Blomesche Wildnis (niederdeutsch:Bloomsche Wildnis) ist eine Gemeinde imKreis Steinburg inSchleswig-Holstein.
Das Gebiet der Gemeinde Blomesche Wildnis erstreckt sich nordöstlich direkt anliegend vom StadtgebietGlückstadts am rechten Ufer derElbe südlich von der Mündung des FlussesStör.[2] Es liegt in der Landschaft des NaturraumsHolsteinische Elbmarschen im Teilgebiet derKrempermarsch.[3] Der nördliche Arm desRhin, der sogenannteKremper Rhin, fließt auf einem kurzen Teilstück durch den südlichen Teil der Gemeinde. Die südliche Gemeindegrenze wird (anteilig) durch den südlichen Arm, denHerzhorner Rhin abgebildet.[4]
Siedlungsgeografisch bestehen im Gemeindegebiet eine Mehrzahl verschiedener Ortsteile. Hierzu zählen das namenstiftendeDorf, welches sich binnendeichs vom Stördeich erstreckt. Daneben bestehen insgesamt sechsStreusiedlungsgebiete und dieHofsiedlungGrill.[5]
Das Gemeindegebiet wird umschlossen von den Gemeindegebieten von:[2]
Die heutigen Siedlungen entstanden aufgrund der Eindeichungen Anfang des 17. Jahrhunderts. Frühere Siedlungen im Gemeindegebiet mussten aufgrund von Überflutungen im 14. Jahrhundert wieder aufgegeben werden. Infolge dieser heißt das Vorland an der ElbeWildnis oderWüstenei, was sich auch heute noch im Ortsnamen widerspiegelt. Der erste Teil des Ortsnamens geht auf dieBlomes, die letzten Besitzer des 1667 gegründeten Guts zurück, denen die Ländereien im heutigen Gemeindegebiet gehörten. Vorher wurden die Besitzungen entsprechend alsAhlefeldsche bzw.Plessensche Wildnis bezeichnet.[6]
Die Gemeinde ist seit 1889 selbständig.
Im Jahr 1909 und in den folgenden Jahren stand die „Blohmische Wildnis“ im Zentrum reichsweiter Presseberichterstattung, nachdem der Leiter des hiesigen Mädchenheimes („Provinzial-Fürsorgeerziehungsanstalt“Asyl am Neuendeich) wegen des Foltertodes von fünf (bzw. acht) Mädchen in der Anstalt verurteilt wurde. Der Leiter (gen. Hausvater) Friedrich Wilhelm Joachim Colander (seltener: Kolander) wurde wegen der Tode erst zu neun, nach Revision zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. In einem nachfolgenden Prozess vor dem Amtsgericht Altona wurde Colander zusätzlich zu anderthalb Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt, weil er die Überlebenden zu Meineiden angestiftet hatte. Das Urteil wurde durch das Reichsgericht für Strafsachen in Leipzig bestätigt. Die Vorfälle wurden anschließend jahrelang als eines der extremsten Negativbeispiele der Jugendfürsorge zitiert (siehe dazu Protokolle der Reichstagssitzungen; überregionale deutsche Presse; deutschsprachige Presse in den Vereinigten Staaten), weil sich hierin veraltete, drakonische Erziehungsvorstellungen, fehlende Qualifikation des Personals, mangelnde Aufsicht durch die übergeordneten Stellen, Vetternwirtschaft (Einfluss des Direktors der „Korrektionsanstalt Glückstadt“ und Vaters von Colander auf die Vergabe der Hausvater-Stelle) und weitere Aspekte vereinigten.
Am 1. Januar 1974 wurde ein Teilgebiet mit damals mehr als 300 Einwohnern an die StadtGlückstadt abgetreten.[7]
Bei derKommunalwahl am 14. Mai 2023 wurden insgesamt neun Sitze vergeben. Diese fielen erneut alle an die Kommunale Wählervereinigung Blomesche Wildnis. Die Wahlbeteiligung betrug 58,0 %.[8]
Die Wirtschaft derMarschengemeinde wird insbesondere von derUrproduktion der Landwirtschaft geprägt, wobei vor allem derGemüseanbau dominiert.
Größter Arbeitgeber im Ort ist die FirmaOtto Piening, dieSchiffspropeller herstellt.[9]
Seit 1933 gibt es im Ort eine Einrichtung derStiftung Alsterdorf. Es umfasst heute einWohnheim derHeilerziehungspflege im OrtsteilNeuendeich, welchem das 1850 gegründeteAsyl am Neuendeich voraus ging.
Blomesche Wildnis im Bereich des Kremper Rhin
Gehöft am Kremper Rhin
Baujahr: 1781
Ehrenmal für die Kriegsgefallenen
Asylheim am Neuendeich nach Erweiterung von 1905 (siehe Abschnitt Geschichte)
- ↑Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2023 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2022) (Hilfe dazu).
- ↑abRelation: Blomesche Wildnis (447199) bei OpenStreetMap (Version #13). Abgerufen am 6. Mai 2023.
- ↑Liste: Zuordnung der Gemeinden zu den Naturräumen. (PDF) S. 19, abgerufen am 6. Mai 2023.
- ↑Verwaltungsbezirk Blomesche Wildnis (01061012) - [Gemeinden]. Abgerufen am 6. Mai 2023.
- ↑Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein (Hrsg.):Wohnplatzverzeichnis Schleswig-Holstein 1987. 1992,S. 110 (statistischebibliothek.de [PDF;10,5 MB; abgerufen am 6. Mai 2023]).
- ↑Wolfgang Laur:Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein, 2. Aufl., Neumünster 1992, S. 159.
- ↑Statistisches Bundesamt (Hrsg.):Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983,ISBN 3-17-003263-1,S. 186.
- ↑wahlen-sh.de
- ↑Anmerkung: Das "Ziegelwerk Blomesche Wildnis" hat seinen Unternehmenssitz in Glückstadt.