B. „Entwicklung und Produktion“), kann der Anspruch auf so genannten vorgezogenenWerktitelschutz durch eine Titelschutzanzeige bekannt gemacht werden.

Diese Anzeige hat zeitlich begrenzt die gleiche Wirkung wie auch das Erscheinen des Werkes. Das geplante Werk muss jedoch innerhalb einer „angemessenen Frist“ auf den Markt kommen, sonst verfällt der vorgezogene Werktitelschutz. Welche Frist angemessen ist, richtet sich nach der Art des Werkes (beispielsweise sechs Monate beiPrintmedien).

Titelschutzanzeigen können imTitelschutz-Magazin,Titelschutzanzeiger undTitelschutz-Journal (allesamtAnzeigenblätter) nach § 5 Abs. 3 MarkenG gegen Gebühr veröffentlicht werden. Ebenso können diese imBörsenblatt desBörsenvereins des Deutschen Buchhandels geschaltet werden. Dort gibt es auch eine Schiedsstelle für Streitigkeiten. Ebenfalls können Titelschutzanzeigen direkt im Internet geschaltet werden; es gibt jedoch noch kein rechtskräftiges Urteil über die Wirksamkeit.

Um schützenswert zu sein, muss ein Titel ein Minimum anUnterscheidungskraft besitzen.Kafka wäre kein schützenswerter Titel,Kafka – Die Jahre der Entscheidungen schon.

Eine Behörde oder eine sonstige Einrichtung für die Anmeldung von Titelschutz gibt es nicht. Es gilt das Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

Grammatikalische Aspekte von Buchtiteln

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Wird in einem Text ein Buchtitel zitiert, so wird er gegebenenfalls gebeugt. Beginnt der Buchtitel mit einem bestimmten Artikel, der durch die Beugung verändert wird, so wird dieser nicht in den Kursivsatz oder die Anführungszeichen, durch die der Titel hervorgehoben wird, mit einbezogen. Anhand des RomantitelsDer Process (Franz Kafka) einige Beispiele:

… beim Lesen desProcesses …Sie gab ihm denProcess.Sie kaufte eine Lektürehilfe zumProcess.

Soll der Buchtitel unverändert angegeben werden, muss man ihn in eine Formulierung einbetten, die keine Beugung erfordert:

… beim Lesen von Kafkas WerkDer ProcessDer Process hat beim Lesen …

Literatur

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  • Theodor W. Adorno:Titel. Paraphrasen zu Lessing. In: Theodor W. Adorno:Noten zur Literatur (= Gesammelte Schriften 11). 3. Aufl. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1990,ISBN 3-518-57232-6, S. 325–344.
  • Arne A. Ambros:Beobachtungen zu Aufbau und Funktionen der gereimten klassisch-arabischen Buchtitel. In:Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes 80 (1990), S. 13–57.
  • Jacques Derrida:Titel (noch zu bestimmen). Titre (à préciser). Übers. vonFriedrich Kittler. In: Friedrich A. Kittler (Hrsg.):Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften. Programme des Poststrukturalismus. Schöningh, Paderborn u. a. 1980,ISBN 3-506-99293-7, S. 15–37.
  • Philipp Erchinger:Titel. In:Gert Ueding (Hrsg.):Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd. 9:St–Z. Niemeyer, Tübingen 2009,Sp. 581–592.
  • Gérard Genette:Paratexte. Das Buch vom Beiwerk des Buches. Aus dem Französischen von Dieter Hornig. Suhrkamp, Frankfurt/Main 2001, S. 58–103.
  • Wolfgang Koch:Das ist der Titel. Einführung in die Kunst der Werkbenennung. Hollitzer Verlag, Wien 2024,ISBN 978-3-99094-045-7.
  • Arnold Rothe:Der literarische Titel. Funktionen, Formen, Geschichte. Klostermann, Frankfurt am Main 1986 (= Das Abendland – Neue Folge 16).

Weblinks

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Wiktionary: Buchtitel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Titelblätter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Philipp Erchinger:Titel. In:Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Band IX, 2009, Sp. 581–592, hier Sp. 582.
  2. Gérard Genette:Paratexte, 2001, S. 79 f.
  3. Philipp Erchinger:Titel. In:Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Band IX, 2009, Sp. 581–592, hier Sp. 583.
  4. Philipp Erchinger:Titel. In:Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Band IX, 2009, Sp. 581–592, hier Sp. 584 f.
  5. Philipp Erchinger:Titel. In:Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Band IX, 2009, Sp. 581–592, hier Sp. 585 f.
  6. Zit. bei Philipp Erchinger:Titel. In:Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Band IX, 2009, Sp. 581–592, hier Sp. 586.
  7. Zit. bei Philipp Erchinger:Titel. In:Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Band IX, 2009, Sp. 581–592, hier Sp. 586 f.
  8. Theodor W. Adorno:Titel. Paraphrasen zu Lessing. In:Noten zur Literatur. 3. Aufl. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1990, S. 325–344.
  9. Arne A. Ambros:Beobachtungen zu Aufbau und Funktionen der gereimten klassisch-arabischen Buchtitel. In: Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes 80, 1990, S. 15.
  10. abArne A. Ambros:Beobachtungen zu Aufbau und Funktionen der gereimten klassisch-arabischen Buchtitel. In: Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes 80, 1990, S. 13.
Normdaten (Sachbegriff):GND:4146839-9 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS)
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