Louis Boyd Neel (*19. Juli1905 inBlackheath,London; †30. September1981 inToronto) war einkanadischerDirigent undMusikpädagogeenglischer Herkunft.
Neel besuchte dasOsborne Naval College. Kurz nach seinem Eintritt in die Royal Navy erfolgte eine drastische Reduktion der britischen Streitkräfte, und Neel begann ein Medizinstudium amCaius College Cambridge mit dem Spezialgebiet Chirurgie, das er 1930 mit dem Mastergrad abschloss. Er wurde dann Chirurg am LondonerSaint George’s Hospital und Arzt amKing Edward VII’s Hospital. Zugleich begann er an derGuildhall School of Music ein Studium der Musiktheorie und Orchestration.
Aus siebzehn Musikern derRoyal Academy of Music und desRoyal College of Music (darunter dem GeigerFrederick Grinke) gründete er 1932 dasBoyd Neel London String Orchestra (späterBoyd Neel Orchestra), mit dem er 1933 in der LondonerAeolian Hall debütierte. Ende des Jahres lud dieBBC ihn und das Orchester zu Aufnahmen ein, und alsDecca Records ihm einen Vertrag anbot, gab er seine Tätigkeit als Arzt auf, um sich ganz der Musik zu widmen.
Das Orchester spielte u. a. die erste Gesamtaufnahme vonGeorg Friedrich HändelsConcerti grossi ein und führte bei Konzertreisen durch Europa Werke wieRalph Vaughan Williams’Fantasia on a Theme byThomas Tallis undBenjamin BrittensSimple Symphony und (bei denSalzburger Festspielen 1937) Britten’sVariations on a Theme ofFrank Bridge. Britten komponierte zum zehnten Jahrestag der Gründung des Boyd Neel Orchestra seinPrelude and Fugue für achtzehn Streicher.
Als Gastdirigent leitete Neel vor und nach dem Zweiten Weltkrieg u. a. dasRoyal Philharmonic Orchestra, dasLondon Philharmonic Orchestra, dasLondon Symphony Orchestra und dasBBC Symphony Orchestra. Während des Zweiten Weltkrieges war er Sanitätsoffizier bei der Royal Navy und gab daneben mehrere hundert Konzerte vor Truppen mit demSadler’s Wells Orchestra. Nach dem Krieg wirkte er als Dirigent an derSadler’s Wells Opera und für dieD’Oyly Carte Opera Company. Mit seinem Orchester unternahm er ab 1947 Konzertreisen durch Australien, Neuseeland, Kanada und die USA, über die er in seinem BuchThe Story of an Orchestra (1950) berichtete.
Ab 1953 bis zum Jahr 1971 war Neel Dekan desRoyal Conservatory of Music in Toronto. 1954 gründete er dasHart House Orchestra, das er ebenfalls bis 1971 leitete. Mit dem Orchester gab er 1955 beimStratford Festival acht Konzerte u.s. mit den SolistenGlenn Gould,Lois Marshall undElisabeth Schwarzkopf. Zwischen 1953 und 1964 dirigierte er mehrfach dasCBC Symphony Orchestra, 1955 trat er erstmals mit demToronto Symphony Orchestra auf.
Ab 1969 bis Ende der 1970er Jahre unterrichtete Neel beimStudent Conductors’ Workshop derUniversity of Toronto, 1972 wurde er der erste Dirigent desMississauga Symphony Orchestra, dem er nach 1978 als Emeritus verbunden blieb. Nach seiner Pensionierung verfasste er die AutobiographieMy Orchestras and Other Adventures.
Neel wurde 1953 alsCommander of the British Empire ausgezeichnet. 1954 wurde er Ehrenmitglied derRoyal Academy of Music und 1972 Offizier desOrder of Canada. Die University of Toronto verlieh ihm 1979 einen Ehrendoktortitel für Musik. Seit 1961 war er kanadischer Staatsbürger.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Neel, Boyd |
| ALTERNATIVNAMEN | Neel, Louis Boyd |
| KURZBESCHREIBUNG | britisch-kanadischer Dirigent und Musikpädagoge |
| GEBURTSDATUM | 19. Juli 1905 |
| GEBURTSORT | Blackheath |
| STERBEDATUM | 30. September 1981 |
| STERBEORT | Toronto |