Bis 1975 hieß das LandDahomey. Die Bezeichnung steht in Tradition zum historischenKönigreich Dahomey, das bis zur Eroberung durch dieFranzosen Ende des 19. Jahrhunderts den südlichen Teil des modernen Staates und des NachbarstaatesTogo umfasste. Von 1975 bis 1990 hieß esVolksrepublik Benin.
Benin liegt zwischen 6° 25' und 12° 30' nördlicher Breite sowie 0° 45' und 4° östlicher Länge. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 650 km, die größte West-Ost-Ausdehnung beträgt 320 km. Die Landesgrenzen belaufen sich auf gesamt 1989 km, zu Burkina Faso 306 km, zu Niger 266 km, zu Nigeria 773 km und zu Togo 644 km. Die Länge der Küste beträgt 121 km.
Die Landschaft Benins gliedert sich in fünf verschiedeneNaturräume.
DieKüstenregion ist flach und sandig und wird vonGezeitensümpfen undLagunen geschützt. Genauer betrachtet besteht sie aus einer langen, mitKokospalmen bewachsenenSandbank. Die Lagunen sind im westlichen Teil des Landes schmaler, wo viele durchVerschlammung inSümpfe verwandelt wurden, und im Osten breiter, einige sind auch miteinander verbunden. Im Westen erstreckt sich dieGrand-Popo-Lagune bis ins benachbarte Togo, während diePorto-Novo-Lagune im Osten einen natürlichen Wasserweg zum Hafen vonLagos in Nigeria bildet, obwohl die Nutzung durch die politische Grenze erschwert wird. Nur bei Grand-Popo und Cotonou haben die Lagunen direkte Verbindungen zum offenen Meer.
Hinter der Küstenregion beginnt dasbarre-Land – das Wort ist eine französische Adaption des portugiesischen Wortesbarro („Ton“). Die Barre-Region ist eine fruchtbare, intensiv landwirtschaftlich genutzte Ebene und umfasst dieLama Marsh, ein riesiges Sumpfgebiet, das von Abomey bis Allada reicht. Die Landschaft ist im Allgemeinen flach, obwohl gelegentlichHügel auftreten, die bis zu 400 Meter hoch sein können.
Die vierHochebenen von Benin befinden sich in der Gegend von Abomey,Kétou,Aplahoué (oder Parahoué) undZagnanado. Die Plateaus bestehen aus Tonen auf kristalliner Basis und sind zwischen 90 und 230 Meter hoch.
DieAtakora-Gebirgskette im Nordwesten des Landes bildet eine Fortsetzung des südlichenTogogebirges. Sie verläuft von Südwesten nach Nordosten und erreicht an ihrem höchsten Punkt, demMont Sokbaro, eine Höhe von 658 Metern. In ihrem Inneren besteht sie aus starkmetamorphemQuarzit-Gestein.
DieNiger-Ebene im Nordosten Benins senkt sich bis zum Tal des Niger-Flusses ab und besteht auslehmigenSandsteinen.
Die Landesfläche beträgt 112.622 km² (Weltrang 100), davon 30 % Wald, 12 % Ackerland, 4 % Wiesen und Weiden.
Die südliche Zone hat einäquatoriales Klima mit zwei feuchten und zwei trockenenJahreszeiten. Die Hauptregenzeit liegt zwischen Mitte März und Mitte Juli. Auf diese folgt eine kürzere Trockenzeit bis Mitte September, eine kürzere Regenzeit bis Mitte November und eine größere Trockenzeit bis zum Wiedereinsetzen der Regenfälle im März. Die Regenmenge nimmt von Westen nach Osten zu. Grand-Popo erhält nur etwa 800 Millimeter, während in Cotonou und Porto-Novo jeweils etwa 1250 Millimeter Niederschlag pro Jahr fallen. DieTemperaturen sind relativ konstant und schwanken zwischen etwa 22 °C und 34 °C. Dierelative Luftfeuchtigkeit ist häufig unangenehm hoch.
In der nördlichen Klimazone gibt es nur eine Trocken- und eine Regenzeit. Die Regenzeit dauert von Mai bis September, wobei die meisten Regenfälle im August auftreten. In den Atakora-Bergen und in Zentralbenin fallen jährlich etwa 1350 Millimeter, weiter nördlich sinkt die Niederschlagsmenge auf etwa 965 Millimeter. In der Trockenzeit von Dezember bis März weht aus nordöstlicher Richtung derHarmattan, ein heißer und trockener Wind. Die Temperaturen liegen durchschnittlich bei 27 °C, aber der Temperaturbereich schwankt zwischen Tag und Nacht stark. Im März, dem heißesten Monat, können die Tagestemperaturen auf bis zu 43 °C klettern.
Neben demNiger, der mit seinen NebenflüssenMékrou,Alibori undSota die nordöstlichen über 40 Prozent des Landes entwässert, ist der wichtigste Fluss des Landes derOuémé.[5] Er entwässert mit demMono und demCouffo die gesamte südliche Hälfte Benins. Der Mono, der in Togo entspringt, bildet die Grenze zwischen Togo und Benin nahe der Küste. Der Couffo, in dessen Nähe sich Abomey befindet, fließt von den höheren Ebenen nach Süden, um in die Küstenlagunen vonAhémé zu münden. Der Ouémé entspringt im Atakora-Gebirge und fließt 450 Kilometer nach Süden; nahe seiner Mündung teilt er sich in zwei Arme, von denen einer nach Osten in die Porto-Novo-Lagune und der andere nach Westen in denNokoué-See abfließt.[6]
Die Atakora-Berge bilden eineWasserscheide zwischen demVolta- und dem Nigerbecken. Die Gebiete westlich davon entwässert über denOti und seine Nebenflüsse in dasVolta System. Das Oti-Einzugsgebiet umfasst 13,7 % der Landesfläche.
Der vorherrschende Vegetationstyp Benins ist dieSavanne. Benin hat Anteil an zwei Landschaftszonen, derSudanzone und derGuineazone, und liegt in einem nahezu waldfreien Korridor zwischen denoberguineischen und kongolesischenRegenwäldern, demDahomey Gap. Der ursprüngliche tropische Regenwald, der den südlichen Landesteil bedeckte, ist heute weitgehendabgeholzt und existiert nur noch in der Nähe von Flüssen. An seiner Stelle wurden vieleÖl- undRônierpalmen gepflanzt undNutzpflanzen angebaut, daneben wachsenKokospalmen,Kapok-,Mahagoni- undEbenholzgewächse. Außerdem gibt esTrockenwälder wie denForêt de la Lama im Zentrum Benins und den sehr eindrucksvollen Sumpfwald von Lokoli.
Die südlichen Provinzen machen ein Viertel der Gesamtfläche aus, werden aber von mehr als zwei Dritteln der Bevölkerung bewohnt. Sehr dicht besiedelt sind die Gegend um denHafen von Cotonou, wo sich das politische und wirtschaftliche Leben des Landes konzentriert, und die offizielle HauptstadtPorto-Novo. An den Stadträndern ist der Anbau vonSubsistenzfrüchten wieMais,Maniok undSüßkartoffeln sehr intensiv. Zum Norden hin nimmt die Siedlungsdichte ab. Die Dörfer, welche im Süden noch häufig anzutreffen sind, sind nun weiter zerstreut. Die aus Kolonialzeiten stammende MarktstadtParakou bildet ein wichtiges Zentrum im Norden.
Die Städte zeigen traditionelle afrikanische, koloniale europäische und moderne Einflüsse. VorkolonialeLehmhäuser, Märkte,Schreine und Statuen finden sich in Kleinstädten ebenso wie in Abomey, Porto-Novo und in geringerem Maße in Cotonou. DieSomba-Region im Nordwesten wird von traditionellen Strohdach- und Turmhäusern geprägt. In den meisten Städten dominieren koloniale europäische Stile. Zu den Kolonialgebäuden, von denen einige aus dem 18. Jahrhundert stammen, gehören Bahnhöfe, Amtsgebäude und Privathäuser sowie Bauten wie das ehemaligeportugiesische Fort in Ouidah, das ein Zentrum des Sklavenhandels bildete. Moderne Architektur findet man bei Privathäusern, Hafenanlagen und Hotels.
Bevölkerungsentwicklung in Millionen Einwohnern[9]
Bevölkerungspyramide Benins (2020)
Benin hatte 2023 14,1 Millionen Einwohner.[10] Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 2,5 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 36,1 pro 1000 Einwohner[11] vs. Sterbeziffer: 9,3 pro 1000 Einwohner[12]) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 4,9, die der Region West- und Zentral-Afrika betrug 4,9.[13] DieLebenserwartung der Einwohner Benins ab der Geburt lag 2022 bei 60 Jahren[14]. DerMedian des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 17,5 Jahren.[15] Im Jahr 2023 waren 41,8 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre,[16] während der Anteil der über 64-Jährigen 3,1 Prozent der Bevölkerung betrug.[17]
Etwa 39,2 % der Gesamtbevölkerung gehören denFon an, welche gleichzeitig die gesellschaftlich dominante Bevölkerungsgruppe im Land, speziell im Süden, ist. 15,2 % der Einwohner sindAdja. 12,3 % der Bevölkerung vor allem im Osten sprechenyoruboide Sprachen, gehören also denYoruba und ähnlichen Ethnien an. Die ehemals eigenstaatlichenBariba stellen 9,2 % der Bevölkerung. Eine große Minderheit stellen mit 7 % dieFulbe, die in der gesamten Sudanzone verbreitet sind. DieOtamari bilden 6,1 % der Bevölkerung Benins.Yoa-Lokpa und verwandte Völker stellen 4 % und dieDendi im Norden bilden eine kleine Minderheit von 2,5 % der Einwohner. Daneben gibt es Angehörige derAtakora-Gruppe (abwertendSomba genannt).[18]
Zweisprachige Schilder aufFon und Französisch an einem Telefongeschäft inGanvié
Alleinige Amtssprache ist seit der französischen Herrschaftszeit das Französische. Neben Französisch werden 53 verschiedene Sprachen undIdiome gesprochen. Schwerpunkte bildenGur- (die Sprecher derLama- und der Atakora-Sprachen),Hausa-Sprachen, die Sprachgruppe derEvé (darunterFon) oderMina. Im südlichen Benin ist Fon Hauptverkehrssprache und wird von ca. 1,7 Mio. Einwohnern gesprochen; insgesamt sprechen 47 % der Bevölkerung Fon als Muttersprache.[19]
Doch dürften viele der 6,5 % der Bevölkerung, welche keinem Bekenntnis angehören, und etliche Christen und Muslime diese Religion ebenfalls ausüben. Hochburgen des Kults sind die DepartementsAtlantique,Couffo,Mono undZou. Das DepartementAtakora ist eine weitere Hochburg der traditionellen Religionen.
Etwa 27,8 % der Bevölkerung Benins sindMuslime. Zu ihnen gehören von den größeren Völkern beinahe alle Fulbe und Dendi und eine geringe Anzahl der Otamari (Minderheit von Christen) und etwa die Hälfte der Yoruba (45 % Christen). Der Islam ist in den nördlichen Departements Alibori,Borgou undDonga die Religion des Großteils der Bevölkerung und hat auch in den Departementen Atakora, Collines, Littoral, Ouémé und Plateau zahlreiche Anhänger. Ein erheblicher Teil der Zuwanderer aus Westafrika (Burkina Faso,Mali,Niger,Nigeria undSenegal) gehört ihm an.
Das öffentlicheBildungssystem folgt seit der Kolonialzeit dem französischen Muster. Auf einen sechsjährigenGrundschulzyklus[22] (für Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren) schließt eine Schule über vier Jahre an.[22] Darauf folgt eine dreijährige Schule, die mit dem HochschulzugangBaccalaureat abschließt.[22] Die erwartete Schulbesuchsdauer der aktuellen Schülergeneration liegt bei 12,6 Jahren. Aufgrund der geringen Schulbesuchsdauer der über 25-Jährigen, die bei nur 3,8 Jahren liegt, betrug dieAnalphabetenquote im Jahr 2020 in der Altersgruppe aber immer noch 57,6 %.[23]
DieUniversität Abomey-Calavi[22] (1970–75 als Universität Dahomey und 1975–2001 Nationale Universität von Benin bekannt) mit Sitz in Cotonou wurde 1970 gegründet. DieStudentenschaft der Universität ist neben den Arbeitern seit Anfang der 1980er Jahre die wichtigste politische Kraft des Landes. DieUniversität Parakou wurde 2001 gegründet.[24]
Benin verfügt über ein staatlichesGesundheitssystem, dasKrankenhäuser in Cotonou, Porto-Novo, Parakou (finanziert von China), Abomey, Ouidah und Natitingou unterhält sowieGeburtshäuser und andere kleine, spezialisierte Gesundheitseinrichtungen. Im Jahr 2018 praktizierten in Benin 0,8 Ärzte je 10.000 Einwohner.[25] Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 2,6 % des Bruttoinlandsprodukts.[26] Internationale Organisationen stellen Finanzhilfen zur Verfügung, um einen Mangel an medizinischem Personal und Medikamenten auszugleichen. Wie auch in den Nachbarländern existiert in Benin ein illegaler Markt, auf dem nicht mehr haltbare Medikamente, Medikamente ohne Verpackung und Beipackzettel und vor allem gefälschte Medikamente (vorwiegend aus China und Indien) gehandelt werden, was hohe Risiken mit sich bringt und für Apotheken existenzgefährdend ist.[27] Mehrfach hat dieWeltzollunion Millionen Arzneimittel in Benin beschlagnahmt.[28][29] Trotz der Einführung günstigerGenerika blüht der Schwarzhandel weiterhin.[27]
Eines der größten Gesundheitsrisiken istMalaria, vor allem für kleine Kinder. 2019 lag dieKindersterblichkeit bei 90 von 1000 Lebendgeburten, dieSäuglingssterblichkeit betrug 59 pro 1000 Lebendgeburten.[30] In ländlichen Gebieten sind Mängel, wie der Zugang zu sauberem Trinkwasser oder das Fehlen von sanitären Einrichtungen wie Latrinen, Ursache für viele Erkrankungen. DieLebenserwartung der Einwohner Benins ab der Geburt lag 2022 bei 60 Jahren[14] (Frauen: 61,7[31], Männer: 58,3[32]).
DiePrävalenz fürHIV/AIDS in Benin liegt weit unter dem Durchschnitt der afrikanischen Länder südlich der Sahara und ist ähnlich oder niedriger als die der Nachbarländer.[33] Im Februar 2016 verabschiedete die Regierung einen nationalen Plan im Kampf gegen AIDS.
Unter der Regierung von Präsident Patrice Talon gab es einige Reformen im Gesundheitssystem, die jedoch seitens der Gewerkschaften als Privatisierungsmaßnahmen gesehen, kritisiert und weitgehend blockiert werden.[34]
Gerade im ländlichen Raum, wo Ärzte oder Krankenhäuser oft überhaupt nicht erreichbar oder zu teuer sind oder wo es aufgrund der zahlreichen Sprachen und Dialekte Kommunikationsschwierigkeiten gibt, wenden sich viele Menschen traditioneller Medizin und Heilungsverfahren zu, „die von lokaler Biomedizin bis zu verschiedenen Formen spiritueller oder religiöser Heilverfahren reicht. Oft werden die Ursachen der Krankheit oder des Todes nicht einem Erreger, sondern einerHexe zugesprochen, der z. B. aufgrund von Eifersucht eines Nachbarn hinzugezogen wurde.“[35][36]
Französische Truppen eroberten Dahomey zwischen 1892 und 1894
Das Gebiet des heutigen Staates Benin bildete seit dem 17. Jahrhundert den größten Teil desKönigreichs Dahomey, bis es 1805 von den Franzosen im AuftragNapoleon Bonapartes besetzt wurde und als Kolonie demfranzösischen Kaiserreich einverleibt wurde. Die Kolonie wurde aber 1814 mit der Niederlage gegen Großbritannien imBritisch-Französischen Kolonialkonflikt aufgegeben. Um 1830 wurde das Gebiet zu einem Protektorat Frankreichs und war später als Kolonie Dahomey Bestandteil der FöderationFranzösisch-Westafrika. Am 1. August 1960 wurde es alsRepublik Dahomey in die Unabhängigkeit entlassen. 1961 besetzte und annektierte Dahomey die kleine portugiesische KolonieSão João Baptista d’Ajudá. Die Annexion wurde von Portugal erst 1975 nach der portugiesischenNelkenrevolution anerkannt. 1974 wurde derMarxismus-Leninismus zur Staatsideologie, wodurch es auch zur Einführung einesEinparteiensystems und zu Verstaatlichungen der Betriebe kam. Zugleich wurde die Republik Dahomey 1975 in dieVolksrepublik Benin umbenannt. Der Name bezieht sich auf dieBucht von Benin, die sich wiederum auf das vom 13. Jahrhundert bis 1897 existierende schwarzafrikanischeKönigreich Benin bezieht, das allerdings zum größten Teil auf dem Gebiet des heutigenNigeria lag.
Benin litt zwölf Jahre lang unter einer instabilen Regierung und mehrerenStaatsstreichen, die drei Jahre nach derUnabhängigkeit begannen. DasRegime von PräsidentMathieu Kérékou, der 1972 durch einen Putsch an die Macht kam, brachte zunächst mehr Stabilität. Seine von ihm 1974 eingeführtemarxistisch-leninistische Politik gipfelte in den späten 1970er Jahren in einerrepressivenMilitärherrschaft, die jedoch Anfang der 1980er Jahre weitgehend beendet war. Während dieser Zeit war dieVolksrevolutionäre Partei Benins (PRPB) die einzige zugelassene politische Partei.
Benin war das erste afrikanische Land, das nach demKalten Krieg einen Übergang weg vom Marxismus-Leninismus vollzog. Im Dezember 1989 gab Kérékou selbst die marxistisch-leninistische Lehre auf, die er Mitte der 1970er Jahre verkündet hatte. Im Dezember 1990 wurde eine neueVerfassung verabschiedet, dieMenschenrechte, die Freiheit zur Gründung politischer Parteien, das Recht aufPrivateigentum undallgemeines Wahlrecht garantiert.
In den Jahren 1989 und 1990 erzwang die Bevölkerung mit Unruhen aufgrund der katastrophalen Wirtschaftslage eine Nationalkonferenz unter Leitung des katholischen Erzbischofs vonCotonou,Isidore de Souza. Sie benannte den ehemaligen Exekutivdirektor der Weltbank,Nicéphore Dieudonné Soglo, zum Premierminister und legte die Richtlinien eines demokratischen Neuanfangs fest, darunter die Aufgabe der marxistisch-leninistischen Doktrin, die Begründung einer Demokratie, die Zulassung politischer Parteien, die Achtung der Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Pressefreiheit sowie die Einführung der Marktwirtschaft. Soglo wurde bei den ersten Mehrparteienwahlen 1991 Präsident – dann aber 1996 wieder abgelöst von Kérékou. Die ersten Kommunalwahlen Benins im Dezember 2002 bedeuteten einen wichtigen Schritt für die Dezentralisierung des Landes.
Nach der Verfassung von 1990 ist Benin eine präsidentielle Republik. DerPräsident wird für maximal zwei aufeinanderfolgende fünfjährige Amtszeiten direkt gewählt und ist zugleichStaats- und Regierungschef. Der Präsident kann vomPremierminister unterstützt werden, obwohl diese Position nicht verfassungsrechtlich vorgeschrieben ist und von Mai 1998 bis Mai 2011 sowie ab August 2013 nicht besetzt wurde. Im April 2016 wurdePatrice Talon im zweiten Wahlgang mit 65 % zum neuen Präsidenten von Benin gewählt. Die Wahl verlief nach demokratischen Standards.[37] Die letzten Wahlen fanden am 11. April 2021 statt. Neben Talon gab es nur zwei weitere Kandidaten, was auf das 2019 eingeführte Patensystem zurückzuführen ist, nach dem ein Bewerber nur dann zur Wahl zugelassen wird, wenn er im Vorfeld die Unterstützung von zehn Prozent der Bürgermeister und Parlamentarier hat (ähnlich wie in Frankreich). Darüber hinaus wurden zahlreiche Kandidaten von der Wahlkommission abgelehnt.[38] Talon gewann die Wahl im ersten Wahlgang mit 86,3 % der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von etwa 50 %.[39][40]
DieLegislative wird von derNationalversammlung ausgeübt, deren 83 Abgeordnete für eine Amtszeit von vier Jahren nachVerhältniswahlrecht gewählt werden. Nachdem die Wahlen 2015 noch demokratischen Standards entsprachen und elf Parteien ins Parlament einzogen, galten die Parlamentswahlen vom April 2019 nicht mehr als frei und fair, da die Opposition durch ein neues Wahlrecht faktisch ausgeschlossen wurde (z. B. durch bürokratische Hürden und Registrierungsgebühren). Über 80 % der Wähler blieben daher am Wahltag der Urne fern.[41] Im Ergebnis zogen lediglich zwei regierungsnahe Parteien ins Parlament ein, die Progressive Union mit 47 Sitzen und der Republikanische Block mit 36 Sitzen.[42] Der damalige Vizepräsident der Nationalversammlung, Eric Houndété, kritisierte: „Das ist keine Wahl, sondern die Nominierung von Abgeordneten einer Einheitspartei, die in zwei Teile geteilt ist.“[43] Ohne Opposition im Parlament gibt es jedoch auch keine Kontrolle der Exekutiven. Die letzten Wahlen fanden am 8. Januar 2023 statt. Dieses Mal traten sieben Parteien, davon drei Oppositionsparteien an.[44] Mit zusammen 81 der 109 Parlamentssitze gewannen der Republikanische Block und die Progressive Union für Erneuerung zusammen eine deutliche Mehrheit.[45]
Die Entwicklung desFrauenwahlrechts war von den Verhältnissen in Frankreich bestimmt. Entsprechend derLoi Lamine Guèye von 1946 hatten alle Bürgerinnen und Bürger bei Wahlen zum französischen Parlament und auch bei lokalen Wahlen ein Wahlrecht. Das passive Wahlrecht wurde in dem Gesetz nicht ausdrücklich erwähnt, war aber auch nicht ausgeschlossen. Bei den Wahlen zum Pariser Parlament gab es inFranzösisch-Westafrika, wozu Dahomey gehörte, kein Zweiklassenwahlrecht wie in anderen französischen Kolonien, für alle örtlichen Wahlen jedoch schon.[46] 1956 wurde dieloi-cadre Defferre eingeführt, die in Artikel 10 das allgemeine aktive und passive Wahlrecht garantierte.[47] Bei der Unabhängigkeit des Landes 1960 wurde diese Rechtssituation bestätigt.[48]
Seit derDemokratisierung des Landes im Jahr 1991 gab es mehrere freie Wahlen und gewaltlose Regierungswechsel, womit das Land zu den stabilsten Demokratien in Afrika zählte. Bei der Wahl am 28. April 2019 waren jedoch erstmals seit derDemokratisierung keineOppositionsparteien zur Wahl zugelassen, davor wurdenDemonstrationsrechte für die Opposition aufgehoben.[49] Auch zur Präsidentschaftswahl 2026 wurde die wichtigste Oppositionspartei abermals nicht zugelassen.
Am 7. Dezember 2025 erklärten Soldaten in Benin über das nationale Fernsehen, die Macht im Land übernommen zu haben. Die Erklärung erfolgte wenige Monate vor der für April 2026 vorgesehenen Präsidentschaftswahl, die das reguläre Ende der Amtszeit von PräsidentPatrice Talon markieren sollte, der seit 2016 im Amt war und angekündigt hatte, nach zwei Amtszeiten zurückzutreten.[50] DerMilitärputsch scheiterte allerdings noch am selben Tag.[51]
Benin hat sich in den Indizes in den letzten Jahren verschlechtert. In der Rangliste der Pressefreiheit belegt das Land 2002 noch Rang 21. Beim Demokratieindex verzeichnete es 2021 den niedrigsten Wert sowie den niedrigsten Rang seit Beginn der Untersuchungen 2006, was sich seitdem nicht bedeutend änderte. Benin wurde von einer fehlerhaften Demokratie zum Hybridregime abgestuft. „Das Land galt lange als stabile Demokratie in Westafrika mit einer Verfassung, die für andere Staaten beispielhaft war.“ Nun hat die Demokratie „zunehmend schlechte Karten“.[38] Beobachter sprechen von „Demokratie-Abbau“[57] und der Entstehung einer „Scheindemokratie“[41]. Hans-Joachim Preuß von derFriedrich-Ebert-Stiftung bezeichnet Benin alsWahlautokratie, in der es Oppositionelle zunehmend schwer haben, da es „gewisse Repressionsmechanismen“ gibt, „die für eine gewisse Einschüchterung sorgen“.[57]
Amnesty International stuft die Haftbedingungen in Gefängnissen als äußerst hart ein. Sie liegen weit unter dem internationalen Standard. Die Sicherheitskräfte müssen nach wie vor keine strafrechtliche Verfolgung befürchten, auch wenn sie nachweislich für brutale Gewaltanwendung und Misshandlungen verantwortlich sind. Kinder leiden unter den Haftbedingungen besonders. Für sie gibt es keine gesonderte Behandlung oder Unterbringung.[58]Homosexuelle Handlungen unter Erwachsenen werden nach Paragraph 88 des Strafgesetzbuches von 1996 als Straftat angesehen und mit bis zu drei Jahren Haft bestraft. In der Praxis scheint jedoch bislang niemand nach diesem Paragraphen verurteilt worden zu sein.[59] Mit Einführung des neuen Strafgesetzbuches im Jahr 2019 stehen diese Beziehungen nicht mehr unter Strafe.[60] Zahlreiche Einschränkungen derMeinungsfreiheit und derVersammlungsfreiheit bestehen weiterhin. Häufig wird bei Demonstrationen von exzessiver und willkürlicher Gewalt berichtet, die von den Sicherheitskräften ausgeht.[61]
Hauptstädte wurden nach der Neugliederung der Departements 1999 noch nicht offiziell zu Hauptstädten ernannt, nehmen jedoch sämtliche Hauptstadtfunktionen wahr. Die Einwohnerzahlen der Departements beziehen sich auf den Zensus 2013 (RGPH4).[62]
Die Departements unterteilen sich in77 Kommunen, die wiederum inArrondissements und schließlich in Dörfer oder in Stadtbezirke geteilt sind.
Das Beninische Militär verfügt über eineLandstreitkraft, eineMarine und eineLuftstreitkraft und hat zurzeit rund 7.250 Soldaten im Dienst. Es besteht eine 18 Monate lange selektiveWehrpflicht. Benin gab 2020 knapp 0,4 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 55,8 Millionen US-Dollar für seine Streitkräfte aus.[63]
Benin ist eines der ärmsten Länder der Erde. Knapp die Hälfte der Beniner lebt laut Definition der Weltbank inabsoluter Armut (weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag).[64] Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug 2023 20 Milliarden USD.[3] Die Wirtschaft des Landes wird maßgeblich von der Landwirtschaft (primärerSektor) geprägt, die 2017 26,1 % der BIP erwirtschaftete. Die Industrie (sekundärer Sektor) erwirtschaftete 22,8 %, der Dienstleistungssektor (tertiärer Sektor) 51,1 %.[18]
Von großer Bedeutung für die nationale Wirtschaft ist derSeehafen von Cotonou. Ein Großteil aller im Seehafen umgeschlagenen Waren stammt aus Geschäften mit dem Nachbarland Nigeria.[65] Auch für die Länder Niger, Burkina Faso und Mali ist Benin ein sehr wichtiges Transitland. Der Seehafen macht als Wirtschaftsfaktor über zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.
Aufgrund der hohenAuslandsverschuldung ist Benin gegenwärtig nicht in der Lage, an den größeren internationalen Programmen der Entwicklungszusammenarbeit teilzunehmen, die eine gewisse Eigenbeteiligung erfordern.
Das Wirtschaftswachstum wird partiell beeinträchtigt wegen unzureichender Reformschritte im öffentlichen Finanzmanagement und der schlecht ausgebauten Infrastruktur des Landes. Neben der vorhandenen Korruption fehlt es dem Privatsektor auch an Rechtssicherheit.
Anbau von Baumwolle im Norden des LandesExtensive Landwirtschaft im Norden Benins bei Djougou
In Benin ist dieLandwirtschaft, neben den Zolleinnahmen vom Seehafen von Cotonou, die zweite konstitutive Säule der Wirtschaft und trägt erheblich zur gesamten wirtschaftlichen Lage des Landes bei, denn ein Viertel aller wirtschaftlichen Leistungen wird mit ihr erzielt. In der Landwirtschaft arbeiten mehr als zwei Drittel der Bevölkerung. Vorwiegend werdenMais,Sorghum,Maniok,Yamswurzel,Süßkartoffeln undHülsenfrüchte angebaut. Es herrscht die traditionelleHackbauernkultur vor. Zu den traditionellen Feldfrüchten kommen alscash cropsBaumwolle,Cashew undAnanas hinzu.
DieViehzucht hat im Wesentlichen Statuscharakter, die Rinder werden nicht zu wirtschaftlichen Zwecken gehalten.
Importiert werden vor allem Industriegüter, Nahrungsmittel und Brennstoffe (ca. 5,3 Mrd. US-Dollar). Exportiert wird vor allemBaumwolle (insgesamt ca. 3 Mrd. US-Dollar).[18]
DerStaatshaushalt umfasste 2017 Ausgaben von umgerechnet 2,15 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 1,58 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 6,2 % desBIP. Die Staatsverschuldung betrug 2017 54,2 % des BIP.[18]
Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:[18]
Benin hat ein 578 km langes Eisenbahnnetz inMeterspur, das sich von der Küste bisParakou erstreckt. Die Personenbeförderung sollte Ende 2015 zunächst auf dem 25 km langen TeilstückCotonou –Pahou aufgenommen werden, die Wagen dafür wurden gebraucht von derZentralbahn aus der Schweiz übernommen.[69] Eine 574 km lange Neubaustrecke von Parakou bisNiamey im NachbarlandNiger ist geplant.[70]
Das kulturelle Leben, insbesondere der gebildeten Bevölkerungsschichten in den südlichen Städten, ist von derfranzösischen Kolonialherrschaft und den damit verbundenen engen Beziehungen zu Frankreich geprägt. Dieser französische Einfluss vermischt sich auch häufig mit den verschiedenen jahrhundertealtenTraditionen, die im weitgehend muslimischen Norden sowie imanimistischen und christlichen Süden ausgeübt werden.
In Cotonou gibt es viele Lokalitäten mit französischem Flair, wie etwaRestaurants,Cafés oderDiskotheken.Diplomaten ausländischer Regierungen und viele Eliten Benins leben inNeubaugebieten, woKinos undHotels für Unterhaltung nach modernen Maßstäben sorgen. In den anderen Stadtteilen jedoch wird das kulturelle Leben von der Tradition beherrscht. Großfamilien leben hier in großen Wohnanlagen, wo religiöseRiten praktiziert und Feste mitMusik undTanz gefeiert werden. Wichtige Zentren des täglichen Lebens sindMärkte, auf denen sowohlLebensmittel,Kleidung undtraditionelle Medikamente als auch Kunstwaren verkauft werden.
Das traditionelleKunsthandwerk in Benin ist sehr alt und in praktisch jedem Dorf vertreten. Am wichtigsten ist dieplastische Kunst. Geschnitzte Holzmasken, die Abbildungen undGeister der Verstorbenen darstellen, werden für traditionelle Zeremonien verwendet. Weitere Kunstwerke sind Bronzestatuetten,Töpferwaren,applizierteWandteppiche, die die Geschichte derKönige des vorkolonialen Dahomey erzählen, sowieBrandgravuren auf Holzschalen, die oft religiöse Bedeutung haben. Die wohl bekanntesten Kunstobjekte sind die Holzmasken derYoruba aus der Region Porto-Novo, die für dasGelede-Fest verwendet werden.
Am 9. April 2005 beschloss der Staat Benin als erster afrikanischer Staat öffentlich und offiziell das Ende derBeschneidung junger Mädchen. Bereits 2003 war die Beschneidung weiblicher Genitalien in Benin verboten worden. Während der Feier präsentierten über 200 ehemalige Beschneiderinnen ihr teilweise archaisches Handwerkszeug, das nicht wenige Opfer das Leben gekostet und zahlreichen Frauen lebenslange Leiden eingebracht hatte.
Aus Cotonou werdenRadioprogramme in Französisch, Englisch und einer Reihe von Landessprachen ausgestrahlt. Es gibt auch ein eingeschränktesTV-Angebot. In Cotonou erscheint eineTageszeitung,La Nation, die von der Regierung kontrolliert wird. Neben zwei weiteren Tageszeitungen gibt es auch einige wöchentliche und zweiwöchentliche Publikationen. InBuchhandlungen undKiosken werden darüber hinaus französischsprachige Zeitungen aus dem Senegal und der Elfenbeinküste angeboten. Im Jahr 2021 nutzten 34 Prozent der Einwohner Benins das Internet.[71]
Thomas Bierschenk:Democratization without Development: Benin 1989–2009. In:International Journal of Politics, Culture and Society. Band 22, 2010, S. 337–357.
Jennifer C. Seely:The Legacies of Transition Governments in Africa: The Cases of Benin and Togo. Palgrave Macmillan, Hampshire 2009,ISBN 978-0-230-61390-4.
↑Franz Ansperger:Politik im Schwarzen Afrika: Die modernen politischen Bewegungen im Afrika französischer Prägung. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden 1961, S. 73.
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