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Autoritarismus

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der staatlichen Herrschaftsform, zum soziologischen Begriff sieheAutoritärer Charakter.
Herrschaftsform nach Land gemäßDemokratieindex für das Jahr 2024:


Autoritarismus

Mischform

Demokratie

Autoritarismus (lateinischauctoritas ‚Einfluss‘, ‚Geltung‘, ‚Macht‘) ist eineHerrschaftsform, bei der im Unterschied zurDemokratie die politischeMacht nicht bei der gesamten Bevölkerung liegt, sondern bei einer oder wenigen Personen. Die Bürger eines autoritär regiertenStaates haben also keine Möglichkeit, durch freieWahlen dieRegierung nach ihrem Wunsch zu ändern. In der Regel kommt es unter der Herrschaft von autoritären Regimen auch deutlich häufiger als in Demokratien zu Verletzungen derMenschenrechte, bspw. durch dieInhaftierung politischer Gegner.

Ein umgangssprachliches Synonym istDiktatur, dieser Begriff wird in derPolitikwissenschaft allerdings nicht verwendet, da er nicht eindeutig definiert ist.

Derzeit lebt etwa die Hälfte der Weltbevölkerung in mehr oder weniger autoritären Systemen. Der größte eindeutig autoritäre Staat istChina.

Als Extremform des Autoritarismus gilt derTotalitarismus.

Soziale und politische Basis autoritärer Systeme

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Autoritäre Systeme werden von bestimmten sozialen Kräften einer Gesellschaft getragen. Diese bilden gegebenenfalls ihreoligarchische Machtbasis. Diese sozialen Kräfte können in z. B. zivile und militärische Kräfte unterteilt werden. Das heißt, autoritäre Staaten können zivil, militärisch,tribal, religiös oder bürokratisch usw. gestützt sein.

Legitimationsmuster autoritärer Systeme

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Max Weber beschreibt drei Formen derLegitimation:traditionelle,charismatische und rationale Legitimität. In Bezug auf autoritäre Systeme sind nur die traditionelle und charismatische Legitimität von Bedeutung.

Traditionell bedeutet nach Max Weber: „die Autorität des ewig Gestrigen: der durch unvordenkliche Geltung und gewohnheitsmäßige Einstellung auf ihre Innehaltung geheiligter Sitten“ – dieses Legitimationsmuster trifft vor allem auf autoritäre Staaten zu, in denen die Religion als Legitimation für den Herrschenden gilt und das Politische nicht vom Sakralen getrennt ist. Beispiele hierfür sindSaudi-Arabien und derIran, wobei Anklänge an dieses Muster auch in Teilen der westlichen Welt (z. B.Bible Belt), wenn auch mit beschränktem Einfluss, vorzufinden sind.

Charismatisch bedeutet nach Max Weber: „aus Begeisterung oder Not und Hoffnung geborene, gläubige, ganz persönliche Hingabe“ – dieses Legitimationsmuster trifft vor allem auf Länder zu, in denen ein politischerFührer Anerkennung in der Bevölkerung erworben und seine Herrschaft in einem autoritären System verankert hat. Als ein Beispiel hierfür kannKuba unterFidel Castro angesehen werden.

Strukturmuster der politischen Macht

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In autoritären Systemen ist dieMacht in der Regel zentralisiert. Die meisten modernen autoritären Staaten sindScheindemokratien, da lautVerfassung häufig formal demokratische Strukturen vorgeschrieben sind, diese allerdings nicht wirklich bestehen.

Vergleicht man Industrie- und Entwicklungsländer, kann ein höheres Maß an Personalisierung des Politischen festgestellt werden. Als personalistisch bezeichnet man eine Führung dann, wenn sie in einer Person konzentriert ist.

Beziehung zwischen Machthabern und Herrschaftsunterworfenen

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Das wesentliche Element im Verhältnis von Machthabern und Machtunterworfenen ist dieGewalt „von oben“, meist in Form einerGeheimpolizei, deren Zweck darin besteht, die politische Macht der herrschenden Klasse zu schützen und jegliche Form derOpposition zu unterdrücken. Diepolitische Partizipation wird von den Machthabern entweder unterbunden oder gesteuert.

Die Kommunikationsforscherin Sarah Oats bezeichnete die Rolle derMassenmedien als einen kritischen Faktor beim Abgleiten eines Staates in den Autoritarismus.[1] Zur Stabilisierung eines etablierten Regimes können die verschiedenen StrategienZensur,Selbstzensur oderPropaganda verfolgt werden.[2] Durch die Kontrolle der großen Medien sei es nach dem Politikwissenschaftler Stephen K. Wegren annähernd ausgeschlossen, dass Medien eineDebatte auslösen können, wie dies eine Funktion von Medien in offenen politischen Systemen der Fall sei.[3]

Angesichts der stärker werdenden Popularitätrechtspopulistischer Parteien sprechen Medien in den 2010er Jahren von einer Krise desLiberalismus. So hebt etwa der JournalistThomas Assheuer hervor, dass der Soziologe Ralf Dahrendorf bereits in den 1990er Jahren voraussagte, dass dieGlobalisierung „eher autoritären als demokratischen Verfassungen Vorschub leisten“ werde.[4] Der deutsche BundespräsidentFrank-Walter Steinmeier warnte 2017 mehrmals – in seiner Antrittsrede vor dem Bundestag, bei seinem ersten Auslandsbesuch in Frankreich sowie bei seiner ersten Rede im Europaparlament – vor einer neuen „Faszination des Autoritären“.[5][6]

Der Herausgeber derBerliner ZeitungMichael Maier nannte wesentliche Kennzeichen, die autoritäre Systeme von einer auf Gewaltenteilung basierenden freiheitlichen Demokratie unterscheiden: „Autoritäre Systeme können über Nacht Maßnahmen verordnen. Sie können die Bürgerrechte nach Belieben einschränken.Polizei- undÜberwachungsstaat ersticken Widerstand im Keim. Andersdenkende oder Kritiker werden mundtot gemacht, verschwinden von der Bildfläche – über Nacht.Denunziation ist der Kitt, der Unrechtssysteme im Innersten zusammenhält. Bürokratische Schikanen nötigen die Bürger zum Wohlverhalten. Um sich selbst nicht zu gefährden, misstrauen die Bürger einander und verraten sich gegenseitig. Mitbestimmung, Expertise und Parlamentarismus werden als Fassaden aufrechterhalten. Eine unabhängige Justiz gibt es nicht. Zensur findet statt. Die Würde des Menschen ist eine Frage vonGunst undWillkür. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Entscheidung über Krieg und Frieden ist den Interessen von kleinen Cliquen untergeordnet. Die Macht der Herrschenden ist unantastbar. Der Wille der Machthaber ist unberechenbar. Die Missachtung von kleinsten Vorschriften kann gravierende Folgen haben. Die Vorschriften ändern sich oft über Nacht, manchmal sogar im Nachhinein.“ Er betonte, es sei in Europa „viel zu verlieren“ und sprach von einer Belastungsprobe des europäischen Systems, welches – im Zuge einer schleichenden „globalen Angleichung“ – zunehmend Symptome einer „Anarchie von oben“ zeige.[7]

Typologie autoritärer Regime nach Juan J. Linz

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Engelbert Dollfuß’ Diktatur in Österreich enthielt eine Vielzahl von autoritären Elementen
Francisco Franco, Diktator Spaniens von 1936 bis 1975 und einer der letzten autoritären Diktatoren in Europa

Folgende Typen autoritärer Regime wurden vonJuan J. Linz systematisiert. Sie sindidealtypisch und nur selten deckungsgleich mit real existierenden Regimen.

Bürokratisch-militärisches Regime

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Merkmale:

  • keine mobilisierungsfähige Partei
  • Führung: a-charismatische Militärs
  • Mentalität pragmatisch

Dieser Typ folgt meist auf ein liberal-demokratisches System, das über keine Systemloyalitäten oder keine stabile Regierung verfügt hat.

Beispiele:

Autoritärer Korporativismus

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Merkmale:

  • vom Staat verfügte Prozedur der Interessenrepräsentation
  • zwangsadministrative Begrenzung innergesellschaftlicher Konflikte

Ideologische Alternative für Gesellschaften, die infolge ihrer ökonomischen und sozialen Komplexität nicht allein mit technokratisch-autoritären Mitteln regiert werden können.

Beispiele:

Mobilisierende autoritäre Regime

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Merkmale:

  • emotionale Legitimationsformen durch eine affektive Identifikation mit der Regierung
  • plebiszitäre Beteiligungsformen sollen dabei helfen, die Unterstützung zu sichern.

Beispiel:

Postkoloniale mobilisierende Regime

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Merkmale:

  • begrenzter Pluralismus
  • relative Autonomie der Gesellschaft
  • Heterogene politische Tendenzen und Kräfte

Vor allem im postkolonialenAfrika ließen soziale und ökonomische Disparitäten, ethnische, linguale und religiöse Unterschiede der Bevölkerung und eine schwache Bürokratie viele Staatsführer glauben, dass nur ein autoritär geführter Staat Erfolg verheißen würde. Die meisten dieser Regime sind Militärputschen oder der Umwandlung in rein persönliche Herrschaften zum Opfer gefallen.

Beispiele:

Neopatrimoniale Regime

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UnterNeopatrimonialismus wird ein besonders häufig in Afrika anzutreffender Herrschaftstyp bezeichnet, der als eine Mischform aus klassisch-patrimonialer und legal-rationaler Herrschaft angesehen werden kann. Als Regimetyp ist er zwischenAutokratie undDemokratie anzusiedeln. Kennzeichnende Bestandteile des Neopatrimonialismus sindKlientelismus und politischePatronage.

Beispiele:

Rassen- oder ethnische „Demokratien“

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Kennzeichnend für Rassendemokratien undEthnokratien ist, dass bestimmte ethnische Gruppen von der politischen Partizipation ausgeschlossen werden und keine demokratischen Rechte besitzen. Es wird nicht nur Druck auf die diskriminierte, in den historischen Beispielfällen nicht-weiße Bevölkerung ausgeübt, sondern auch auf Dissidenten aus der privilegierten Schicht (historisch: Weiße), die dieTrennungspolitik bekämpfen und in Frage stellen.

Beispiele:

Israel bezeichnete Linz als „multiethnische nichtkonsensuale Demokratie“, in der sich eine Entwicklung zur „Rassendemokratie“ abzeichnete.[8]

Unvollständige totalitäre und prätotalitäre Regime

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Merkmale:

Der Prätotalitarismus bezeichnet die Übergangsphase zum Totalitarismus.

Beispiele:

Posttotalitäre autoritäre Regime

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Merkmale:

  • Verblassen utopischer Fernziele, Ritualisierung bzw. formelhafte Erstarrung der Ideologie
  • graduelle soziale, ökonomische und kulturelle – jedoch keine politische – Repluralisierung
  • bürokratischer Führungsstil der politischen Eliten, Tendenz zur Verrechtlichung des Herrschaftshandelns
  • Ritualisierung bzw. Erstarrung der gesellschaftlichen Mobilisierung, bei teilweiser Duldung oder gar Förderung der Flucht ins Privatleben

Der Posttotalitarismus bezieht sich vor allem auf dieSowjetunion und ihre osteuropäischenSatellitenstaaten seit derEntstalinisierung. Diese Kategorie enthält noch weitere Subtypen.

Subtypen:

  • früher Posttotalitarismus:Bulgarien (1988/89)
  • eingefrorener Posttotalitarismus:DDR (1971–1989),Tschechoslowakei (1977–1989)
  • reifer Posttotalitarismus:Ungarn (1982–1988)
  • Posttotalitarismus mit sultanistischen Zügen:Rumänien unterCeaușescu
  • Übergang vom Posttotalitarismus zum Autoritarismus:Polen (1980er Jahre)

Typologie autoritärer Regime nach Wolfgang Merkel

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Der deutsche PolitikwissenschaftlerWolfgang Merkel definiert zehn unterschiedliche autoritäre Typologien:

Kommunistisch-autoritäres Parteienregime

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Merkmale:

Beispiele:

Faschistisch-autoritäres Regime

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Merkmale:

Beispiele:

Militärregime

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Allgemeine Merkmale:

Bürokratisch-militärisches Regime

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Merkmale:

  • Junta von acharismatischen Militärs
  • ideologiearmer Pragmatismus
  • folgt häufig auf liberale Demokratien

Beispiele:

Militärisches Führerregime

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Merkmale:

  • meist charismatischer militärischer Führer
  • spätere politische Lösung des Regimes vom Militär
  • Legitimation durch direkt-plebiszitäre Beziehung zum Volk

Beispiele:

Militärisches Gangsterregime und Warlord-Herrschaft

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Merkmale:

  • reines Repressionsregime ohne wertorientierte Zielvorstellungen
  • persönliche Bereicherung derWarlords und Privatisierung des Militärs
  • Ergebnis von zerfallender Staatlichkeit
  • meist nur von kurzer Dauer

Beispiele:

Korporatistisch-autoritäres Regime

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Merkmale:

  • „organische Demokratie“
  • staatlich kontrollierte Wirtschafts- und Berufsstände
  • permante Zwangsschlichtung im nationalen Interesse

Beispiele:

Rassistisch-autoritäres Regime

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Merkmale:

  • Ausschluss einer bestimmten Ethnie oder durch ihre Hautfarbe definierten Bevölkerungsgruppe aus dem demokratischen Prozess und von Bürgerrechten
  • für das in den historischen Fallbeispielen zumeist weiße Mehrheiten bzw. Minderheiten einschließende politische System galten demokratische Normen und Verfahren.

Beispiele:

Autoritäres Modernisierungsregime

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Merkmale:

  • tritt entweder als Militär-, Einparteien- oder Führerregime auf
  • Fehlen einer traditionellen Herrschaftsform
  • häufig ausBefreiungsbewegungen hervorgegangen

Beispiele:

Theokratisch-autoritäres Regime

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Beispiele:

Dynastisch-autoritäres Regime

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Merkmale:

Beispiele:

Sultanisch-autoritäres Regime

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Merkmale:

  • Mischung aus extrem personalisiertem und erratischem Herrschaftsstil
  • Familienklan-Herrschaft

Beispiele:

Autoritarismus in der Sozialpsychologie

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Der Autoritarismus wird sozialpsychologisch als eineEinstellung (Right-Wing-Authoritarianism o.a. RWA), manchmal auch als einePersönlichkeitseigenschaft aufgefasst (autoritäre Persönlichkeit bzw.autoritärer Charakter) oder dient als Oberbegriff für faschistoide und antidemokratische Einstellungen. Psychologisch ist der Begriff doppeldeutig, denn er beschreibt einerseits ein extrem dominantes Verhalten, andererseits die Bereitschaft zur Unterwerfung unter Ranghöhere. Insofern hängen Autoritarismus undGehorsam zusammen.

In ihren bekannten und viel diskutierten Experimenten habenStanley Milgram (Milgram-Experiment) undPhilip Zimbardo (Stanford-Prison-Experiment) das beobachtete Gehorsamkeitsverhalten unter simulierten, für die Teilnehmer realistisch wirkenden Bedingungen untersucht und nach Zusammenhängen mit anderen sozialen Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmalen gefragt. Philip Zimbardo: „The only link between personality and prison behavior was a finding that prisoners with a high degree ofauthoritarianism endured our authoritarian prison environment longer than did other prisoners.“[9] (Die einzige Verbindung zwischen Persönlichkeit und Gefängnisverhalten war der Befund, dass Gefangene mit einem hohen Grad anAutoritarismus unsere autoritäre Gefängnisumgebung länger ertrugen als andere Gefangene.)

Die amerikanische VerhaltensökonominKaren Stenner argumentiert, dass Autoritarismus kein Persönlichkeitsmerkmal sei, sondern als eine Reaktion auf Bedrohungen der normativen Ordnung anzusehen ist,[10] die sich darin äußert, dass das „vorgestellte ‚Wir‘“ zerfällt, was zu Angst vor dem „ethnischen Verschwinden“ und vor Zuwanderung führt.[11]

In der aktuellen psychologischen Forschung wird für das Konstrukt des Autoritarismus v. a. der Begriff desRight-Wing-Authoritarianism (RWA) verwendet, welcher Autoritarismus als eine relative stabile, ideologischeEinstellung versteht. Diese kann aufgegliedert werden inautoritäre Aggression,autoritäre Unterwürfigkeit undKonventionalismus. Konzepte zu Left-Wing-Authoritarianism (LWA) liegen vor, sind jedoch noch nicht so gut untersucht wie RWA.[12] Right-Wing-Authoritarianism gilt zusammen mitSozialer Dominanzorientierung (SDO) als stärkster Prädiktor fürVorurteile undEthnozentrismus. Personen mit einer hohen Ausprägung in RWA sehen die Welt als gefährlich und streben daher nach Sicherheit und Ordnung. Dieses Streben zeigt sich dann in dem Gehorsam gegenüber wahrgenommenen Autoritäten (autoritäre Unterwürfigkeit), Strafbedürfnis gegenüber denen, die von den Normen abweichen (autoritäre Aggression) sowie tradierten Werten (Konventionalismus).[13]

Abgrenzung zum Totalitarismus

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NachJuan Linz, der den Begriff in den 1960er Jahren geprägt hat, unterscheidet der Autoritarismus sich vom diktatorischenTotalitarismus durch:[14]

  1. begrenztenPluralismus,
  2. keine umfassend formulierteIdeologie,
  3. weder extensive noch intensive Mobilisierung.

Der begrenzte Pluralismus ist als zentrales Abgrenzungsmerkmal zu sehen. Der Handlungsspielraum von politischen und gesellschaftlichen Akteuren hängt weitgehend von der autoritären Staatsführung ab. In Abgrenzung zum Totalitarismus ist für den Autoritarismus zutreffender vonMentalitäten zu sprechen als von (politischen) Ideologien undWeltanschauungen. Mentalität ist nachTheodor Geiger „subjektive Ideologie“, aber „objektiver Geist“.[15] Mentalitäten sind psychischePrädispositionen und funktionieren formlos.

Das Fehlen einer klaren Ideologie bewirkt einen Verlust der Mobilisierungsfähigkeit; der Bevölkerung fehlt eine emotionale Bindung an das System. Daher formulieren autoritäreRegime ihre Politik pragmatisch und versuchen gleichzeitig, allgemeineWertvorstellungen wiePatriotismus,Nationalismus,Modernisierung und Ordnung durchzusetzen.

Siehe auch

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Literatur

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Weblinks

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Wiktionary: Autoritarismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Autoritarismus – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Professor of Political Communication Sarah Oates:Television, Democracy and Elections in Russia. BASEES/Routledge Series on Russian and East European Studies, Routledge, 2006,ISBN 978-1-134-17847-6, S. 149: „… mass media are critical factors in halting the slide in authoritarianism“.
  2. Thomas Heberer, Gunter Schubert (Hrsg.):Regime Legitimacy in Contemporary China: Institutional Change and Stability. Routledge Contemporary China Series, Routledge, 2008,ISBN 978-1-134-03630-1, S. 177.
  3. Stephen K. Wegren:Putin's Russia: Past Imperfect, Future Uncertain. Rowman & Littlefield, 6. Ausgabe 2015,ISBN 978-1-4422-3919-7, S. 137.
  4. Thomas Assheuer: Krise des Liberalismus: Ein autoritäres Angebot. Zeit online, 27. Mai 2016, abgerufen am 12. März 2017. 
  5. Thomas Kirchner: Europäische Union: „Die übergroße Mehrheit der Deutschen will Europa“. sueddeutsche.de, 4. April 2017, abgerufen am 4. April 2017. 
  6. Besuch in Frankreich: Steinmeier warnt vor „Faszination des Autoritären“. Zeit online, 30. März 2017, abgerufen am 4. April 2017. 
  7. Michael Maier: Anarchie von oben. In: berliner-zeitung.de. 3. August 2021, abgerufen am 10. August 2021. 
  8. Juan José Linz:Totalitäre und autoritäre Regime (=Reihe Potsdamer Textbücher. Band 4). 2. Auflage. Berliner Debatte Wissenschaftsverlag, Berlin 2003, S. 219.
  9. Webseite von Philip Zimbardo über das Stanford-Prison-Experiment:conclusions. Abruf am 12. März 2021
  10. Karen Stenner:The Authoritarian Dynamic, Cambridge University Press, 2005.
  11. Ivan Krastev:Auf dem Weg in die Mehrheitsdiktatur? In: Henrich Geiselberger (Hrsg.):Die große Regression. Frankfurt 2017, S. 117–134, hier: S. 127.
  12. John Duckitt:Authoritarianism: Conceptualisation, Research, and New Developments. In: Danny Osborne, Chris G. Sibley (Hrsg.):The Cambridge Handbook of Political Psychology. Cambridge University Press, Cambridge 2022,ISBN 978-1-108-48963-8,S. 177–197,doi:10.1017/9781108779104. 
  13. Danny Osborne, Thomas H. Castello, John Duckitt, Chris G. Sibley:The Psychological Causes and Societal Consequences of Authoritarianism. In:Nature Reviews Psychology.Band 2. Springer Nature Ltd., 3. März 2023,S. 220–232,doi:10.1038/s44159-023-00161-4. 
  14. Juan J. Linz:Totalitarian and Authoritarian Regimes. In: Fred I. Greenstein, Nelson W. Polsby (Eds.):Handbook of Political Science. Vol. 3:Macropolitical Theory. Addison-Wesley, Reading 1975,ISBN 0-201-02603-1, S. 175–411.
  15. Theodor Geiger:Die soziale Schichtung des deutschen Volkes. Soziographischer Versuch auf statistischer Grundlage. Enke, Stuttgart 1932 [ND ebd. 1987],ISBN 3-432-96201-0, S. 77 ff.
  16. www.foreignaffairs.com:Rezension
  17. Auch in: ders.,Gesellschaft im Übergang. Aufsätze, Reden und Vorträge 1942–1970. Hg. Werner Brede. Fischer TB, Frankfurt 1972,ISBN 3-596-26545-2; wieder Fischer-Athenäum TB, Frankfurt 1990,ISBN 3-7610-4004-0,ISBN 3-8072-4004-7.
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