Luftbild des Münchner BMW-Areals mitBMW Welt,BMW Museum, „Vierzylinder-Hochhaus“ (Konzernzentrale) und Werkshallen (März 2014)„Vierzylinder“ – Eingangsbereich der BMW-ZentraleMit demFlugmotorBMW IIIa, 1917 vonMax Friz entwickelt, wurde die Basis des BMW-Renommees gelegtStilistisches Merkmal der Pkw von BMW sind dieDoppel-Nieren des KühlergrillsBMW 328BMW R32
DieBayerische Motoren Werke Aktiengesellschaft(BMW) ist ein börsennotierter Automobil- und Motorradhersteller mit Sitz inMünchen, der auch alsBMW Group auftritt.
Vorgänger von BMW war die 1913 vonKarl Rapp gegründete Rapp Motorenwerke GmbH. Als „Grundlage seines Unternehmens“ kaufte Rapp die Firma des ausBerlin stammenden Philipp Dörhöfer, die sich in derMünchenerClemensstraße 46 befand. „Diese wieder herum hatte kurz zuvor inChemnitz die Firma Schneeweis erworben. Schneeweis baute Flugmotoren unter anderem für den LuftschiffbauerAlbert Paul Veeh. Im Zuge der Insolvenz von Veeh war Schneeweis in Schwierigkeiten geraten. Diese waren offensichtlich so groß, dass sich auch die Firma Dörhöfer an Schneeweis verhob und Rapp das Unternehmen übernahm, um Flugmotoren zu fertigen.“[5] Grund für Dörhöfers Übernahme von Schneeweis’ Firma war, dass sie schon Flugmotoren für dieLuftschiffbau Veeh GmbH baute und er damit auf jahrelange Erfahrungen zurückgreifen konnte. Später schrieb er an seinen Sohn: „Der Ursprung der BMW ist die Firma Schneeweis in Chemnitz, die über den LuftschiffbauVeeh und das Flugwerk Deutschland, wo auch mein Name genannt ist, die Rapp-Motorenwerke hervorbrachten.“[6] Die daraus entstandene Rapp Motorenwerke GmbH änderte ihren Namen im April 1917 zunächst in BMW GmbH und ein Jahr später, nach der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, in BMW AG. Die bisherige GmbH ging inLiquidation. Die Errichtung der AG war mit der Heeresverwaltung abgesprochen.[7] Der erste Geschäftsführer war bis 1942Franz Josef Popp.
Im jungen Unternehmen machte sich der aufstrebende IngenieurMax Friz schnell einen Namen: Er entwickelte 1917 den FlugmotorBMW IIIa mit Überverdichtung, die den Leistungsverlust in der Höhe verringert. Diese Konstruktion bewährte sich insbesondere im JagdflugzeugFokker D.VII so gut, dass BMW von derHeeresverwaltung einen Auftrag über 2000 Motoren erhielt. Am 17. Juni 1919 wurde mit einem BMW IV, einer Weiterentwicklung des BMW IIIa ein inoffizieller Höhenweltrekord (Deutschland war nicht Mitglied derFAI) von 9760 Metern erzielt.[8]
Mit dem Ende desErsten Weltkrieges und demVersailler Vertrag schien zunächst das Ende des Unternehmens gekommen zu sein: Der Friedensvertrag verbot es für fünf Jahre, in Deutschland Flugmotoren – damals das einzige Produkt von BMW – herzustellen. Werbeinserate von 1920 zeigen jedoch, dass BMW nicht ganz dem Verbot folgte.[9][10]
1922 verließ HauptaktionärCamillo Castiglioni das Unternehmen und nahm die Namensrechte an BMW mit. Er ging zu den Bayerischen Flugzeugwerken (BFW). Diese waren aus den am 7. März 1916 registrierten Bayerischen Flugzeugwerken hervorgegangen, die sich wiederum aus dem Anfang des Jahres in Konkurs gegangenen Gustav-Otto-Flugzeugwerk vonGustav Otto, einem Sohn vonNikolaus Otto, entwickelt hatten. Dieser 7. März 1916 gilt in der offiziellen Unternehmensgeschichtsschreibung als Gründungsdatum von BMW. Mit dem Wechsel von Castiglioni werden aus den Bayerischen Flugzeugwerken (BFW) BMW, am Firmensitz Lerchenauer Straße 76, München 13.[11] Das Unternehmen aber, das bis dahin BMW hieß, wurde zurSüdbremse und später dann zurKnorr-Bremse.
1923 entwickelten Max Friz und Martin Stolle das erste BMW-Motorrad, dieR 32, und legten damit den Grundstein für eine neue Produktionslinie: Motorräder. Friz brauchte für den Entwurf der R 32 nur fünf Wochen. Bis heute hat sich das Grundprinzip dieses Motorrades erhalten:Boxermotor undKardanantrieb imDoppelrohrrahmen.
Im Jahr 1928 übernahm BMW dieFahrzeugfabrik Eisenach A. G., den Hersteller des KleinwagensDixi, und wurde so zum Automobilhersteller. Am 22. März 1929 produzierte BMW imthüringischenEisenach sein erstes Serienautomobil. Das Modell hieß3/15 PS bzw. DA 2 und war eine Weiterentwicklung des ModellsDixi 3/15 DA, das seinerseits ein modifizierter Lizenzbau des britischenAustin Seven war. Der Wagen wurde in Berlin mit einer vonAmbi-Budd gelieferten Karosserie, die dem ebenfalls in Austin-Lizenz gebauten Rosengart ähnelte, montiert. 1932 folgte der erste „echte“ BMW derBMW AM-Baureihe mit der Bezeichnung AM1 (für „Automobilkonstruktion München Nr. 1“), d. h. die erste BMW-eigene Automobilkonstruktion, die gegenüber dem BMW 3/15 größer und technisch fortschrittlicher ausfiel (z. B. obengesteuerte Ventile, Vierradbremse, Schwingachse vorn). Die erste Neukonstruktion unter der BMW-Ägide war der 1933 vorgestellte303 mit 1,2 LiterSechszylindermotor, eine Konstruktion vonFritz Fiedler (1899–1972). Infolge des ab 1933 wieder stark erweiterten Flugmotorenbaus wurde die Auto- und Motorradsparte fast zum Nebenzweck. Trotzdem gelangen mit den NeuentwicklungenBMW 326 (1935),327 (1937) und dem 1936 vorgestellten Sport-Roadster328 attraktive Modelle. Besonders der 328 überzeugte nicht nur durch seine Konstruktion, sondern auch durch zahlreiche Erfolge bei Sportwagenrennen, unter anderem derMille Miglia 1940. Dieses Modell begründete den Ruf von BMW als Hersteller sportlicher Automobile, der auch nach dem Krieg in Erinnerung blieb. InGroßbritannien wurde der 328 alsFrazer-Nash-BMW vermarktet, wobei Frazer Nash bereits seit 1934 als BMW-Generalimporteur für das britische Empire fungierte. Die Baupläne der 326/327/328-Reihe dienten später der Entwicklung desBristol 400.
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs
BMW 801Aktie von BMW, 1942
Nach derMachtergreifung derNationalsozialisten erfuhr BMW einen kräftigen Aufschwung durch die Kriegspläne Hitlers. Während Mitte 1933 noch 8357 Leute in der deutschen Flugzeug- und Flugmotorenindustrie ihren Arbeitsplatz hatten, war die Beschäftigtenzahl Ende 1938 auf fast 180.000 angewachsen. An diesem Aufschwung partizipierte auch BMW. Der Umsatz des Unternehmens betrug 32,5 MillionenReichsmark (RM) im Jahr 1933 und steigerte sich bis 1939 auf 280 Millionen RM. Der Flugmotorenbau bei der 1934 neu gegründeten Tochtergesellschaft „BMW Flugmotorenbau GmbH“ erfolgte in der neuenBMW FlugmotorenfabrikAllach GmbH (heuteMTU Aero Engines) und derBMW Flugmotorenfabrik Eisenach GmbH (Dürrerhof – nach Kriegsende demontiert). Dieser trug 1939 allein 190 MillionenRM zum Umsatz bei. Mit der Übernahme derBrandenburgischen Motorenwerke inBerlin-Spandau im Jahr 1939, die anschließend alsBMW Flugmotorenwerke Brandenburg GmbH firmierten, und der Gründung derNiederbarnimer Flugmotorenwerke GmbH im Jahr 1941 mit Standorten inZühlsdorf undBasdorf expandierte der Geschäftsbereich Flugmotoren auf 90 Prozent des gesamten Umsatzes. Im Jahr 1944 wurden 750 Millionen RM Umsatz von zirka 56.000 Beschäftigten, rund 50 Prozent davon warenZwangsarbeiter, erwirtschaftet.
Im Rahmen der Aufrüstung wurde ab 1936 ein neues Werk in Allach nahe München errichtet. Das Werk München-Allach wurde von Beginn an in Tarnbauweise gebaut, war als reines Flugmotorenwerk konzipiert[12] und war bis 1938 vor allem als Ergänzung zum Werk München gedacht.[13] Ab 1940/41 wurde das Werk massiv erweitert und die Serienfertigung von Flugmotoren begonnen.[14][15]
BMW setzte zum Ausbau des Werkes in Allach und zur Fertigung von FlugmotorenZwangsarbeiter und ab 1942 auch KZ-Häftlinge ein.[16][17] Untergebracht waren diese in Zwangsarbeitslagern und imKZ-Außenlager München-Allach desKZ Dachau. 1944 waren im Werk Allach 17.313 Menschen beschäftigt, davon waren 11.623 (67,1 %) Zwangsarbeiter;[13] nach Angaben von BMW selbst arbeiteten Ende 1944 rund 29.000 KZ-Häftlinge und andere Zwangsarbeiter für das Unternehmen – weiterhin mehr als die Hälfte der Gesamtzahl der Arbeitskräfte.[18]
Der bis zu 2000 PS (1467 kW) starke Doppel-SternmotorBMW 801 war einer der wichtigsten deutschen Flugmotoren. Er wurde unter anderem in dieFocke-Wulf Fw 190 undJunkers Ju 88 eingebaut. Zeitweise waren in seiner Produktion zur Hälfte russische Zwangsarbeiter eingesetzt. Stückzahl und Leistung der BMW-801-Motoren mussten gesteigert werden. Erst im Jahr 1943 konnte das Unternehmen das gewünschte Produktionssoll erfüllen. DieLuftwaffe beklagte indessen unter anderemKolbenfresser,Ventilschäden oderKipphebelbrüche bei diesem Motor. Weitere Flugmotoren waren derBMW 132,BMW 802 undBMW 803.
Die Situation des Unternehmens war durch den Krieg aber auch beeinträchtigt. Allein im Frühjahr 1943 wurden 6189 Beschäftigte zur Wehrmacht eingezogen, was den Verlust wichtigen Fachwissens in der Produktion bedeutete. Ausgeglichen wurde dies durch zunehmenden Einsatz vonKZ-Häftlingen. Luftangriffe der Alliierten auf die kriegswichtigen Werke inMilbertshofen (Stammwerk) und Allach (neues Flugmotorenwerk) störten die Motorenherstellung empfindlich. DasReichsluftfahrtministerium verfügte, in dem sieben Kilometer langenTunnel der EisenbahnstreckeSélestat –Saint-Dié beiMarkirch im Elsass die Fertigung fortzusetzen. 1016 Maschinen wurden dorthin transportiert und 3000 Menschen in neuer Umgebung eingesetzt. Mit dem Näherrücken der Alliierten wurde dieses Projekt wieder beendet und die Herstellung nach Süddeutschland verlagert, mit angeschlossenenKZ-Außenlagern. InKempten (Allgäu) wurde das Werk des ZulieferersHelmuth Sachse KG[19] zur Zahnradfertigung bestimmt, inBlaichach wurdenPleuelteile für Flugmotoren erzeugt, weitere Produktionsstätten inKaufbeuren,Immenstadt und den oberbayerischen OrtenTrostberg undStephanskirchen eingerichtet.[20]
1945 war das Münchner Stammwerk fast völlig zerstört und die Fahrzeugfabrik inEisenach von derSowjetischen Besatzungsmacht übernommen worden. Da dasEisenacher Automobilwerk im Besitz aller Produktionswerkzeuge war, konnte es sofort nach dem Krieg die Vorkriegs-Typen wieder anbieten. Dies geschah zunächst auch unter dem Namen „BMW“. Da BMW in München es nicht hinnehmen wollte, dass unter diesem Namen Autos angeboten wurden, ohne auf deren Produktion Einfluss zu haben, ließ man den Eisenachern 1951 das Führen des Namens „BMW“ gerichtlich verbieten. Die Eisenacher Fabrikate wurden daraufhin unter dem Namen „EMW“ (Eisenacher-Motoren-Werk) angeboten. 1952 wurde das Werk zumVolkseigenen Betrieb (VEB) erklärt.[21] Aufgrundzentraler Planvorgaben wurde das Eisenacher Werk gezwungen, die Produktion größerer Viertaktwagen zugunsten kleinerer Zweitakt-Fahrzeuge auf Basis desIFA F 9 umzustellen. 1955 rollten die letztenEMW 340 vom Band. Fortan produzierte der nunmehrVEB Automobilwerk Eisenach genannte Betrieb denWartburg.
In München waren bis dato keine Automobile produziert worden, zusätzlich war das Stammwerk zerbombt und von Demontagen betroffen. Zunächst hielt sich das Unternehmen mit der Fabrikation von Motorrädern, Kochtöpfen und Fahrzeugbremsen über Wasser. 1948 brachte BMW mit derR 24 sein erstes Motorrad nach dem Krieg auf den Markt, 1952 gefolgt vomBMW 501, einem exklusivenOberklassewagen mitSechszylindermotor. Der ab 1954 auch mit V8-Motor als BMW 502 erhältliche Pkw erhielt wegen seiner geschwungenen Karosserieform bald den Spitznamen „Barockengel“. Die Produktion des Typs war so aufwendig, dass BMW bei jedem verkauften Exemplar zirka 4000 DM Verlust einfuhr. Ein weiteres Problem war der ab Mitte der 1950er Jahre stark rückläufige Motorrad-Absatz. Auch der 1955 in Produktion genommene KleinstwagenIsetta, eine Lizenzproduktion des italienischen HerstellersIso Rivolta, konnte die sich schnell verschärfende Finanzkrise nicht abwenden. 1957 wurde das alte Werk 2 in München-Allach anMAN verkauft.[22]
Krise und Beinaheübernahme
Nachdem in den Geschäftsjahren 1958 und 1959 hohe Verluste erwirtschaftet worden waren, kam es zu der dramatischen Hauptversammlung vom 9. Dezember 1959. Vorstand und Aufsichtsrat, beide von der Deutschen Bank eingesetzt, legten ein Angebot vor, nach dem BMW an dieDaimler-Benz AG (Großaktionär ebenfalls Deutsche Bank) verkauft und die Kleinaktionäre fast enteignet worden wären. Das Schicksal von BMW schien besiegelt, da dieDeutsche Bank dank desDepotstimmrechts etwa die Hälfte desAktienkapitals vertrat. Aber es kam anders: Eine Ablehnungsfront, gebildet aus Belegschaft und Betriebsräten, BMW-Händlern und Kleinaktionären, wehrten das Übernahmeangebot ab, indem sie mit Hilfe desDarmstädter Aktionärs und Kohlenhändlers Erich Nold (1928–1995[23]) sowie desFrankfurter Rechtsanwalts Friedrich Mathern dieBilanz anfechten ließen, wofür 10 Prozent der Stimmen genügten. Die Bilanz war in der Tat fehlerhaft, da in ihr die Entwicklungskosten für das neue Modell700 innerhalb eines Jahresabgeschrieben worden waren.[24]Für ein Sanierungs- und Investitionsprogramm benötigte BMW dringend Kapital, welches 1958 durch die Ausgabe von Schuldverschreibungen im Wert von 15 Millionen Mark eingeworben wurde.[25][26] Nachdem sich für die Papiere zunächst keine Käufer fanden, kaufte der Bremer UnternehmerHermann Krages, der bereits 25 Prozent an BMW besaß,[27] sämtliche Schuldverschreibungen auf.[28]
Zwischen Kleinstwagen …
… und Oberklasse klaffte eine Lücke
Das erste Modell der erfolgreichen „Neuen Klasse“: BMW 1500
BMW blieb selbstständig, aber Anfang 1960 fehlte noch immer das dringend benötigte Mittelklassemodell, für dessen Verwirklichung es weiterhin an der Finanzierung mangelte. Hier trat der IndustrielleHerbert Quandt ausBad Homburg vor der Höhe auf den Plan. Er erklärte sich bereit, nach einemKapitalschnitt eine anschließendeKapitalerhöhung durchzuführen, bei der er die nicht verkauften Aktien selbst übernehmen werde. Dies geschah auch, der Kapitalanteil der Quandt-Gruppe stieg auf ca. 60 Prozent und die Banken verloren ihren Einfluss bei BMW.[29] Dadurch sowie durch die Übernahme der Hälfte der Anteile an der BMW-Tochtergesellschaft Triebwerkbau GmbH und ein Darlehen in Höhe von 20 Millionen DM durch dieMAN (Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg)[30] bekam BMW ausreichende finanzielle Mittel für die Umsetzung des neuen Mittelklassemodells, das Limousinencharakter mit hoher Motorleistung vereinen sollte. In diesem Segment fiel durch den Konkurs vonBorgward 1961 ein Mitbewerber aus dem Markt.
1961 stellte das Unternehmen den völlig neu entwickelten BMW 1500 der„Neuen Klasse“ vor. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten wurde der Typ durch die Modelle BMW 1600, 1800 und 2000 ergänzt und zu einem großen Erfolg, der durch Siege beiTourenwagenrennen verstärkt wurde. Der Wiederaufstieg von BMW kam mit den 1966 vorgestellten zweitürigen „Null-Zwei“ Typen1602,1802,2002,2002ti/tii endgültig in Fahrt. Der Erfolg führte zu einem größeren Personalbedarf, so dass sich 1960 das Unternehmen entschied, vor allem Arbeitnehmer aus Griechenland anzuwerben, diese stellten 1967 bereits 52 % der ausländischen Beschäftigten.[31] BMW unterschied bei der Bezahlung nicht nach Nationalität, was damals eine Besonderheit darstellte.
1967 wurde dieHans Glas GmbH inDingolfing übernommen und zu einem eigenen Produktionsstandort ausgebaut. Einige Modelle aus dem Produktprogramm von Glas wurden noch eine Zeit lang weiterproduziert. Sie trugen den MarkennamenBMW-Glas und das BMW-Logo. Mit dem Auslaufen dieser Modelle wurde auch der Name Glas aufgegeben.
1968 wurde der Oberklassewagen2500 mit Sechszylindermotor vorgestellt, später die Modelle2800 und3.0 SI.
In den Jahren 1970 bis 1993 warEberhard von Kuenheim Vorstandsvorsitzender. Unter seiner Ägide stieg der Umsatz mit vielen neuen Modellreihen auf das 18fache auf rund 28 Milliarden DM, die Pkw-Produktion auf das Vierfache und die Motorradfertigung auf das Dreifache. Die Mitarbeiterzahl wuchs in derselben Zeit von rund 23.000 auf 71.000. Neue Produktionsstandorte entstanden in Deutschland (Regensburg,Berlin-Spandau),Österreich,Südafrika und in denUSA.
1973 wurde der sogenannte„Vierzylinder“ bezogen, das neue, von dem Wiener ArchitektenKarl Schwanzer entworfene Hauptverwaltungsgebäude in der Nähe desMünchener Olympiageländes. Im Frühjahr 1990 wurde das „Forschungs- und Innovationszentrum“ (FIZ) eröffnet, die „Denkfabrik“ von BMW mit über 6000 Arbeitsplätzen. In den ersten Jahren stand die Abkürzung für „Forschungs- und Ingenieurzentrum“, seinen heutigen Namen erhielt es erst Ende der 90er Jahre.
In die Ära von Kuenheim fallen auch mehrere Versuche, das Unternehmen zu diversifizieren und breiter aufzustellen.[32] So wurden u. a. eine Roboterfirma, ein Software-Hersteller (Softlab), ein Chemiespezialist und 1990 die Luftfahrtsparte derKlöckner-Humboldt-Deutz AG übernommen. Während sich die erstgenannten Aktivitäten als Fehlschläge erwiesen und wieder verkauft wurden, wurde die KHD Luftfahrttechnik in das GemeinschaftsunternehmenBMW Rolls-Royce AeroEngines GmbH eingebracht.[33][34] Damit war die BMW AG über ihre Tochter zumindest für ein knappes Jahrzehnt wieder ein Luftfahrtunternehmen. Im Zuge der gescheiterten Übernahme des britischen AutomobilherstellersRover Mitte der 1990er Jahre und der damit einhergehenden Finanzierungsprobleme wurde der 51-Prozent-Anteil von BMW dann allerdings anRolls-Royce plc veräußert.
Rover-Debakel
Anfang der 1990er Jahre glaubte man bei BMW, langfristig nur als großer Volumenhersteller auf dem Weltmarkt überleben zu können. Um nicht selbst eineFrontantriebsplattform und die dazu notwendigen technischen Komponenten entwickeln zu müssen und um die nötigen Fertigungskapazitäten zu gewinnen, übernahm BMW 1994 deshalb die britische Rover Group mit ihren Automarken Rover,MG,Mini undLand Rover. Dies erwies sich jedoch als folgenschwere Fehlentscheidung, die BMW insgesamt neun MilliardenDeutsche Mark und den VorstandsvorsitzendenBernd Pischetsrieder seinen Posten kostete.
Die Zusammenarbeit mit der Rover Group funktionierte von Anfang an nicht reibungslos. Die Werke schrieben Verluste, die durch die dreißigprozentige Aufwertung desBritischen Pfunds gegenüber der Deutschen Mark im Zeitraum von 1994 bis 2000 noch verstärkt wurden. Die noch imJoint Venture mit Honda entstandene Modellpalette von Rover erwies sich als veraltet und zu konservativ und damit als wenig attraktiv. Auch die Verarbeitungsqualität ließ zu wünschen übrig. Die Fabriken waren weitgehend veraltet, zu klein und personell überbesetzt. Dazu kamen große Schwächen imVertrieb, so dass die erwarteten Verkaufszahlen nicht erreicht wurden. Hinzu kam der „Inhouse“-Wettbewerb, denn die Fahrzeuge von Land Rover machten der 1999 von BMW neu eingeführtenSUV- oder X-Modellpalette (damals nur demX5) Konkurrenz.
Aus diesen Gründen zog BMW am 16. März 2000 die Konsequenzen und beendete das Projekt Rover. MG-Rover wurde für die symbolische Summe von zehn Pfund Sterling an eine britische Investorengemeinschaft verkauft.[35]Land Rover ging anFord, aber für einen wesentlich höheren Preis als jenem bei der Veräußerung von MG-Rover, weil der neue Range Rover schon fertig entwickelt war. Allerdings verkaufte der Automobilhersteller Ford das Unternehmen Land Rover im März 2008 an die indischeTata-Gruppe[36][37], wobei der britische Autobauer Jaguar von Tata mit übernommen wurde. In der BMW Group verblieb aus der einstigen Übernahme als einzige die Kleinwagen-MarkeMini.
Im Jahr 2003 erhielt BMW die Markenrechte für Rolls-Royce-Automobile vonRolls Royce plc und konnte dann damit die bereits fertig entwickelte Luxus-Limousine mit dem NamenPhantom auf den Markt bringen, für den eigens ein neuer Stammsitz inGoodwood, England, geschaffen wurde. Das ehemalige Werk in Crewe fertigt seitdem nur noch Automobile der ehemaligen Geschwister-MarkeBentley, die beiVolkswagen verblieb.
BMW entwickelte weltweit als Erster alltagstaugliche Wasserstoff-Fahrzeuge. Weil aus KostengründenBrennstoffzellen für den Serieneinsatz nicht in Frage kamen, setzte BMW auf die Verbrennung des Wasserstoffes (H2) mit dem Oxidationsmittel Sauerstoff (O2) aus der Umgebungsluft.
Bereits zurExpo 2000 drehten die ersten 15 „Wasserstoff-Modelle“, nämlich 750i(E38) mit zusätzlichem Wasserstofftank, ihre Runden auf dem Expo-Gelände. Im Jahr 2007 wurden bereits weitere 100 Fahrzeuge des Modells 760Li (E68) mit drucklosem Flüssig-H2-Tank, Betankungs- und Motortechnik für Wasserstoffbetrieb ausgerüstet und alsBMW Hydrogen 7 an Prominente und Politiker verleast.Im Dezember 2009 ließ BMW den Wasserstoff-Praxistest auslaufen.
Etwa 2012 befasste sich BMW dann mit der Nutzung von Wasserstoff in Brennstoffzellen.[38] 2015 zeigte BMW einen elektrisch angetriebenenBMW-5er-GT-Versuchsträger, der in dem von BMW entwickelten Tank so viel des Energieträgers in tiefkalter Form speichern kann, dass eine Reichweite von 500 km möglich wurde.[39] Eine kleine Versuchsflotte aus vier solcher Fahrzeuge wurde zur Erprobung in Europa aufgebaut.[40] BMW hielt den Serieneinsatz ab 2020 für möglich, abhängig vom Ausbau der Infrastruktur an Wasserstoff-Tankstellen.[41][42]
2019 wurde von BMW erneut ein Brennstoffzellenfahrzeug angekündigt, das wieder mit einem von Toyota geliefertenBrennstoffzellen-Stack arbeitet und Ende 2022 in Kleinserie gebaut werde.[43] Die ersten Prototypen des „i-Hydrogen Next“, der auf demSUV X5 basiert, starteten im Juni 2021 zur Erprobung. Das Fahrzeug wird mit einer Gesamtleistung von 225 kW (306 PS) angegeben, wobei seine Brennstoffzelle nur 125 kW (170 PS) leistet, und die für „dynamische Beschleunigungsmanöver und Zwischenspurts zum Überholen“ notwendige zusätzliche Leistung aus einer Leistungspuffer-Batterie geholt wird.[44]
project i
2008 wurde der unternehmensinterne Thinktankproject i beauftragt, um das Unternehmen auf die zukünftigen Rahmenbedingungen der Mobilität auszurichten. Aufgabe von project i war die Erarbeitung eines Lösungsansatzes für eine nachhaltige Mobilität mit Fokus auf urbane Mobilität undElektromobilität.[45][46][47]
Schwerpunkte der Projektarbeit von project i waren:
Analyse der Mobilitätsanforderungen aller beteiligtenStakeholder im Rahmen von Dialogveranstaltungen in internationalen Metropolen.[48]
Untersuchung des Verhaltens und des Erlebnisses von Elektrofahrzeug-Nutzern. Dazu wurden die in geringen Stückzahlen gebautenMini E undBMW ActiveE Pilotflotten in internationalen Feldversuchen eingesetzt.[49][50]
Entwicklung von disruptiven elektrifizierten Fahrzeug-Konzepten inklusive der zugehörigen Produktions- und Vertriebsprozesse.[51]
Entwicklung innovativer Mikromobilitätskonzepte wie Pedelecs oder E-Scooter.[52][53]
Entwicklung von innovativen Lösungen für das Laden von Elektrofahrzeugen wie z. B. gesteuertes Laden, die Verzahnung zwischen Elektromobilität und nachhaltiger Energiewirtschaft wie z. B.Vehicle to Grid (V2G)[54] oder dieZweitnutzung von Batterien im Energienetz (Battery 2nd Life)[55].
Entwicklung von Messmethoden zur ganzheitlichen Öko-Bilanzierung von Elektrofahrzeugen (well-to-wheel, unter Berücksichtigung der Wertschöpfungskette).[56]
Positionierung der E-Mobilität im sportlichen Bereich (z. B. durch Mini E Race, Begleitfahrzeuge für Formula E).[57][58]
Infolge desRussland-Ukraine-Kriegs wurde vorerst die lokale Produktion in Russland und der Export für Fahrzeug- und Motorradlieferungen für den russischen Markt eingestellt.[59] Im Geschäftsbericht 2021 wurde mitgeteilt, dass die Invasion russischer Truppen in die Ukraine Liefereinschränkungen bei Komponenten aus der Ukraine ausgelöst habe, die bereits zu Produktionsanpassungen und -unterbrechungen in mehreren Werken geführt hätten. Sollte die militärische Auseinandersetzung länger andauern, ergäben sich spürbare Auswirkungen auf den Absatz.[60][61]
Unternehmenslogo
Beim Markenzeichen der Bayerischen Motoren Werke hielt man sich an die Zeichensprache desLogos des Vorgängerunternehmens Rapp Motorenwerke GmbH. Der schwarze Ring trägt nun die Buchstaben B M W. Im runden Mittelfeld tritt anstelle eines stilisiertenRappen (eineSpringer-Figur aus einemSchachspiel) ein viergeteilter Kreis auf. Dieser wurde in Anbetracht des ersten Namensbestandteiles in denbayerischen Landesfarben gestaltet. Da jedoch privaten Unternehmen der Gebrauch vonHoheitszeichen des Staates gesetzlich verboten war, behalf man sich, indem man die Reihenfolge der Farben vertauschte. Statt derweiß-blauen Landesfarben waren die Unternehmensfarben blau-weiß. Die später in BMW aufgegangenenBayerischen Flugzeugwerke hatten ein in der Zeichensprache sehr ähnliches Logo. Als staatliches Unternehmen durften sie aber dieweiß-blauen Rauten ohne Änderungen als Markenzeichen nutzen. Seit der Verwendung in einem Flugmotorenprospekt aus dem Jahr 1929 wird der gevierteilte innere Kreis als Blick durch einen Propeller gedeutet. Da diese Deutung weitaus poetischer ist, wurde sie stark kultiviert.[62] Zum ersten Mal wurde das Logo 1918 auf der Betriebsanleitung zum „Bayern-Flugmotor Type BMW IIIa“ abgedruckt.[63] 1923 war das BMW-Logo erstmals an einem Fahrzeug, dem MotorradBMW R 32, zu sehen. Das erste BMW-Automobil mit dem Logo war derBMW 3/15 PS im Jahr 1929.
2020 wurde mit demConcept i4 eine überarbeitete Form des Logos gezeigt: An diesem zeigt der äußere und bislang schwarze Ring die Fahrzeugfarbe. Es soll nicht an den Fahrzeugen selbst, sondern zu Kommunikationszwecken wie zum Beispiel an Messeständen und im Internet eingesetzt werden.[64]
Ein weiteres Geschäftsfeld von BMW ist die Entwicklung und Produktion vonMotorrädern, die seit 1923 hergestellt werden. Die Automobilherstellung kam erst 1928 hinzu. Heute ist BMW der einzige Großserienhersteller hubraumstarker Motorräder in Deutschland und einer der umsatzstärksten in Europa. Anfang 2014 waren in Deutschland 488.572 BMW-Krafträder zugelassen, was einem Anteil von 12,0 % entspricht.[65] Wichtigstes und umsatzstärkstes Modell ist dieReiseenduroBMW R 1200 GS.
Kundenmotoren
Neben Automobilen und Motorrädern fertigt BMW auch Motoren für Fremdunternehmen. Zu den Abnehmern gehören z. B.Wiesmann (BMW-Motoren und BMW-Antriebskomponenten in allen Modellen), dieMorgan Motor Company (BMW-V8-Ottomotor und BMW-Antriebskomponenten im Modell Aero 8),Yanmar Marine (BMW-Dieselmotoren für Marineanwendungen) undSiemens (4L-V8 imCombino Duo). BMW-Motorrad-Boxermotoren werden für dieTragkraftspritze „Fox“ vonRosenbauer verwendet.
Im März 2010 wurde mit der amerikanischenCarbon Motors Corp. ein Vertrag über die Lieferung von 240.000 6-Zylinder Dieselmotoren für das PolizeifahrzeugCarbon E7 unterzeichnet. Die Firma wurde 2012 aufgelöst und die Motoren daher nicht geliefert.
Im September 2010 wurde mitSAAB ein Vertrag über die Lieferung von 1,6 l 4-Zylinder-Motoren unterzeichnet.
Im Juli 2011 wurde mit derFisker Automotive, Inc. ein Vertrag zur Lieferung von Vierzylindermotoren unterzeichnet. Der Motor soll in einer Mittelklasse-Limousine mit Elektroantrieb zur Verlängerung der ReichweiteRange Extender eingesetzt werden.
Im Dezember 2011 wurde mit derToyota Motor Corporation ein Vertrag zur Lieferung von verbrauchseffizienten 1,6 l und 2,0 l Dieselmotoren unterzeichnet.[66]
Im Dezember 2011 wurde mit derRoding Automobile GmbH ein Vertrag zur Lieferung von 3,0 l Reihensechszylindermotoren mit Turboaufladung für den zweisitzigen Mittelmotor-SportwagenRoding Roadster unterzeichnet.
Im Frühjahr 2012 wurde mit derPGO Automobiles SA ein Vertrag zur Lieferung von 1,6 l Reihenvierzylindermotoren mit Turboaufladung für die zweisitzigen Mittelmotor-Coupes/HatchbacksSpeedster II, Cevennes und Hemera unterzeichnet.[67]
Der amerikanische AmphibienfahrzeugherstellerGibbs rüstet seinenQuadski mit einem 129 kW (175 PS) starken BMW-Motorrad-Motor aus.[68]
Ab der Modellpflege desToyota Auris undToyota Avensis 2015 wurden Toyota-Dieselmotoren durch 1,6 l- und 2,0 l-BMW-Dieselmotoren ersetzt.[69][70]
Im Sommer 2016 wurde bekannt, dass BMW zukünftig V8-Motoren fürLand Rover undJaguar liefern wird. Dabei soll es sich bereits um den Nachfolger derN63- und S63-Triebwerke handeln.[71]
Zu früheren Kunden gehörten Opel (BMW-Reihensechszylinder-Dieselmotor im Modell Omega),Land Rover (BMW-V8-Ottomotor im ModellRange Rover),Rolls-Royce (BMW-Zwölfzylinder-Ottomotor) sowieKaelble undMagirus (wo BMW-Motoren als Antriebsquelle für LKW verbaut wurden).
Fahrräder
BMW-Fahrrad ModellCruise Bike (2006)
Fahrräder von BMW gibt es bereits seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Das erste Patent auf einen Fahrradrahmen meldete BMW bereits 1950 an. In den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte der Münchener Automobilkonzern eine Serie von faltbaren Fahrrädern, die speziell auf die Bedürfnisse der Automobilkunden abgestimmt war. Im Jahr 2005 wurde dann eine ganz neue Fahrradgeneration vorgestellt, die eine breitere Modellpalette umfasste und mit handelsüblichen Komponenten ausgestattet wurde. Die Fahrräder der neuen Generation haben eine Reihe namhafter internationaler Auszeichnungen erhalten, u. a. denred Dot Design Award, deniF Design Award und den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland. Der Vertrieb dieser Fahrräder erfolgt über die BMW Handelsbetriebe und einen Berliner Fahrradhändler.
DieBMW M GmbH, Gesellschaft für individuelle Automobile ist ein Tochterunternehmen des Automobilherstellers BMW und verantwortlich für die Entwicklung und Produktion leistungsstarker Modifikationen einigerBMW-Modelle. Eines der ersten Ergebnisse der M GmbH war der unter wesentlicher Mithilfe vonAlpina gebaute BMW 3.0 CSL. Dieses deutlich erleichterte Modell desBMW E9 war ein erfolgreicher erster Schritt.
Studie BMW iVision Dynamics auf der IAA 2017iX3 und iX
BMW kündigte im Februar 2011 an, unter der SubmarkeBMW i ab 2013nachhaltige Mobilitätslösungen, also z. B. Elektromodelle anzubieten.[72] Hier fließen die Ideen ein, die seit 2007 unter dem Namenproject i entwickelt wurden.
Die ersten Modelle sind derBMW i3 (zunächst alsMegacity Vehicle bekannt) und derBMW i8 (zunächst alsBMW Vision Efficient Dynamics bekannt).
Im Juli 2011 hat BMW Konzeptfahrzeuge beider Modelle vorgestellt. Der BMW i3 wird ausschließlich durch einen 125 kW starken Elektromotor an der Hinterachse angetrieben. Er verfügt über vier Sitzplätze und einen etwa 200 Liter großen Kofferraum. Die maximal erreichbare Geschwindigkeit wird auf 150 km/h begrenzt, da bei höheren Geschwindigkeiten der Verbrauch überproportional ansteigen würde.
Der i8 dagegen ist ein Plug-in-Hybrid. Der Elektromotor in leicht abgeänderter Form aus dem i3 treibt die Vorderräder an, ein 170 kW starker Dreizylinder-Ottomotor[73] zusätzlich die Hinterräder. So ist eine Beschleunigung von unter 5 Sekunden auf 100 km/h möglich, der Norm-Verbrauch liegt unter drei Liter.[74]
2020 wurde der BMW iX3 vorgestellt. DasElektroauto basiert auf demBMW X3 (G01) und wird durch die fünfte Generation derBMW eDrive Technologie angetrieben. Er wird ausschließlich in China vonBMW Brilliance Automotive gefertigt.[75]
Im November 2021 erfolgte der Marktstart desBMW iX. Das rein batterieelektrisch angetriebene SUV verfügt über eine eigenständige Fahrzeugarchitektur und basiert nicht, wie der iX3 (G08), auf einem bestehenden X-Modell.[76]
Der BMW iX1 wurde 2022 präsentiert. Er basiert auf demBMW X1 (U11).[77]
Mit demiX3 (NA5) wurde im September 2025 das erste Modell der sogenanntenNeuen Klasse vorgestellt.[78]
BMW Group heute
Konzernzentrale München BMWBMW Z4Mini John Cooper Works GP (2020)Rolls-Royce Phantom (2018)R 1250 GS (2018)
Nach dem Ende des Rover-Projektes richtete sich die BMW Group neu aus und konzentrierte sich vorwiegend auf Fahrzeuge im Premium-Segment. Heute bietet die BMW Group mit den MarkenMini, BMW undRolls-Royce eine breite Produktpalette vom Kleinwagen bis zur High-End-Luxuslimousine an. Innerhalb der letzten Jahre konnte der weltweite Absatz u. a. durch neue Modellreihen auf über 2,2 Mio. Fahrzeuge pro Jahr gesteigert werden, gleichzeitig ist BMW nach Porsche und Toyota der rentabelste Automobil-Hersteller mit ca. 9 %Umsatzrendite (2015) und noch immer unabhängig. Die BMW Group betreibt Werke in Deutschland, Österreich, Großbritannien, Südafrika, USA undChina, wo BMW (wörtlich „Bao-Ma“) als „edles kostbares Pferd“ verstanden wird.
Die BMW Group ist unter den sogenannten Premiumherstellern führend bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes der Fahrzeuge. Entsprechend hatte das Unternehmen im Jahr 2008 als einziger europäischer Automobilhersteller die Anforderungen derACEA-Selbstverpflichtung zur Reduktion von CO2-Emissionen erfüllt.[79]
Am 1. März 2005 startete im neuenBMW-Werk Leipzig die Produktion der 1er- (E87) und 3er-Reihe (E90). Am 15. Juli 2025 begann zwischen BMW undMomenta eine Kooperation für autonomes Fahren in China.[80]
Die BMW Motoren GmbH (Werk Steyr) produzierte 2012 über eine Million Motoren (4- und 6 Zylinder Otto- und Dieselmotoren). Somit kommen rund 80 % der in den BMW-Fahrzeugen eingesetzten Motoren aus Steyr. Im Werk Steyr werden außerdem alle BMW-Dieselaggregate entwickelt (Diesel-Kompetenzzentrum in der BMW Group).
Im Juni 2022 hat BMW den Grundstein für ein CO2-neutrales BMW-Werk in der ungarischen StadtDebrecen gelegt.[82]
Vertrieb in Deutschland
Werbung eines Vertragshändlers mit BMW-Logo
Der Vertrieb wird über werkseigene Niederlassungen, die beispielsweise in ausgewählten Städten wieBonn,Dresden,Düsseldorf oderHamburg ansässig sind und damit bestimmte Regionen abdecken, und Vertragshändler, die in weiteren Städten (z. B.Köln) und den von BMW nicht mit Niederlassungen versorgten Regionen wie z. B. denRhein-Sieg-Kreis verbreitet sind, abgewickelt.
BMW engagiert sich imMotorsport, u. a. im Tourenwagensport (WTCC und24h-Rennen) sowie in diversen Nachwuchsserien (Formel BMW). Zwischen 2002 und 2010 sponserte das Unternehmen imRegattasegeln das TeamBMW Oracle Racing. BMW Oracle Racing gewann 2010 den 33.America’s Cup.[83] Die Tochter BMWDesignworksUSA arbeitet für Kunden im Industriebereich; u. a. für Sportbootwerften. Seine Beteiligung an derFormel 1 mitBMW-Sauber beendete BMW nach der Saison 2009.
Aktie und Aktionärsstruktur
Das Unternehmen ist sowohl mit stimmberechtigtenStamm- als auch stimmrechtslosenVorzugsaktien an derBörse notiert; das Grundkapital der Gesellschaft ist aufgeteilt in 639 Millionen Aktien.[4] Der stimmberechtigte Anteil davon sind rund 580 MillionenStammaktien.[84] Davon befinden sich 51,4 % imStreubesitz.[4] Der als Festbesitz geltende Anteil verteilt sich wie folgt:
Anteil
Anteilseigner (Daten beziehen sich nur auf stimmberechtigtes Grundkapital)[4]
9,4 %
Aqton SE, Bad Homburg v.d. Höhe (Stimmrechte werden Stefan Quandt zugeordnet)
17,2 %
Aqton GmbH & Co. KG für Automobilwerte, Bad Homburg v.d. Höhe (Stimmrechte werden Stefan Quandt zugeordnet)
21,5 %
Susanne Klatten Beteiligungs GmbH, Bad Homburg v.d. Höhe (Stimmrechte werden Susanne Klatten zugeordnet)
0,2 %
Susanne Klatten
0,2 %
Stefan Quandt
(Stand: 30. Juni 2023)
Die Stammaktien von BMW sind im deutschen LeitindexDAX; aufgrund der über die Jahre konstant überdurchschnittlich hohenDividendenrendite ist die BMW-Aktie seit September 2011 imDivDAX vertreten.[85]Darüber hinaus ist BMW auch Bestandteil der Nachhaltigkeitsindizes Dow Jones Sustainability Indices (DJSI) „World“ und „Europe“ sowie FTSE4Good.[86]
BMW hatte mit seinen Händlern imEuropäischen Wirtschaftsraum (EWR) vereinbart, keine Fahrzeuge an Kunden außerhalb des EWR zu liefern. AuchSchweizer konnten somit keine BMWs von ausländischen Händlern beziehen. Im Oktober 2010 hatte dieeidgenössischeWettbewerbskommission (Weko) eine Untersuchung gegen BMW eröffnet. DasBundesverwaltungsgericht wertete dies als unzulässigeWettbewerbsabsprache und erlegte dem Autokonzern eine Buße von 156 Mio. CHF auf. DasBundesgericht bestätigte mit dem am 10. November 2017 publizierten Entscheid diesen Vorentscheid des Bundesverwaltungsgerichts. EineBeschwerde von BMW wurde abgelehnt. Die Weko reagierte damit auf zahlreiche Beschwerden von Schweizer Kunden, die erfolglos versucht hatten, einen Neuwagen der Marken BMW oderMini im Ausland zu erwerben. Die Exportklausel ist seit 2003 in den Händlerverträgen zu finden. Zwischen Herbst 2010 und 2011 kosteten die Autos in der Euro-Zone im Durchschnitt 20 bis 25 % weniger als in der Schweiz.[108]
Bestechungsaffäre
Im Jahr 2006 gerieten BMW-Mitarbeiter im Rahmen der Bestechungsaffäre um den AutomobilzuliefererFaurecia in den Fokus der Staatsanwaltschaft. So wurde gegen mehrere Mitarbeiter ermittelt. Einer von diesen war Hauptabteilungsleiter imEinkauf bei BMW,[109] der gestand, von verschiedenen Zulieferern insgesamt rund eine Million Euro angenommen zu haben. Der Einkaufsleiter wurde vomLandgericht München zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt.[110]
Ein weiterer, in denUSA beschäftigter Mitarbeiter der Einkaufsabteilung von BMW hatte über mehrere Jahre hinweg von Faurecia bis zu 500.000 € Schmiergeld angenommen und dafür den französischen Zulieferer bei der Auftragsvergabe bevorzugt.[111] In der Folge verurteilte das Landgericht München den ehemaligen Einkäufer wegen Bestechlichkeit in neun Fällen zu zwei Jahren und neun Monaten Haft. Zuvor hatte der Angeklagte ein Geständnis abgelegt und 400.000 € an BMW sowie 168.000 € an das Finanzamt zurückgezahlt.[112]
Lobbyisten
2017 gab der Konzern 1,4 Millionen Euro für Lobbytätigkeiten in Brüssel aus. Im selben Jahr wurden 33 Treffen mit Vertretern derEU-Kommission registriert. In Deutschland gehören BMW und die Hauptanteilseigner Quandt/Klatten zu den größtenParteispendern. Seit dem Jahr 2000 spendete die Familie über 10 Millionen Euro an diverse größere Parteien.[113] Seit 2013 konzentriert sich der Automobilkonzern mehr auf themenbezogenes Parteisponsoring, da diese Art der Unterstützung meist nicht als offizielle Parteispende veröffentlicht werden muss.[114] Das PortalAbgeordnetenwatch kritisiert, dass 2015 die Forderungen eines Positionspapier derbayerischen Regierung zum Thema Emissionstests fast vollständig von BMW übernommen wurde. Ebenfalls gibt es, oft zeitlich versetzte, personelle Überschneidungen zwischen BMW und der Union und SPD.[115] Mindestens seit Oktober 2009 bis 2014 war der ehemaligeBundesaußenminister, Vizekanzler und Grünen-VorsitzendeJoschka Fischer als Lobbyist für BMW tätig.[116][117] BMW ist Mitglied imVerband der Automobilindustrie, in der European Automobile Manufacturers Association und dem Forum for the Automobile and Society.
Datenschutz im Auto
Am Beispiel einesBMW 320d ergaben Untersuchungen der ComputerzeitschriftC’t im Jahr 2016, dass dieses Fahrzeug erhebliche Datenmengen zu Fahrbetrieb, Fahrweise und persönlicher Nutzung aufzeichnet und über dasDiagnosegerät der Fachwerkstatt an BMW übermittelt. Das Vorgehen wird „FASTA“ genannt („Fahrzeugbetriebs- und Servicedaten-Transfer und -Analyse“).[118]
Ferner speichert dasInfotainmentsystem die Telefonbücher verbundener Handys,SMS und weitere personenbezogene Daten mit kaum wirksamen Schutzmechanismen, die sich vermutlich auch nach einem Löschen (über das Infotainmentsystem) rekonstruieren lassen. (Diese Daten werden wohl nicht an BMW übermittelt.)[118]
Laut Werkstattdokumentation für dieEU-Version des Autos speichere auch dasAirbag-Steuergerät Fahrdaten der letzten Sekunden vor einem Auslösen. Dies ist in denUSA die Regel, nicht jedoch in Europa.[118]
Noch mitteilsamer zeigte sich einBMW i3REX, der über ein eigenesMobilfunkmodul z. B. bei jedem Ausschalten direkt Daten an BMW sendet (unverschlüsselt), inklusiveGPS-Standort. Darüber kann einBewegungsprofil des Fahrzeugs erstellt werden, was personenbezogene Rückschlüsse ermöglicht. GPS-Daten werden auch erhoben und versendet, wenn im Einstellmenü die GPS Ortung „ausgeschaltet“ ist. Viele dieser Daten lassen sich auch nachträglich leicht aus dem Steuergerät auslesen/rekonstruieren, z. B. durch den Käufer eines Gebrauchtwagens oder einen Werkstatt-Techniker, womit Schlüsse auf den Gebrauch der letzten Wochen des (vorherigen) Fahrzeugnutzers möglich sind.[118]
Rolle im Abgasskandal – Dieselnachrüstung
Auch BMW lieferte in Deutschland Dieselautos der AbgasnormEuro5 ohneSCR-Katalysator aus, dabei war diese Nachrüstung einiger Modelle schon vorgesehen und statt des SCR-Katalysators nur Auspuffrohr verbaut. ZDFFrontal21 recherchierte, dass BMW seit Ende 2008 Dieselautos für den US-Markt serienmäßig damit ausstattete. Die unterschiedliche Ausstattung begründet BMW auf Nachfrage mit der in den USA schon damals geltenden anderen Rechtslage.[119]
Im Februar 2019 wurde BMW wegen fahrlässiger Aufsichtspflichtverletzung von der Staatsanwaltschaft München (I) zu einer Bußgeldzahlung von 8,5 Millionen Euro verpflichtet. Da kein Betrug nachgewiesen wurde, fiel die Höhe der Strafzahlungim Vergleich zu den anderen Automobilherstellern gering aus.[120]
Der Autobauer BMW muss wegen des Vorwurfs manipulierter Verkaufszahlen in den USA eine Strafe von umgerechnet 15 Millionen Euro zahlen. Die US-FinanzmarktaufsichtSEC erklärte im September 2020, BMW habe zwischen 2015 und 2019 seine Verkaufszahlen durch „fehlerhafte und irreführende“ Angaben künstlich in die Höhe getrieben. Damit habe der Autobauer die Lücke zwischen tatsächlichen Verkaufszahlen und internen Zielvorgaben überbrückt und öffentlich eine Führungsposition im Premiumsegment für sich beansprucht. Zugleich habe BMW in den USA in dem Zeitraum rund 18 Milliarden Dollar an Investorengeldern eingesammelt.[121]
Dividendenzahlungen in der Coronakrise
Oxfam kritisierte während derCorona-Krise multinationale Konzerne, darunter BMW: während Mitarbeiter sich in Kurzarbeit befänden, seien von BMW beispielsweise 1,6 Milliarden Euro an Dividenden für das Jahr 2019 ausgezahlt worden.[122] AlleinStefan Quandt bezog eine Dividende von 425 Millionen Euro,Susanne Klatten bekam 344 Millionen Euro.[123] Auch Vertreter derDeutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisierten die Höhe der Dividendenausschüttung, da 30.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit waren.[124][123] BMW-Chef Oliver Zipse verwies darauf, dass die Erfolgsbeteiligung der Mitarbeiter an die Dividende gekoppelt sei.[123] Jeder Mitarbeiter erhalte 5900 Euro,[125] eine Summe von 531 Millionen Euro für die deutsche Belegschaft, die bei Ausfall der Dividende nicht hätte gezahlt werden können.[123] Im Jahr 2021 wurde eine deutlich reduzierte Dividende ausgezahlt.[126]
Manfred Grunert, Florian Triebel:Das Unternehmen BMW seit 1916. Hrsg.: BMW Group Mobile Tradition. BMW Group Mobile Tradition, München 2006,ISBN 978-3-932169-46-5.
Horst Mönnich:BMW: eine deutsche Geschichte. Piper, München 2004,ISBN 3-492-04618-5.
David Kiley:Driven: Inside BMW, the Most Admired Car Company in the World. Wiley, 2004,ISBN 978-0-471-26920-5,S.328.
Constanze Werner:Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit bei BMW. Oldenbourg, München 2006,ISBN 978-3-486-57792-1 (Im Auftr. von MTU Aero Engines und BMW Group).
Andrew Noakes:BMW. Vom 328 Roadster und der Isetta bis zum 5er Gran Turismo. Parragon Books, Bath 2010,ISBN 978-1-4075-6814-0.
↑Höhenflugrekord Franz Zeno Diemers. In: BMW Geschichte. BMW AG, 17. Juni 1919, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 16. Februar 2023; abgerufen am 11. Juni 2016 (Dokument im BMW Group Archiv): „Der BMW Testpilot Franz Zeno Diemer startet am 17.06.1919 mit einerDFW F37/III („C-IV“) vom Oberwiesenfeld aus und erringt den ersten (noch inoffiziellen) BMW Weltrekord; einen Höhenflugrekord über 9.760 m mit einem Flugzeug, das ein BMW Motor IV, ein Nachfolgemotor des IIIa, antreibt.“
↑Zeit Online:Abgasskandal: BMW muss niedrige Millionenstrafe zahlen. In:Die Zeit. 25. Februar 2019,ISSN0044-2070 (Online [abgerufen am 25. September 2019]).