DieAvocado (Persea americanaMill., auchPersea gratissimaC.F.Gaertn.) ist eine Pflanzenart aus derFamilie derLorbeergewächse (Lauraceae). Die Frucht ist aus botanischer Sicht eineBeere und erhielt historisch viele andere, heute seltene Bezeichnungen wie etwaAvocadobirne,Alligatorbirne oderButterfrucht.[1]
Der Avocadobaum hat seinen Ursprung in Südmexiko und wurde bereits von derCoxcatlán-Kultur inTehuacánkultiviert. Im tropischen und subtropischen Zentralamerika wird die Frucht seit etwa 10.000 Jahren genutzt.[7][8] Erwähnt wurde die Avocado zum ersten Mal im Reisebericht des spanischen Historikers und EroberersPedro de Cieza de León. Er notierte, dass die Avocado(aguacate) inPanama,Ecuador,Kolumbien undPeru wachse.[9] Die Spanier brachten sie in dieKaribik, nachChile undMadeira, bis sie im Lauf des 19. Jahrhunderts Verbreitung bis nach Afrika,Madagaskar,Malaysia und auf die Philippinen fand. Im Mittelmeerraum wird die Avocado seit Anfang des 20. Jahrhunderts angebaut.
Erst nach demZweiten Weltkrieg wurden Avocado im größeren Stil exportiert – zunächst nur in die USA, nach Europa und in die am stärksten verwestlichten Länder Ostasiens. Unter den europäischen Ländern war Frankreich mit Abstand der größte Importeur (mit 80.000 Tonnen im Jahr 1994), gefolgt vonGroßbritannien (mit 15.000 Tonnen) und den Niederlanden und Deutschland (beide je ca. 10.000 Tonnen). Deutschland bezog damals seine Avocados fast ausschließlich über Frankreich.
Die in Europa verkauften Avocados stammen meist aus Israel, Südafrika oder Spanien. Mittlerweile steigt auch der Anteil an Avocados aus Italien, Peru und Chile.
Die Bezeichnung „Avocado“ geht auf dasNahuatl-Wortahuacatl zurück, was in dieser Sprache sowohl für Avocado als auchHoden steht.[10] Durch einevolksetymologische Umbildung wurde daraus in älteremSpanischavocado („Advokat“, Spanisch heuteabogado), das im 20. Jahrhundert insDeutsche übernommen wurde. Der moderne spanische Nameaguacate ist direkt aus dem Nahuatl-Wort entlehnt.[11] Im südamerikanischen Spanisch sind auch andere Bezeichnungen üblich, so das aus demQuechua stammende Wortpalta inArgentinien, Chile,Bolivien und Peru.
Früher wurde die Avocado gelegentlich auch alsAbacata oderAbacate bezeichnet (nach dem Portugiesischen) und im Deutschen wegen der Konsistenz des Fruchtfleisches alsButterfrucht, Butterbirne oder aufgrund ihrer Form und der Beschaffenheit ihrer Schale alsAlligatorbirne.
Das WortGuacamole, das eine mexikanische Avocadocreme bezeichnet, stammt von dem Nahuatl-Wortahuacamolli, das etwa Avocadosauce bedeutet. 1519 wurde die Avocado erstmals von einem europäischen Autor erwähnt. Der SpanierMartín Fernández de Enciso schrieb in seinem BuchSuma de geografía que trata de todas las partidas y provincias del mundo, dass die Avocado beiSanta Marta in Kolumbien angebaut werde.[12]
DieRinde des Stammes ist mehr oder weniger glatt und aschgrau. Das Holz ist weich und die spärlich, fein behaartenZweige können bei Wind leicht abbrechen. Die Art des Wurzelwachstums hängt stark vom Untergrund ab. Die Rinde enthält antibakterielle Stoffe.[13]
Der Avocadobaum besitzt recht große, spiralig angeordnete, dunkelgrüne bis grünbräunliche, elliptische, eiförmig bis lanzettliche, spitze bis zugespitzte und glänzende ledrige dicklicheBlätter.[3] DieLaubblätter sind bis zu 45 Zentimeter lang. Die Blätter sind bis etwa 5 cm lang gestielt, der Spreitenrand ist ganz, die Basis ist keilförmig bis rundspitzig. Die jungen Blätter sind oft rötlich und fein behaart, später ist die Unterseite ganz fein behaart, die Oberseite nur leicht. DieNervatur ist fiedernervig mit ausgeprägter Mittelrippe. Die Blätter werden im Winter nicht abgeworfen, sind alsoimmergrün, die Pflanze benötigt daher viel Licht. Die Blätter vonP. americana var.drymifolia und verwandten Sorten haben, wenn man an ihnen reibt, einen leicht anAnis erinnernden Geruch.[14] Die Blätter enthalten dasToxinPersin sowieAlkaloide undTerpenoide.[13][15]
Ein Avocadobaum bildet normalerweise erst nach etwa zehn oder mehr Jahren Blüten aus, allerdings gibt es Züchtungen, bei denen schon nach zwei Jahren Blüten und Früchte produziert werden.[3][16] Die kleinen, etwa 5–8 mm langen, kurz gestielten, gelblich bis grünlichenBlüten stehen in rispenartigen, end- oder achsenständigen Blütenständen.[14]
Die Blüte der GattungPersea hat die für Lorbeergewächse typische Blütenform mit jeweils drei behaarten Kelch- und Kronblättern, die relativ ähnlich aussehen. Nach anderer neuerer, wohl korrekter Auffassung ist es einPerigon mit sechsTepalen. Es ist ein kleiner, flacherBlütenboden vorhanden. Angeordnet in vier Kreisen zu je dreien sind 12Staubblätter. Davon sind auf den äußeren drei Kreisen neunfertil, drei im vierten Kreis sind zu kurzen pfeilförmigen Staminodien zurückgebildet. Am Grunde der Staubblätter des dritten Kreises befinden sich je zwei gelb-orange „Drüsen“ (Nektarien), auch die drei Staminodien sondern Nektar ab. Die Staubbeutel bestehen in der Regel aus vier Pollensäcken.[14] Der behaarte unikarpellateFruchtknoten ist oberständig mit einem einfächrigen Ovar. Die bitegmischeSamenanlage (zweiIntegumente enthaltend) istanatrop undcrassinucellat. Der kurzeGriffel trägt eine leicht gelappteNarbe. Die meisten Blüten an einem Baum sind anormal odersteril und bringen keine Früchte hervor.
Avocado der Sorte 'Hass'Avocado der Sorte 'Fuerte'Dikotyler Samen der Avocado
Die Avocadofrucht ist eine einsamigeBeere; sie zählt zumObst.[18][19] Sie ist meist birnenförmig, es gibt aber auch rundliche und eiförmige Früchte. Sie ist zwischen 7 und 20 cm lang und etwa 5 bis 9 cm breit.[14] Das Gewicht der Früchte kann bei den Sorten Choquette und Pollock mehr als 1 kg betragen, Avocados aus tropischen Ländern wiegen meist zwischen 500 und 900 g. Je nach Art ist die ledrige, runzlige bis noppige oder auch glatte, wachsige Außenschale (Exokarp) mittel- bis dunkelgrün, kann aber auch dunkelrot oder purpur bis schwarz sein.
Im Inneren befindet sich ein etwa golfballgroßer Samen; er macht circa 13–18 % der gesamten Frucht aus.[20] Der rundliche bis eiförmige Samen besteht aus zwei Hälften, den beiden großen weichlichen Keimblättern, die den kleinen Embryo umschließen. DasEndosperm wird im Wachstum von den Keimblättern aufgenommen. Der Samen wird von einer braunenSamenschale (Testa) umhüllt. Das weicheFruchtfleisch ist grüngelb bis goldgelb und oxidiert zu einer dunklen Farbe, sobald es der Luft ausgesetzt ist; dies kann durch schnelle Zugabe vonAntioxidantien wie der in Zitronensaft enthaltenenAscorbinsäure verhindert werden. Das Fruchtfleisch, aber auch die Samen enthalten bis zu 30 % Fett. Die Samen enthaltenTannine undPhytinsäure sowie Alkaloide.[21][22]
Die im Handel angebotenen Früchte sind manchmal noch hart, aber sie zählen zu denklimakterischen Früchten, reifen also nach. Wenn die Schale auf Druck leicht nachgibt, ist die Frucht zum Verzehr geeignet. Der Nachreifeprozess kann durch dasPhytohormonEthen beschleunigt werden, indem die Frucht beispielsweise in Zeitungspapier eingewickelt oder zusammen mitÄpfeln gelagert wird.
Avocadofrüchte reifen in keinem Fall am Baum aus, sondern fallen auch ohne Pflücken in einem harten „grünen“ Zustand zu Boden, wo sie rasch reifen. Im Anbau werden die Früchte daher gepflückt, sobald sie eine marktfähige Größe erreichen.
Die über 400 handelsüblichen Sorten sind alle durch Züchtung und Kreuzung aus drei in der Natur vorgefundenen Typen entstanden:M(exiko),W(estindien) undG(uatemala).[23][24]
Die Sortenbezeichnungen verweisen meist auf den Namen des Züchters.[26][27][28]
Sorte
Typ
Im Handel seit
Ursprungsort
Frucht Form
Gewicht min. [g]
Gewicht max. [g]
Haut Farbe
Haut Dicke
Haut Textur
Samen Größe
Bemerkung
Avocadito
G x M
?
Chile/Israel
Finger
010
0030
grün/schwarz
dünn
glatt
ohne
Cocktail-Avocado von Sorte Fuerte (unbefruchtet)
Booth 7
G x W
1935
Florida: Homestead
Ellipsoid rund
280
0560
grün
dick
rau
mittel
10–14 % Fett
Booth 8
G x W
1935
Florida: Homestead
Ellipsoid lang
400
0800
grün
dick
rau
mittel
6–8 % Fett
Choquette
G x W
1939
Florida: Miami
Ellipsoid
850
1200
grün
dick
glatt
mittel
ca. 13 % Fett
Edranol
G x ?
1932
Kalifornien: Vista
Birne schmal
250
0510
grün
mittel
mittel
klein
Ettinger
M x ?
1947
Israel: Kfar Malal
Birne schmal
250
0570
grün
dünn
glatt
groß
Fuerte
G x M
1911
Mexiko: Puebla
Ellipsoid
250
0450
grün
mittel
mittel
mittel
18–26 % Fett
Hass
G x ?
1932
Kalifornien: La Habra
Ei schmal
140
0400
grün/schwarz
mittel
rau
mittel
18–25 % Fett
Nabal
G
1917
Guatemala: Antigua
Kugel
450
0850
grün
dünn/mittel
glatt
groß
Pinkerton
G x ?
1974
Kalifornien: Saticoy
Birne lang
250
0510
grün
mittel
rau
klein
Kreuzung Hass x Rincon
Puebla
M
1911
Mexiko: Atlixco
Ei rundlich
170
0450
schwarz
dick
glatt
groß
Reed
G
1960
Kalifornien: Carlsbad
Kugel
480
0700
grün
mittel
mittel
groß
Pollock
W
1896
Florida: Miami
Birne lang
560
1400
grün
mittel
glatt
groß
3–5 % Fett
Waldin
W
1909
Florida: Homestead
Ellipsoid lang
400
0800
grün
mittel
glatt
mittel/ groß
6–10 % Fett
Zwei Früchte vom HabitusFuerte und eine kleine samenloseAvocadito
Der weltweit meistverbreitete Typ istFuerte, eine birnenförmige Avocado mit mittelgrüner Schale und hellgelbem, zum Rand hin grünlichem Fruchtfleisch. Die Sorte erreicht ein Gewicht von 250 bis 450 g.
In vielen Ländern, wie beispielsweise in den USA,Frankreich und der Schweiz, dominiert die SorteHass. Bei dieser Sorte handelt es sich nicht um eine gezielte Züchtung, sondern um einenZufallssämling. Der Kalifornier Rudolph Hass fand den Baum in den 1930er Jahren in seinem Garten.[29] Von diesem einen Baum stammen alle heutigenHass-Avocado-Bäume ab, die in Israel, Kalifornien,Mexiko, Chile, Spanien, Australien undNeuseeland angebaut werden.
Die Frucht der SorteHass ist kleiner als die derFuerte und rundlich und besitzt eine dicke, warzige Schale. Ihre Reife erkennt man daran, dass sich die Schale dunkelviolett verfärbt; sie lässt sich auch ertasten. Die Frucht wiegt zwischen 140 und 400 g. Bei kleinen Früchten von 140 g wiegt die Schale rund 12 g, der kugelige Samen 12 bis 25 g, bei großen bis zu 50 g. In den letzten Jahren wird die Sorte auch in Deutschland immer verbreiteter. Ähnlich wie die Sorte Hass ist die aus Südafrika stammende SorteMaluma.
Eine Besonderheit ist eine samenlose Avocado, genanntAvocadito,Cocktail-Avocado,Cuke,Finger-Avocado oderMini-Avocado.[30] Diese Form entsteht aus unbefruchteten Blüten hauptsächlich der SorteFuerte. Früher betrachtete man diesen Effekt als Ernteverlust und versuchte, ihn zu vermeiden. Seit einigen Jahren werden Avocaditos gezielt geerntet. Die Früchte sind nur 5 bis 8 cm groß mit dünner Schale und können ausgedrückt werden. Sie werden hauptsächlich aus Kalifornien, Israel und Südafrika geliefert.
Es gibt auch sehr ähnliche Wildfrüchte der verwandten PflanzenartenBeilschmiedia anay undBeilschmiedia mexicana, ebenfalls Lorbeergewächse, aus Mexiko sowie die wilden Avocados vonPersea schiedeana. Diese avocadoähnlichen Früchte werden auch lokal genutzt und sehr geschätzt.
Die Zusammensetzung schwankt naturgemäß in Abhängigkeit von der Sorte, den Umweltbedingungen (Boden, Klima) und der Anbautechnik (Düngung, Pflanzenschutz). Durchschnittliche Werte je 100 g essbarem Anteil:[32]
Es gibt acht vorläufige klinische Studien, die zeigen, dass der Konsum von Hass-Avocados die kardiovaskuläre Gesundheit unterstützt. Explorative Studien legen nahe, dass Avocados das Gewichtsmanagement und das gesunde Altern unterstützen können.[34]Übergewichtige Menschen können durch täglichen Verzehr denCholesterinwert senken. Verantwortlich soll der Gehalt aneinfach ungesättigten Fettsäuren sein. Der Effekt ist jedoch gering im Vergleich zu einer medikamentösen Therapie mitStatinen.[35] Eine Metaanalyse aus dem Jahre 2018 über achtzehn verschiedene Studien über den Zusammenhang vonkardiovaskulärer Erkrankung und der Avocado fand heraus, dass die Avocado-Aufnahme zu keinem Unterschied in den Serum-TC-, LDL-Cholesterin- und TG-Konzentrationen führte. Die Serum-HDL-Cholesterin-Konzentrationen mit signifikanterHeterogenität stiegen jedoch. Der Zusammenhang sollte jedoch durch gut durchgeführteprospektive Beobachtungsstudien oder Langzeitstudien bestätigt werden.[36] Antioxidantien in Avocados könnten möglicherweise eine präventive Rolle bei neurodegenerativen Erkrankungen spielen.[37]
Die Familie der Lorbeergewächse umfasst etwa 50Gattungen mit rund 2000 bis 2500Arten. Die GattungPersea besteht aus 150 Arten (inklusive der UntergattungenMachilus undEriodaphne), die vom atlantischenNordamerika bis nach Chile und vomIndisch-malayischen Gebiet bis nachJapan verbreitet sind.
AußerPersea americana wird auch eine weiterePersea-Art als Avocado bezeichnet: dieWilde Avocado (Persea schiedeana), die auch als „Bergavocado“ (spanischAguacate del monte), Yas oder Coyo(u), Zucte u. a.[38] bekannt ist. Diese Art besitzt die Fähigkeit, Lichtungen und Abholzungen zu besetzen.[39]
Wildtyp-Avocados ausOaxaca. Die dunkle Haut ist für nicht gezüchtete Früchte typisch
BeiPersea americana können zahlreiche Varietäten unterschieden werden: (diese sind alle obsolet geworden, sie werden nur noch als Synonyme geführt)
Persea americanaMill. var.americana – Typ „Westindien“
Persea americana var.drymifolia(Schltdl. & Cham.) S.F.Blake – Typ „Mexiko“
Persea americana var.floccosa(Mez) Scora
Persea americana var.guatemalensis(L.O.Williams) Scora – Typ „Guatemala“
Persea americana var.nubigena(L.O.Williams) L.E.Kopp
Persea americana var.steyermarkii(C.K.Allen) Scora
Nur die drei Varietäten, die auch als die Typen „Westindien“, „Mexiko“ und „Guatemala“ bezeichnet werden, haben wirtschaftliche Bedeutung. Die handelsüblichen Sorten sind durch Züchtung und Kreuzung dieser drei Varietäten entstanden.[40] Siehe dazu#Sorten. Die ursprüngliche, nicht gezüchtete Form der Avocado wird im Spanischencriollo genannt.
Für die natürliche Verbreitung der Samen wird angenommen, dass diese überEndochorie erfolgt: Hierbei fressen Tiere Früchte und scheiden deren Samen später in weiter Entfernung von der Mutterpflanze mit ihremDung wieder aus. Jedoch sind keine Tierarten bekannt, die heutzutage die großen Avocadofrüchte fressen.Daniel Janzen undPaul Martin postulierten in den 1980er Jahren, dass es Pflanzenarten gibt, die sich in einerökologischen Beziehung mit großen, mittlerweile ausgestorbenen Säugetieren (Megafauna) entwickelten („neotropischer Anachronismus“ bzw. „evolutionärer Anachronismus“).[41][42] Da diese großen Säugetiere ausgestorben sind, hat der Avocadobaum heute keine natürliche Samenverbreitungstechnik mehr; durch den Menschen ist er allerdings trotzdem erhalten geblieben.
Teilweise wurde über das südamerikanischeRiesenfaultier als ausgestorbener Riesensäuger für die Verbreitung der Avocado spekuliert.[43] Hierfür gibt es weder Belege aus der Ursprungsarbeit von Janzen und Martin noch dafür überzeugende Evidenzen. So waren Riesenfaultiere ursprünglich in der Region des heutigen Argentiniens, Paraguays und Uruguays verbreitet; zu der damaligen Zeit waren die ersten echten Avocados aber im heutigen Mexiko[2] verortet.[44] Ob Riesenfaultiere wieMylodon darwinii tatsächlich Avocados aßen, ist daher zweifelhaft.[45]
Da Avocadokerne vor 10.000 Jahren kleiner waren, deutet das darauf hin, dass die heutzutage vorherrschenden großen Kerne durch menschliche Auswahl entstanden sind. Moderne Avocados verdanken ihre Existenz demnach nicht großen Säugetieren, sondern denMesoamerikanern, die sie kultivierten.[2][46][47] Sie bauten Avocados an und wählten wahrscheinlich Früchte mit größeren Kernen, da jene möglicherweise zu größeren Früchten oder besserem Wachstum führten. Hierbei wurden Avocados mindestens dreimal an verschiedenen Orten in Zentralamerika domestiziert.
Geöffnete Blüten vonPersea americana. Diese Blüte befindet sich in der männlichen Phase, man sieht die aufgerichteten Staubblätter. In der Mitte sieht man die gelben Staminodien und Nektarien
Der Avocadobaum hatzwittrige Blüten, bei denen die Geschlechtsorgane zu unterschiedlichen Zeiten reifen (intrafloraleDichogamie), wobei die männlichen und weiblichen Fortpflanzungsorgane auf einer Pflanze zu verschiedenen Zeiten am Tag erscheinen oder reifen; synchrone Dichogamie (temporaleDiözie) oder synchrone dichogameProterogynie, weil hier die weiblichen zuerst reifen. In der weiblichen Phase sind die Staubblätter und die Petalen zurückgelegt.
Damit eine Bestäubung stattfindet, braucht es eine zeitliche Überlappung der weiblichen und männlichen Öffnungszeiten. Die meisten Avocadokulturen, zumindest bei den subtropischen Rassen, weisen eine tägliche Periode von 1–3 Stunden der Selbstüberlappungsphase auf, in der die weiblichen und die Pollen freisetzenden männlichen Blüten gleichzeitig erscheinen.
Um die Bestäubungsrate zu erhöhen, werden verschiedene Kultivare mit verschiedenen Blütentypen im selben Garten angebaut; man unterscheidet die Kultivare anhand der Blütentypen (Typ A und Typ B), die sich zu unterschiedlichen Zeiten öffnen.[49][50]
Typ A: Die Blüten öffnen sich morgens am ersten Tag mit fertiler Narbe als weibliche Blüte und schließen sich um 12 Uhr. Am nächsten Tag öffnet sich dieselbe Blüte um 12 Uhr bis zum Abend als fertile männliche Blüte mit unempfänglicher Narbe, die Staubgefäße sind nach oben gebogen, nun werden im Staubbeutel Pollen produziert.
Typ B: Komplementär zu Typ A öffnen sich die Blüten am ersten Tag nachmittags weiblich, am nächsten Tag morgens männlich.
Die weiblichen Blüten des Baumes öffnen sich während eines Zeitraums von etwa zwei Stunden nacheinander und fungieren als zwei getrennte Populationen. Die früh öffnenden weiblichen Blüten vom Typ A sind nur der Fremdbestäubung ausgesetzt, während die Spätöffnenden sowohl derKreuz- (Xenogamie) als auch der Nahbestäubung (Geitonogamie) ausgesetzt sind. Im Gegensatz dazu sind die frühen weiblichen Blüten des Typs B beiderlei Bestäubungsformen ausgesetzt, während die später öffnenden nur der Kreuzbestäubung ausgesetzt sind.
Allerdings sind die Zyklen dieser beiden Typen oft nicht so markant wie hier dargestellt, sondern werden u. a. durch die Temperatur beeinflusst und können schwanken.
Die Keimzeit eines Avocadosamens liegt abhängig von der Bodentemperatur zwischen vier und sechs Wochen. Für den Anbau benötigt man Standorte mit lockerem Substrat.[3] Davon abgesehen stellen Avocadopflanzen prinzipiell keine hohen Anforderungen an die Bodenbeschaffenheit. Sie bevorzugen aber nährstoffreiche Böden und reagieren empfindlich auf Salz. Die Pflanzen benötigen sehr viel Wasser, der Boden darf aber gleichzeitig nicht zu stark durchnässen. Im modernen Anbau wird daher künstlich bewässert, um die Wasserzufuhr zu kontrollieren. Avocado-Pflanzen brauchen viel Licht, mindestens 2000 Sonnenstunden im Jahr. Auf stärkeren Wind reagieren die Bäume empfindlich, Zweige können leicht abbrechen. Schon bei leichtem trockenem Wind können die Blüten austrocknen. Die Einzelpflanzen werden je nach der Größe, die sie im ausgewachsenen Zustand erreichen, auf Plantagen in einem Abstand von 6–10 m gepflanzt.[51]
In den Ölzellen der gesamten Pflanze kommen das ToxinPersin und andere giftige Stoffe vor, die fungizid, antibakteriell und insektizid wirken. Vor allem in den Schalen von unreifen Früchten und in den Blättern ist die Konzentration dieser Giftstoffe erhöht.[15][53][54] In Nordamerika, wo die guatemaltekische und die mexikanische Art am verbreitetsten sind, wird vor den Folgen von Avocadofraß der guatemaltekischen Art (Reed variety) bei mehreren Nutztieren gewarnt (insbesondere bei Ziegen und Pferden, bei denen es zu langfristigen Milcheinbußen sowie zu Herzversagen kommen kann, aber auch bei Rindern); bekannt ist auch mindestens ein Fall einer Vergiftungsreaktion eines Käfigvogels.[55]
Bei der Fruchtreife erfährt Persin eine fortschreitende enzymatische Zerstörung, die allmählich die Konzentration in der Frucht verringert.[56] Es ist für viele Säugetiere, Vögel und Fische giftig und verursacht vor allemHerzmuskelschäden undMilchdrüsenentzündungen.[57] In der menschlichen Ernährung, wo das Fruchtfleisch Verwendung findet, gilt Persin als ungefährlich. Für Tiere, welche es in größeren Mengen aufnehmen, z. B. durch die Blätter, stellt es eine Gefahr dar.[54][58][59]
Avocadobäume sind insgesamt relativ robust. Als fast einzige Schädlinge gelten vier Pilze:
Phytophtora cinnamonii greift bevorzugt verletzte Wurzeln und den unteren Teil des Stammes an und verursacht Wurzelfäule, die zum Absterben der gesamten Pflanze führen kann. Warme oder durchnässte Böden fördern die Ausbreitung des Pilzes.[8]
Colletotrichum gloeosporioides greift die noch am Baum hängenden jungen Früchte an. Er verursacht kleine trockene dunkle Flecken auf der Haut der Frucht. Das Fruchtfleisch darunter verfärbt sich schwarz.
Cercospora purpurea (auchPseusocercospora purpurea) befällt die Früchte und bildet auf ihnen zunächst hellgelbe, später dunkle rostrote Krater.
Sphaceloma perseae befällt die Haut der Avocadofrucht und führt zu einem Schorf, der häufig große Ernteschäden verursacht.
Viruserkrankungen und Insektenschäden spielen kaum eine Rolle. Die einzige bekannte Viruserkrankung sind die sog. „Sonnenflecken“, die 1928 in Kalifornien auftraten. Das Virus scheint nur durch Pollen, Samen etc. und nicht durch Insekten übertragen zu werden.[8]
Insekten, die die Früchte oder die Pflanzen selber schädigen, gibt es zwar viele, sie treten aber meist nur lokal begrenzt in größerem Maßstab auf.
Der Avocado-Baum wird heute in über 400 Kultursorten weltweit angebaut.[5]
Nicht alle Früchte an einer Pflanze reifen gleichzeitig. Im industriellen Anbau wird daher der Ölgehalt als Reifekriterium verwendet, denn Avocados zeigen ihre Reife nicht durch Hautfarbe oder Ähnliches an. Reife Früchte können einige Zeit am Baum hängen; sie werden erst weich, wenn man sie erntet.
Die Produktivität einer Plantage hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. dem herrschenden Klima. In Kalifornien und Israel beträgt sie 8–12 Tonnen pro Jahr und Hektar, in Südafrika 12–15. Vom finanziellen Standpunkt lohnt sich der Anbau ab ca. 8–10 t/a und pro ha.[51]
Am Anbau wird die schlechteÖkobilanz kritisiert. Begründet wird dies in erster Linie mit dem hohen Wasserverbrauch, der sich in Regionen mit geringen Wasservorräten schädlich auswirkt[4]. Zur Produktion von 1 kg Avocados werden im weltweiten Durchschnitt rund 1000 Liter Wasser verbraucht (zum Vergleich: etwa 180 Liter Wasser für 1 kg Tomaten).[60] Für die Erzeugung einer einzigen Avocado sind inChile im Schnitt 70 Liter Wasser nötig, in einigen Regionen sogar über 300 Liter. Der enorme Wasserverbrauch des Avocado-Anbaus hat in der chilenischenProvinz Petorca zum Austrocknen ganzer Flüsse geführt.[61] Der Staat vergibt dort dieNutzungsrechte für Wasser an Dritte.[62] Der chilenische Agraringenieur und MenschenrechtsaktivistRodrigo Mundaca erhielt im Jahr 2019 für sein Engagement für das Grundrecht auf Wasser denInternationalen Nürnberger Menschenrechtspreis.
InMexiko werden Wälder illegal gerodet und abgeholzt, um Avocadoplantagen anzulegen.[63][60] Dies geschieht unter anderem durch die infolge desDrogenkriegs dominierendenKartelle, die neben Drogen, Öl, Waffen, Rohstoffen und Menschen, den Handel mit Avocados für sich entdeckt haben.[64][65] Als Reaktion bildeten sich in derHochebene Purépecha (im mexikanischen BundesstaatMichoacán) Bürgerwehren indigener Avocado-Bauern gegen die Kartelle, die in derselben Region für die illegale Abholzung verantwortlich sind.[63] Außer in Michoacán haben die Kartelle laut derInternational Crisis Group (Stand 2020) auch einen Teil des Avocado-Handels im BundesstaatJalisco unter Kontrolle.[66]
Vonsüdafrikanischen Plantagen wird über nächtliche Plünderungen von organisierten Banden berichtet.[67]
1990 waren Mexiko (mit 686.301 Tonnen), die USA (mit 141.500 Tonnen) undBrasilien (mit 118.635 Tonnen) die Haupterzeugerländer. Spanien produzierte zu diesem Zeitpunkt nur ca. 44.880 Tonnen pro Jahr.[68]
Im Jahr 2024 wurden lautFAO weltweit 11.221.448 t Avocados geerntet. Die zehn größten Produzenten ernteten zusammen 80,2 % der Welternte.[68]
In Europa stieg der Avocadokonsum von 2016 bis 2019 um zwei Drittel.[69] Die Exporte nach Deutschland verfünffachten sich in zehn Jahren auf 157.800 Tonnen im Jahr 2023.[70]
Im Jahr 2024 waren die größten Importeure von Avocados die USA mit 1.217.218 Tonnen, die Niederlande mit 516.041 t und Spanien mit 262.088 t. Deutschland lag auf Platz 5 (180.709 t), die Schweiz auf Platz 17 (22.544 t) und Österreich auf Platz 26 (15.474 t).[71]
Die größten Exporteure waren zur gleichen Zeit: Mexiko (1.190.397 t), Peru (570.287 t) und die Niederlande (450.167 t).[71]
Das Holz derPersea americana kann für den Hausbau (Pfosten), Leichtbau, Möbel, landwirtschaftliche Geräte, Schnitzereien, Skulpturen, Musikinstrumente, Paddel usw. verwendet werden. Es ergibt auch ein gutesFurnier undSperrholz. Das Holz wird jedoch selten verwendet, denn es ist spröde und anfällig für Termitenbefall.[72]
Während die Schale und der Samen der Frucht nicht genießbar sind, ist das Fruchtfleisch um den großen Samen sehr nahrhaft. Die inMitteleuropa erhältlichen Avocados sind meistens nicht süß, einige Sorten der tropischen Länder dagegen schon. Das Fruchtfleisch der reifen Avocado ist gelb bis grün, weich und von einer fast cremeartigen Konsistenz. Die Avocado hat mit sehr großem Abstand den höchsten Fettgehalt aller bekannten Obst- und Gemüsearten. Das Fruchtfleisch wird roh gegessen, solange es sich noch nicht grau oder bräunlich verfärbt hat. Es schmeckt pur, leicht gesalzen, mit Paprikapulver gewürzt oder mit Zitronensaft beträufelt als Brotbelag.
Von 2000 bis 2017 gab es schätzungsweise 49.331 Avocado-Schnittverletzungen in US-Notaufnahmen. Somit machten das Schneiden von Avocados 2 % der messerbedingten Verletzungen in Notaufnahmen von US-Krankenhäusern aus.[73]
Avocadocreme ist das Mus des Avocadofruchtfleisches. Sie eignet sich zumDippen, als Brotaufstrich oder als Füllung vonTortillas. Zur Zubereitung wird das Fruchtfleisch einer reifen Avocado mit einer Gabel zerdrückt oderpüriert, anschließend mit Salz und Pfeffer gewürzt und nach Belieben mit Tomaten,Blattkoriander,Chilis, Salatgurke, Knoblauch, Zwiebel, Joghurt oder zahlreichen weiteren Zutaten verfeinert. Die mexikanische Variante wirdGuacamole genannt.
Eine Avocadocreme kann aber auch süß zubereiten werden, mit Zitrone oderLimette undbraunem Zucker.
Avocadocreme tendiert dazu, schnell braun zuoxidieren. AlsAntioxidationsmittel kann dieAscorbinsäure des Zitronen- oder Limettensafts dienen, was zusätzlich den Geschmack abrundet.
Avocado zum Mittagessen in einer kenianischen Kindertagesstätte
InAustralien undNeuseeland werden Avocados üblicherweise in Sandwiches, auf Toast oder mit Huhn serviert. In Mexiko und Zentralamerika mischt man Avocados in Reis,Avocadosuppe,Avocadosalat oder Fleisch. In Peru wird die Guacamole zuTequeños gegessen und als Beilage zurAsado serviert oder auch als Hauptgericht mitThunfisch,Shrimps oder Huhn gefüllt.
Die Chilenen machen aus der Avocado eine püreeartige Soße und essen diese zu Huhn,Hamburger,Hotdogs oder schneiden sie in Scheiben und servieren sie mit Sellerie oder Salat. Auch inKenia undNigeria wird die Frucht als Salat gegessen. Bei der Urbevölkerung Südamerikas diente die Avocado zur Herstellung eines alkoholischen Getränks namensAbacate, das die Europäer zur Erfindung desEierlikörs inspirierte.
Bestimmte Sorten werden auch zu medizinischen Zwecken verwendet (zum Beispiel alsBakterizid und gegenDurchfallerkrankungen oder zur kontrollierten Gewichtszunahme durch den hohen Fettgehalt von ca. 25 %).
Das Öl der Avocadofrucht (Avocadoöl) sowie anderer Pflanzenteile wurde bereits von denAzteken genutzt. Vereinzelt wird es alsSpeiseöl verwendet, überwiegend findet es heute in der Kosmetik- und Pharmaindustrie Verwendung.
Die Blätter der Avocado sind je nach Art giftig (Persin:siehe oben).Die Blätter der mexikanischen Avocado (Persea americana var.drymifolia) sollen essbar sein und als Gewürz genutzt werden, der Geschmack soll anAnis erinnern.[76] Die Blätter sollen trocken oder frisch gehandelt werden. Nach einem Erhitzen (Toasten) vor der Benutzung seien sie – zerkleinert oder in voller Größe – vor allem in Bohnengerichten zu finden.[77]
Wolfgang Franke:Nutzpflanzenkunde: nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen. Verlag Georg Thieme, Stuttgart 1997,ISBN 978-3-13-530406-9.
Ernst Dassler:Warenkunde für den Fruchthandel. 3. Auflage, Verlag Paul Parey, Berlin / Hamburg 1969.
Brigitte Kranz:Exotische Früchte und Gemüse. Kennen, zubereiten, genießen. Südwest Verlag, München 1969,ISBN 3-517-00201-1.
Cornelia Schinharl:Das Avocado-Kochbuch. Variationen um den vitaminreichen Exoten. Verlag Wilhelm Heyne, München 1988,ISBN 3-453-00909-6.
Bruce A. Schaffer, B. N. Wolstenholme, Antony W. Whiley:The Avocado: Botany, Production and Uses. 2nd Edition, CABI, 2013,ISBN 978-1-84593-701-0.
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