Sein Vater verließ seine damals 17-jährige Mutter wenige Monate vor Bobbys Geburt. Lange glaubte Darin, seine Großmutter wäre seine Mutter, und erst mit dreißig Jahren erfuhr er, dass seine vermeintliche Schwester seine tatsächliche Mutter war. Den Namen seines Vaters soll er nie erfahren haben, da seine Mutter sich angeblich weigerte, mit ihm darüber zu reden. Die Großmutter, eine ehemaligeVarietésängerin, förderte das sich schon früh regende Gesangstalent ihres Enkels. Bis zum zwölften Lebensjahr hatte Bobby Darin jedoch mitrheumatischem Fieber und anderen schweren Erkrankungen zu kämpfen. Sein Leben lang musste er mit einem geschwächten Herzen zurechtkommen. Trotzdem zählte er zu den eifrigsten Studenten an derBronx High School of Science, wo er sich auch an mehreren Musikinstrumenten ausbilden ließ und seine erste Band gründete. Das Wissenschaftscollege verließ er wieder nach einem Jahr, denn es zog ihn mit aller Macht zur Bühne. Noch konnte er sich nicht recht entscheiden, ob er Schauspieler oder Sänger werden sollte. Er probierte es mit Vorsprechen bei verschiedenen Bühnenshows und nervte Musikverleger mit eigenen Kompositionen. In dieser Zeit legte er sich auch seinen Künstlernamen zu. Er nahm das Telefonbuch und tippte blind auf einen beliebigen Namen –Darin. Eine andere Geschichte besagt, dass er vor einem chinesischen Restaurant stand. Die Leuchtschrift am Eingang war defekt, von dem Wort „Mandarin“ leuchteten nur die letzten fünf Buchstaben auf.
Bobby Darins Einstieg in das Musikgeschäft vollzog sich in der Mitte der 1950er Jahre, als er in New Yorker Kaffeebars musizierte. Seiner Freundschaft mit einem Plattenproduzenten entsprang die ersteSingle-VeröffentlichungMy First Love; ein Zusammentreffen mit dem Manager vonConnie Francis, George Scheck, verhalf Darin zu einem Aufsehen erregenden Auftritt in derTommy-Dorsey-Show und einem anschließenden Plattenvertrag bei der SchallplattenfirmaDecca. Dem erfolglosen Einstieg 1956 mit derCoverversion desLonnie-Donegan-TitelsRock Island Line und weiteren wenig beachteten Platten folgte 1958 mitSplish Splash der erste große Erfolg. Darins ungewöhnliche Stimme verhalf dem Stück, das er selbst innerhalb einer halben Stunde komponiert hatte, weltweit zu guten Hitparadennotierungen. Zu dieser Zeit waren die „Ding Dongs“ die Begleitband von Darin. Über ihren Namen entstand ein Streit zwischen den PlattenfirmenBrunswick undATCO, der zu dem Ergebnis führte, dass sich die Band in „Rinky Dinks“ umbenannte und Darin einen neuen Vertrag bei Atco Records unterschrieb. Der in dieser Zeit produzierte TitelEarly in the Morning wurde sowohl bei Brunswick[1] als auch bei Atco[2] veröffentlicht.
Mit dem MillionensellerQueen of the Hop, der im Herbst 1958 erschien, begann Darins erfolgreichste Phase, in der er innerhalb von zwei Jahren vier Top-10-Titel herausbrachte, darunter die Nummer-1-HitsDream Lover (in Großbritannien) undMack the Knife. Pikanterweise hatte Darins Manager Dick Clark davon abgeraten, diesen Song aus derDreigroschenoper aufzunehmen, da die Fans von Darin an den Rocksound gewöhnt wären. Doch dieser Titel, derPlatte des Jahres wurde und denGrammy erhielt, verhalf Darin zumImage eines seriösen Sängers und man stellte ihn auf eine Stufe mitFrank Sinatra. Mit den nachfolgenden TitelnBeyond the Sea (nachLa mer /Charles Trenet)[3] (Text von Jack Lawrence)[4] undClementine setzte er diesen Stil erfolgreich fort.
Von Beginn der 1960er Jahre an wandte sich Darin auch der Schauspielerei zu und erhielt viel Anerkennung für seine Rollen mit vier Golden-Globe- und einer Oscarnominierung, so zum Beispiel in dem FilmCome September (dt. Titel:Happy-End im September), bei dessen Dreharbeiten Darin auch seine spätere FrauSandra Dee kennenlernte. Für die Nebenrolle in dem FilmCaptain Newman wurde er für denOscar und denGolden Globe nominiert. Insgesamt spielte Darin in dreizehn Filmen mit, für zwei Filme komponierte er die Filmmusik und schrieb fünf Titelsongs mit einer Golden-Globe-Nominierung (That Funny Feeling, 1966). Im Musikgeschäft machte er mit den lyrischen TitelnMultiplication undThings weiter auf sich aufmerksam. 1963 befand sich Darin tatsächlich in den Fußstapfen von Frank Sinatra. Nach dessen Weggang von der PlattenfirmaCapitol nahm Darin dort seine Stelle als Superstar ein. Bis aufYou’re the Reason I’m Living auf Platz drei blieben aber die großen Hits wie in den vergangenen Zeiten aus.
Mit Beginn der Beat-Ära verschwand Darin zunächst ganz aus den Hitlisten, aber die seit 1965 aufkommende Sympathie für denFolkrock brachte ihm eine neue Chance. Mit dem SongIf I Were a Carpenter kehrte Darin als Protestsänger in die Öffentlichkeit zurück. Mit seinem Stilwechsel demonstrierte er eindrucksvoll seine Wandlungsfähigkeit. Als gutes Beispiel für seine neue poetische und politische Ausrichtung mag das in dieser Zeit veröffentlichte AlbumBorn Walden Robert Cassotto gelten. Sein SongSimple song of freedom galt als geheime Hymne der68er-Generation. Die Jahre 1967 und 1968 brachten Darin schwere persönliche Rückschläge. Nach sieben Jahren Dauer wurde seine Ehe geschieden, was gleichzeitig die Trennung von seinem Sohn bedeutete. Tief traf ihn auch die Ermordung vonRobert F. Kennedy, dessen Wahlkampf er mit unterstützt hatte. Darin verfiel in eine monatelange Depression.
Zum Ende der 1960er Jahre konzentrierte sich Darin auf die Verfolgung seiner geschäftlichen Interessen alsMusikverleger undMusikproduzent. Nach außen hin wurde er nur durch gelegentliche Fernsehauftritte wahrgenommen, feierte aber 1970 noch einmal Triumphe mit einerLas-Vegas-Show.
Seine wohl größte Begabung lag im Entertainment. In der Kombination Sänger, Songwriter, Instrumentalmusiker, Tänzer, Komödiant und Stimmenimitator fand er einen intensiven Zugang zum Publikum. Diese Beziehung zum Publikum war ihm sehr wichtig.
Bobby Darin (rechts) alsGroucho Marx mit Dick Smothers alsChico und Tom Smothers alsHarpo, 1972
Wegen einer Herzerkrankung musste er sich mehreren Operationen unterziehen, verstarb aber am 20. Dezember 1973 im „Hollywood’s Cedars of Lebanon Hospital“ an den Folgen einer verschleppten Blutvergiftung im Alter von 37 Jahren. Sein Leichnam wurde auf seinen Wunsch hin demUCLA-Forschungszentrum überlassen.
Darins Tod tat seiner Popularität keinerlei Abbruch, und so wurde er im Jahre 1990 in die „Rock and Roll Hall of Fame“[5] aufgenommen. Seine Erfolge als Komponist wurden im Juni 1999 zum Anlass genommen, Darin auch in die „Songwriters Hall of Fame“ aufzunehmen. Bei der Verleihung derGrammy Awards 2010 wurde Bobby Darin posthum mit demLifetime Achievement Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet.[6]
In zwei Musicals wird die Lebensgeschichte von Bobby Darin mit dessen größten Songs dargestellt:
Dream Lover: The Bobby Darin Musical Uraufführung am 23. September 2016 im Sydney Lyric Theatre in Australien Buch: Frank Howson, Simon Phillips und Carolyn Burns
Just in Time Uraufführung am 23. April 2025 im Circle in the Square Theatre am New Yorker Broadway Buch: Warren Leight und Isaac Oliver In diesem Musical spielt DarstellerJonathan Groff zunächst sich selbst; danach springt die Handlung in die Vergangenheit zu Bobby Darin.