DieBodenfruchtbarkeit als Kategorie derBodenkunde ist ein komplexer Ausdruck für alle das Pflanzenwachstum bzw. die Biomasseproduktion beeinflussenden mineralogischen, physikalischen, chemischen und biologischen Bodeneigenschaften und Prozesse. Sie ist ein Maß für die Effektivität der Wirkung der übrigen Wachstumsfaktoren am Wuchsstandort einer Pflanze, wie Relief, Klima, Wasser und aller acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen. Die Bodenfruchtbarkeit umfasst auch die Bodeneigenschaften, die über die Art, Intensität und Zeit (Andauer) des Stofftransportes in das Liegende unterhalb der effektiven Durchwurzelungstiefe entscheiden (off-site Umweltbelastung).
Kenntnisse über konstante, labile und variable leistungsbegrenzende Bodeneigenschaften lassen Aussagen über die Ertragssicherheit und witterungsbedingte Ertragsschwankungen zu. Sie sind Voraussetzung für die Ausarbeitung eines Managements zur Erhaltung, Mehrung und Ausnutzung der Bodenfruchtbarkeit sowie einer standortgerechten und umweltverträglichen Landnutzung.
Mineralogische, morphologische, mikromorphologische, geohydraulische und bodenmechanische, -hydrologische, -mikrometeorologischeUntersuchungsmethoden und -verfahren sowie Stoff-Transportsimulationen in der ungesättigten und gesättigten Zone werden zur Bestimmung von Wertebereichen der Bodenfruchtbarkeitseigenschaften angewandt (Indikatorsystem).
Die Bodenfruchtbarkeit ist unabhängig von ihrer Komplexität, ihrer Stellung nach in einem Schema derpartialkomplexbezogenen Prozessstrukturen der Biomassebildung sowie nach Ziel, Gegenstand und Methoden der Untersuchungen, ein Begriff der Bodenkunde. Sie bezieht sich nicht auf die am Wuchsstandort insgesamt wirkenden Faktoren der Biomasseproduktion.
Genese der ökologischen Funktionen der Böden
Nach dem synökologischen (= alle Umweltfaktoren berücksichtigenden) Forschungsansatz werden Stellung und Bedeutung des Bodens als Teil einerBiogeozönose bzw. auf Ebene desÖkosystems untersucht. Das heißt: Flora und Fauna werden – als „Partner“ des Erdbodens begriffen – in die Analyse einbezogen. Dabei erarbeitet man als Analyse-Resultate einerseits eineeffektive Bodenfruchtbarkeit, andererseits einepotentielle Bodenfruchtbarkeit, die als Idealzustand betrachtet werden kann.
Die Beziehungen zwischen Klima und Bodenfruchtbarkeit, die klimaabhängige Genese und Dynamik der bodenfruchtbarkeitsbestimmenden Eigenschaften, sind Gegenstände derAgrarmeteorologie.
Zur Bodenverbesserung gibt es kommerzielle Substanzen wie u. a.Dünger. Es gibt eine Vielfalt von Gegenmaßnahmen, die der Versalzung des Bodens und dem Verlust an Bodenfruchtbarkeit entgegenwirken. Z. B. wurde in derkanadischen StadtGreater Sudbury säckeweiseKalk ausgebracht, um den Boden, der durch den jahrzehntelangen Einflusssauren Regens einerMondlandschaft glich, wieder fruchtbar zu machen. In der Landwirtschaft sind mehrere Methoden, wie dieFruchtwechselwirtschaft, bekannt, um die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern. Zudem werden auch thermische Verfahren (zum Beispiel dasDämpfen (Bodendesinfektion) mitHeißdampf) eingesetzt, um kranke Böden zu sanieren und durch die Freisetzung blockierter Nährstoffe diese wieder zu beleben.