Lage der Stadt Bad Marienberg (Westerwald) im Westerwaldkreis
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Bad Marienberg
Bad Marienberg (Westerwald) (bis 1967Marienberg (Westerwald), mundartlichMarmerich)[2] ist eineStadt und ein staatlich anerkanntes Kneipp-Heilbad imWesterwaldkreis inRheinland-Pfalz. Sie ist Verwaltungssitz der gleichnamigenVerbandsgemeinde, der sie angehört, und ist gemäß Landesplanung alsGrundzentrum eingestuft.[3]
Die Stadt liegt imWesterwald zwischenLimburg an der Lahn in südlicher undSiegen in nördlicher Richtung bzw. zwischenHachenburg in westlicher undHerborn in östlicher Richtung. DieNister, die zum Einzugsbereich derSieg gehört, fließt in Ost-West-Richtung durch die Stadt. Im Ortsteil Langenbach fließt dieSchwarze Nister der Nister zu.
Urkundlich erstmals erwähnt wird eine Siedlung im Jahr 1048. Möglicherweise leitet sich aus dieser Quelle auch der Name Westerwald ab, da das Gebiet um Marienberg genau westlich vonHerborn liegt.Im Jahr 1258 wird Marienberg dann alsMons sanctae Mariae bezeichnet. Im 18. Jahrhundert wuchsen das vorher getrennte Obermarienberg, eine heute noch gut erkennbare ringförmige Siedlung um die Pfarrkirche herum, und Untermarienberg zusammen.
Marienberg war Teil der aus den drei „Gerichten“ (Amtsbezirken) Marienberg, Emmerichenhain und Neukirch bestehendenHerrschaft zum Westerwald, die in der sog. ottonisch-walramischen Erbteilung 1255 GrafOtto I. von Nassau gewann. Das Gericht Marienberg bestand spätestens 1258. Nach einer weiteren Teilung 1303 kam das Gebiet an Ottos SohnHeinrich I. (III.) und war nun Teil vonNassau-Dillenburg. Von 1343 bis 1561 wechselte die Herrschaft auf dem Westerwald an die Zweiglinie Nassau-Dillenburg-Beilstein. Nach deren Erlöschen trat GrafJohann VI. (der Ältere) von Nassau-Dillenburg das Erbe an. Damit waren die ottonischen Stammlande, d. h. die deutschen Besitzungen, erstmals wieder vereint – wenn auch nur für kurze Zeit.
Nach weiteren durch Erbfälle bedingten Gebietswechseln innerhalb der nassauischen Dynastie kam Marienberg als Teil der Herrschaft Beilstein unter die Regierung FürstWilhelms IV. von Nassau(-Dietz)-Oranien. Diesem war es 1742/43 abermals gelungen, alle ottonischen Länder innerhalb desHeiligen Römischen Reichs Deutscher Nation zu einen. Innerhalb der nun vonDillenburg aus verwalteten deutschen Besitzungen der Oranier war Marienberg spätestens seit 1783 der Herrschaft bzw. dem AmtBeilstein unterstellt. DasKirchspiel Marienberg zählte im Jahr 1580 rund 450 Seelen und umfasste die Dörfer Bach, Bölsberg, Eichenstruth, Fehl, Großseifen, Illfurth, Langenbach, Marienberg, Hof, Pfuhl, Ritzhausen, Stockhausen, Unnau und Zinhain. Die beiden GrafschaftenSayn-Hachenburg undSayn-Altenkirchen lagen nur wenige Kilometer nordwestlich.
Tracht von Bäuerinnen aus Bad Marienberg
Mit der Herrschaft Beilstein fiel der Ort 1806 an das napoleonischeGroßherzogtum Berg, wo es 1808 demArrondissement Dillenburg innerhalb desDépartements Sieg zugewiesen wurde. 1815 ging Marienberg an dasHerzogtum Nassau. Das 1816 neu organisierteAmt Marienberg umfasste 43 Dörfer sowie 20 Höfe und Mühlen in 40 Gemeindebezirken mit insgesamt 1805 Familien und 7085 Personen.[7] Gleichzeitig unterstand das Amt Marienberg der Jurisdiktion des Kriminalgerichts Dillenburg. Im Zuge einer kurzlebigen Verwaltungsreform wurde Marienberg 1849 dem neu begründetenKreisamt Hachenburg einverleibt, bevor 1854 der alte Zustand wiederhergestellt wurde.
1866 fiel das Herzogtum Nassau anPreußen und wurde alsRegierungsbezirk Wiesbaden Teil der ProvinzHessen-Nassau. Mit der Einrichtung von Landkreisen nach preußischem Vorbild wurde Marienberg 1867 Sitz desOberwesterwaldkreises mit den Ämtern Hachenburg, Marienberg und Rennerod. Letzteres ging 1885/86 anlässlich einer Gebietsreform an den neu geschaffenenLandkreis Westerburg (der zusätzlich vomUnterwesterwaldkreis dasAmt Wallmerod sowie einige Ortschaften des Amtes Selters erhielt).
Obwohl Marienberg im Jahr 1890 nur 707 (meist evangelische) Einwohner zählte und offiziell noch als Dorf galt, verfügte es bereits über eine beachtliche Infrastruktur: Der Ort beherbergte ein Landratsamt, ein Amtsgericht (Landgericht Limburg an der Lahn), ein Steuer- und Katasteramt, ein Post- und Telegraphenamt, einen Vorschussverein und eine Agentur der Nassauischen Landesbank. Außerdem befanden sich im Ort eine Gerberei sowie in der Umgebung mehrereBraunkohlen-, Eisenstein- und Tongruben.
Mit dem Zusammenschluss des Kreises Westerburg mit dem alten Oberwesterwaldkreis zu einem neuen Oberwesterwaldkreis 1932 verlor Marienberg seine Funktion als Verwaltungssitz an Westerburg. Seit dem 1. April 1939 mit dem Stadtrecht versehen, gehörte Marienberg nach dem Zweiten Weltkrieg zur französischen Besatzungszone und war Teil des „Oberpräsidiums“ Rheinland-Hessen-Nassau.
Seit 1946 ist die Stadt Teil des LandesRheinland-Pfalz. Am 10. August 1967 bekam die Stadt den Titel „Bad“ verliehen,[8] nachdem sie 1961 bereits das PrädikatKneipp-Kurort erhalten hatte.
Am 7. Juni 1969 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Eichenstruth (185 Einwohner), Langenbach bei Marienberg (804 Einwohner) und Zinhain (423 Einwohner) nach Bad Marienberg (Westerwald) eingemeindet.[9]
Stadtbürgermeisterin von Bad Marienberg ist Sabine Willwacher (SPD). Bei derDirektwahl am 26. Mai 2019 wurde sie mit einem Stimmenanteil von 62,38 % in ihrem Amt bestätigt.[13] Bei der Kommunalwahl 2024 setzte sie sich bei einer Wahlbeteiligung von 50,9 % mit 59,2 % der Stimmen gegen Phillip Schmidt (CDU) durch.[14] Bei der Wahl 2014 hat sie Ernst Dankwart Neufurth (SPD) abgelöst, der dieses Amt seit 2004 innehatte.
In Bad Marienberg befinden sich einige unter Denkmalschutz gestellte Kulturdenkmäler.[15] Die folgende Liste stellt exemplarische einige Kulturdenkmäler dar und konzentriert sich dabei ausschließlich auf die Innenstadt.
Das Landratsamt ist eine eingeschossige Mansarddach-Villa aus dem Jahr 1909. Sie war das Wohn- und Dienstgebäude des Landrats desOberwesterwaldkreises und befindet sich an der Europastraße.
Das Marienberger Rathaus ist ein Fachwerkbau von 1788, der vorher als Pfarrhaus genutzt wurde. Es befindet sich an der Wilhelmstraße. Heute findet man dort die Touristinfo und die Heimatstuben – ein kleines Heimatmuseum. Die Besucher sehen in wechselnden Ausstellungen die Geschichte, das Brauchtum und die Geologie des Westerwaldes. Ein Schwerpunkt der Ausstellung ist dem Basaltabbau gewidmet.
Darüber hinaus ist im Museum die Poststube zu besichtigen, die eine Sammlung seltener Briefmarken- und Ansichtskarten zeigt.
Die Marienquelle fand im Jahre 1863 als sogenannter Heiligenborn erstmals Erwähnung in der Marmer Kirchenchronik. Das Wasser wurde als „vortreffliches Wasser“ beschrieben. Daher ist die Marienquelle der älteste Teil Bad Marienbergs.
An der Kirchstraße befindet sich die Evangelische Pfarrkirche. Dabei handelt es sich um einen querrechteckigen Saalbau aus dem Jahr 1819. Die vorherige seit dem 13. Jahrhundert urkundlich bezeugte Kirche brannte 1813 nach einem Blitzeinschlag vollständig ab (Kirchstraße).
Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 50,5 %evangelisch, 24,1 %römisch-katholisch und 25,4 % warenkonfessionslos oder gehörten einer anderenGlaubensgemeinschaft an.[16] Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Derzeit (Stand Mai 2025) liegt der Anteil der evangelischen Bürger bei 32,6 %, der katholischen bei 19,4 % und der Sonstigen bei 48,0 %.[17]
Im Stadtgebiet von Bad Marienberg befindet sich ein Kurpark mit einerKneippanlage und einerKonzertmuschel, wo von Mai bis September regelmäßig Kurkonzerte stattfinden. Weitere Kneippbecken befinden sich am Waldweg oberhalb der Sebastian-Kneipp-Straße, am Christian-August-Kahm-Weg und beim Barfußweg. Daran schließt sich ein neuer Parkteil mit einem Apothekergarten und einem Barfuß-Parcours an. Der Apothekergarten nach Pfarrer Kneipp mit über 90 Pflanzen wurde nach dem Schema alter Heilpflanzengärten angelegt. Der Apothekergarten zeigt eine Vielzahl von Kräutern. Jedes Kraut wird auf einem Schild erklärt. Der Garten ist jederzeit zugänglich und eintrittsfrei. DerBarfußweg der Sinne ist ein Rundweg mit 18 verschiedenen Belägen – z. B. Holzschnitzel, Tannenzapfen oder Flusskiesel.
Zwischen Bad Marienberg und dem Stadtteil Zinhain ist derBasaltpark, ein stillgelegterBasaltbruch der mit Wanderwegen, Hinweistafeln zur Geologie und einem Museum ausgestattet für die Öffentlichkeit zugänglich ist. In unmittelbarer Nähe des Basaltparks befindet sich derWildpark Bad Marienberg. In der Nähe des Wildparkes befindet sich einKletterwald auf einer Fläche von etwa 10.000 Quadratmetern.
Weinfest (ein Wochenende im Juni): Fest rund um den Wein, auf dem Marktplatz und der Bismarckstraße
Sommerfestival (Juni bis August): Open-Airkonzerte auf dem Marktplatz, verschiedenen Musikrichtungen
Marmer Herbstmarkt (Anfang Oktober): Herbst- und Bauernmarkt mit Kunstmeile der regionalen Kunstszene.
Kräuterwind Gartenmarkt (Anfang Oktober): Pflanzen und Gartenartikel, Kräuterwindprodukte, Schönes & Dekoratives rund ums Haus findet man an den Ständen auf dem Marktplatz. Im Rahmen der Pflanzentauschbörse können Pflanzen getauscht werden.
Gesundheitsmesse (Anfang Februar): Die Aussteller präsentieren auf der Bad Marienberger Gesundheitsmesse im Forum des Schulzentrums ihre Produkte, Dienstleistungen und neueste Trends rund um das Thema Gesundheit.
Ein Rahmenprogramm mit Workshops und informativen Vorträgen rundet das Angebot der Gesundheitsmesse Bad Marienberg ab.
Ein zentraler Wirtschaftsfaktor in der Region ist derTourismus. Trotz des Bedeutungsverlustes des klassischen Kurbetriebs, verbunden mit einem verminderten Gästeaufkommen in den 1990er Jahren, bleibt Bad Marienberg auch im 21. Jahrhundert ein überregional bekannter Ort. So konnte die Zahl der Gästeübernachtungen in der Verbandsgemeinde bis 2012 um rund ein Drittel gegenüber dem Jahr 2000 gesteigert werden.[18] Neben dem Natur- und Aktivtourismus erfährt aufgrund desdemographischen Wandels auch derGesundheitstourismus wieder zunehmende Bedeutung.[19][20]
Der europäische Fernwanderweg (E1) verläuft von Flensburg nach Genua. Die 3. Westerwald-Etappe führt auch durch Bad Marienberg. Sie verläuft bis zur Westerwälder-Seenplatte. Die Strecke ist 25 Kilometer lang.
In Bad Marienberg befindet sich das Stammhaus von inzwischen 128 Europa-Häusern, dasEuropahaus Marienberg. Es wird durch eineStiftung getragen und dient als Bildungs- und Begegnungsstätte.
In unmittelbarer Nähe des Ortes verläuft dieB 414, die vonDriedorf-Hohenroth nachAltenkirchen führt. Die nächste Autobahnanschlussstelle befindet sich im bereits nordrhein-westfälischenBurbach (Siegerland) an derA 45Dortmund–Gießen, etwa 22 Kilometer entfernt. Ab Bad Marienberg existieren vielfältige Fahrmöglichkeiten mit den Linienbussen derRhein-Mosel Verkehrsgesellschaft, u. a. nach Daaden, Westerburg und Montabaur.
Der BahnhofMarienberg-Langenbach – ab 1969:Bad Marienberg[21] – lag ortsnah (gut einen Kilometer südwestlich vom Stadtzentrum) an der ab 1911 im Personenverkehr betriebenenBahnstrecke Erbach–Fehl-Ritzhausen. Der Personenverkehr wurde hier 1971 eingestellt. Heute besteht Zugang zur Schiene über folgende Möglichkeiten:
Am Bahnhof Au(Sieg) besteht Anschluss an den Rhein-Sieg-Express RSX, welcher als RE 9 von Aachen über Düren, Köln, Troisdorf, Siegburg/Bonn, Au, Betzdorf und Wissen nach Siegen verkehrt sowie zur S-Bahn-Linie 12, welche zwischen Düren, Köln und Au pendelt sowie zur Regionalbahn der HLB in Richtung Siegen.
Am Bahnhof Limburg (Lahn) besteht Anschluss an Regionalzüge in Richtung Frankfurt am Main, Wiesbaden, Gießen, Koblenz und Montabaur/Siershahn
Luft
Der nächstgelegene Flugplatz ist derFlughafen Siegerland, ca. 12 Kilometer entfernt.
↑Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006 (= Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz [Hrsg.]:Statistische Bände.Band393). Bad Ems März 2006,S.169f. (PDF; 2,6 MB).Info: Es liegt ein aktuelles Verzeichnis (2016) vor, das aber im Abschnitt „Gebietsänderungen – Territoriale Verwaltungsreform“ keine Einwohnerzahlen angibt.
↑Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Direktwahlen 2019. Abgerufen am 12. November 2019 (siehe Bad Marienberg, Verbandsgemeinde, erste Ergebniszeile).