Betelnusspalmen in Kolkata, IndienBetelpalme mit FrüchtenStruktur von ArecolinFrauen verkaufen Betelnüsse inOsttimor
DieBetelnusspalme (Areca catechu), auchBetelpalme,Katechupalme oderArekapalme genannt, ist einePflanzenart aus derFamilie derPalmengewächse (Arecaceae). Zusammen mit den etwa 60 anderen Arten aus derGattung derBetelpalmen (Areca) ist sie im indo-malayischen Raum verbreitet.
Die Steinkerne („Nüsse“) der Früchte der Pflanze werdenBetelnüsse (seltenerArekanüsse) genannt und vor allem in Asien alsDroge konsumiert. Dastraditionelle Kauen von Betelnüssen wird inSüdostasien alsSirih-Pinang bezeichnet, inIndien undBangladesch alsPaan. Der Konsum von Betel macht abhängig und ist krebserregend. Mit derzeit mehr als einer halben Milliarde regelmäßigen Konsumenten ist Betel nachKoffein,Alkohol undNikotin eine der am häufigsten konsumierten Drogen der Welt.
Die Betelnusspalme bildet schlanke, einstämmigeFiederpalmen, die bis zu 25 m hoch werden können. Die Fiederblätter erreichen dabei Längen von bis zu 2 m. Sowohl die männlichen als auch die weiblichen Blüten stehen in zylindrischen Blütenrispen mit etwa 150–200 ovalen, orangen bis roten Steinfrüchten. Sie haben etwa die Größe einesHühnereis, etwa 7 cm, und umschließen mit faserigemFruchtfleisch einen 3–10 g schweren, braunen Steinkern. Die Steinkerne („Nüsse“) der Früchte werdenBetelnüsse oderArekanüsse genannt.
Die Betelnusspalme ist eine alte Kulturpflanze, die vonSüdasien über ganzSüdostasien bis zu den Inseln derSalomonen, nordöstlich bisTaiwan und denPhilippinen, südlich bis nachNordaustralien verbreitet ist. InThailand wurden die Überreste von Betelnüssen gefunden, die auf über 7500 Jahre datiert werden. Angebaut wird die Pflanze außerdem in tropischen Regenwäldern inOstafrika und aufMadagaskar.
Überwiegend handelt es sich bei den Wirkstoffen der Pflanze umAlkaloide, der Gehalt beträgt dabei 0,3–0,6 %. Das Hauptalkaloid ist hierbeiArecolin, daneben sindArecaidin,Arecolidin,Guvacolin undGuvacin vorhanden. Werden die Nüsse zerkaut, erfolgt teilweise eineHydrolyse von Arecolin zu Arecaidin.
Unreife Betelnüsse werden in Asien mit Betelschneidern kleingehackt. Üblicherweise werden diese in mitgelöschtem Kalk bestrichene Blätter gerollt, welche nicht von der Betelpalme, sondern vomBetelpfeffer (Piper betle) stammen. Der fertigeBetelbissen (auchsirih) wird gekaut. Wegen des bitteren Geschmacks werden häufig Gewürze wiePfefferminze,Lakritze oder auchKautabak hinzugegeben. Der gelöschte Kalk bewirkt, dass das in den Nüssen befindlicheArecolin inArecaidin undMethanolhydrolysiert, greift aber auch das Zahnfleisch an. Sinn der Umwandlung des Alkaloids in diefreie Base ist die leichtere Resorbierbarkeit. Die Wirkstoffe werden nach dem Kauen im Mund direkt resorbiert und passieren rasch die Blut-Hirn-Schranke, was gegen Ermüdung wirkt. Das Betelkauen wird seit Jahrhunderten praktiziert, aktuellen Schätzungen zufolge in Ostafrika und Asien von mehr als 450 Millionen Menschen. Es wurde als vernachlässigtes Problem der öffentlichen Gesundheit beschrieben.[1] Durch die Alkalisierung bilden sich Phlobatannine, welche den Speichel rot färben. Daher fand dies in Asien auch zum Färben der Lippen Verwendung.
Neben dem Konsum durch den Menschen findet Arecolin auch in der Tiermedizin Anwendung. Bei Rindern und Hunden wird es als Mittel gegen Eingeweidewürmer verwendet. Aus den grünen, unreifen Früchten können außerdem Gerbstoffe zum Färben gewonnen werden.
Samen der Betelpalme keimen unter warmen und feuchten Bedingungen innerhalb einiger Wochen. Die Jungpflanzen werden gelegentlich inBlumengeschäften angeboten, lassen sich in Deutschland aber nur alsZimmerpflanzen halten, da sie keinenFrost vertragen. Die Blätter junger Betelpalmen vertragen zudem auch keine direkteSonneneinstrahlung.
Aus gereinigten und gepressten Blättern der Betelpalme lassen sich formbeständige Gegenstände wie Einweggeschirr formen.
Der Konsum von Betelnüssen führt zum einen zu vermehrtem Speichelfluss und Wohlbefinden. Zum anderen dämpft er den Appetit. Die Wirkung ist ähnlich der vonAlkohol. Weitere typische Symptome sind Übelkeit, starkes Schwitzen sowie ein Brennen im Mund- und Rachenraum. In einer hohen Dosis führen die Nüsse zuBradykardie, Zittern, Erbrechen, Verwirrung, Krämpfen und Durchfall. Tod durch Atem- oder Herzstillstand kann die Folge sein.
Die Wirkstoffe der Pflanze sind neurotoxisch, wirken anregend und sind giftig. Das enthaltene Arecolin wirkt parasympathomimetisch und aktiviert den muscarinergen Acetylcholin-Rezeptor. Es wirkt dabei ähnlich wiePilocarpin. Die Auswirkung ist eine erhöhte sekretorische Drüsenaktivität, also vermehrter Speichelfluss. Hinzu kommt eine schwach betäubende Wirkung des Arecaidin. Dies beruht auf der vermindertenGABA-Aufnahme in inhibierende Neuronen, welche durch die Substanz ausgelöst wird. Außerdem besitzt Arecaidin anregende und sedierende Eigenschaften. Die enthaltenen Alkaloide, eventuell auchEugenol, sind mutagen und können zu Krebs in der Mundhöhle und Speiseröhre führen. In der Regel ist hierfür jedoch ein längerfristiger Konsum nötig. Die Aufnahme von 8–10 g Samen kann für einen Menschen tödlich sein. Die LD50 von Arecaidin für Mäuse liegt bei 850 mg/kg Körpergewicht bei einer oralen Aufnahme und bei 520 mg/kg bei einer intravenösen Applikation. Für Arecolin wurde eine LD50 bei Mäusen von 100 mg/kg subkutan und 34 mg/kg intravenös ermittelt.
Eine Magenspülung erfolgt nur nach der Aufnahme sehr großer Mengen, in der Regel ist die Gabe vonAktivkohle undNatriumsulfat ausreichend. Gegebenenfalls ist die Applikation von 1–2 mgAtropin als Gegengift notwendig. Nur bei schweren Vergiftungen erfolgt eine Intubation mit künstlicher Beatmung des Patienten. Bei Herzstillstand wird entsprechend eine Herzmassage beziehungsweise eine Schocktherapie durchgeführt. Notwendig ist auch eine Überwachung der Funktion von Leber, Nieren und Herz.
Ein Betelnuss-Mädchen im typischen taiwanischen Verkaufsstand
In Taiwan sindBetelnuss-Mädchen an jeder Straßenecke zu finden und verkaufen Betelnüsse. Da die Konkurrenz sehr hoch ist, sind die Verkäuferinnen oft nur spärlich bekleidet, um vor allem bei der männlichen Kundschaft ihren Absatz zu steigern. Die Verkaufsorte sind landesweit an großen Glasscheiben und an ihrer bunten Beleuchtung erkennbar.
Taiwans Gesundheitsbehörde ist bestrebt, den Konsum einzudämmen. Regelmäßiges Kauen kann neben gelben Zähnen und schlechtem Atem auch Mundhöhlenkrebs verursachen, in Taiwan im Jahr 2011 die fünfttödlichste Krebsart. Die Diagnose Mundhöhlenkrebs erhalten in Taiwan pro Jahr rund 6000 Menschen.[2]
InVietnam ist die Betelnuss ein sehr wichtiges Symbol für die Ehe.[3] In Malaysia ist sie traditionell ein Willkommensgruß für Gäste.[4] Sie ziert die Flagge der InselPenang.
E. Wink, Ben-Erik van Wyk, Coralie Wink:Handbuch der giftigen und psychoaktiven Pflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2008,ISBN 3-8047-2425-6.
↑Hedieh Mehrtash, Kalina Duncan, Mark Parascandola, Annette David, Ellen R. Gritz:Defining a global research and policy agenda for betel quid and areca nut. In:The Lancet Oncology.Band18,Nr.12, 1. Dezember 2017,ISSN1470-2045,S.e767–e775,doi:10.1016/S1470-2045(17)30460-6,PMID 29208442.
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