Bio Suisse, Vereinigung Schweizer Biolandbau-Organisationen | |
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Rechtsform | Verein |
Gründung | 1981 (Vorgängerorganisation) |
Sitz | Basel,Schweiz![]() |
Vorläufer | Vereinigung schweizerischer biologischer Landbauorganisationen (VSBLO) |
Zweck | Förderung des biologischen bzw. ökologischen Landbaus.[1] |
Vorsitz | Urs Brändli (Präsident des Vorstandes) |
Geschäftsführung | Balz Strasser (Co-Geschäftsführer) Rolf Bernhard (Co-Geschäftsführer) |
Beschäftigte | rund 90 |
Website | www.bio-suisse.ch |
Der DachverbandBio Suisse ist ein Zusammenschluss von Organisationen derbiologischen Landwirtschaft in derSchweiz. Mitglieder sind einerseits 7362 Bio-Betriebe aus der Schweiz und demFürstentum Liechtenstein, die in 22 regionalen Mitgliedorganisationen organisiert sind. Dazu kommen elf weitere Organisationen, darunter die fünf Gründungsorganisationen der Vorgängerorganisation. Einige der rund 1350 Verarbeitungs- und Handelsbetriebe, die mit Bio Suisse einen Lizenzvertrag abgeschlossen haben, gründeten 2021 die Mitgliedorganisation Lizenznehmende (MO Liz). Seither besteht die Delegiertenversammlung, das oberste Organ von Bio Suisse, aus 102 Delegierten der nun 33 Mitgliedorganisationen.
Der Verband bezweckt die Förderung des biologischen Landbaus als umwelt- und tier- und menschengerechte Anbauweise. Die Vereinigung fördert Angebot und Nachfrage nach Produkten insbesondere aus Schweizer Produktion. Zu den wichtigsten Aufgaben der Geschäftsstelle gehört die Weiterentwicklung der Richtlinien, die Markttransparenz und Marktentwicklung, übergeordnete Aufgaben in der Qualitätssicherung, die Prüfung von Lizenzgesuchen und die Beratung der lizenzierten Verarbeiter und Händler sowie die Interessensvertretung ihrer Mitglieder am Markt, in der Politik und in der Öffentlichkeit.
Die Geschäftsstelle mit rund 90 Mitarbeitenden befindet sich in Basel. Mit der Antenne Romande betreibt Bio Suisse inLausanne eine Aussenstelle.
Am 1. September 1981 wurde die Vereinigung schweizerischer biologischer Landbauorganisationen (VSBLO) von der Biofarm Genossenschaft[2], demVerein für biologisch-dynamische Landwirtschaft (Demeter Schweiz), der Schweizerischen Gesellschaft für biologischen Landbau SGBL (gegründet 1951 als Gesellschaft Biologischer Landbau GBL, welche wiederum von der 1947 auf dem Hof vonMina Hofstetter gegründeten Genossenschaft Biologischer Landbau GBL (heute: Bioterra) gegründet wurde)[3], der Coopérative Progana[4] sowie demForschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) gegründet. 1989 ist dieAnbau- und Verwertungsgenossenschaft Galmiz dem VSBLO beigetreten.[5]
Als 1992 der biologische Landbau staatlich anerkannt wurde, sind die ersten Bio Suisse-Verarbeitungsrichtlinien erschienen.[6] NachdemCoop 1993 in Zusammenarbeit mit Bio Suisse (damalsVSBLO) die Bio-Marke Naturaplan lancierte, überstieg die Nachfrage das Angebot an biologisch erzeugten Rohstoffen. Daraufhin startete Coop eine Kampagne um mehr Bauern für den Biolandbau zu gewinnen, worauf sich über 3000 Bauern meldeten.[7]
1997 ist die Umbenennung der Vereinigung in Bio Suisse erfolgt.[5][8] Im gleichen Jahr hat Bio Suisse die bio.inspecta AG gegründet, an welche 1998 die Zertifizierung von Knospe-Landwirtschaftsbetrieben ausgelagert wurde.[9] Fortan wurde die Knospe auch fürverarbeitete Produkte vergeben.[5] Seit 2002 ist auch dasBioforum Schweiz eine Mitgliedorganisation von Bio Suisse.[10][11]
2015 ist das Nationale Bioforschungsforum (NBFF) vonAgroscope, dem FiBL und Bio Suisse gegründet worden.[12]
Bio Suisse ist u. a. Mitglied beimSchweizer Bauernverband, der Agrarallianz, der Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG), der Agrarstandort Schweiz (IGAS) von Uniterre und beim Verein SwissGAP, welcher denGLOBALG.A.P.-Standard in der Schweiz umsetzt.[13][14] Bio Suisse ist Mitglied derInternationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM Organics Europa und IFOAM Organics International).
Jahr | Anzahl |
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2023 | 7362 |
2022 | 7341 |
2021 | 7216 |
2020 | 7122 |
2019 | 6962 |
2018 | 6719 |
2017 | 6423 |
2016 | 6144 |
2015 | 6031 |
2014 | 5979 |
2013 | 5884 |
2012 | 5731 |
2011 | 5618 |
2010 | 5521 |
2009 | 5537 |
2008 | 5625 |
2007 | 5689 |
2006 | 5908 |
2005 | 6152 |
2004 | 6320 |
2003 | 6281 |
2002 | 6123 |
2001 | 5576 |
2000 | 5162 |
1999 | 5051 |
1998 | 4710 |
1997 | 4335 |
Datengrundlage: Jahresberichte von Bio Suisse[15]
Erster Präsident von Bio Suisse und bis 1993 im Amt, war Werner Scheidegger, Mitgründer und langjähriger Präsident sowie Geschäftsführer der 1972 gegründeten Biofarm Genossenschaft. Ihm folgteErnst Frischknecht, welcher 2001 vonRegina Fuhrer abgelöst wurde. Urs Brändli ist seit 2011 Präsident von Bio Suisse und wurde zuletzt im April 2024 für weitere vier Jahre bestätigt.[5][16]
Dem heutigen Geschäftsführer Balz Strasser (seit März 2025 in Co-Leitung mit Rolf Bernhard[A 1][17][18]) sind Daniel Bärtschi,Stefan Flückiger, Markus Arbenz, Stefan Odermatt, Christof Dietler, Karin Hiltwein Agnetti undRainer Bächi vorausgegangen.[5] Flückiger war ab Mitte August 2009 im Amt[19] bevor das Arbeitsverhältnis aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die strategische Ausrichtung und deren Umsetzung auf Mitte Mai 2010 in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst wurde. Bis zu Bärtschis Amtsantritt Anfang 2011 übernahm Doris Schwarzenbach die Leitungad interim.[20]
Martin Bossard[A 2] war von 2009 bis 2024 Leiter Politik und für dasLobbying zuständig.[21] Die Zutrittsberechtigung für dasParlamentsgebäude erhielt er vonMaya Graf.[22] Im Herbst 2024 übernahmen Barbara Küttel undLaura Spring das Ressort «Politik» in Co-Leitung.[23]
Bio Suisse ist Eigentümerin der eingetragenen Marke „Knospe“ (frz. „Bourgeon“, ital. „Gemma“, engl. „Bud“). Die Produkte der von Bio Suisse zertifizierten schweizerischen Produzenten können mit demGütesiegelBio SuisseKnospe ausgezeichnet werden. Das Gütesiegel (in der SchweizLabel genannt) geniesst in der Schweiz eine hohe Glaubwürdigkeit. Rund 60 bis 70 % der Knospe-Produkte stammen aus Schweizer Produktion und werden in der Schweiz verarbeitet. Ausländische Produkte, die dieselben Kriterien erfüllen, werden mitBio Knospe ausgezeichnet.[24]
Verarbeitungs- und Handelsbetriebe, die mit der Bio Suisse einen Lizenzvertrag abgeschlossen haben dürfen unter Einhaltung der Richtlinien die Marke Knospe nutzen.
Im Jahr 2017 wurde dieStadtgärtnerei Basel Bio-Suisse-zertifiziert, womit Basel die erste Stadt ist, welche mit diesem Label ausgezeichnet wurde, gefolgt vonLuzern im Jahr 2021.[25][26] Als ersteGemeinde wurde 2019Lancy mit der Knospe ausgezeichnet.[27] Daneben gibt es mit Stand 2020 schweizweit 12 Restaurants, welche mit der Knospe ausgezeichnet wurden.[28]
Im Jahr 2023 hat Bio Suisse das Label "Bio Cuisine" eingeführt.[29] Es steht für mehr Nachhaltigkeit in der Gastronomie. "Bio Cuisine" kennzeichnet Restaurants und Betriebe mit einem relevanten Anteil an Knospe-Produkten.
Zur Bewerbung von SchweizerBiomilch wird den Bio-Bauern von denSchweizer Milchproduzenten einen Betrag pro Kilogramm vermarkteter Milch in Rechnung gestellt, welcher über die Biomilch-Organisationen einkassiert wird. Anschließend wird der entsprechende Betrag an Bio Suisse ausbezahlt, welche die Mittel zweckgebunden für die Vermarktung von Biomilch einsetzt.[30]
Das Label erzielte imLabel Ranking 2015 derStiftung Pusch, desWWF Schweiz, derHelvetas und derStiftung für Konsumentenschutz SKS «in allen Bewertungsbereichen und Produktsortimenten überdurchschnittliche Resultate, weil es sowohl in den Bewertungskriterien der UmweltbereicheWasser,Boden,Biodiversität undKlima als auch in den BereichenTierwohl undSoziales hohe bis sehr hohe Anforderungen stellt.»[31]
Bewertung Knospe Bio / Knospe Bio Suisse – 161 Punkte,Ausgezeichnet |
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Die vereinseigenen Richtlinien sind strenger als die vom Schweizer Gesetzgeber in der Bio-Verordnung[32] vorgeschriebenen Mindestanforderungen für den biologischen Landbau. Bio Suisse hat auch umfangreiche Richtlinien zu Verarbeitung und Handel. Produkten, die dem Image der Knospe abträglich sind, kann die Zulassung verweigert werden.
Grundsätzlich tragen nur Produkte, deren Rohstoffe zu mindestens 90 Prozent aus der Schweiz stammen, die Bio-Knospe mit dem VermerkBio Suisse. Produkte, die mehr als 10 Prozent im Ausland produzierte Rohstoffe enthalten, tragen dieKnospe mit dem VermerkBio. Auch für im Ausland produzierte Waren müssen die Bio-Suisse-Richtlinien erfüllt sein.[24] Allerdings kann von der 90-Prozent-Regel abgewichen werden, wenn Bio Suisse eine Sonderbewilligung erteilt. Wie beiSwissness darf dann bis zu 20 Prozent Import-Anteil enthalten sein.[33][34]
Importe sind eingeschränkt auf Produkte, die in der Schweiz nicht wachsen oder nicht in genügender Menge verfügbar sind. Aus Übersee dürfen nur Frischprodukte importiert werden, wenn sie in Europa nicht wachsen oder saisonal nicht verfügbar sind.Flugtransport sei zwar generell verboten; Dennoch werden gewisse Produkte per Flugzeug hin und her geschickt, bevor sie mit dem Bio Suisse-Label in den Verkauf gelangen.[35]
Importeure von Bioprodukten zur Vermarktung mit der Knospe benötigen einen Lizenzvertrag mit Bio Suisse mit Importbewilligung für die entsprechenden Produkte sowie Bio Suisse zertifizierte Lieferanten (über alle Handelsstufen vom Anbau bis zum Export). Zudem müssen die Vorgaben der Schweizer Bio-Verordnung in jedem Fall erfüllt sein. Die Zertifizierung der ausländischen Betriebe erfolgt durch die International Certification Bio Suisse (ICB AG, Tochterfirma der Bio Suisse[36]) oder die Easy-Cert Group AG.
Übersicht der Kriterien
Um dieEmissionen vonMikroplastik nicht weiter zu Befördern, wollte Bio Suisse zuerst ab 2018,[46] dann ab 2019 und schliesslich ab 2020 keineGärreste mehr ausBiogasanlagen in denen auch in Kunststoff verpacktes Material vergärt wird auf seinen Feldern verteilen.[47] Seit 2021 gilt nun, dass nur noch Gärreste genutzt werden dürfen, bei welchem der Anteil an Kunststoffen 0,1 Prozent nicht überschreitet; 0,05 Prozent ab 2024 (gemessen in derTrockensubstanz).[41]:S. 101 Der Wert von 0,1 Prozent deckt sich indes ohnehin mit den gesetzlichen Vorgaben derChemikalien-Risikoreduktions-Verordnung.[48] Im Oktober 2021 wurde bekannt, dass Bio Suisse bei internationalen Tätigkeiten künftig enger mitNaturland, in Form einerKooperation, zusammenarbeiten wird.[49]
Kassensturz berichtete 2010, dass «Bio Suisse [2009] entschieden hat, dass Discounter ihre Bio-Produkte nicht mit der Knospe auszeichnen dürfen.» Ein direkter Preisvergleich in Bio-Betrieben hergestellten Produkte sei durch diese Labelvergabepolitik und die Eigenlabel der Discounter erschwert.[50]
Die Markenvergabepolitik im Jahr 2022 stellt sich folgendermassen dar:
Bio Suisse ist offen für die Zusammenarbeit mit allen Handelspartnern. Die Voraussetzung zur Verwendung der Knospe ist ein nachhaltiges Engagement in der biologischen Landwirtschaft. Dazu gehört, dass die Handelspartner Grundsätze, Ziele und Werte von Bio Suisse verfolgen, z. B.:
2019 wurde diesbezüglich ein Drei-Stufen-Modell für den Detailhandel beschlossen.[51]Mit der Knospe gekennzeichnete, verpackte Produkte können in jedem Laden verkauft werden.
Als Folge dieser Markenvergabepolitik lancierteAldi Suisse im Jahr 2022 ein eigenes Bio-Label, welches über die Anforderungen von Bio Suisse hinausgeht.[52] Im selben Jahr tratMigros Bio Suisse bei. Migros will noch 2022 mit dem Verkauf von Knospe-Produkten beginnen.Coop war zuletzt (2021) nach wie vor Marktführerin im Schweizer Bio-Markt.[53][54] Im Oktober 2022 hatDenner Knospe-Milch vonEmmi ins Sortiment aufgenommen.[55]
Über die Einhaltung der Bio Suisse-Richtlinien auf Betrieben in der Schweiz wachen als Kontrollinstitutionen die Firmenbio.inspecta AG[56][9] undBio Test Agro AG.[57][58]
Bio.inspecta war früher mehrheitlich im Besitz von Bio Suisse. Dies hat zu Kritik geführt, nachdem sich die zweite Kontrollstelle im Bereich Landwirtschaft aus der Zertifizierung von Bio-Suisse-Produkten zurückziehen wollte, den Entscheid später aber revidierte.[59] Bio.inspecta befindet sich im Besitz von verschiedenen Organisationen und Einzelunternehmen aus der Biobranche – 2017 waren es:
im Weiteren insgesamt:
Im Kontrollverfahren werden Produktion, Verarbeitungsverfahren, Rezepturen, Transport und Lagerung der Waren geprüft.
Betriebe ausländischer Zulieferer werden auf Wunsch eines Lizenznehmers überprüft, wenn er die Produkte im Inland nicht oder nicht in genügender Menge findet. Diese Betriebe haben dieBio Suisse Organic-Richtlinien einzuhalten, welche gleichwertig mit den Bio Suisse Richtlinien für die Schweiz sind; ergänzt um einige Anforderungen wie zum Beispiel eine nachhaltige Wassernutzung in Gebieten mit knappen Wasserressourcen. Die jährlichen Kontrollen der Betriebe erfolgen durch akkreditierte Kontrollstellen vor Ort. Anhand dieser Kontrollberichte beurteilen die International Certification Bio Suisse (ICB AG) und bio.inspecta die Konformität der Prozesse und Praktiken der Betriebe mit den Anforderungen von Bio Suisse und erteilen bei Erfüllung einBio Suisse Organic-Zertifikat. Dieses ist die wichtigste Voraussetzung für den Import von Bio-Produkten in die Schweiz zwecks Verkauf mit dem «Knospe»-Label.[61] In derUkraine z. B. gibt es 39 Bio Suisse Organic-Betriebe (Stand: März 2022).[62]
Am 7. Juni 2019 haben sich Austria Bio Garantie (ABG) und die bio.inspecta AG zur Dachorganisation Easy-Cert Group AG zusammengeschlossen.[63][64]
Am 18. April 2023 haben die Delegierten von Bio Suisse an ihrer Versammlung Nein zum Einsatz von Gentechnik gestimmt.[65] Zumindest sollen auch die neuen Gentechniken im Rahmen des Gentechnik-Gesetzes behandelt werden. Die Delegierten haben ausserdem die Verlängerung des Gentech-Moratoriums über 2025 hinaus gefordert.[66]
Die Bio Suisse Delegierten haben 2013 beschlossen für Bio-Pflanzengrundsätzlich nur noch naturnahe Zuchtmethoden zu erlauben. Sorten die aufCMS-Technik basieren sind nicht naturnah und sollen langfristig bei Bio Suisse nicht mehr zugelassen werden.[67] Bei Bio Suisse sind CMS-Sorten seit Anfang 2019, mit Ausnahme vonBlumenkohl (inkl.Romanesco, farbige Blumenkohltypen),Brokkoli,Weißkohl,Wirsing undChicorée, nicht mehr zugelassen.[47][68]
Gemäss denRichtlinien von Bio Suisse sollteGentechnik eigentlich auch in der Tierzucht ausgeschlossen sein. Trotzdem wurde 2018 in derGeflügelproduktion, zur Bekämpfung derGumboro-Krankheit, praktisch flächendeckend auf einen Gentech-Impfstoff gesetzt. Aufgrund von hohen Verlusten sah sich der Bio Suisse-Vorstand gezwungen diese Massnahme vorübergehend zuzulassen.[69][70] Derweil werde nach einer Alternative gesucht.[71] Im November 2019 haben die Delegierten beschlossen, die Zulassung für den Gentech-ImpfstoffVaxxitek nicht zu verlängern und somit die Zulassung Ende 2019 auslaufen zu lassen.[72]
Um denKartoffelkäfer zu bekämpfen, wurde 2018 die Anwendung vonSpinosad undNeem, zwei imbiologischen Pflanzenschutz zugelassene Pflanzenschutzmittel, während drei Monaten auch für Kartoffeln zugelassen.[73] Der Grund war eine starke Vermehrung des Kartoffelkäfers und eine mangelnde Verfügbarkeit des üblichen dagegen eingesetzten Mittels. Da Spinosad potentiell Bienen gefährdet, müssen sich die Bauern an die Auflage halten, dieses nur frühmorgens oder abends anzuwenden. 2023 wurde die Anwendung von Spinosad für weitere Kulturpflanzen und gegen andere Schädlinge zugelassen.[74] BeiDemeter Schweiz hingegen wurde Spinosad per Anfang 2022 ganz verboten.[75]
FürFuttermittel gilt per 1. April 2022 eine Sonderbewilligung für den Import. Demnach dürfen Futtermittel fürNichtwiederkäuer auch aus Übersee importiert werden. Teilweise entfällt die Knospe-Pflicht, um auch Futter, welches nach der weniger strengenEU-Bio-Verordnung produziert wurde, importieren und verfüttern zu dürfen. Die Sonderbewilligung wurde gesprochen, weil wegen desRussischen Überfalls auf die Ukraine das europäische Futter knapp geworden ist. Neben derSchweinefleischproduktion ist auch dieGeflügelproduktion davon betroffen. Bio Suisse ruft dazu auf, denFleischkonsum einzuschränken undLebensmittelabfälle zu verhindern.[76]
Um Bio-Wein ausArgentinien mit der Knospe zu kennzeichnen, hatte Bio Suisse im August 2017 eine Lizenz anCoop vergeben. Dieses Vorgehen steht nicht im Gegensatz zu den eigenen Grundprinzipien, denn Importe sind unter bestimmten Bedingungen möglich (siehe#Richtlinien).Bio Genève war damit nicht einverstanden[77] und stellte an der Delegiertenversammlung am 18. April 2018 einen Antrag für eine Richtlinienänderung zu Importen aus Übersee. Die Bewilligung für Importe von Wein aus Übersee war inzwischen vom Vorstand der Bio Suisse sistiert worden. Zudem beantragte der Vorstand eine breite Diskussion der erarbeiteten Import-Strategie an der Präsidentenkonferenz im Sommer 2018 und eine Verschiebung der Abstimmung über die Import-Richtlinien. Diesem Antrag stimmte die Delegiertenversammlung am 18. April 2018 zu.[78]
Bei den SchweizerGeranien werden die Flugtransporte von konventionellen Stecklingen ausAfrika kritisiert.[35] Auch die Zertifizierung vonPalmölplantagen, welche auf gerodetenUrwaldflächen angelegt wurden, sorgte bereits für Kritik.[79]
Der Vorstand von Bio Suisse setzte sich bei derEidgenössischen Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz» für eine Nein-Parole ein, da bei Annahme der Initiative zu viel Bio-Landwirtschaft und damit ein Preiszerfall drohe.[80][81] Das KonsumentenmagazinK-Tipp schreibt dazu:Im Klartext heisst das: Wenn alle Bauern biologisch wirtschaften, wäre die hohe Marge aufBio-Lebensmittel nicht mehr zu rechtfertigen.[82] Inzwischen wurde unter anderem die Bio-Suisse-Webseite mit dem Titel «Mehr Bio – weniger Pestizide» gelöscht, ist aber noch mit derWayback Machine abrufbar.[83] Laut K-Tipp räumte der GrossverteilerCoop ein, mit Bio-Suisse über die Trinkwasser-Initiative gesprochen zu haben. Bio-Suisse Präsident Urs Bändli dagegen erklärte:Ich habe dazu von Coop noch nie etwas gehört.[82] Die Delegiertenversammlung bestätigte die Nein-Parole.[84][85] Indes stellte sich auch dieInteressengemeinschaft Bio Schweiz (IG Bio), mit zahlreichen Vertreten aus der Bio-Branche (darunter auch Unternehmen von Coop, aber auch von derMigros), gegen die Initiative. Dagegen hatte sich Bio-Suisse für dieEidgenössische Volksinitiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» ausgesprochen.[86] Bei denVolksabstimmungen vom 13. Juni 2021 wurden dann beide Initiativen mit rund 60 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Auch bei der am 22. September 2024 zur Abstimmung kommendenBiodiversitätsinitiative hat der Vorstand die Ja-Parole beschlossen, will aber zurückhaltend kommunizieren.[87]