Die Staatsgebiete von Serbien,Kroatien,Rumänien,Slowenien und derTürkei, die durch ihrethrakischen Provinzen Anteil am Balkan hat, reichen über die klassischen Grenzen der Balkanhalbinsel hinaus.
Dieser Teil Europas ist kulturell und sprachlich stark gegliedert. Im Kern umfasst der Begriff „Balkan“ diejenigen europäischen Staaten, die von der Zugehörigkeit zuByzanz und später zumOsmanischen Reich geprägt wurden.[1]
Ungeachtet der Herleitung des geographischen Namens sind das dominierende Gebirge des Balkans dieDinariden im westlichen Teil der Halbinsel; ihr höchster GipfelJezerca (2694 m) liegt in Albanien. Die höchste Erhebung des Balkans ist der GipfelMusala (2925 m) imRila-Gebirge. Das Balkangebirge erreicht2376 m maximale Gipfelhöhe.
Der Begriff „Balkan“ stammt möglicherweise von denProtobulgaren, welche damit dieses Gebiet als Teil desErsten Bulgarischen Reiches bezeichneten. AufBulgarisch wird das Wortбалкан umgangssprachlich für Gebirge verwendet. Vermutlich lässt es sich auf diepersischen Wortebālkāneh oderbālākhāna mit der Bedeutung „hoch, oben“ oder „hochgelegenes Haus“[2] zurückführen.
Der Name „Balkan“ wurde während der osmanischen Herrschaft in die türkische Sprache übernommen. Die Bedeutungen aufTürkisch sind gemäß demInstitut für die türkische Sprache verschieden und das Wort kann unter anderem folgendes bezeichnen: „eine steile Gebirgskette“, „Gebiet(e) mit vielen Bäumen, Sträuchern und Büschen“, „Berg(e) mit vielen Wäldern“. Ferner kann es auch „Gebiete mit (weiten, flachen) (Hoch-)Tälern“ oder „Schlamm, der sich durch Schneeschmelze, Tauwetter und Regen bildet“ bedeuten.[3]
Ferner gibt es auch heute noch im turksprachigenTurkmenistan verschiedene Orte mit dem Bestandteil „Balkan“ im Namen, so denGroßen Balkan (turkmenischUly Balkan, dt. „Gebirgskette“), die turkmenische ProvinzBalkan welaýaty und deren HauptstadtBalkanabat. Der Begriff „Balkan“ oder „Balkanhalbinsel“ wurde auch in folgende Sprachen übernommen, von denen die meisten eben zu diesem Gebiet gehören:
albanisch:Gadishulli Ballkanik oderSiujdhesa e Ballkanit
In größerem Umfang erschien die Bezeichnung Balkan erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in wissenschaftlichen Publikationen. Früheste Auslöser waren zwei Publikationen aus den Jahren 1808 und 1831. Erstere stammte von dem deutschen GeographenJohann August Zeune, der von der „Balkanhalbinsel“ schrieb, letztere von dem britischen MajorGeorge Thomas Keppel, der 1831 seinNarrative of a Journey across the Balcan publizierte.[4]
Die Bezeichnung „Balkanhalbinsel“ wurde 1808 vom GeographenJohann August Zeune geprägt. Er übernahm die Vorstellungantiker Geographen, dass sich dasBalkangebirge über den gesamtensüdosteuropäischen Raum von denslowenischenAlpen bis zumSchwarzen Meer erstrecke und eine ähnlich prägende Bedeutung für den Gesamtraum habe wie derApennin für dieItalienische Halbinsel. Dies stellte sich jedoch als falsch heraus. Nachdem die Unhaltbarkeit dieser Annahme erkannt worden war, stießen die Begriffe „Balkanhalbinsel“ oder „Hämus-Halbinsel“ auf zunehmende Kritik. Im Jahr 1861 unternahmJohann Georg von Hahn den Versuch, den von Johann August Zeune 1808 etablierten Begriff „Balkanhalbinsel“ durch„südosteuropäische Halbinsel“ zu ersetzen, um eine formal korrektere Bezeichnung zu verwenden – was ihm letztlich nicht gelang.[5]
Der BegriffBalkanländer benennt summarisch mehrere Länder, deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass ihre heutigen Territorien jahrhundertelang im Spannungsfeld zwischenÖsterreich,Russland und demOsmanischen Reich lagen. Die dadurch bedingten häufigen Gebietsveränderungen und Umsiedlungen oder Vertreibungen ließen den Staat als Repräsentanten wechselnder Fremdherrscher erscheinen, der keine Loyalität erwarten durfte.
In den südosteuropäischen Staaten Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Albanien, Kosovo, Nordmazedonien, Serbien, Montenegro, Kroatien, Bosnien und Herzegowina und Slowenien wohnen zusammen fast 66 Millionen Menschen (Fischer Weltalmanach 2010). Hinzu kommen acht bis zehn Millionen Einwohner des europäischen Teils der Türkei, insgesamt leben also etwa 75 Millionen Menschen auf der Balkanhalbinsel.
„Balkanische Zustände“ werden mit Chaos, Gewalt, Korruption, Rückständigkeit und Brutalität gleichgesetzt und dem „zivilisierten“ Europa gegenübergestellt. Diese Konnotation erfolgt regelmäßig auch in den Grenzräumen der Region, zum Beispiel in Kroatien und Rumänien. In der Kernregion selbst geht man mit dem Begriff mit weniger Vorbehalten um.[8] So wurde im Jahr 1909 von den dortigen sozialdemokratischen Parteien eine föderativeBalkanrepublik, 1934 zwischen der Türkei, Griechenland undJugoslawien einBalkanpakt zum Zweck der Machtabsicherung geschaffen.
Als wertneutraler Begriff bürgert sich nicht zuletzt aus diesen Gründen immer mehr der (geographisch nicht ganz deckungsgleiche) TerminusSüdosteuropa ein. In einigen der sogenannten Balkanländer ist die BezeichnungBalkan aber bisweilen ein durchaus positiv besetzter Begriff: In Bulgarien etwa istBalkan Namensbestandteil vieler Unternehmen und touristischer Einrichtungen, wobei sichBalkan hier häufig auf dasBalkangebirge bezieht, und Bulgaren pflegen ein recht positives Verhältnis zu ihrer „Balkan-Identität“. Ein Grund hierfür dürfte die Tatsache sein, dass das Balkangebirge über Jahrhunderte als Zufluchtsort verschiedener bulgarischer Freiheitskämpfer diente, wie beispielsweise derHeiducken im Kampf gegen die osmanische Herrschaft. Der neuere, überwiegend im Kontext derEuropäischen Union verwendete Begriff „Westbalkan“ umfasst die Nachfolgestaaten Jugoslawiens ohne Slowenien, jedoch um Albanien ergänzt.
Anders ist die Situation inKroatien,Ungarn oderSlowenien: Als ehemalige BestandteileÖsterreich-Ungarns fühlen sich viele Bürger dieser Staaten mit traditionellkatholischer Bevölkerungsmehrheit dem so genanntenmitteleuropäischenKulturkreis verbunden und distanzieren sich vom Balkan. Meistenteils distanziert sich auchRumänien, dessen Fläche ungefähr zur Hälfte zu Österreich-Ungarn gehörte und zumindest durch dienördliche Dobrudscha auch in der Balkanregion vertreten ist, von dem geographischen Begriff. AuchGriechenland wird zumeist zuSüdeuropa gezählt. Dennoch nehmen ebenso Slowenien, Kroatien, Ungarn, Rumänien und Moldau wie auch Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Serbien, Nordmazedonien, Albanien, Griechenland, Bulgarien und die Türkei an denBalkanspielen, einem jährlich abgehaltenen Sportwettkampf (vornehmlich Leichtathletik), teil.
Die nach Osten hin offenen Küsten und die Durchgängigkeit des Nordens machen den Balkan von jeher zu einer wichtigen Brücke zwischenAsien und Europa, aber auch immer wieder zum Schauplatz von Konflikten, Kriegen und ethnischen Unruhen.
Zahlreiche historische Staaten spielten in der Kultur und Geschichte dieser Region eine bedeutende Rolle. Dazu gehörten dasRömische und dasByzantinische Reich sowie später dasOsmanische Reich, dieRepublik Venedig undÖsterreich-Ungarn. AuchRussland betrachtete auf Grund des dort verbreiteten orthodoxen Glaubens den Balkan häufig als sein Einflussgebiet, wobei es dabei ebenso wie andere genannte Länder auch territoriale Interessen verfolgte.[9]
Da dieser Raum im 15. Jahrhundert endgültig unter die osmanische Herrschaft fiel, verstärkte sich auch die südosteuropäische Binnengrenze zwischen dem ungarisch-venezianisch beherrschten katholischen Raum und dem politisch und religiös nach Konstantinopel ausgerichteten Balkan.[10] Mehr als die Hälfte der Einwohner aller Balkanstaaten hängt einer derorthodoxen Kirchen an. Im Westen der Balkanhalbinsel dominiert jedoch das römisch-katholische Christentum.
Zwischen Katholiken und Orthodoxen leben zudem zahlreiche vor allem slawische, albanische und türkischeMuslime, insgesamt etwa ein Viertel aller Einwohner der Halbinsel. Unter den Muslimen sindsufische Bruderschaften sehr verbreitet. Die größten Bruderschaften sind dieHalvetiyye undBektaschiyye. Daneben haben aber auch dieQādirīya,Rifai undNaqschbandīya vieleTekkes auf der Balkanhalbinsel. Der Qādirīya-Orden verbreitete sich im 17. Jahrhundert vonAnatolien her, wo er schon im 15. Jahrhundert von dem Dichter und Mystiker Eşref Rumi (gest. 1469) eingeführt worden war.[11]
Während desZweiten Weltkriegs und desHolocausts wurden dieJuden auf dem Balkan, mit Ausnahme in Bulgarien und Albanien, verfolgt und ermordet. Die wenigen Überlebenden wanderten in den 1948 neu proklamierten StaatIsrael aus. Kein Balkanland hat – abgesehen von der Türkei – heute noch eine nennenswertejüdisch-sephardische oderjüdisch-aschkenasische Minderheit.
DieHalbinsel hat eine Fläche von etwa 500.000 Quadratkilometern, einschließlich der vorgelagerten Inseln. Sie wird nach Westen durch dasAdriatische Meer, nach Südwesten durch dasIonische Meer, nach Südosten durch dieÄgäis und dasMarmarameer und nach Osten durch dasSchwarze Meer begrenzt.
Nach Norden, zum Inneren deseuropäischen Kontinents hin, existiert keine geographisch ausgeprägte Grenzlinie. Als nördliche Grenze der Balkanhalbinsel werden in der Regel die FlüsseDonau undSave angenommen. Unterschiedliche Auffassungen gibt es hinsichtlich der Abgrenzung im äußersten Nordwesten und am Unterlauf der Donau. So wird entweder dieKupa (deutsch:Kulpa), oder dieUna (beides Nebenflüsse der Save) als Nordwestgrenze betrachtet. Im ersten Fall wirdZentralkroatien bzw. das Gebiet der ehemaligenkroatischen Militärgrenze zum Balkan gerechnet, im zweiten Fall nicht. Eine andere gängige Definition sieht denGolf von Triest und dasLjubljana-Tal als Nordwestbegrenzung der Balkanhalbinsel, welche über die Save und Donau dann auch bis ans Schwarze Meer verläuft.[12]
Der Fluss Kupa bildet die natürliche Grenze zwischenSlowenien undKroatien im Südosten, die Save trennt Kroatien undBosnien, und die Donau, der zweitgrößte europäische Fluss (nach derWolga), bildet eine natürliche Grenze zwischenBulgarien,Serbien und Rumänien.
Zum Balkan-Begriff zählt man manchmal auch dieWalachei undMoldawien hinzu (wobei es zu Überlappungen zwischen dem geographischen und dem historisch-politischen Balkan-Begriff kommt). Selten wird auch die direkte Luftlinie zwischenTriest undOdessa als Abgrenzung verwendet.[13]
Die Balkanhalbinsel besitzt ein ausgeprägtesRelief und verfügt aufgrund der vorhandenen Gebirgshindernisse über nur wenige natürliche Verkehrswege. Einzig die strategisch herausragendeMorava-Vardar-Furche durchzieht die zentrale Balkanhalbinsel zwischen der Ägäis und der Donau in ihrer Gänze. Parallel zur Südwestküste der gebirgigen Halbinsel bildet dasDinarische Gebirge einen großteilsverkarsteten, schwer zugänglichen Gebirgswall, der sowohl eine markante Klima- als auch Kulturscheide zurmediterranen Region darstellt.
Ein Nebeneinander von Hochgebirgen und Beckenlandschaften kennzeichnet das Innere der Balkanhalbinsel. Dabei sind die Becken entweder alsPoljen (kroatisch, serbisch, bosnisch und slowenisch für „Feld“) im Karst angelegt (beispielsweiseMitteldalmatinisch-Herzegowinische Poljenstufe) oder tektonische Einsenkungen wie imKosovo (Rrafsh i Dukagjinit/Metochien,Amselfeld), Nordmazedonien (Becken vonSkopje,Kumanovo,Bitola undTetovo) sowie den seenreichen, pelagonischen Becken (Ohrid,Prespa,Dojran undIoannina). Ebenen sind in deralbanischen Niederung, derslawonischen (Save-)Niederung, sowie den weitenAlluvialflächen der Donau ausgebildet. Als alte Kulturregion wurden die Städte zumeist an geographisch begünstigten Orten der Küsten und Flüsse gegründet. Die antike Stadtkultur entstammt den politisch-geographischen und kulturellen Gegebenheiten Griechenlands und wurde von denRömern systematisch auf die weiteren Bereiche der Balkanhalbinsel verbreitet. Eine urbane Erneuerung außerhalb der Kontinuität der kaufmännischen Seestädte erfolgt nach derVölkerwanderung aber erst durch das Auftauchen derOsmanen, die insbesondere die zentralen Bereiche der Balkanhalbinsel systematisch in ihr Wirtschaftssystem einbinden konnten.
Die Balkanhalbinsel ist eine ausgesprochene Gebirgsregion.Jungalpidische Gebirge streichen von Nordwesten nach Südosten (Dinarisch-Hellenidischer Gebirgsbogen) und gehören zum das Mittelmeer umgebendenFaltengebirgsgürtel. Kristalline Massen, die geologisch älter und aus wasserundurchlässigenGraniten sowieSchiefern nebstKalken aufgebaut sind, werden von denRhodopen sowiePirin,Rila und demBalkangebirge gebildet. Höchste Gipfel finden sich im Rila (Musala2925 m),Olymp (Mytikas2917 m) und Pirin (Wichren2911 m). Die starkverkarstetenDinariden (Jezerca2694 m) undHelleniden (imPindos:Smolikas2637 m) liegen den Küsten am Mittelmeer vor und bilden damit ausgesprochene Klima- und Kulturscheiden.
Sowohl die Westküste (Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien, Griechenland) wie auch die Ostküste der Balkanhalbinsel (Rumanien, Bulgarien, Türkei, Griechenland) sind stark zerklüftet und in zahlreicheInseln undHalbinseln aufgelöst. Die reich gegliederteKüstenregion Dalmatiens ist alsCanaleküste, die griechische Ägäisküste alsRiasküste, die Küsten zum Schwarzen Meer sowie die in Albanien sind dann als Niederungsküsten ausgebildet.
Zwischen den im Dinarischen Karst überwiegend kahlen, nur dünn besiedelten Gebirgen liegen zahlreiche mehr oder weniger fruchtbareBecken in Form von Karst bzw. Poljen (Grahovo,Nikšić). Erst die auffälligen großen tektonisch angelegten Becken des Kosovo sowie die Becken in Nordmazedonien (Pelagonisches Becken) mit ihren großen Seentertiären Ursprungs (Ohridsee,Prespasee) bilden wirtschaftlich und geographisch bedeutsame Lebensräume, die dicht besiedelt sind.
Die hydrologischen Systeme entwässern unterschiedlich stark in die angrenzenden Meere. Ein Großteil der Fließgewässer gehört zum Einzugsbereich des Schwarzen Meeres. Das adriatische Einzugsgebiet ist arm an oberflächlichen Fließgewässern (in den Dinariden nurCetina,Neretva undMorača), zur Adria und Ägäis entwässern dagegen nochDrin,Nestos,Struma,Vardar undMariza. Die wichtigsten der zahlreichen Nebenflüsse derDonau undSave sindKupa,Bosna,Drina,Morava undIskar.
Drei Einzugsgebieten, dem adriatischen, ägäischen und schwarzmeerischen hydrologisch zugehörend, sind insbesondere die wasserreichen Donauzuflüsse, die – mit Ausnahme des Tieflandstromes der Save – durch Schluchten undCanyons (Drina,Tara, Iskar) führen, von Bedeutung. DerKarpatendurchbruch der Donau imEisernen Tor war bis ins 20. Jahrhundert ein bedeutendes Schifffahrtshindernis. Die zur Adria entwässernden Flüsse sind mit Ausnahme vonNeretva undMorača, die in tiefen Canyons die Schwelle der Hochdinariden durchbrechen, von untergeordneter Bedeutung. Die größeren Gebirgsflusssysteme in Albanien und Griechenland (Drin,Vardar undNestos) fließen in den Unterläufen durch weitealluviale Niederungen.
Die drei größten Seen der Halbinsel sind derSkutarisee (maximale Größe 570 km²), derOhridsee (362 km²) und derPrespasee (273 km²), die sich alle im südwestlichen Teil des Balkan befinden.
Die Balkanhalbinsel liegt am Übergang von dermediterranen zurkontinentalen Klimazone. Auf zwei Seiten vom Meer umgeben, nimmt dieOzeanität durch die im Westen der Halbinsel an der Küste exponiert derWestwindzone ausgesetzten Gebirge vom Küstensaum zum Landesinneren rapide ab. Damit ist das Klima schon in kürzerer Entfernung von der Meeresküste durch stärkereKontinentalität und schneereiche Winter geprägt.
Die durch die Gebirgssysteme vor allem hygrisch und ventilatorisch stärker veränderten solaren Klimate der Balkanhalbinsel werden durch lokale,mesoskalige und makroskalig wirksame, das Klima stark modifizierende, Windesysteme geprägt. Darunter fallen die durch die Topographie bedingtenLeewellen wie die kalteBora und der warmeFöhn, die vor allem im Gebirge wirksam sind, sowie die durch Unterschiede der Luftdruckgradienten bewirkten saisonalen makroskaligen Windsysteme derKošava,Meltemi und desScirocco.
Die Gebirge des Balkans gliedern sich klimatisch in humid-temperate, submediterrane und mediterrane sowie subhumid-kontinentale Typen.Edaphische Abweichungen der generellen Typen ergeben sich in Karstgebieten in ansonsten humiden Klimaten. Zudem reihen sich Karstgebirge von denJulischen Alpen zurPeloponnes. Somit sind klimatische und edaphische Faktoren stärker kombiniert als in denAlpen,Pyrenäen oder Karpaten. Karstgebirge des Nordwestens sind generell humid, im Südosten semihumid bis semiarid.
DieVegetation großerÖkosysteme (phytogeographische Territorien oder Vegetationsgürtel) istökologisch,chorologisch undfloristisch-entwicklungsgeschichtlich sehr einheitlich. Durch das Relief und die Beziehungen, die sich aus der Lage, insbesondere zu den Meeren, ergeben, erfolgt innerhalb dieser Pflanzenreiche eine aus den klimatischen Faktoren und den Aspekten des Naturraumes differenzierte Vegetationsteilung.
Phytogeographisch ist die Balkanhalbinsel zunächst ein Teil desholarktischenFlorenreiches. Sie ist weiter inzirkumboreale,[14] mediterrane und pontische Regionen zu ordnen. Die zirkumboreal (oder submediterran) geprägte zentrale Balkanhalbinsel ist weiter in zweiFlorenregion zu teilen, die nach den römischen ProvinzenIllyricum undMoesia als illyrische und moesische Florenregion beschrieben werden. Der illyrische Westen istbasophil undozeanisch geprägt, der moesische Ostenacidophil undkontinental geprägt. Die reich gegliederte, dalmatinische Küste, Teile Südalbaniens sowie die Küsten Griechenlands und der Peloponnes gehören zur mediterranen Florenregion. Die Küste Dalmatiens gehört zur adriatischen Provinz der mediterranenVegetationszone. Dieepirotische undägäische Küste mit den griechischen Inselgruppen sind Teil der ostmediterranen Florenregion. Ein TeilThrakiens gehört schon zurpontischen Vegetationszone. Damit sind floristische Prinzipien vorgegeben. Unterschiede resultieren aus der Mischung der Horoelemente einzelner Gebiete, die wiederum von naturräumlichen Gegebenheiten und der Vegetationsgeschichte abhängen.
Nach Ost und West unterschieden sind insbesonderekolline Stufen: Illyrien ist Zentrummesophiler Buchenwälder, die submontan bis subalpin dominieren, während in Moesien subalpine Fichtenboreale Wälder bildet; die Eichen im Osten (Quercus frainetto,Zerreiche [Q. cerris]) werden im Westen durch humide Eichen-Hainbuchenwälder (Quercus petrea,Carpinus betulus) ersetzt. Die balkanische Region ist durch viele nur für sie typische (tertiäre) Arten bereichert, so denGriechischen Ahorn (Acer heldreichii), dieSerbische Fichte (Picea omorika), dieGewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum),Corylus colurna,Pinus peuce,Pinus heldreichii,Ramonda serbica oder dieNeumayer-KrugfruchtAmphoricarpos neumayerianus.
Zonierung der Vegetation der Balkanhalbinsel am Beispiel desOrjenWulfenia baldaccii, eine im Prokletije endemische Pflanze
Durch das ausgeprägte Relief, die vielfältige Topographie und die resultierende klimatische Vielfalt sowie aufgrund der subtropischen Lage und einer damit einhergehenden (im Vergleich zum übrigen Europa höheren) Klimagunst der Erdvergangenheit hat sich auf der Balkanhalbinsel die mit Abstand vielfältigste und artenreichste Vegetation des europäischen Kontinents entwickelt. Die Balkanhalbinsel beherbergt allein über 160 Gehölzarten und mehr als 7000 Kormophyten, von denen allein 3000 endemische Arten sind. SchonTurrill (1929) stellte auf der Balkanhalbinsel 6340 Arten fest. Im Vergleich mit den in derFlora Europaea (1964–1993) aufgeführten 10.500 Arten kommt der Balkanhalbinsel damit eine Schlüsselrolle in der europäischen Vegetationsgeschichte sowie alsEndemitenzentrum auch der Rang einesHotspots der Biodiversität zu. Folgende Konditionen sind dafür anzuführen:
eine Flora, die viele tertiäre Arten enthält, welche hier die Eiszeiten überleben konnten;
paläoendemische Relikte;
Isolation der Landmassen, Inseln und Gebirgsgruppen. Änderungen des Meeresspiegels. Fragmentierung, Isolation und Migration von Arten, Bildung neuerHabitate;
autonome Evolutionszentren der Nähe zu anderen Florenregionen;
Einflussnahme des Menschen durch Zerstörung und Wechsel der natürlichen Landbedeckung, Schaffung neuer Habitate und Introduzierung neuer Arten.
Die Genese der balkanischen Flora vollzog sich währendtertiärer,glazialer und postglazialer Phasen. Heute treten keine alten mesozoischen Vertreter wie in den Floren Ostasiens oder Argentiniens mehr auf. Der Basisbestand insbesondere der Waldflora ist dennoch seit derKreide bekannt, so insbesondere dieEichen (Quercus),Buchen (Fagus),Kastanien (Castanea),Erlen (Alnus) undWeiden (Salix). Diethermophilere tertiäre Flora war an tropischen Elementen reicher als heute, wo nur eine kleine Zahl reliktischer Arten (Frauenhaarfarn [Adiantum capillus-veneris]), Gattungen (Yams [Dioscorea]) und Familien (Gesneraceae) überlebt hat. Außertropische tertiäre Formen sind dagegen reichlich vertreten, soPlatanengewächse (Platanus),Rosskastanien (Aesculus hippocastanum),Tollkraut (Scopolia),Sibiraea,Thelygonum,Serbische Fichte (Picea omorika),Pinus peuce,Forsythia europaea und derGemeine Flieder (Syringa vulgaris). Durch die isolierte Stellung – die nächsten Verwandten sind zumeist inOstasien oder demvorderen Orient zu finden – und die heterogene phytogeographische Genese, sind alle paläoendemischenTertiärrelikte ökologisch und horologisch sehr differenzierte Vertreter unterschiedlicher vegetationsgeographischer Einheiten. Ebenfalls seit demTertiär erfolgte die Evolution der mediterranen Gebirgsflora, unabhängigarkto-alpiner Einflüsse.
Griechenland alsendemitenreichster Teilraum besitzt 1100 endemische Arten. Der Endemismus beruht vor allem auf der hohen Spezifikation der illyrisch-balkanischen Florenprovinz. Die vergleichsweise höhere Artenvielfalt zuAlpen undPyrenäen, durch größere petrographische Heterogenität als Pyrenäen und gegen die Alpen die Einbettung zwischen Florenprovinzen, macht die komplexenDinariden zu dem auffälligen Endemitenzentrum mit hohem Artenpotential.
Die illyrische Provinz besitzt vier endemische Gattungen:Petteria,Halacsya,Haberlea,Jankaea. Endemiten sindPicea omorika (Serbien, Bosnien),Pinus peuce (Gebirge zwischen 41°-43° N),Primula deorum (Bulgarien),Saxifraga ferdinandi-coburgii,Petteria ramentacea (Dalmatien, Herzegowina, Montenegro, Nord-Albanien),Oxytropis prenja,Griechischer Ahorn (Acer heldreichii),Forsythia europaea (Nord-Albanien, Kosovo), Felsen-Moltkie (Moltkia petraea),Wulfenia baldaccii (Montenegro, Nord-Albanien),Haberlea rhodopensis (Bulgarien, Nordost-Griechenland),Ramonda serbica,Jankaea heldreichii (Olymp), Neumayer-Krugfrucht (Amphoricarpos neumayerianus),Cicerbita pancicii,Lilium jankae undDioscorea balcanica (Montenegro, Nord-Albanien). Reliktarten der illyrisch-balkanischen Provinz sind dieEuropäische Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia),Juglans regia,Syringa vulgaris,Baum-Hasel (Corylus colurna),Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) etc.
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