Avricourt, rue du Temple, mit der evangelischen Kirche im Hintergrund (Aufnahme 2014)Deutsch-Avricourt um 1915Deutscher Grenzbahnhof bis 1918:Deutsch-Avricourt an derBahnstrecke Paris–Straßburg (Hintergrund), vorne die deutsch-französische GrenzeEmpfangsgebäude des deutschen GrenzbahnhofsDeutsch-Avricour
Der Ort wurde 1127 erstmals alsAvricorth erwähnt, dann 1142 als Albsidingen, 1435 Ellefringen, 1484 Elfferingen, 1513 Elferingen, 1618 Elbringen.[1][2] Das Dorf gehörte früher zur Hälfte zumHerzogtum Lothringen und zur anderen Hälfte zumBistum Metz und der GrafschaftRixingen.[3]
Nach demdeutsch-französischen Krieg 1870/71 schlossen die beiden Länder denFrankfurter Frieden vom 10. Mai 1871. Dadurch kam der Teil der Region, der zumBistum Metz gehört hatte, zumDeutschen Reich; er wurde demKreis Saarburg im neu gebildetenBezirk Lothringen, imReichsland Elsaß-Lothringen zugeordnet. Bis 1871 gab es nur eine Gemeinde namens Avricourt, künstlich durch dieBahnstrecke Paris–Nancy–Straßburg getrennt. Die Teilung erfolgte 1871; der Nordteil Avricourts kam zu Deutschland. Da derBahnhof Igney-Avricourt im Südteil Avricourts und damit in Frankreich lag, wurde 1875 auf deutscher Seite ein eigener Grenzbahnhof errichtet. Der deutsche Nordteil von Avricourt hieß nunmehr amtlichDeutsch-Avricourt und wurde 1915 inElfringen umbenannt, der BahnhofElfringen (Lothr.).[4] Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 zogen sich die deutschen Truppen zurück, die französischen Truppen besetzten das deutsche Avricourt. Viele Bewohner wurden interniert, da sie unter dem Verdacht der Zusammenarbeit mit den Deutschen standen.[5]
Nach demErsten Weltkrieg kam Avricourt wieder in den Besitz Frankreichs. Er blieb aber eine eigenständige Gemeinde und wurde nicht wieder mit dem Südteil (heutige NachbargemeindeAvricourt imDépartement Meurthe-et-Moselle) zusammengeschlossen.Die Region musste aufgrund der Bestimmungen desVersailler Vertrags 1919 an Frankreich abgetreten werden, der Bezirk Lothringen blieb in seinen geographischen Ausmaßen erhalten und wurde inDépartement Moselle umbenannt.
Georg Lang:Der Regierungs-Bezirk Lothringen. Statistisch-topographisches Handbuch, Verwaltungs-Schematismus und Adressbuch, Metz 1874, S. 163 (books.google.de).
↑Franz Xaver Kraus:Kunst und Alterthum in Elsass-Lothringen. Beschreibende Statistik. Band III:Kunst und Althertum in Lothringen, Friedrich Bull, Straßburg 1886, S. 25 (books.google.de).
↑Eisenbahndirektion Mainz (Hg.):Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 30. Oktober 1915, Nr. 54. Bekanntmachung Nr. 721, S. 350f.