Einige Arten undHybriden bilden essbare Früchte, von denen die derDessertbanane (Musa ×paradisiaca) für die Nahrungsmittelproduktion angebaut werden.
Beschreibung
Detail einer Blattspreite mit Mittelrippe und Seitennerven von untenIllustration vonMusa troglodytarumBlütenstand vonMusa ×balbisianaDie Beeren wilder Bananenarten enthalten teils große, harte SamenBananensamen von Zierbananen (Obstbananen dagegen sind steril)Reife Bananenfrüchte in einem SupermarktregalQuer- und Längsschnitte durch BananenFruchtstand an der „Staude“
Erscheinungsbild und Blätter
Musa-Arten und -Sorten sind immergrüne,ausdauernde,krautige Pflanzen. Unterirdisch besitzen sie einRhizom, aus demAusläufer treiben. Die eigentlicheSprossachse bleibt bis zur Blütezeit sehr kurz. Der „Stamm“ ist ein aus den massiven Blattstielen bzw.Blattscheiden bestehender, nicht verholzenderScheinstamm mit in der Mitte einemechten Stamm. Er wird mindestens einen halben Meter, meist aber drei bis zehn Meter hoch. An der Basis kann er etwas verdickt sein. Die großen, einfachen, ganzrandigenLaubblätter sind in derKnospenlage gerollt: Wie auch bei der Schwestergruppe derStrelitziaceae zeigen die LaubblätterconvoluteVernation (gerollte Knospenlage). Sie sind deutlich in Blattstiel undBlattspreite gegliedert. Die Blattspreite ist länglich oder länglich-elliptisch geformt, sie erreicht eine Länge von zwei bis drei Metern bei einer Breite von 30 bis 60 Zentimetern. Ältere Blätter sind oft mehrfach bis zur Mittelrippe eingerissen.[2][3] Die Blätter werden besonders in der südostasiatischen Küche gern zum Einwickeln von Speisen verwendet, die dann darin gegrillt oder gekocht werden.
Blütenstände und Blüten
Der endständigeBlütenstand hängt meist über, manchmal steht er jedoch auch aufrecht. Er ist meistens mit zahlreichen grünen, braunen oder rot-violettenspathaförmigenHochblättern besetzt, die nach und nach abfallen. An der Unterseite eines jeden Hochblatts befinden sich mehrereBlüten in einer oder zwei Reihen. An der Basis des Blütenstandes sind die, von einem Hochblatt umgebenen Blüten weiblich (mit verkümmertenStaubblättern), zum Ende des Blütenstandes hin befinden sich schnell verblühende, röhrenförmige männliche Blüten mit fünf Staubblättern im sogenannten „Bananenherz“ (Glocke), einer großen herabhängenden farbigenKnospe. Die männlichen Blüten sind, in den von mehreren Hochblättern gebildeten Schichten (Knospe), in Reihen angeordnet, in der Knospenmitte befindet sich ein weißlicher Kern (das Herz). Fünf der sechs farbigen, gezahnten, gelapptenBlütenhüllblätter der Blüten sind zu einer Röhre verwachsen, die an einer Seite bis zum Grund aufreißt. Der dreikammerigeFruchtknoten ist unterständig.[2][3] Zwittrige Blüten können zwischen den weiblichen und männlichen Blüten stehen. Die strukturell dreizähligen Blüten werden oft durch Fledertiere bestäubt (Chiropterophilie).[4][5][6]
Fruchtstände, Früchte und Samen
Der Fruchtstand von Bananen wird als „Büschel“ bezeichnet. Ein „Büschel“ kann aus 6 bis 19 sogenannten „Händen“ bestehen, welche die einzelnen Reihen eines Büschels umfassen.[7] Die einzelnen Früchte, diebotanisch zu denBeeren gehören, werden meist 20 bis 35 Zentimeter lang und auch als „Finger“ bezeichnet. Sie sind länglich geformt, meist gekrümmt, im Querschnitt leicht kantig.[2][3] Die Krümmung entsteht aufgrund des negativenGravitropismus.[8] Jede „Hand“ eines „Büschels“ enthält etwa 10 bis 20 „Finger“.
Bei Wildformen werden nach der Befruchtung in der Beere viele Samen gebildet. Beiparthenokarpen Kulturformen entwickeln sich keine Samen. DieSamen sind unregelmäßig kugelig bislinsenförmig.[2][3]
Die meisten Arten sindmonokarp, sterben also ab, nachdem sie gefruchtet haben. In der Regel haben sich aber am WurzelknollenKindel gebildet, so dass die Pflanze ausdauernd ist.
Chromosomensätze
Je nach Sektion beträgt dieChromosomengrundzahl x = 10 oder 11. Bei den Wildformen ist meistDiploidie vorhanden. Kulturformen weisen anderePloidiegrade, beispielsweise Triploidie auf.
Schädlinge
Auf den Staudenblättern derDessertbanane breitet sich der PilzBlack sigatoka aus,[9] weshalb industriell betriebene Bananenplantagen einmal pro Woche mitFungiziden besprüht werden.[10]
DasFruchtfleisch vieler Sorten derMusa ×paradisiaca und andererHybriden ist essbar. Die Zuchtbananen bringen es heute zusammen auf über 1000 Kreuzungen und Varianten.[11]
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Im Vergleich mit anderen Obstsorten enthalten die herkömmlichen Zuchtbananen viel Fruchtzucker, also viele Kohlenhydrate und deshalb vielNahrungsenergie. Dennoch sind Bananen neben den Äpfeln das beliebteste Obst der Deutschen. Eine Umfrage aus dem Jahr 2015 besagt, dass der Durchschnittsbürger in Deutschland pro Jahr ca. 12 Kilogramm Bananen verzehrt.[12] Trotz des hohen Anteils des Einfachzuckers Fruktose (Monosaccharid) ist in der Ernährungswissenschaft aber nach wie vor unumstritten, dass die Hybriden der Musa x paradisica gesund sind.Der hohe Anteil anKalium,Antioxidantien undVitamin C begünstigt die Muskelfunktionen, hemmt Entzündungsherde und reguliert die Stoffwechselprozesse. Weltweit stellen Bananen gerade in Schwellenländern einen großen Teil desGrundumsatzes und des Vitaminbedarfs sicher.
Neben den mehlig-süßenDessertbananen sind auchKochbananen eine bedeutendeNahrungsquelle. Ihr weißlich-gelbes Fruchtfleisch, das im Geschmack mild bis leicht säuerlich ist, ist nicht zumRohverzehr geeignet. Es wird sowohl gekocht als auch gebacken oder gegrillt. Ferner werden auch Bananenblüten (auch als „Bananenherzen“ bezeichnet) in der südostasiatischen Küche als Frucht verwendet, währendBananenblätter oft als eine Art Serviertablett oder geschmackstragende Back- und Grillhülle dienen.
Essbar ist auch das „Bananenherz“, sowohl der fleischige, weißliche Kern (das Herz) als auch die Hochblätter und die Blüten.
Einige Bananenarten werden, vor allem in tropischen und subtropischen Ländern, als Zierpflanzen verwendet.[13] Darunter sind sowohl Sorten, die über Samen, als auch solche, die vegetativ mittels Ablegern vermehrt werden. Die am weitesten verbreitete Zierpflanze istMusa ornata[14], diese wurde schon in europäischen Ziergärten gepflanzt, bevor sie wissenschaftlich beschrieben war.[15] Während Zierbananen in tropischen Klimaten rund ums Jahr wachsen und blühen, legen sie in subtropischen und warmtemperaten (mediterranen) Klimaten im Winter eineDormanzphase ein. Es existieren moderat frostharte Sorten, die auch im Freiland ohne besonderen Schutz im Boden überwintern und im Folgejahr neu austreiben. Eine bekannte „winterharte“ Bananenart ist dieJapanische Faserbanane (Musa basjoo); von ihr sind mehrere Sorten mit verbesserter Frostresistenz gezüchtet worden.[16]
Krankheiten und Sorten
Anfang des 20. Jahrhunderts waren Anbauregionen von derPanamakrankheit betroffen. Der PilzFusarium oxysporum f. sp. cubense, Stamm TR1 (= tropical race 1), der jahrelang im Boden ausdauert, drang in die Wurzeln ein. Um 1960 wurde von der SorteGros Michel breit auf die widerstandsfähigereCavendish umgestellt. Eine neue Variante des Pilzes – TR4 – wurde in mehreren Untervarianten in den 1990ern in Südostasien entdeckt und breitete sich auch auf Afrika und den Nahen Osten aus. Inzwischen tritt der Pilz fast weltweit, in allen größeren Anbaugebieten, darunter Malaysia, Indonesien, Thailand, Indien, China und den Philippinen, und damit in den größten Anbaugebieten weltweit, auf. Varianten kommen auch in subtropischen Anbaugebieten vor. Nun wird angestrebt, die Cavendish-Monokulturen durch neue Sorten zu ersetzen, um die massive Verbreitung einer Krankheit in Zukunft zu erschweren. Keine der bisher registrierten Sorten dürfte dafür in Frage kommen.[17]
An derKU Leuven existiert eineGendatenbank mit derzeit über 1530 Bananensorten.[18][19] Hierdurch wird sichergestellt, dass diese verschiedenen Sorten für zukünftige Generationen erhalten bleiben.
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Das WortBanane gelangte über das portugiesischebanana ins Deutsche. Es stammt ursprünglich aus einer westafrikanischen Sprache, vermutlich aus demWolof. Die Banane bekam ihren wissenschaftlichen Namen, als der BotanikerCarl von Linné 1753 die Flora der Welt klassifizierte. Er nannte die Banane unter Verwendung der arabisch-persischen Bezeichnungموز /mauz für die FruchtMusa paradisiaca (für dieKochbanane) bzw.Musa sapientium (für dieDessertbanane)→Musa Cliffortiana.
Die Einteilung der GattungMusa inSektionen hat sich wiederholt gewandelt. Nach Wong et al. 2002 wird die GattungMusa in die drei SektionenMusa,Callimusa undIngentimusa eingeteilt; sie stellten die Arten der SektionRhodochlamys in die SektionMusa und die der SektionAustralimusa inCallimusa.Markku Häkkinen stellte 2013 auchIngentimusa inCallimusa; somit sind es nur noch zwei Sektionen, die sich beispielsweise in derChromosomengrundzahl x = 11 und x = 10 unterscheiden.
Die GattungMusa wird seither nur noch in die zwei SektionenMusa undCallimusa gegliedert und enthält etwa 83Arten und einige Unterarten bzw. Varietäten.[22][1][23][24]
SektionMusa
In diese Sektion werden auch die Arten der früher gesondert betrachteten SektionRhodochlamys gestellt.
Musa acuminataColla (inkl.Musa tomentosaWarb. ex K.Schum.): Sie kommt ursprünglich in sieben Unterarten und drei Varietäten im tropischen und subtropischen Asien vor.[1] Sie ist weltweit (vor allem durch Kultivation) verbreitet.
Musa coccineaAndrews: Ihre Heimat ist Vietnam und die chinesischen ProvinzenGuangdong,Guangxi sowie südöstliches Yunnan.[1] Es wird vermutet, dass die ursprünglichen chinesischen Populationen erloschen sind. Sie wird als Zierpflanze verwendet und dann Scharlachrote Banane genannt.
Musa exoticaR.V.Valmayor: Sie ist inVietnam heimisch[1] und wird dort „Chuoi Rung Hoa Do“ genannt.
Musa fitzalaniiF.Muell.: Sie ist nur von der Erstaufsammlung im nordöstlichenQueensland bekannt und gilt als ausgestorben.[30][1]
Musa lolodensisCheesman: Sie kommt von den Molukken bis Neuguinea vor.[1]
Musa luteaR.V.Valmayor et al.: Sie kommt im nördlichen Vietnam vor.[1]
Musa maclayiF.Muell. ex Mikl.-Maclay: Sie kommt in zwei Unterarten und zwei Varietäten in Neuguinea, im Bismarck-Archipel und auf den Salomonen vor.[1]
Musa ×paradisiacaL.,Dessertbanane: Wohl entstanden durch Kreuzung ausMusa acuminata undMusa balbisiana. Sie dürfte die weltweit meistangebaute Art sein. Sie ist in Malaysia und auf den Philippinen heimisch.[1]
Literatur
Delin Wu, W. John Kress:Musaceae. In: Wu Zhengyi, Peter H. Raven (Hrsg.):Flora of China. Flagellariaceae through Marantaceae. Volume 24. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2000,ISBN 0-915279-83-5,Musa,S.315 (online – gedrucktes Werk textgleich Online).
Alan T. Whittemore:Musaceae. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.):Flora of North America North of Mexico. Magnoliophyta: Alismatidae, Arecidae, Commelinidae (in part), and Zingiberidae. Volume 22. Oxford University Press, New York und Oxford 2000,ISBN 0-19-513729-9,Musa (online – gedrucktes Werk textgleich Online).
Carol Wong, R. Kiew, G. Argent, O. Set, S. K. Lee, Y. Y. Gan:Assessment of the validity of the sections in Musa (Musaceae) using AFLP. In:Annals of Botany, Volume 90, Issue 2, 2002, S. 231–238.
Ai-Zhong Liu, W. John Kress, De-Zhu Li:Phylogenetic analyses of the banana family (Musaceae) based on nuclear ribosomal (ITS) and chloroplast (trnL-F) evidence. In:Taxon, Volume 59, Issue 1, 2010, S. 20–28.
Pavla Christelová, Miroslav Valárik, Eva Hřibová, Edmond De Langhe, Jaroslav Doležel:A multi gene sequence-based phylogeny of the Musaceae (banana) family. In:BMC Evolutionary Biology, 2011.doi:10.1186/1471-2148-11-103
S. C. Nelson, R. C. Ploetz, A.K. Kepler:Musa species (banana and plantain). In:Species Profiles for Pacific Island Agroforestry –www.traditionaltree.org, 2006:Volltext-PDF.
Markku Häkkinen:Reappraisal of sectional taxonomy in Musa (Musaceae). In:Taxon, Volume 62, Issue 4, 2013, S. 809–813.
Danilo Scholz:Bananen: eine kleingedruckte Assoziation Europas. In:Idee: Zeitschrift für Ideengeschichte. Heft XVII/1 (Frühjahr 2023) S. 71–86.
Film
Billig. Billiger. Banane. Ein Lebensmittel wird verramscht. Dokumentarfilm, Deutschland, 2013, 29 Min., Buch und Regie: Sarah Zierul, Produktion:WDR, Reihe:tag7, Erstsendung: 3. Juni 2013 beiARD,Inhaltsangabe mit Video-Ausschnitt undFilmbilder (Memento vom 30. Juni 2013 imInternet Archive) vom WDR.
↑abcdDelin Wu & W. John Kress:Musaceae. In: Wu Zhengyi, Peter H. Raven (Hrsg.):Flora of China. Flagellariaceae through Marantaceae. Volume 24. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2000,ISBN 0-915279-83-5,Musa,S.315 (online – gedrucktes Werk textgleich Online).
↑abcdAlan T. Whittemore:Musaceae. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.):Flora of North America North of Mexico. Magnoliophyta: Alismatidae, Arecidae, Commelinidae (in part), and Zingiberidae. Volume 22. Oxford University Press, New York und Oxford 2000,ISBN 0-19-513729-9,Musa (online – gedrucktes Werk textgleich Online).
↑Esendugue Fonsah, Richard Wallace, Gerard Krewer (2008): Why Are There Seeds In My Banana? A Look at Ornamental Bananas. Journal of Food Distribution Research 39 (1)PDF download
↑Musa bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 5. Mai 2013.
↑Musa imGermplasm Resources Information Network (GRIN),USDA,ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 5. Mai 2013.
↑Markku Häkkinen:Epitypification of some Musa sect. Callimusa Cheesman and Musa L. sect. Musa names from Vietnam (Musaceae), In:NeBIO, Volume 4, No. 4, August 2013, S. 7–8.ISSN2278-2281Volltext-PDF.
↑M. Häkkinen, M. Suleiman & J. Gisil:Acta Phytotaxonomica et Geobotanica. Volume 56, Issue 2, 2005, S. 135–140.
↑M. Häkkinen & H. Väre:Typification and check-list of Musa L. names (Musaceae) with nomenclatural notes. In:Adansonia, III, 30, 2008, S. 63–112
↑Musa fitzalanii – Daintree's River Banana. In: Species Profile and Threats Database. Australian Government – Department of the Environment, abgerufen am 15. Januar 2015 (englisch).