Logo der Zeitschrift, das von Oktober 1984 bis Januar 2013 benutzt wurdeErstausgabeAusgabe von 1896Ausgabe zum 10-jährigen Jubiläum
Billboard (englisch für ‚Plakattafel‘, ‚Anschlagbrett‘) ist eineUS-amerikanischeEntertainment-Marke im Besitz der Billboard-Hollywood Reporter Media Group, die eine Abteilung von Eldridge Industries ist.Billboard fungiert heute in erster Linie alsOnline-Magazin für Nachrichten, Ereignisse und Rezensionen aus der Musikbranche.
Die erste Ausgabe der ZeitschriftBillboard wurde am 1. November 1894 inCincinnati von William Donaldson und James Hennegan veröffentlicht.[2][3] Zunächst befasste sich die Zeitschrift mit derWerbe- undPlakatierungsbranche und trug den TitelBillboard Advertising.[4][5]
Während sich Donaldson um die Redaktion und die Werbung kümmerte, leitete Hennegan mit seiner Druckerei Hennegan Printing Co. die Zeitschriftenproduktion. Die ersten Ausgaben umfassten acht Seiten und beinhaltetenKolumnen wieThe Bill Room Gossip undThe Indefatigable and Tireless Industry of the Bill Poster.[3] 1896 wurde eine Rubrik für landwirtschaftliche Messen eingeführt, bevor der Titel der Zeitschrift 1897 inThe Billboard geändert wurde.[6][7]
Nach einem kurzen Produktionsstopp aufgrund redaktioneller Differenzen erwarb Donaldson 1900 Hennegans Geschäftsanteile für 500 US-Dollar, um das Unternehmen vor dem Bankrott zu bewahren.[8] Im Mai 1900 wurde das Konzept der Zeitschrift von einer monatlichen auf eine wöchentliche Erscheinungsfrequenz mit einem Schwerpunkt aufEilmeldungen abgeändert. Er verbesserte die redaktionelle Qualität und eröffnete neue Büros inNew York,Chicago,San Francisco,London undParis.[6][8] Außerdem wurde der Themenfokus auf die Berichterstattung über Veranstaltungen im Freien wie Messen,Karneval undZirkusse neu angesetzt.[3][6][7]
Des Weiteren wurden Themen wieMarktregulierung, mangelndeProfessionalität,Wirtschaftlichkeit und aktuelle Shows behandelt. Es gab eineKlatsch-Rubrik, die das Privatleben von Entertainern abdeckte, einenZelt-Show-Abschnitt für Reiseshows und einen Unterabschnitt mit dem TitelFreaks to Order.[3] Nach Angaben derSeattle Times veröffentlichte Donaldson auch Artikel, die „die Zensur und Regenbogenpresse angreifen“.[9]
Mit der Weiterentwicklung der Eisenbahnen richtete Billboard ein Postweiterleitungssystem für reisende Entertainer ein. Der Standort eines Entertainers konnte im Magazin in der RubrikRoutes Ahead verfolgt werden. Im Namen des Stars erhielt Billboard eine Sendung, woraufhin der Empfänger in der so genanntenLetter-Box informiert wurde. Zunächst wurde der Dienst im Jahr 1904 eingeführt und entwickelte sich zur größten Gewinnquelle der Zeitschrift.[9][3] Bis 1914 nutzten 42.000 Menschen den Dienst. Während desZweiten Weltkriegs wurde dieBillboard-Postadresse von vielen Stars als offizielle Adresse genutzt. Noch in den 1960er Jahren, als das System eingestellt wurde, verarbeitete Billboard 1500 Briefe pro Woche.[9]
1920 machte Donaldson einen kontroversen Schritt, indem er denafroamerikanischen Journalisten James Albert Jackson beauftragte, eine wöchentliche Kolumne zu schreiben, die afroamerikanischen Künstlern gewidmet wurde. Laut dem BuchThe Business of Culture: Strategic Perspectives on Entertainment and Media sorgte die Kolumne dafür, die Diskriminierung schwarzer Künstler aufzudecken, und half bei der Validierung ihrer Karriere. Jackson war der erste schwarze Kritiker in einer nationalen Zeitschrift mit überwiegend weißem Publikum.[3] Nach Aussagen seines Enkels hat Donaldson auch eine Richtlinie gegen die Identifizierung von Künstlern anhand ihrer Hautfarbe aufgestellt.[9] Donaldson starb 1925.[3]
Mit dem Fortschritt der Technik entwickelte sich auch die Berichterstattung vonBillboard weiter. Immer mehr rückten die „Wunder der modernen Technologie“, etwaPhonographen,Plattenspieler unddrahtloseRadios, in den Fokus.[3] 1899 berichtete die Zeitschrift erstmals über münzbetriebene Unterhaltungsautomaten und widmete derartigen Themen ab März 1932 eine eigene Rubrik mit dem TitelAmusement Machines.[8] Nachdem 1907 kurzfristig auch Neuigkeiten aus der Filmbranche Platz in der Zeitschrift fanden, wurden diese im Zuge der wachsenden Konkurrenz des BranchenblattsVariety nicht weiter verfolgt und die Konzentration vermehrt auf die Musik verlagert.[7][10] In den 1920er Jahren betrieb das Unternehmen einen Radiosender.[6]
Das Wachstum derJukebox-Industrie während derWeltwirtschaftskrise nahm sich die Zeitschrift zum Anlass, diesem Thema vermehrte Aufmerksamkeit zu widmen, wodurch sich der redaktionellen Fokus auf Musik verdichtete. Am 4. Januar 1936 veröffentlichteBillboard die erste Musikhitparade und führte im Januar 1939 einenRecord Buying Guide ein.[11] In den 1940er Jahren folgten eigene Chartrubriken für Bestseller und Jukeboxen.[6][8] «Billboard» entwickelte sich schnell zu einerFachzeitschrift.[5] Aufgrund der wachsenden Vielfalt an Musikinteressen und -genres stieg die Anzahl der veröffentlichten Chartlisten nach dem Zweiten Weltkrieg auf bis zu 28.[9]
Zwischen 1946 und 1948 wurden neue Büros inBrighton,Ohio, und New York eröffnet.[7][9] Nachdem im November 1950 ein neuesTabloid-Format eingeführt wurde, wurde ab Januar 1963 erstmalsgestrichenes Papier verwendet, um denFotojournalismus voranzutreiben.[8] Ebenfalls wurde in den 1950er Jahren monatlich eine eigene Fachzeitschrift fürSüßwaren- undZigarettenautomatenanbieter veröffentlicht. Dieses trug den TitelVend. Parallel kam unter dem NamenTide auch eine Werbefachzeitschrift auf den Markt. Bis 1969 veröffentlichte die Billboard Publications Inc. elf unterschiedliche Handels- und Verbrauchermagazine, führte einen eigenen Verlag und vierFernseh-Franchise-Unternehmen.[6]
Im Januar 1961 wurde die Zeitschrift inBillboard Music Week umbenannt, um den neuen Schwerpunkt Musik hervorzuheben.[4] Zwei Jahre später erschien sie wieder alsBillboard. DemThe New Business Journalism zufolge entwickelte sichBillboard bis zum Jahr 1984 zummarktführenden Berichterstatter im Bereich Musikindustrie.
Billboard kämpfte wenige Jahre nach dem Tod seines Gründers William Donaldson im Jahr 1925 mit demBankrott. Donaldsons Schwiegersohn Roger Littleford übernahm 1928 die Führung des Unternehmens und sorgte dafür, dass die Zeitschrift wieder schwarze Zahlen schrieb.[6] Seine Söhne Bill und Roger wurden 1946 Mitherausgeber und erbten die Marke Ende der 1970er Jahre nach Littlefords Tod. 1985 verkauften sie das Unternehmen für geschätzte 40 Millionen US-Dollar an private Investoren.[12] Die Investoren senkten die Kosten und übernahmen die FachzeitschriftBackstage, die sich mit derBroadway-Theaterindustrie beschäftigte.[6]
1987 wurde Billboard für 100 Millionen US-Dollar an Affiliated Publications verkauft.[12] Billboard Publications Inc. agierte infolgedessen unter dem Namen BPI Communications als eine Tochtergesellschaft von Affiliated Publications. Sie erwarben die ZeitschriftenThe Hollywood Reporter,Adweek,Marketing Week undMediaweek. Des Weiteren übernahmen sie das High-Tech-Unternehmen Broadcast Data Systems zur Verfolgung der Sendezeit von Musik. Wenige Zeit später wurden zwei Drittel der BPI-Anteile von privaten Investoren von Boston Ventures sowie BPI-Führungskräften für rund 100 Millionen US-Dollar zurückgekauft. 1993 wurde für musikbezogene Veröffentlichungen eine eigene Abteilung namens Billboard Music Group gegründet.[6]
1994 wurde Billboard Publications Inc. für 220 Millionen US-Dollar an das niederländischeMedienimperiumVerenigde Nederlandse Uitgeverijen verkauft.[13][14] Im Jahr 2000 fusionierte BPI mit anderen Tochterunternehmen von VNU zu Bill Communications Inc. Bis 2003 expandierte VNU um ein Vielfaches, verschuldete sich jedoch durch die hohe Anzahl an Akquisitionen. Ein versuchter Erwerb des Konzerns im Jahr 2005 vonIMS Health im Wert von sieben Milliarden US-Dollar führte zu großen Protesten. 2006 wurde einem Übernahmeangebot von Investoren in Höhe von elf Milliarden US-Dollar zugestimmt.[6]
VNU änderte 2007 seinen Namen in The Nielsen Company. Der Name geht auf ein Unternehmen zurück, das VNU 1999 für 2,5 Milliarden US-Dollar erworben hatte.[15][16] Der neueCEO Robert Krakoff veräußerte einige der zuvor im Besitz befindlichen Marken, restrukturierte die Organisation und plante einige Akquisitionen, bis er 2007 plötzlich starb. Er wurde durch Greg Farrar ersetzt.
2009 wurde Billboard als es eine von acht Marken an diee5 Global Media Holding verkauft. E5 wurde alsB2B-Medienkonzern von den Investmentfirmen Pluribus Capital Management und Guggenheim Partners gegründet.[17][18] Im folgenden Jahr wurde die neue Muttergesellschaft in Prometheus Global Media umbenannt.[19] Drei Jahre später erwarb Guggenheim Partners den Anteil von Pluribus an Prometheus und wurde alleiniger Eigentümer vonBillboard.[20][21]
Im Dezember 2015 gliederte Guggenheim Digital Media mehrere Marken, darunterBillboard aus. Diese wurden vom neuen Geschäftsführer Todd Boehly übernommen.[22][23] Die Vermögenswerte laufen als Hollywood Reporter-Billboard Media Group und stellen eine Einheit der Holdinggesellschaft Eldridge Industries dar.[24]
Von 1991 bis zu seinem unerwarteten Tod 2002 war Timothy White Chefredakteur der Zeitschrift. White schrieb wöchentliche eine Kolumne, in der er Musik mit „künstlerischem Wert“ lobte, während er Songs, deren Themen Gewalt oder Frauenfeindlichkeit behandelten, kritisierte. Des Weiteren überarbeitete er die Chart-Auswertung.[25] Anstatt sich auf Daten von Musikhändlern zu verlassen, wurden nun eigene Auswertungen erhoben. Dabei wurde das von Mike Fine und Mike Shalett kreierten Nielsen-SoundScan-System eingesetzt, bei dem die Daten direkt an der Kasse gesammelt werden.[6]
Auch konzentrierte sich White auf das Schreiben von Musiker-Profilen.[26] In den folgenden Jahrzehnten litt die Zeitschrift unter dem wirtschaftlichen Rückgang der Musikindustrie. Dies ging mit einem Verlust von über 20.000 Lesern einher.[27][28][29] Auch das Personal und die Eigentumsverhältnisse der Zeitschrift rotierten regelmäßig.[30]
2004 reichte der Autor Keith Girard wegen seiner Kündigung gemeinsam mit einer Mitarbeiterin eine Klage über 29 Millionen US-Dollar ein.Billboard wurde beschuldigt, mit der Kündigung auf Rufschädigung abzuzielen.[27] Des Weiteren war vonsexueller Belästigung, einem feindlichen Arbeitsumfeld sowie einem finanziell motivierten Mangel an redaktioneller Integrität die Rede.[27] E-Mail-Beweise deuteten darauf hin, dass die Personalabteilung besondere Anweisungen darüber erhalten hatte, Mitarbeiter von Minderheiten zu beobachten. 2006 kam es zu einer außergerichtlichen Einigung.[30]
2004 nahm Tamara Conniff die Position als erste und jüngste Chefredakteurin in der Geschichte der Zeitschrift ein und sorgte für die erste große Neugestaltung seit den 1960er Jahren. Unter ihrer Führung stiegen die Verkäufe vonBillboard um 10 %, die Anzeigenseiten um 22 % und die Team-Sitzungen um 76 %.[31] 2005 weiteteBillboard seinen Umfang auf andere Bereiche der digitalen Unterhaltungsbranche aus. Nachdem er bereits erfolgreich die Billboard-Radiosender geleitet hatte, wurde der ehemaligeABC-News- undCNN-Journalist Scott McKenzie 2006 zum Redaktionsleiter aller Billboard-Abteilungen ernannt.[32] Conniff organisierte 2007 das EventBillboard Women in Music.
2008 wurde Bill Werde zum Redaktionsleiter ernannt, gefolgt von Janice Min im Januar 2014, die auch für die redaktionellen Inhalte desThe Hollywood Reporter verantwortlich war.[32] Das Magazin entwickelte sich im Laufe der 2010er Jahre von einemBranchenblatt zu einer Unterhaltungszeitschrift, dessen Inhalte zunehmendLifestyle,Mode undKlatsch umfassten.[29][28][33] Min engagierte Tony Gervino als Herausgeber des Magazins, was insofern ungewöhnlich war, als er keinen Hintergrund in der Musikindustrie hatte.[33] Gervino wurde im April 2014 zum Chefredakteur ernannt.[34] Im Mai 2016 wurde er vom Senior Vice President für digitale Inhalte Mike Bruno ersetzt.[35] Im Juni 2016 wurde gemeinsam mit Algo-Rhythm Communications das Tochterunternehmen Billboard Philippines gegründet.[36] Im September 2016 expandierteBillboard mit Unterstützung von Vision Music Ltd. nachChina.[37]
Billboard.com – die Website enthält die aktuellen Charts der verschiedenen Musikrichtungen und Kurznachrichten (der Zugriff auf Archivmaterial und brancheninterne Informationen ist kostenpflichtig)