DerIngenieurWilliam Edward Boeing, Sohn des deutschenAuswanderers Wilhelm Böing, hatte an derYale University studiert und anschließend zunächst in der Holzverarbeitungsindustrie gearbeitet, wo er Kenntnisse über Holzstrukturen erwarb, die ihm für seine spätere Tätigkeit imFlugzeugbau nützlich sein würden.[4] 1915 begann er inSeattle (BundesstaatWashington) zusammen mit seinem Kollegen George Conrad Westervelt die Arbeit an derB & W Seaplane, einemWasserflugzeug aus Holz, Leinen und Draht.[5] Als Westervelt seine Mitarbeit beendete, stellte Boeing die ersten beiden B&Ws ohne seine Hilfe fertig. DenErstflug mit derBluebill genannten Maschine führte William Boeing selbst am 15. Juni 1916 durch.[6] Die Firmengründung fand am 15. Juli 1916 alsPacific Aero Products Company statt. Bereits 1917 wurde das Unternehmen inBoeing Aeroplane Company umbenannt.
Im Jahr 1926 gründete das Unternehmen die TochtergesellschaftBoeing Air Transport, welche die Ausschreibung desUnited States Postal Service fürPostflüge zwischenChicago undSan Francisco gewann. Der Flugbetrieb wurde am 1. Juli 1927 mit dem TypBoeing Model 40 aufgenommen. Die Postflüge erwiesen sich als sehr lukrativ, wodurchBoeing Air Transport schnell expandieren und kleinere Gesellschaften wieVarney Air Lines aufkaufen konnte.[7] Im Jahr 1929 übernahmBoeing dieStearman Aircraft Corporation inWichita (Kansas) und führte den Betrieb als Zweigwerk weiter.[8] Ende der 1920er-Jahre schlossen sichBoeing Company, dieBoeing Air Transport und der MotorenherstellerPratt & Whitney zurUnited Aircraft and Transport Company zusammen, welche im Jahr 1930 weitere Ausschreibungen für Postflüge gewann.
Als 1934 durch denAir Mail Scandal bekannt wurde, dass bei diesen Ausschreibungen Unregelmäßigkeiten im Spiel waren, kündigte die US-Regierung die Verträge auf und untersagte den Herstellern eine Beteiligung an den im Postflugverkehr tätigen Fluggesellschaften.[9] DieUnited Aircraft and Transport Company musste dadurch zwangsweise aufgespalten werden. William Boeing verlor seine Klage gegen die Regierungsentscheidung und schied resigniert aus seiner Firma aus. Aus der Auftrennung der Unternehmensgruppe ging unter anderem die GesellschaftUnited Air Lines hervor.
Während desZweiten Weltkrieges entwickelte sich der Flugzeugbauer mit der imBoeing Werk 2 gefertigtenB-17 bald zu einem der größten Produzenten vonBombenflugzeugen. Mit dem Beginn desKalten Krieges konnte Boeing die führende Position in dieser Sparte mit derB-47 undB-52 weiter festigen. Weil die Reichweite dieser Bomber für einen Angriff auf die Sowjetunion nicht ausreichte, entwickelte Boeing für dieUnited States Air Force auch das jetgetriebene TankflugzeugKC-135, das von Boeing zur707 weiterentwickelt wurde und so Boeings Aufstieg zum größten Produzenten von Zivilflugzeugen einleitete. Während Boeing mit Zivilflugzeugen immer erfolgreicher wurde, ging der Erfolg bei der Ausschreibung neuer Bomberprojekte zurück.
1997 übernahm Boeing den in der zivilen Luftfahrt zur Nummer drei (hinterAirbus) abgesunkenen FlugzeugbauerMcDonnell Douglas und die Aerospace Units vonRockwell International (Boeing North American).
Boeing stellte von 1974 bis 1985Tragflügelboote, sog. JETFOILs her, das bekannteste Modell ist dieBoeing 929.[10] Danach wurden einige Boote mit Boeing-Lizenzen von anderen Werften gebaut.
Im März 2001 gab Boeing bekannt, den Firmensitz von Seattle an einen anderen Ort zu verlegen. Im Gespräch waren unter anderemChicago,Denver oderDallas, wobei man sich letztlich für Chicago entschied. Die Produktion von Flugzeugen blieb davon unangetastet. Im Mai 2022 gab Boeing bekannt, dass der Firmensitz erneut umziehen werde.[11] Nun wechselte er nachArlington in Virginia. Er befindet sich heute im OrtsteilCrystal City in Sichtweite zumPentagon.
Durch eine Krise im Luftverkehr und dieTerroranschläge am 11. September 2001 war keine Fluggesellschaft bereit, den zwar schnellen, aber unwirtschaftlichenSonic Cruiser zu bestellen. Der Konkurrent Airbus gewann immer mehr Marktanteile. Im Militärluftfahrtbereich verlor der Konzern einen großen Auftrag anLockheed Martin: Das von Boeing entwickelteMilitärflugzeugX‑32 wurde von der Air Force abgelehnt. Im Raumfahrtbereich warf dieNASA der Boeing Nachlässigkeiten wegen desColumbia-Unglücks vor.
Boeing verbuchte im Geschäftsjahr 2002 einen Umsatz von 54,069 MilliardenUS-Dollar bei einem Gewinn von 0,492 Milliarden US-Dollar. 2002 lieferte Boeing 381 Flugzeuge aus.
Im Jahr 2003 gab das Unternehmen bekannt, die757-Produktion Ende 2004 einzustellen – seit den Terroranschlägen 2001 waren nur neun Flugzeuge dieses Typs bestellt worden. Auch die767, im transatlantischen Luftverkehr in der vorangegangenen 20 Jahren gut vertreten gewesen, drohte wegen mangelnder Nachfrage das Aus, zumal ein Nachfolgemodell, die787, bereits angeboten wurde.
Netto-Bestellungen von Flugzeugen zwischen 2001 und 2015 von Boeing[12] undAirbus
Mit der 787 versuchte Boeing, auf dem 250-Sitzer-Markt wieder Fuß zu fassen. Das Modell sollte die 757 und die 767 ersetzen. 2005 gab das Unternehmen bekannt, auch die717-Produktion Ende 2006 einzustellen, als Grund wurde abermals mangelnde Nachfrage angegeben.
2005 wurde der Bau der Rumpfteile in dieSpirit AeroSystems ausgelagert.[14] Seither ist die Anzahl der bestellten Flugzeuge wieder deutlich angestiegen. Auch die Umsätze und Gewinne im Vergleich zu den Jahren davor sind wieder gestiegen,[12] sodass die Krise mit dem Jahr 2005 vorerst beendet wurde. Im Jahr 2010 ist der Umsatz allerdings im Vergleich zum Vorjahr von 68,281 Mrd. auf 64,308 Mrd. US-Dollar gesunken. Den größten Umsatzrückgang musste die zivile Flugzeugsparte hinnehmen, dort sank der Umsatz von 34,051 Mrd. auf 31,834 Mrd. US-Dollar. Dies dürfte auf Spätfolgen derFinanzkrise zurückzuführen sein, da viele Fluggesellschaften Aufträge stornierten oder aufschoben mitunter wegen des erneut stark gestiegenen Ölpreises und weiterhin bestehenden Sorgen über die Erholung der weltweiten Konjunktur.
Jedoch sank auch der Umsatz im militärischen Bereich (Boeing Defense, Space & Security) von 33,66 Mrd. auf 31,94 Mrd. US-Dollar.[15] In der militärischen Sparte dürften ähnliche Gründe wie im zivilen Bereich für den Rückgang eine Rolle spielen, beispielsweise war 1995 ursprünglich geplant 800F-22-Jagdflugzeuge zu beschaffen, aufgrund der sehr hohen Kosten und günstigeren Alternativen wie derF-35 wurden letztendlich lediglich 187 Exemplare bestellt. Allerdings handelt es sich dabei um Folgen der weltweiten Finanzkrise.
Im Jahre 2013 schloss Boeing das Werk in Wichita durch Kürzungen im US-Verteidigungsetat. 2160 Beschäftigte wurden ab dem 3. Quartal 2012 entlassen.[17]
2012 hatte Boeing wieder – seit 2007 – mehr Flugzeuge in Bestellung und Auslieferung als Airbus.[18]
2015 gab Boeing bekannt, die Boeing 737-Endmontage in die Volksrepublik China zu verlegen, dachinesischeLeasingunternehmen bis zu 250 Boeing 737 und 50 Langstreckenflugzeuge bestellten.[19] Das Werk wurde mit der chinesischenComac, die zu 40 % am Werk beteiligt ist, gebaut. Am 15. Dezember 2018 wurde die erste in China fertiggestellteBoeing 737 MAX anAir China übergeben.[20]
Am 5. Juli 2018 gab Boeing bekannt, dass sie den brasilianischen FlugzeugherstellerEmbraer zu4⁄5 und zu einem Preis von 4,2 Milliarden Dollar übernehmen wolle. Am 25. April 2020 waren die Verhandlungen mit Embraer abgebrochen. Embraer bedauerte den Ausstieg.[21] Boeing machte nicht erfüllte Bedingungen seitens Embraer geltend.[22]
Ab dem 11. März 2019 mussten alle Maschinen der Serie 737 Max in China am Boden bleiben, am 12. und 13. folgten die Grounding-Anordnungen vonEASA undFAA
Weltweit wurden daherFlugverbote für alle 371 in Dienst gestellten Maschinen „MAX“-Versionen erteilt.[25] Weitere Auslieferungen der 737 MAX wurden gestoppt, was für Boeing im 2. Quartal 2019 5,6 Milliarden US-Dollar Umsatzausfall verursachte. Für Schadenersatzansprüche und weitere Kosten durch das Grounding wurden 4,9 Milliarden Dollarzurückgestellt.[26][27] Insgesamt führte dies zum Ausweis eines Konzernquartalsverlusts von 2,9 Milliarden US-Dollar, dem bis dahin größten in der Geschichte des Unternehmens.[28] Innerhalb der ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2019 gingen die Auslieferungen ziviler Boeing-Flugzeuge gegenüber dem Vorjahr um 47 Prozent auf 302 Stück zurück.[29][30] Im selben Zeitraum stieg der Börsenkurs von Boeing um 21 %.[31]
Eine unabhängige Expertenkommission, die Bauweise der MAX 737, Zulassung und Abstürze untersuchte, kritisierte sowohl Boeing als auch dieFederal Aviation Administration (FAA). Der Hersteller habe nicht genügend Informationen übermittelt, die Luftfahrtbehörde habe nicht genügend Personal für die Überprüfung. Auch wurde die Qualifikation der FAA-Beamten in Frage gestellt.[32] Im Raum steht auch der Vorwurf, die FAA habe wesentliche Schritte der Zertifizierung Boeing selbst überlassen.[33] Anfang Oktober 2019 waren etwa einhundert Klagen wegen der Abstürze und des Groundings gegen Boeing anhängig.[32][34]
Am 11. Oktober 2019 beschloss der Boeing-Aufsichtsrat, dassDennis Muilenburg die Funktion des Aufsichtsratsvorsitzenden mit sofortiger Wirkung anDavid Calhoun abgibt, einen Manager der BeteiligungsgesellschaftBlackstone.[35] Muilenburg blieb Vorstandsvorsitzender, doch wurde sein Rückzug aus dem Aufsichtsrat in der Presse als Entmachtung interpretiert.[33] Er musste am 30. Oktober 2019 vor einem Ausschuss des US-Kongresses aussagen.[32] Dennis Muilenburg gab am 23. Dezember 2019 an, auch von seinem Amt alsCEO mit sofortiger Wirkung zurücktreten zu wollen.[36] Neuer Konzernchef istDavid L. Calhoun.[36]
Am 16. Dezember 2019 gab das Unternehmen bekannt, die Produktion der Max 737 ab Januar vorübergehend einzustellen.[37]
Eine weitere Belastung für den Konzern in Höhe von 0,4 Mrd. Dollar entstand durch die nötige Wiederholung eines im Dezember 2019fehlgeschlagenen Erprobungsflugs von Boeings neuem bemannten RaumschiffCST-100 Starliner.[38] Der Fehlschlag ist auf Softwareprobleme zurückzuführen.[39]
Boeing gab im Januar 2020 bekannt, dass das Modell 737 Max keine Flugzulassung bis mindestens Mitte 2020 erhalten werde.[40] Boeing musste dadurch weitere Kompensationen an Abnehmer des Flugzeugs zahlen.[41] Den Einigungen mitAmerican Airlines oderSouthwest Airlines folgten Verhandlungsphasen mit europäischen Airlines wieRyanair,TUIfly oderNorwegian. Schätzungen gingen von 12 Milliarden Dollar an Kompensationszahlungen aus.[41] 422 fertige Flugzeuge vom Typ 737-Max konnten bis April 2020 nicht ausgeliefert werden. Rund 200 Bestellungen von Leasingfirmen wurden storniert.[42]
Die US-Wiederzulassung erfolgte im November 2020.[43]
Die Produktion bei Boeing wurde aufgrund derCOVID-19-Pandemie in mehreren Werken am 25. März 2020 eingestellt und rund einen Monat später wieder aufgenommen.[44] Nicht zurückkehrenden Arbeitern wurden Abfindungen angeboten und die Produktionsraten aller Flugzeugtypen wurden reduziert.[45] Rund 5500 Arbeiter verließen Boeing freiwillig mit Abfindungen und rund 6700 Arbeiter erhielten im Mai die Kündigung.[46] In den ersten 11 Monaten des Jahres 2020 wurde die vergleichsweise kleine Anzahl von 118 neuen Boeing-Jets an Kunden übergeben.[43]
Im Herbst 2020 prognostizierte Boeing für den nachfolgenden Zehnjahreszeitraum einen Nachfragerückgang für Linienjets um etwa 2270 Flugzeuge beziehungsweise um 11 %.[47]
Im Januar 2024 ordnete die US-amerikanische LuftfahrtaufsichtsbehördeFAA einFlugverbot für die meistenBoeing 737 Max 9 an, da bei dem FlugAlaska-Airlines-Flugs 1282 kurz nach dem Start die Abdeckplatte („Door Plug“) einer nicht benötigten Türöffnung abbrach. Eine erste Untersuchung deckte Produktionsmängel beim ZuliefererSpirit AeroSystems auf,[48] der unter anderem Rumpfbauteile für die Boeing 737, dieBoeing 777 dieBoeing 787, denAirbus A350 und denAirbus A220 fertigt.[49] Zudem waren die von Spirit gelieferten Teile durch Boeing nicht ausreichend kontrolliert worden.[50]
Am 25. März 2024 gab Präsident und CEODave Calhoun für Ende 2024 den Rücktritt bekannt.[51][52][53] Der Vorstandsvorsitzende Larry Kellner stellt sich bei der kommenden Jahreshauptversammlung nicht mehr zur Wiederwahl. Der Vorstand ernannte Steve Mollenkopf zum Nachfolger. Der Präsident und CEO vonCommercial Airplanes, Stan Deal, wurde von Stephanie Pope ersetzt, da er den Ruhestand antritt.[52][53] Ob der durch Gewaltanwendung verursachte Tod des Boeing-WhistleblowersJohn Barnett, der seit 2019 öffentlich Sicherheitsprobleme bei Boeing bekannt machte, in Bezug mit den Rücktritten steht, ist noch unklar.[51] Im Mai 2024 wurde ein weiterer Insider, ein Qualitätsprüfer und Whistleblower des Boeing-ZulieferersSpirit AeroSystems, tot aufgefunden. Joshua Dean starb an einer Bakterien-Infektion, die mit Antibiotika nicht zu behandeln war. Er galt zuvor als „kerngesund“.[54][55] Boeing-Chef Dave Calhoun sagte bei einer Senatsanhörung, Boeing übte Vergeltung gegen Mitarbeiter, die Sicherheitsbedenken äußerten.[56]
Ende Juli 2024 gab der Unternehmensvorstand das vorzeitige Ausscheiden von Calhoun zum 7. August 2024 sowie die Ernennung vonKelly Ortberg zum neuen Präsident & CEO ab 8. August 2024 bekannt.[1]
Am 12. Oktober 2024 vermeldete Boeing weitere Verzögerungen beim Bau derBoeing 777X. Des Weiteren kündigte Boeing die Streichung von rund 17.000 Stellen an.[57]
Im Mai 2025 kam es zu einer Einigung mit dem US-Justizministerium. Auf Anweisung von Präsident Trump wird eine strafrechtliche Verfolgung wegen der beiden Flugzeugabstürze mit Boeing 737 Max und 346 Todesopfern eingestellt. Im Gegenzug kann sich Boeing mit insgesamt rund 932 Millionen US-Dollar an Geldstrafe (487,2 Millionen US $) und Opferentschädigung (444,6 Millionen US $) freikaufen.[58][59]
In den 1950er-Jahren betrat Boeing mit der Entwicklung der ballistischen InterkontinentalraketeMinuteman technisches Neuland. Darauf aufbauend konnte der Konzern in der Raumfahrt erfolgreich Fuß fassen: Boeing produzierte unter anderem die erste Stufe der MondraketeSaturn V.
Wie in den Vereinigten Staaten üblich nimmt auch Boeing mittels Lobbying Einfluss auf die US-Politik und staatliche Beschaffungsmaßnahmen, hier vor allem im Rüstungs- und Raumfahrtbereich: 2018 gab das Unternehmen 15,1 Millionen US-$ für Lobbyisten aus; damit lag es im 20-Jahreszeitraum seit 1998 auf Platz 10 aller US-Konzerne.[61] Zum Vergleich: In derFortune-500-Liste der umsatzstärksten US-Unternehmen befand sich Boeing im Jahr 2018 auf Platz 27.[62]
Auch beim Verteilen von Wahlkampfspenden an Vertreter beider großen Parteien, der Republikaner und der Demokraten, macht Boeing keine Ausnahme. Die Spenden werden zumeist recht gleichmäßig verteilt. Als Unternehmen mit Staatsaufträgen kann Boeing nicht höhere Summen an Kandidaten direkt übergeben. AberPolitical Action Committees, unterstützt von Mitarbeitern, spenden regelmäßig höhere Beträge. Vor derPräsidentschaftswahl 2016 erhieltHillary Clinton, die lange Zeit als sichere Siegerin gehandelt wurde, 229.000 $,Donald Trump hingegen nur 42.500 $. Spenden von Boeing an die Inaugurationskomitees der neu gewählten Präsidenten sind legal. SowohlBarack Obama im Jahr 2013 als auch Donald Trump im Jahr 2017 erhielten jeweils rund eine Million Dollar.[63] Bei denHalbzeitwahlen in den Vereinigten Staaten 2018 gab Boeing 4,5 Millionen US-$ für Wahlkampfspenden aus.[61][64]
Boeings Forschungs- und Entwicklungsarbeit wird seit vielen Jahren in hohem Maße von der US-Regierung über die NASA, dasUS-Verteidigungsministerium, dasUS-Handelsministerium und andere Regierungsstellen subventioniert. Seit 1990 erhielt Boeing ca. 23,7 Milliarden US-Dollar an Regierungssubventionen.[65] Zusätzlich erhält Boeing etwa 200 Millionen US-Dollar an Exportsubventionen nach demExtraterritorial Income Exclusion Act (obwohl diese von der WTO als illegal erklärt wurden).
Die massiven Verstöße Boeings gegen Festlegungen im „Übereinkommen über Subventionen und Ausgleichsmaßnahmen“ derWTO sowie gegen das 1992 geschlosseneUS-EU Agreement on Trade in Large Civil Aircraft[66] führten zu zahlreichen Beschwerden der EU bei der WTO, und im Gegenzug zu Beschwerden der USA bezüglich illegaler Subventionierung des Hauptkonkurrenten Airbus.[67][68][69] Ein Nachweis für unerlaubte Subventionierung ist sehr schwierig, da Boeing wie EADS (Airbus) Umsätze zu erheblichen Anteilen mit Rüstungsaufträgen der eigenen Regierungen machen. Daher müsste bewiesen werden, dass die Regierungen bei Rüstungsgütern überhöhte Preise akzeptieren. Im März 2010 sah die WTO amerikanische Vorwürfe teilweise bestätigt.[70]
Im Geschäftsjahr 2019 erwirtschaftete Boeing einen Umsatz von 76,6 Mrd.USD, was einem Zuwachs von mehr als 50 % innerhalb von 19 Jahren entspricht. Der Verlust belief sich 2019 auf 0,6 Mrd.USD und der Börsenwert zum Jahresende auf ca. 206 Mrd.USD, ein Anstieg von über 250 % gegenüber dem Börsenwert zum Jahresende 2000.
Diesem Geschäft liegt in erster Linie die Finanzierung der firmeneigenen Geschäftsbereiche und Tochterfirmen zugrunde. Boeing Capital tritt weltweit außerdem auch als Kapitalgeber für den Kauf von Boeings Produkten in Erscheinung.
Ab 1974 wurden auchTragflügelboote (auch JETFOILs genannt) hergestellt; zum Beispiel das Modell Boeing 929. Aktuell werden keine Schiffe mehr produziert.
Von 1955 bis zum Mai 2006 wurden bei Boeing insgesamt 17.521 Flugzeuge bestellt.
Den Bestellungen stehen eventuelle Abbestellungen und Umwandlungen in Orders für andere Flugzeugtypen gegenüber, sodass sich teilweise negative Zahlen bei einzelnen Typen ergeben.
Die Preise für die Flugzeuge variieren je nach Konfiguration. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht der Durchschnittspreise für das Jahr 2012 (Angaben in MillionenUS-Dollar)[77]:
Die Namen der Verkehrsflugzeuge der Firma Boeing beginnen und enden mit der Zahl sieben. Das erste Boeing-Passagierflugzeug mit Düsenantrieb, die Boeing 707, wurde am 26. Oktober 1958 von der US-Fluglinie Pan Am in Dienst gestellt. Boeing hatte sich, wie die meisten Flugzeughersteller, mit und nach dem Zweiten Weltkrieg zu rein militärischen Firmen entwickelt.William McPherson Allen, damals Präsident, ordnete an, Boeing solle von nun an auch wieder Flugzeuge für den zivilen Luftverkehr fertigen. Das erste Verkehrsflugzeug sollte „Boeing 700“ heißen, das Marketingteam von Boeing war jedoch der Meinung, dass eine „7“ am Ende einfach besser klinge.[78] Angesichts der schrägen Flügelpfeilung der 707 wurde im Allgemeinen angenommen, das sich die Bezeichnung auf die ersten drei Ziffern derSinus und Cosinus – Berechnungen von 45 Grad ableiten würde, denn die nach hinten geneigten, anstatt im 90-Grad-Winkel angebrachten, Flügel waren zu dieser Zeit neu. Aber in Wirklichkeit beträgt die Pfeilung nur 35 Grad.[79] Ebenso falsch waren die Vermutungen, dass die Namensgebung der 707 mit dem fiktiven britischen Geheimagenten 007 in Verbindung stehen oder die Zahl der beförderten Passagiere darstellt würde, selbst die größte Variante (707-320C) fasste nur 219 Passagiere. Vielmehr hatte „Seven-oh-seven“ für die Namensgeber einen angenehmeren Klang als „double-oh-seven“.[80]
Die kommerzielle Produktpalette des Unternehmens folgt dem „7x7“-Muster: 707, 717 bis zur 787. Ausnahme ist die Boeing 720 als kürzere Variante der 707, die für kürzere Strecken und Starts auf kürzeren Start- und Landebahnen eingesetzt wurde. Boeing benannte seine Flugzeuge in der Vergangenheit zur Vereinfachung der Referenzierung immer fortlaufend, die Identifikationsnummer der Flugzeuge hilft bei der Unterscheidung zwischen verschiedenen Produkten im Boeing-Portfolio:
100 für frühere Typen. Boeing verwendet diese Bezeichnung nicht mehr, tat dies jedoch rückwirkend für die allerersten Doppeldecker, die es baute.
200 für frühe Eindecker-Designs, die vom zeitgenössischen Doppeldecker-Trend abwichen.
300 und 400 für kommerzielle Propellerflugzeuge (sowie den Jet 367-80, der schließlich zum Prototyp der 707 wurde).
500 für Turbinen-Flugzeug mit Turbomotor.
600 für Flugkörper und raketengetriebene Geräte.
700 für düsengetriebene Verkehrsflugzeuge.
800 ist derzeit ungenutzt.
900 für Boote. Boeing konstruierte einst ein Turbojet-Tragflügelboot mit der Bezeichnung 929.[79]
Zusätzliche Buchstaben am Ende der Typbezeichnung und der Serie eines Flugzeugs sind eine weitere Beschreibung des Jets und unterscheiden ihn weiter von anderen Flugzeugen desselben Typs und derselben Größe. Zu den für Boeing-Flugzeuge verwendeten Suffixen gehören:
BCF: Boeing-Umrüstfrachter
BDSF: Spezialfrachter
C: Convertible (Umwandelbar: Flugzeug Können vom Passagierflugzeug zum Frachtflugzeug umgebaut werden)
ER: Erweiterte Reichweite
ERSF: Erweiterte Reichweite, Spezialfrachter
F: Frachter
i (absichtlich klein geschrieben): Intercontinental. Dies gilt speziell für die 747-8. Die 747-8i ist einfach die Passagiervariante der letzten 747-Generation von Boeing
LR: Langstrecken
M: Kombi (Flugzeuge mit speziellen Fracht- und Passagierabteilen)
In der 737-Familie hatte jede Generation mehrere Serien. Die Flugzeugfamilie 737 begann mit der -100, reichte aber bis zur -900:
737 Original: -100 und -200. Die -200 ist eine verlängerte Version der -100.
737 Classic: -300, -400, -500. Die -400 war eine Erweiterung der -300, dagegen ist die -500 eine verkleinerte Version der -300.
737 Next Generation (NG): -600, -700, -800, -900. Die -600 war eine Aktualisierung der kurzen -500 und ist die kleinste Version der NG-Serie. Anders als bei der Nummerierung der Classic-Serie entspricht jede aufsteigende Zahl einer weiteren Verlängerung der 737, die -900 ist das längste der NG-Flugzeuge ist.
737 MAX: Die Benennung dieser 737er-Serie weicht von früheren Generationen ab und verwendet einzelne Ziffern statt dreier (genau wie bei der 787-Familie). Bei den MAX-Jets ist die MAX 7 die kürzeste Version der Familie. Mit aufsteigenden Nummern werden die Flugzeuge länger: MAX 8, MAX 9 und die längste Version ist die MAX 10. Die 737 MAX 200 ist eine hochverdichtete Variante der MAX 8. Von einigen Fluggesellschaften wurde das Wort MAX aus dem Namen gestrichen. Singapore Airlines benennt die 737 MAX 8 der Air Canada als denselben Flugzeugtyp als „737-8“.
Die genaue Bezeichnung eines Flugzeugs variierte bis zur Einführung der 787 und der Max-Serien[83] in den letzten zwei Stellen, so bedeutet bspw. 737-86N(WL), dass es sich um eine737-800 mitWinglets handelt, die nach demBoeing Customer Code[84] der Leasing-FirmaGECAS gehört. Speziell bei Leasingfirmen bedeutet dies jedoch nicht, dass das Flugzeug unter dem Eigentümernamen oder dessenLänderkennzeichen fliegt.
Boeing 100 Jahre: Wie der Flugzeugbauer die Welt veränderte. (Titelgeschichte). In:Aero international Nr. 8A/2016, S. 6–11; in dieser Ausgabe befinden sich weitere Artikel zur Geschichte des Unternehmens
100 Jahre Boeing. Wegbereiter der Luftfahrt: Am 15. Juli 1916 schlug die Geburtsstunde von Boeing. Damit wird der US-amerikanische Flugzeugbauer 100 Jahre alt. Kein anderes Unternehmen der Welt hat die Entwicklung der zivilen Luftfahrt durch seine Innovationen so sehr geprägt wie dieses. Grund genug für einen Rückblick auf die Unternehmensgeschichte. In:Aero International Nr. 7/2016, S. 74–79
100 Jahre Boeing: Ein Weltkonzern mit deutschen Wurzeln. In:FliegerRevue Nr. 7/2016, S. 48–51
Jochen K. Beeck:Typenkompass: Boeing Verkehrsflugzeuge seit 1919, Motorbuch, Stuttgart 2009,ISBN 978-3-613-03002-2
↑Alexander Eydlin, dpa, AFP, Reuters:Flugverbot: Boeing rechnet erst im Sommer mit Zulassung für 737 Max. In:Die Zeit. 21. Januar 2020,ISSN0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 22. Januar 2020]).
↑abCEO Message to Employees. In: boeing.mediaroom.com. 25. März 2024, abgerufen am 26. März 2024 (englisch).
↑Marco Evers:(S+) Skandale beim US-Flugzeugbaue: Wieder ist ein Boeing-Whistleblower tot. In:Der Spiegel. 2. Mai 2024,ISSN2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 3. Mai 2024]).
↑All Models. In: active.boeing.com. Oktober 2018, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 21. November 2018; abgerufen am 3. Mai 2024.