Das Wort „Bataillon“ kommt vomfranzösischen Wortbataille (Schlacht,Schlachtordnung);bataillon heißt daher eine zur Schlacht aufgestellte Truppe. Man bezeichnete mit diesem Wort im 15. und 16. Jahrhundert jeden selbstständigenSchlachthaufen desFußvolkes ohne Rücksicht auf seine Stärke, der in Form eines Vierecks auftrat und daher in deutschsprachigen Streitkräften, Armeen oder Heeren auchGevierthaufen oderGewalthaufen hieß. Man nannte eine einzelne in Schlachtordnung aufgestellte Infanterie-Kompanie ebenso „Bataillon“ wie ein zur Schlacht geordnetes Regiment. Der Ausdruck diente nur zur Bezeichnung einer Aufstellung für den Kampf.[3]
Mit denHugenotten kam der Begriff im 17. Jahrhundert auch nach Deutschland. Im Zuge der zu dieser Zeit stärkeren Untergliederung der Schlachtordnung auf kleinere Formationen der Fußtruppen mit festen Größen (vgl.Ordonnanz (Gefechtsordnung)) wurde der neue Begriff anstelle des älteren Schlachthaufens für diese eingeführt. Die endgültige einheitliche Einführung des Begriffs für feste Unterabteilungen der Infanterieregimenter, die jeweils mehrere Kompanien umfassten, erfolgte inFrankreich 1635, inPreußen 1686 und inÖsterreich 1695.
Die Einführung desSteinschlossgewehrs mitBajonett ließ die Bedeutung des Bataillons wachsen, so dass es Anfang des 18. Jahrhunderts zum grundlegendentaktischen Körper der nach derLineartaktik kämpfenden Infanterie wurde. Im 18. Jahrhundert wurden inPreußen auch so genannteFreibataillone errichtet, die keinemRegiment zugeordnet waren, sondern selbständige Verwaltungseinheiten darstellten (in der HauptsacheJägerbataillone).
Im 17. Jahrhundert bestand das Bataillon in den verschiedenen Ländern aus 4 bis 17 Kompanien mit 500 bis 1000 Mann. Das preußische Bataillon mit 1000 Mann in 4 bis 5 Kompanien wurde im 18. Jahrhundert zum Vorbild für andere Heere. Es war eine taktische Formation, die zum Gefecht in zweiFlügel mit je zwei Divisionen zu je zweiPelotons gegliedert wurde. Leichte Artillerie (Bataillonsgeschütze) konnte beigegeben werden. Angeregt durch die ErfolgeNapoleons mit derKolonnentaktik, setzte sich ab 1815 die Bataillonskolonne in ganz Europa durch. Die militärischen ErfolgePreußens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machten das preußische Bataillon dieser Zeit, mit 4 Kompanien zu je dreiZügen und mit einer Kriegsstärke von 26 Offizieren und 1054 Unteroffizieren und Mannschaften (1914), zum richtungweisenden Modell.
ImErsten Weltkrieg sank die Stärke der Infanteriebataillone desdeutschen Heeres aufgrund der höheren Feuerkraft sowie wegen Personalmangels auf 650 Mann, die sich in vier Kompanien zuzüglich einerMaschinengewehr-Abteilung gliederten. In derReichswehr undWehrmacht wurde das Infanterie-Bataillon nicht wesentlich umgegliedert und umfasste bis in die ersten Jahre desZweiten Weltkrieges etwas über 800 Mann einschließlich 23 Offizieren in drei Kompanien und einer MG-Kompanie (zusätzlich Bataillonsstab und Nachrichtenstaffel) (Stand Mai 1941).
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden vermehrtselbständige Bataillone aus Spezialtruppen aufgestellt, die nicht Teil einesRegiments oder diesem unterstellt waren, sondernDivisionen oderKorps direkt unterstanden. Zu nennen sind hier in erster LinieTruppengattungen wieJäger, diePioniere, derTrain,Luftschiffer,Telegrafen und ähnliche. Für diese wurde teilweise, ebenso wie bei derArtillerie, der BegriffAbteilung benutzt, auch wenn sie als selbständiges Bataillon aufRegimentsebene eingesetzt wurden und von höherenKommandobehörden geführt wurden.
In den Kavallerieeinheiten derösterreich-ungarischen Armee wurden die Bataillone alsDivisionen bezeichnet, während der international alsDivision bezeichnete Großverband alsTruppendivision firmierte.
Bataillone gab es in Deutschland ursprünglich nur bei den Truppengattungen der „Fußtruppen“ wie Infanterie und Pionieren. Entsprechende Truppenteile der Artillerie, den Heeresfliegern oder der Panzertruppe hießen bzw. heißen in der RegelAbteilungen.
In derBundeswehr wurde die BezeichnungBataillon (kurz:Btl) erstmals für alle Truppengattungen eingeführt. Dieses besteht grundsätzlich aus 1./Stabs- und Versorgungskompanie, 2./-, 3./-, 4./- oder 5./Kampfkompanie oder je nach Truppengattung und Heeresstruktur 5./ oder 6./schwere Feuerunterstützungskompanie mit Feuerunterstützungszug, Mörserzug, Maschinenkanonenzug, Panzerjäger-/Panzerabwehrzug und neu Aufklärungszug sowie einer Feldersatz- undGrundausbildungskompanie, heute Ausbildungs- und Unterstützungskompanie. Die einzelnen Bataillone der Kampftruppen, unterstützt durch weitere Kräfte der übergeordnetenBrigade oder gemischt mit anderen Kompanien anderer Kampftruppen, führen das Gefecht als Gefechtsverband.
Die fliegendenGeschwader derLuftwaffe, sowie derMarine sind – entsprechend dem Bataillon im Heer – in „Gruppen“, z. B. Technische Gruppe oder Fliegende Gruppe, gegliedert.
Bei den Schulen der Bundeswehr werden die entsprechenden Einheiten als Lehrgruppe zusammengefasst.
Militärisches Symbol des österreichischen Panzerbataillons 14 gemäßNATO-Standard. Die zwei vertikalen Striche auf dem rechteckigen Rahmen zeigen an, dass es sich um ein Bataillon handelt.
BeimBundesheer gliedern sich die vier Brigaden des Heeres in jeweils fünf bis siebenBataillone (kurz: B). DenMilitärkommanden in den Bundesländern ist zudem jeweils ein Jägerbataillon (dem Militärkommando Wien zwei Jägerbataillone und dasGardebataillon) zugeordnet.[5]
Infanterie, Panzertruppe, Übermittlungstruppen etc. sind in Bataillone eingeteilt, welche entweder einer Brigade (Mechanisierte Truppen,Logistik &Führungsunterstützung), einer Territorialdivision (Infanterie, Rettungstruppen, Genietruppen etc.) oder in Spezialfällen den Lehrverbänden unterstellt sind.Regimente gibt es seit der Reform AXXI nicht mehr.
Geführt wird das Bat von einem Bataillonskommandanten und seinem Stab. Beide führen ihre Funktion im Milizprinzip aus.
In derBritish Army werden die Kampfkompanien eines Bataillons (2./ - meist 5./) auch als A-Coy, B-Coy, C-Coy und D-Coy bezeichnet. Dabei ist meist die D-Kompanie die Schwerwaffenkompanie zur Feuerunterstützung mit schweren Infanteriewaffen.
AlsBattalion Tactical Group (BTG), auchBataillonskampfgruppe oder taktische Bataillonsgruppe, wird ein modularer, taktischer Verband bezeichnet. Geprägt wird dieser Begriff insbesondere durch Verbände derrussischen Streitkräfte (russisch: Батальонная тактическая группа, batal'onnaya takticheskaya gruppa), die dasGefecht der verbundenen Waffen beherrschen.
Eine russische BTG besteht in der Regel aus einem Bataillon (in der Regel mechanisierte Infanterie) mit zwei bis vier mechanisierten KompanienBMP undBTR, die durch Batterien oder je einen Zug Luftabwehr-, Rohrartillerie-, Instandsetzungs- und Logistikeinheiten verstärkt werden, welche aus Teilen der selbständigen Bataillone der übergeordneten Brigade stammen.
↑Eva-Maria Krech, Eberhard Stock, Ursula Hirschfeld, Lutz Christian Anders:Deutsches Aussprachewörterbuch. 1. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin, New York 2009,ISBN 978-3-11-018202-6,S.355.
↑Walter Transfeldt:Wort und Brauch im deutschen Heer. Allerlei Militärisches, was mancher nicht weiß. 7. Auflage, gründlich überarbeitet und erweitert von Otto Quenstedt. Schulz, Hamburg 1976, S. 116.
↑Nicolas J. Fiore:Defeating the Russian Battalion Tactical Group. In: Armor Branch, Headquarters, Department of the Army (Hrsg.):Armor.BandCXXVIII,Nr.2, 2017,S.9–17 (army.mil [PDF]).