
DerAutoreifen (auchPneu, insbesondere in der Schweiz; überfranzösischpneu „Reifen“ vongriechischπνεῦμαpneuma „Luft, Wind, Atem“) ist einLuftreifen und bildet mit der Radschüssel und derFelge das kompletteRad einesAutos. Autoreifen werden hauptsächlich ausStyrol-Butadien-Kautschuk (SBR) und anderensynthetischen Kautschuken hergestellt, seltener ausNaturkautschuk.
In der EU müssen Hersteller mittels einesReifenlabels auf allen seit dem 1. November 2012 hergestellten (und verkauften) Autoreifen über derenKraftstoffverbrauch,Nasshaftung und Geräuschklassifizierung informieren.
Zu anderen Bauarten von Reifen und Rädern siehe:Reifen#Bauarten
Autoreifen sind das Bindeglied zwischenFahrzeug undFahrbahn. Von wenigen Ausnahmen in denAnfängen des Automobilbaus abgesehen, handelt es sich umLuftreifen. Sie beeinflussen maßgeblich dasFahrverhalten eines Fahrzeugs. Reifen werden insbesondere auf die Beschaffenheit des Untergrundes, die Temperatur und die Belastung ausgelegt. InMitteleuropa fahren Automobile meist aufasphaltiertenStraßen mit einer Oberflächentemperatur zwischen −15 °C und +60 °C. Die Straßen können verschiedene Feuchtigkeitsgrade aufweisen, im Winter können sie von Neuschnee, festgefahrenem Schnee und/oder Eis bedeckt sein. Theoretisch gäbe es für jede Fahrsituation einen am besten geeigneten Reifen. So werden im Rennsport mehrere Reifensätze mit unterschiedlich hartem Gummi und Regenreifen (mit Profil) oderSlicks (ohne Profil, für trockene Fahrbahn) vorgehalten und gewechselt. Um unter den Randbedingungen Produktionskosten undLebensdauer ein möglichst breites Spektrum abzudecken, werden für den Straßenverkehr die folgenden Reifenarten angeboten:
Sommerreifen sind für Straßenverhältnisse ohneSchnee undEisglätte ausgelegt. Ihre Gummimischung wird auch bei hohen Temperaturen nicht zu weich; auch bei hoher Geschwindigkeit ist die Abnutzung relativ gering. Hersteller wählen imZielkonflikt zwischen zueinander in Widerspruch stehenden Anforderungen – z. B. einem möglichst geringenRollwiderstand bei gleichzeitig guterHaftreibung (Bodenhaftung bei Nässe) – einenKompromiss.
Mit abnehmender Profiltiefe verschlechtert sich dasVerhalten bei Regen, Aquaplaning tritt früher auf. Gesetzlich sind daher 1,6 mm Profiltiefe gefordert. DerADAC empfiehlt für Sommerreifen mindestens 3 mm Profiltiefe.[1]

Viele Länder haben zu bestimmten Zeiten oder bei bestimmten Straßenverhältnissen eine Winterreifenpflicht erlassen.
InDeutschland besteht seit dem 4. Dezember 2010 eine Winterreifenpflicht beiwinterlichen Straßenverhältnissen, das heißt, wenn Eis, Schnee, Glätte und Schneematsch vorkommen (§ 2 Abs. 3aStVO).

Seit dem 1. Januar 2018 müssen neu produzierte Winterreifen auf der Flanke das Alpine-Symbol tragen, um die Winterreifenpflicht mit ihnen zu erfüllen.M+S-Reifen ohne Alpine-Symbol gelten seit dem 1. Oktober 2024 nicht mehr als Winterreifen.[2]
Winterreifen (in der SchweizWinterpneu) sind für niedrige Temperaturen und winterliche Straßenverhältnisse ausgelegt. Sie verfügen über eine Gummimischung, die auch bei niedrigen Temperaturen ausreichend elastisch ist, um eine hinreichendeKraftübertragung (mittels Verzahnung mit dem Untergrund) zu erreichen.Winterreifen waren mit dem M+S-Symbol (englischMud and Snow,deutschMatsch und Schnee) gekennzeichnet.
Die EU-Verordnung Nr. 661/2009 vom 13. Juli 2009 bezeichnete als „M+S-Reifen“ einen Reifen, dessen Laufflächenprofil, Laufflächenmischung oder Aufbau in erster Linie darauf ausgelegt ist, gegenüber einem Normalreifen bessere Fahr- undTraktionseigenschaften auf Schnee zu erzielen, und kündigt als Durchführungsmaßnahme die „genauere Festlegung der physischen Merkmale und Leistungsanforderungen“ bis zum 31. Dezember 2010 an.[3]
Die deutscheStVO bezog sich bis 2017 noch auf die Richtlinie 92/23/EWG, nach der „M+S-Reifen“ Reifen sind, „bei denen das Profil der Lauffläche und die Struktur so konzipiert sind, dass sie vor allem in Matsch und frischem oder schmelzendem Schnee bessere Fahreigenschaften gewährleisten als normale Reifen. Das Profil der Lauffläche von M+S-Reifen ist im Allgemeinen durch größere Profilrillen und Stollen gekennzeichnet, die voneinander durch größere Zwischenräume als bei normalen Reifen getrennt sind.“[4] (siehe auchReifenprofil)
Trotz dieser Definitionen ist „M+S“ (Stand 2013) keine geschützte Kennzeichnung und kann daher auch auf nicht wintertauglichen Reifen angebracht werden. Insbesondere chinesische und amerikanische Reifenhersteller verwenden dieses Symbol auch auf Sommerreifen.[5][6]
DieKennzeichnung „Berg mit Schneekristall“ (Alpine-Symbol), englisch „3 Peak Mountain Snow Flake“ (3PMSF oder 3-PMSF) wird von der amerikanischen StraßenbehördeNHTSA vergeben und kennzeichnet Reifen, welche in einem Test eine gegenüber einem Referenzreifen um mindestens 7 Prozent bessere Traktion auf Schnee und Eis erreichen.
Bei niedrigen Temperaturen, aber trockenem Wetter sollen Reifen mit 0,2 bis 0,3 bar mehr Reifendruck als vom Fahrzeughersteller angegeben gefahren werden, da die – vom Reifenhersteller einkalkulierte – Druckerhöhung im Reifen geringer ist als bei sommerlichen Temperaturen. Herrschen dagegen Schneematsch und Glätte, sind dieunten erwähnten Eigenschaften eines niedrigenReifendrucks erwünscht.
Geländewagen können mit einerReifendruckregelanlage ausgerüstet sein, um während der Fahrt den Reifendruck verringern können und so eine größereReifenaufstandsfläche zu bewirken.Wenn ein Fahrzeug in weichem Sand oder dergleichen festgefahren ist, kann es helfen, Luft aus den Reifen der Antriebsachse(n) abzulassen.
Anders als bei Sommerreifen ist es bei Winterreifen auch erlaubt, Reifen mit niedrigeremGeschwindigkeitsindex einzusetzen – abweichend von den Angaben desFahrzeugscheins. Auch dabei ist die M+S-Kennzeichnung ausschlaggebend, die übrigens auchGanzjahresreifen aufweisen können. In Deutschland ist in diesem Fall ein Aufkleber mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit der Reifen gemäß Geschwindigkeitsindex im Blickfeld des Fahrzeugführers anzubringen.Diese Kennzeichnung ist auch in manchen Ländern vorgeschrieben, in denen ein allgemeinesTempolimit auf Autobahnen gilt.
Neben den weit verbreiteten Winterreifen derGeschwindigkeitskategorie T (bis 190 km/h) werden auch Winterreifen der höheren Geschwindigkeitskategorien U, H und V (vereinzelt auch W = bis 270 km/h) in diversen Reifendimensionen angeboten.Winterreifen können ganzjährig gefahren werden. Auf schneefreiem und trockenem Asphalt, vor allem bei höheren Temperaturen, haben sie einen stärkeren Abrieb. Bei frühlingshaften und sommerlichen Temperaturen haben sie verglichen mit Sommerreifen auf trockener Fahrbahn deutlich schlechtere Fahreigenschaften, z. B. einen längerenBremsweg.[7]
Im Laufe der Zeitverhärtet die Gummimischung und die Hafteigenschaften der Reifen lassen nach, selbst wenn die Profiltiefe noch ausreichend ist. Der ADAC empfiehlt, Winterreifen, die älter als sechs Jahre sind, zu ersetzen.[8] DerÖAMTC empfiehlt, Reifen nur 4 Jahre zu verwenden.[9]
Mit abnehmender Profiltiefe verschlechtern sich die Hafteigenschaften auf Schnee deutlich. In Österreich muss deshalb ein Winterreifen mindestens 4 mm Profiltiefe aufweisen (und eine M+S-Kennzeichnung). Bei einer Profiltiefe unter 4 mm gilt der Reifen als Sommerreifen. Der ADAC empfiehlt für Deutschland ebenfalls 4 mm Profiltiefe; gesetzlich werden in Deutschland nur 1,6 mm gefordert.[1]
Jahrzehntelang wurde in den Medien die These vertreten, Winterreifen hätten bei Temperaturen unter 7 °C bessere Eigenschaften als Sommerreifen (sogenannte „Sieben-Grad-Empfehlung“). Diese Aussage wurde jedoch durch Tests widerlegt.[10]
Auch bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt können mit Sommerreifen sowohl auf nasser als auch auf trockener Fahrbahn kürzere Bremswege erzielt werden als mit vergleichbaren Winterreifen. Der Bremsweg von Winterreifen auf Schnee und Eis ist dagegen deutlich kürzer als der von Sommerreifen.[11] Die Griffigkeit des Straßenbelags hat also einen größeren Einfluss auf die Traktionseigenschaften der Reifen als die reine Umgebungstemperatur. Besonders in Kombination mit einer verschmutzten oder staubigen Straßenoberfläche können Niederschläge die Straßenhaftung zu allen Jahreszeiten deutlich herabsetzen.

Eine besonders aufEis wirksame Technik ist die Verwendung vonSpikes. Das sind Stahl- oderHartmetallstifte, die in dafür ausgelegten Reifen angebracht werden können. Da Spikes die Fahrbahn erheblich abnutzen, sind sie in vielen TeilenEuropas nur eingeschränkt oder gar nicht zulässig.
In Westdeutschland und der DDR waren Spike-Reifen Anfang der 1970er Jahre noch uneingeschränkt zulässig, gerieten zu dieser Zeit jedoch wegen verursachter Fahrbahnschäden in die Diskussion.[12] Heute sind in Deutschland Spikes nur noch imkleinen deutschen Eck, einem Gebiet rund umBad Reichenhall, sowie für bestimmte Einsatzfahrzeuge erlaubt.
In Österreich dürfen Spikes ausschließlich mit eingeschränkter Geschwindigkeit (Ortsgebiet: 50 km/h, Freilandgebiet: 80 km/h, Autobahnen: 100 km/h) und nicht in den Monaten Juni bis September verwendet werden. Weiterhin muss das Fahrzeug auf der Rückseite mit einem speziellen Aufkleber gekennzeichnet sein.[13]
In derSchweiz sind die Vorschriften ähnlich wie in Österreich; die Verwendung von Spikes aufAutobahnen ist nicht erlaubt.
Ganzjahresreifen (auchAllwetterreifen) können sowohl im Sommer als auch im Winter eingesetzt werden. Das Profil von Allwetterreifen kombiniert die zwei unterschiedlichen Rillen-Anordnungen der Sommer- und Winterreifen, sodass die für höhere Temperaturen und bei Nässe benötigten Längsrillen ebenso zu finden sind wie die Profilblock-Verzahnungen, die bei Schneeglätte und Eis für Halt sorgen.[14]
Der Aufwand für den zweimaligen jährlichen Reifenwechsel und die Investition in einen zweiten Radsatz entfallen. Ganzjahresreifen werden oft bei geringen Fahrleistungen verwendet.
Die Eigenschaften von Ganzjahresreifen waren lange Zeit ein Kompromiss: Auf Schnee blieben sie hinter den Eigenschaften von guten Winterreifen zurück; im Sommer hatten sie – wegen ihrer systembedingt weicheren Gummimischung – einen höheren Abrieb (Reifenverschleiß) und etwas erhöhten Kraftstoffverbrauch.[15] Seit den 2020er-Jahren sind gute Ganzjahresreifen reinen Sommer- und Winterreifen ebenbürtig.[16][17] Voraussetzung für eine Anerkennung von Ganzjahresreifen als Winterreifen im rechtlichen Sinne ist das Vorhandensein des Schneeflocken-Symbols auf der Reifenflanke.
In Österreich besteht seit Winter 2006/07 eine generelleWinterreifenpflicht auf derAntriebsachse für Lkw über 3,5 t und fürOmnibusse.
In Deutschland besteht seit dem 4. Dezember 2010 eine situative Winterreifenpflicht. Sie löste eine seit 2006 bestehende, oft als schwammig kritisierte Regelung ab.

Diese Reifengruppe wird vor allem beiGeländewagen,SUVs,ATVs und UTVs eingesetzt. Es handelt sich um Reifen mit grobem Profil, deren Lauffläche mehr oder weniger stark für den Einsatz auf unbefestigten Straßen bis hin zu schwerem Gelände optimiert ist. Auswahlkriterium ist der prozentuale Anteil Asphaltstraße/Gelände sowie die Profilformgebung. Varianten sindST (Street-Terrain) mit hohem Straßenanteil und geringerer Geländetauglichkeit,AT (All-Terrain) mit ungefähr gleichen Anteilen Straße und Gelände,MT (Mud-Terrain) mit hohem Geländeanteil, ggf. auch Schlamm, Felsen und Steine. Extreme Varianten sindBoggers oderSuper-Swamper, die speziell grobe Schaufeln und Stollen für den ausschließlichen Einsatz in sehr grobem Gelände aufweisen.
Lkw-Reifen werden bevorzugt ausNaturkautschuk hergestellt, welcher hitzebeständiger als Synthesekautschuk ist, was besonders bei großen Reifen wichtig ist.
Bei Lkw-Reifen unterscheidet man nicht nur nach Sommer- und Winterreifen, sondern auch nach Einsatzzweck und Achse. So gibt es für Antriebs-, Lenk- und Anhängerachsen jeweils unterschiedliche Reifen. Auch fürFernverkehr, Baustelleneinsatz usw. werden die Reifen unterschiedlich gewählt. Diese Reifen werdenProfessional Off-Road (POR) genannt und sind ersatzweise im Winter nutzbar, wenn keine 3PMSF für das Fahrzeug angeboten werden. POR-Reifen haben keine EU-Reifenlabel-Kennzeichnung, da ausschließlich für die gewerbliche Nutzung gedacht.

Seit den 2000er Jahren gibt es Reifen mitNotlaufeigenschaft. Diese ermöglichen im Falle eines Reifenschadens die Weiterfahrt mit verminderter Geschwindigkeit (mindestens 80 bis zu 300 Kilometer bei 80 km/h).[18]Diese Reifen werden auch alsRunflat-Reifen,Run-Flat-Reifen oderRunOnFlat-Reifen bezeichnet. Je nach Hersteller sind sie mit den KürzelnROF,RFT,EMT (Extended Mobility Tire),RSC (Runflat System Component),SSR (Self-Supporting Runflat Tire),ZP (Zero Pressure),DSST (Dunlop Self Supporting Technology),BSR (Bridgestone Support Ring) oderPAX (Michelin Stützring) versehen.
Die Notlaufeigenschaft wird durch verstärkte Seitenwände oder einen Stützring auf derFelge erzielt, die ein Abplatten des Reifens bei Druckverlust oder Platzen verhindern und die ausreichende Übertragung von Lenk-, Brems- und Antriebskräften gewährleisten. Unterstützt wird dieser Effekt durch Felgen mit einer speziellen Form desFelgenhorns, denEH2-Felgen (Extended Hump), die ein Abspringen des beschädigten Reifens von der Felge verhindern.[19] Da Fahrer einen Druckverlust kaum spüren und Drucklosigkeit nicht sicher bemerken, ist grundsätzlich einReifendruckkontrollsystem vorgeschrieben. Das Mitführen einesReserverads ist nicht mehr nötig.Vielegepanzerte Pkw sind mit solchen Sicherheitsreifen ausgestattet.
Diagonalreifen waren bei Pkw bis in die 1960er Jahre gebräuchlich. Sie weisen mehrere schräg überkreuzteKarkassenlagen auf, bestehen also aus mehreren LagenNylonfasern, die in der Lauffläche und den Seitenwänden diagonal im Winkel von 55 Grad (bei älteren Modellen) angeordnet sind. Sie wurden von Radialreifen verdrängt und sind heute fast nur noch in der Landwirtschaft, beiOldtimern und älterenMotorrädern üblich.Die Verwendung von Diagonal- und Radialreifen auf einer Achse wird in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) als „Mischbereifung“ bezeichnet und verboten.[20] Das preiswerteste Modell desGolf I hatte von 1974 bis 1975 noch Diagonalreifen.
Die Vorteile von Diagonalreifen sind[21]
Die Nachteile von Diagonalreifen sind
Auch im Offroad-Bereich werden Diagonalreifen noch eingesetzt, weil die im Straßenbetrieb unerwünschte starke Beweglichkeit ihrer Lauffläche eine bessere Selbstreinigung im Schlamm und eine bessere Anpassung an unebene Untergründe gewährleistet. VieleRennreifen werden als Diagonalreifen gebaut. Sie haben aber im Fahrverhalten nichts mit den veralteten Autoreifen gemein, kreuzen sich doch bei ihnen die Karkassenlagen in erheblich engerem Winkel. Die Größenbezeichnung bei Diagonalreifen, beispielsweise 6.40-15 (auch in der Schreibweise 6.40–15 oder 6.40 - 15), drückt im ersten Wert die Reifenbreite inZoll aus, hier also 6,4 Zoll (162,56 mm). Der hintere Wert in der Reifenbezeichnung gibt den notwendigen Felgendurchmesser für diesen Reifen inZoll an. Das Querschnittsverhältnis (Flankenhöhe zu Reifenbreite) hängt von der Reifenform ab, die nicht angegeben wird. Manche Breitenmaße kommen jedoch nur bei einer Reifenform vor, so dass diese sich in solch einem Fall aus jenen ableiten lässt.[22] Diagonalreifen gibt es in den Reifenformen:
Radialreifen (X-Technologie) wurden 1948 – auf Anregung vonCitroën – vonMichelin entwickelt und eingeführt. Sie sollten eine höhere Lebensdauer als die bis dahin üblichen Diagonalreifen erreichen. Tatsächlich hielten schon die ersten Radialreifen mehr als doppelt so lange wie Diagonalreifen. Ab 1961 gab es sie auch vonContinental, in einer deutlich verbesserten Ausführung.[23]
Das Prinzip der Radialreifen beruht auf einer klaren Trennung der Funktionen im Reifenunterbau. Dazu zählenradial angeordneteKarkassenlagen für besseres Einfedern, dazu stabilisierende Gürtellagen unter der Lauffläche. Innerhalb der Karkasse liegen die gummiertenCordfäden in einer oder mehreren Lagen radial, also im rechten Winkel zur Laufrichtung. Der Effekt ist – zusätzlich zur höheren Laufleistung – eine erhebliche Verbesserung gegenüber den Diagonalreifen in Bezug auf Haftung bei Nässe und in Kurven sowie bei den Laufeigenschaften.
Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber dieMischbereifung auch mit Diagonal- und Radialreifen untersagt.
„Eine Mischbereifung ist die zeitgleiche Verwendung von unterschiedlichen Reifentypen für dasselbe Kraftfahrzeug. Nach § 36 StVZO ist die Kombination von Radial- und Diagonalreifen unzulässig sowie die Mischbereifung auf einer Achse. Zulässig, jedoch fragwürdig, sind unterschiedliche Reifengrößen, Profiltiefen, Hersteller und die Kombination aus Sommer- und Winterreifen, die ebenfalls alsMischbereifung gelten.“[24]
Radialreifen haben lautere Abrollgeräusche als Diagonalreifen, weshalb unter anderemRolls-Royce noch bis in die 1970er Jahre am Diagonalreifen festhielt.
Der gleichbedeutende Begriff „Gürtelreifen“ für den Radialreifen entstand wegen der gürtelförmigen Lage der härteren Schicht unterhalb der Lauffläche.
Im Gegensatz zu den meisten Fahrradreifen sind heutige Autoreifen in der Regel schlauchlos.

Die Entwicklung eines neuen Reifens bis zur Marktreife dauert zwei bis drei Jahre. Mit Hilfe von CAD-Systemen werden Reifenprofile entwickelt und z. B. unter Verwendung von3D-Druckern plastisch aufgebaut und zu Prototypen weiterverarbeitet. Vielfach werden die Prototypen komplett in Handarbeit gefertigt:[25] Sogenannte „Reifenschnitzer“ fertigen Prototypen künftiger Serienreifen in Handarbeit aus einem Reifenrohling.[26]
Da sich herkömmliche luftgefüllte Reifen nur noch in Details verbessern lassen, gibt es Entwicklungsschritte auch mit völlig neuen Ansätzen. So berichtete der Spiegel im März 2013 von einem Hersteller, der einen neuartigen „Gitterreifen“ mit einem patentierten Kunststoffgitter zwischen Felge und Lauffläche entwickelt habe. Bereits zuvor hatten mehrere bekannte Hersteller Reifen ohne Luft präsentiert. Im März 2020 präsentierte das Unternehmen Goodyear ein Konzept für sich selbst regenerierende Reifen, das sich an die Produktion vonSpinnenseide anlehnt.[27] Solche Neuentwicklungen zielen meist auf größere Sicherheit und den Schutz vor Reifenpannen ab, sowie auf Umweltschutz und höhere Laufruhe durch Vermeidung des luftgefüllten Resonanzkörpers. Von Michelin sei bereits ein luftfreier Reifen für Radlader in den USA verfügbar.[28]
Ein weiteres Problem ist der für Reifen nötige Kautschuk, dessen Gewinnung synthetisch aus fossilen Rohstoffen oder verbunden mitRegenwaldrodung erfolgt.[29] 2012 stellteBridgestone einen Reifen vor, der komplett aus nachwachsenden Rohstoffen besteht.[30] DasFraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME inAachen und der ReifenherstellerContinental AG bauten etwa 2014 in Münster eine Pilotanlage, umLöwenzahn-Kautschuk im industriellen Maßstab herzustellen. 2015 wurden dort die ersten Reifen hergestellt.[31] Seit 2018 betreibt Continental inAnklam ein Forschungszentrum zur Züchtung einer Löwenzahnsorte mit hohem Kautschukgehalt in industriellem Maßstab.[29] Ende 2021 zeigte Volvo ein Konzeptfahrzeug mitPirelli-Reifen, die zu 94 Prozent ausnachwachsendem Material bestanden.[32] Seit Oktober 2023 belegtHankook mit der auf Grundlage derEU-Richtlinie für erneuerbare Energien (EU RED) beruhendenISCC Plus-Zertifizierung (International Sustainability & Carbon Certification) den Einsatz von biobasiertem Synthesekautschuk und biobasierten Kieselerdefüllstoffen in seinem ungarischen Werk.[33]
Die einzelnen Reifenbauteile werden in Lagen vorgefertigt. Das erfolgt meist mit speziellen Spritzmaschinen oder, wenn die Lagen auch Gewebe oderStahlcord enthalten, mit sogenanntenKalandern.
Anschließend werden diese Lagen beginnend beim Reifenkern an einer Wickelmaschine nacheinander aufgebracht. Zuletzt wird die Laufflächenmischung aufgebracht und der Reifenrohling (green tire) wird in einer Form unter Druck (bis zu 22 bar)vulkanisiert. Die Vulkanisationsdauer und -temperatur (bei PKW-Reifen 170–200 °C) hängt von der Größe und Dicke des Reifens ab (etwa 9–13 Minuten). In diesem letzten Schritt erhält der Reifen das Profil, das als Negativ in der Form eingearbeitet ist.
ZurRunderneuerung wird die alte Lauffläche aufgeraut oder abgeschält, eine neue Lauffläche aufgelegt undaufvulkanisiert. Dies ist bis zu einem Drittel billiger als die Herstellung eines Neureifens.

ImPkw-Bereich spielten runderneuerte Reifen bis 2005 in Deutschland kaum eine Rolle. Bei den Sommerreifen hatten sie weniger als ein Prozent Marktanteil; bei denWinterreifen etwa fünf Prozent. Sie waren nicht als Hochgeschwindigkeitsreifen (Kennung ZR, Y, …) erhältlich. Das hing damit zusammen, dass die Hersteller runderneuerter Reifen der Alterung derKarkasse Rechnung trugen und den Geschwindigkeitsindex ihrer Reifen herabstuften. Aus einem ehemaligen V-Reifen wurde also ein H-Reifen, aus einem H-Reifen ein T-Reifen usw. Bei Lkw-Reifen hatten die Runderneuerten einen Marktanteil von etwa 40 Prozent.[34]
Runderneuerte Reifen haben nur selten einen höherenRollwiderstand als Neureifen. Der Marktanteil runderneuerter Lkw-Reifen ging in Europa von 34,2 % (2012) auf 20,1 % (2022) zurück. Der Marktanteil runderneuerter Pkw-Reifen betrug in Europa rund ein Prozent.[35]
Laut einer 2022 veröffentlichten Studie desFraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik für AZuR (Allianz Zukunft Reifen) undDeutsche Bundesstiftung Umwelt verursachen runderneuerte Reifen in der Fertigung über 63 Prozent weniger CO2-Emissionen als qualitativ vergleichbare hochwertige Neureifen.[36][37]


Ein Radialreifen wird durch folgende Angaben bestimmt:
Alle Daten sind seitlich auf dem Autoreifen angebracht. Die Art der Beschriftung wird durch dieECE 30 (bzw. ECE 54 für LKW ab 80 km/h) geregelt. Dabei bilden Breite, Verhältnis und Felgendurchmesser dieReifengrößenbezeichnung. Tragfähigkeitsindex und Geschwindigkeitskategorie bilden dieBetriebskennung.
So bedeutet z. B. die Aufschrift185/65 R 15 85 H folgendes:
Der Durchmesser ist somit Breite × Prozent × 2 + (Felgendurchmesser × 25,4), in unserem Beispiel somit 622 mm (= 185 mm × 65% × 2 + (15 × 25,4) mm)
Das Klassifizierungsmerkmal UTQG gibt das Leistungsniveau eines Reifens entsprechend drei verschiedener Kriterien an.Man unterscheidet:

Verschiedene Hersteller markieren ihre Reifen im Profil mit radial umlaufenden farbigen Linien, die mit dem Gebrauch verblassen oder ganz verschwinden. Diese Linien dienen nur zur besseren Unterscheidbarkeit im Lager und enthalten keine verbindliche Information.
„Eine gesetzliche Grundlage zum Alter von Reifen gibt es nicht – weder für den Neukauf noch in puncto Dauerhaltbarkeit.“ (ADAC)[39]
Reifengummi altert und versprödet auch dann, wenn das Fahrzeug stillsteht. Dies besonders dann, wenn esUV-Strahlung (wie sie im Sonnenlicht enthalten ist) ausgesetzt ist. DerADAC empfiehlt, Reifen maximal bis zum Alter von acht Jahren zu verwenden.[40]

Der Schweizer AutomobilclubTCS empfiehlt, Reifen nicht länger als acht Jahre zu nutzen und warnt vor der Verwendung von Reifen, die das zehnte Lebensjahr überschritten haben.[41] Auch gibt es Empfehlungen, ab einem Alter von 5 Jahren zu wechseln.
Studien oder andere Belege für diese Empfehlungen sind nicht bekannt.
Für die Reifen von PKW-Anhängern, welche eine 100-km/h-Zulassung besitzen, gilt ein gesetzliches Höchstalter von sechs Jahren; ist ein Reifen älter, ist die Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h begrenzt.[42]
DerAbrieb von Reifen istpersistent. BeiMikroplastik, das durch Abrieb von Reifen in die Umwelt gelangt, sind insbesondere Pkw-Autoreifen der Hauptverursacher.[43][44] Ein modernes Auto verursacht 2000 mal mehr Feinstaub durch Reifenabrieb als durch Abgase.[45] Nach einer Abschätzung derEmpa stammen in der Schweiz 93 Prozent des in die Umwelt freigesetzten Mikroplastiks aus dem Reifenverschleiß.[46]
Gelangt Reifenabrieb in Gewässer, kann diesFischsterben verursachen (vgl. Ozonschutzmittel6PPD).[47]
Der Reifenabrieb war 2010 mit 111.420 Tonnen in Deutschland eine der mengenmäßig größten Quellen für Staubemissionen des Straßenverkehrs. Das betrifft vor allemsedimentierbaren Staub, aber auchFeinstaub.[48][49]
Laut einer Veröffentlichung der norwegischen Umweltbehörde aus dem Jahr 2014 stammten 54 Prozent derMikroplastik-Emissionen inNorwegen vomReifenabrieb.[50] 70 Prozent desKautschuks werden für die Autoreifenproduktion aufgewendet.[51]
Der durch Reifenabrieb erzeugte Feinstaub gelangt tief in die Lungen. Er enthält gesundheitsgefährdende Stoffe wiePolycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe,Benzothiazol sowie Schwermetalle[52] wie Blei (sieheBlei#Toxizität)[53].
DieEU-Kommission hat 2022 vorgeschlagen, mit derEuro 7 auch die Feinstaub-Emissionen durch Reifen undBremsbeläge zu regulieren.[54] Bei einem Treffen desEU-Ministerrates am 25. September 2023 hielt dieser an den neuen Grenzwerten für den Abrieb von Reifen und Bremsbelägen fest.[55]
Bei der Herstellung werden Reifen aufReifengleichförmigkeit geprüft.

Bei Reifen mit laufrichtungsgebundenem Profil zeigt auf der Seitenwand einen Pfeil oder einen Hinweis die vorgeschriebene Drehrichtung an. Auf der Felge aufgezogen, dürfen sie nicht über Kreuz getauscht werden. Haben sie in der Draufsicht V-förmige Rillen, trifft die Spitze eines Vs bei Vorwärtsfahrt zuerst auf die Fahrbahn und beim Abrollen werden Wasser oder Schneematsch nach außen befördert.
Wird ein solcher Reifen gegen die vorgegebene Laufrichtung montiert, führt das zu verschlechtertem Fahrverhalten durch höhereAquaplaning-Neigung und eventuell höherer Geräuschentwicklung und höherem Verschleiß. Reifenschäden sind möglich.
Es empfiehlt sich, auch bei nicht laufrichtungsgebundenen Reifen die einmal gewählte Laufrichtung beizubehalten, da sich der Reifen durch Abrieb (Ausformung von dachziegelartigem Längsprofil) an diese anpasst und durch einen Wechsel eher schneller verschleißt.
Bei Reifen mit – in Bezug auf die Fahrzeuglängsmitte – innen-außen-asymmetrischem Profil wird durch die asymmetrische Profilgestaltung das Reifenprofil den Anforderungen im Bereich der Außen- und Innenschulter angepasst. Die Außenschulter hat großen Einfluss auf Kurvenstabilität und das Lenkansprechverhalten. Die Innenschulter kann bei einem Winterreifen durch hohe Anzahl von Eingriffkanten für bessere Traktion auf Schnee sorgen. Reifen mit asymmetrischem Profil haben auf der Flanke eine Kennzeichnung für die nach außen gehörende Seite.
Ist ein Reifentyp sowohl seitlich asymmetrisch als auch laufrichtungsgebunden – die Drehrichtung festlegend – gestaltet, so existieren zwei unterschiedliche,spiegelbildliche Ausführungen für die linke bzw. rechte Fahrzeugseite.
Reifen für Nutz- und Geländefahrzeuge, auch für Baumaschinen, Traktoren und Militärfahrzeuge, tragen oft eine Kennzeichnung der Traktionsrichtung. Der Pfeil auf der Seitenwand des Reifens zeigt hier ebenfalls die Drehrichtung. Bei korrekter Laufrichtung hat der Reifen auf losem Grund mehrTraktion. Bei Reifen für Fahrzeuge mit Höchstgeschwindigkeiten unter 80 km/h ist die Angabe der Traktionsrichtung lediglich ein technischer Hinweis. Solche Reifen haben ein Profil mit V-förmig angeordnete Stollen mit Reinigungswirkung. Die Spitze des V muss auch in diesem Fall beim Abrollen zuerst den Boden erreichen.
Die Fahrzeughersteller geben für jeden Fahrzeugtyp den empfohlenen Reifendruck an. Er beeinflusst das gesamte Fahrverhalten und damit die Fahrsicherheit sowie denKraftstoffverbrauch und die Reifenlebensdauer. Meist ist er getrennt für das leere und das voll beladene Fahrzeug angegeben. Diese Informationen sind imHandbuch oder meist auf einem Aufkleber in der Tür, im Handschuhfach- oder auf der Innenseite der Tankklappe ersichtlich. Bei der Drucküberprüfung – nur bei kalten Reifen – soll man auch dasReserverad nicht vergessen.
Eine Unterschreitung des vorgeschriebenen Reifendrucks führt zu erhöhtemRollwiderstand, schwammigem Fahrverhalten, erhöhter Bodenhaftung bei niedrigen Geschwindigkeiten und insbesondere zu starker Erwärmung des Reifens bei hohen Geschwindigkeiten durch die stärkereWalkarbeit. Fast alle Reifenschäden bei Autobahnfahrten sind auf Überhitzung der Reifen durch deutliche Unterschreitung des vorgeschriebenen Mindestreifendrucks zurückzuführen. Bei extrem zu niedrigem Reifendruck werden außerdem die Laufflächen seitlich stärker abgenutzt.
Durch Erhöhung des Reifendruckes um 0,2 bar über der Herstellerempfehlung erreicht man einen niedrigeren Rollwiderstand, der sich in niedrigerem Kraftstoffverbrauch äußert. Faustregel: 0,2 bar mehr bringen 2 Prozent weniger Verbrauch. Darüber hinaus kann durch die Erhöhung des Reifendrucks in gewissem Rahmen die Lenkgenauigkeit, die Fahrstabilität und damit die Straßenlage insgesamt verbessert werden, denn sie macht den Reifen in sich steifer, wodurch der Seitenkraftaufbau schneller erfolgt.
Nachteile dieser Erhöhung können hingegen ein Verlust anFahrkomfort durch höhereFedersteifigkeit des Reifens und ein Verlust an Bodenhaftung bei geringen Geschwindigkeiten wegen der geringeren Auflagefläche sein. Diese verringert sich, da sich der Reifen weniger verformen kann und bei stark überhöhtem Fülldruck sich die Lauffläche nach außen wölbt.[56] Befürchtungen, das Profil könnte sich in der Mitte der Lauffläche schneller abnutzen als an den Reifenkanten, lassen sich in der Praxis aber nicht bestätigen, solange der Maximaldruck von üblicherweise 3,0 bar nicht überschritten wird.
Bei allen Weltrekordfahrten für den niedrigsten Treibstoffverbrauch oder die längsten erreichten Wegstrecken mit einer Tankfüllung wird seit Jahrzehnten immer mit einem um etwa 0,5 bis 1,5 bar erhöhten Reifendruck gefahren.
Bei gleicher Dimension weichen die Widerstände der Fabrikate um bis zu 20 Prozent voneinander ab (im Extremfall sogar bis 30 Prozent)[57] Autohersteller empfehlen meist, bei Geschwindigkeiten über 130–160 km/h den Reifendruck um 0,2–0,6 bar zu erhöhen.

Seit den 1980er Jahren ist auf der Seitenwand dieDOT-Nummer einvulkanisiert. Bei Reifen ab dem Jahr 2000 ist die DOT-Nummer vierstellig, beispielsweise steht „2203“ für die 22. Produktionswoche (Kalenderwoche) des Jahres 2003.
Reifen mitdreistelliger DOT-Nummer ohne nachgestelltes Dreiecksymbol wurden in den 1980er Jahren produziert (z. B. steht „257“ für die 25. Produktionswoche (Kalenderwoche) des Jahres 1987). Reifen mit dreistelliger DOT-Nummermit nachgestelltem Dreiecksymbol stammen aus den 1990er Jahren.
Um die verbleibende Profiltiefe leichter sichtbar zu machen, sind Indikatoren (TWI-Markierungen,Tread Wear Indicator) vorhanden, kleine Höcker in mehreren Profilrillen, die eine Restprofiltiefe von 1,6 mm anzeigen. Oft werden diese durch die BuchstabenTWI am Reifenrand markiert, um das Auffinden zu erleichtern. ZurBestimmung der Profiltiefe gibt es verschiedene Messverfahren, die teilweise sogar im laufenden Verkehr anwendbar sind.
Die richtige Lagerung von Reifen kann sich auf die Lebensdauer auswirken, da das Gummi durch verschiedene Einflüsse, wie Licht und Wärme, aber auch durch den Kontakt mit Öl, Benzin, Fett und Lösungsmitteln, angegriffen wird und sich dadurch seine Haltbarkeit deutlich verkürzen kann.[58]
Eine besondere Form der Reifenabnutzung stellt dieSägezahnbildung dar, bei der die einzelnen Profilblöcke vorn und hinten ungleichmäßig abgenutzt sind.
Bei den Dimensionen (Durchmesser, Breite, Verhältnis Breite/Höhe) der Reifen gab es Nachfrageverschiebungen bzw. Trends. Reifenkäufer stützen ihre Wahl häufig auf Testberichte und/oder auf die Beratung des Händlers. Bekannt sind die Reifentests desADAC. Im Internet finden sich zahlreiche Test- und Erfahrungsberichte, die nicht immer als seriös bewertbar sind.
Auf Grund der Besonderheiten von Reifentests hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung vor Jahren die Berichterstattung dazu beendet.
Als spezielles Reifengas zur Befüllung von Autoreifen wurde bis zum Jahr 2000Schwefelhexafluorid eingesetzt, dann wurde aus Kosten- und Umweltgründen auf Stickstoff umgestellt. Jedoch sind bisher entgegen den Behauptungen der Anbieter keine nachprüfbaren Vorteile bekannt, die Reifengas oder reinen Stickstoff gegenüber der üblichen Füllung mit normaler Druckluft, die ohnehin 78 Prozent Stickstoff enthält, in Fahrzeugreifen für den Straßenverkehr rechtfertigen.

Das Profil gängiger Reifen sorgt bei Nässe dafür, dass das Wasser zwischen Reifen und Fahrbahn verdrängt und abgeleitet wird und so der Kontakt zwischen Reifen und Fahrbahnoberfläche weitestgehend erhalten bleibt und die Gefahr eines Aufschwimmens des Reifen reduziert wird. Wie effektiv Aquaplaning vermieden werden kann, hängt besonders stark von der Profiltiefe sowie der Profilgestaltung des Reifens ab. Meist wird bei modernen Reifen im mittleren Bereich des Laufstreifens oder auch asymmetrisch versetzt eine oder mehrere starke Längsprofilierungen gewählt, durch die das Wasser in Laufrichtung direkt abgeführt wird. In den Randbereichen wird durch deutlich ansteigende Querprofilierung die Drainagewirkung erhöht. Asymmetrisch gestaltete und angeordnete Profilblöcke sorgen für eine Verteilung der Abrollgeräusche über ein breiteres Frequenzspektrum. Das sich aus mehreren Frequenzen zusammensetzende Abrollgeräusch wird als weniger laut empfunden als jenes bei Reifen mit identischen Querprofilabständen.
BeimReifenwechsel werden andere Reifen auf dieFelgen aufgezogen.
Beim Wechsel zwischen Sommer- und Winterreifen werden meist die kompletten Räder (Reifen auf Felgen) ausgetauscht. Ein solcherRadwechsel kann auch selbst durchgeführt werden.
Meist werden die Räder nach einer Tauschstrategie zwischen Vorder- und Hinterachse vertauscht; dabei ist sowohl die Laufrichtung als auch die Profiltiefe zu beachten. Da die Hinterachse für die Fahrstabilität des Fahrzeugs entscheidend ist, sollten dort die besseren Reifen montiert werden, unabhängig davon, welche Achse angetrieben wird. Beste Fahreigenschaften sind mit einheitlicher Bereifung an allen Rädern erzielbar. Bereifung mit unterschiedlichen Reifentypen und Verschleißzuständen ist gesetzlich zulässig.[59]
Radmuttern oder -schrauben müssen mit dem vorgeschriebenenDrehmoment an- und nach 50–150 km Fahrt nachgezogen werden. Reifenhändler erinnern daran meist mit einem schriftlichen Hinweis im Fahrzeug und auf der Rechnung. Denn ohne Nachziehen kann sich die Verschraubung lösen. Die Ursache dafür ist dieSetzen genannte geringe plastische Verformung an den Fügeflächen. Sie bewirkt, dass derKraftschluss an der Schraube verloren geht, insbesondere bei Rädern aus Leichtmetall, das stärker zumKriechen neigt als Stahl.

In Umsetzung einer Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. November 2009[60] wurde in Deutschland am 1. November 2012 einKennzeichnungssystem eingeführt, das Verbrauchern ermöglichen soll, die besten Reifen unter den Aspekten Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung und externes Rollgeräusch auszuwählen. Die Kennzeichnung ist als Piktogramm ausgeführt und soll die Kraftstoffeffizienz ähnlich wie beimEnergielabel in den Klassen A–G darstellen, daneben die Nasshaftungsklasse (Buchstaben A bis G) und die Angabe des Messwerts inDezibel (dB) für das externe Rollgeräusch. Eine Kennzeichnung für runderneuerte Reifen und Geländereifen für den gewerblichen Einsatz und andere Spezialreifen ist nicht vorgesehen.
Lärmgrenzwerte nach EU-Verordnung Nr. 661/2009:
| Reifenklasse | Nennbreite | Grenzwerte ab 2012 | Grenzwerte ab Herstellungsdatum 1. November 2016 |
|---|---|---|---|
| C1a | <= 185 mm | 70 dB(A) | |
| C1b | > 185 … 215 mm | 71 dB(A) | |
| C1c | > 215 … 245 mm | 71 dB(A) | |
| C1d | > 245 … 275 mm | 72 dB(A) | |
| C1e | > 276 mm | 74 dB(A) | |
| C2 | — | 72 [73] dB(A) | |
| C3 | — | Normalreifen 76 dB(A)[61] Winterreifen 78 dB(A)[61] | 73 [75] dB(A) |
In Deutschland ist eine Reifenprofiltiefe im mittleren Bereich der Lauffläche (Hauptprofil) nach§ 36 Abs. 2 Satz 4StVZO von mindestens 1,6 mm ausreichend.[62] Für das zulässige Höchstalter der Reifen gibt es keine gesetzlichen Vorschriften, auch dürfen Reifen unterschiedlicher Fabrikate an den Rädern montiert sein.
Wird eine Profiltiefe von weniger als 1,6 mm von derPolizei festgestellt, ist ein Bußgeld fällig. Bei konkreter Gefährdung kann auch die Weiterfahrt untersagt werden. BeiVerkehrsunfällen, bei denen eine Schuld durch Verwendung abgefahrener Reifen oder durch die Verwendung von Sommerreifen unter winterlichen Straßenbedingungen festgestellt wird, kann dieHaftpflichtversicherung Regressansprüche an den Verantwortlichen geltend machen. Die eigene Fahrzeugversicherung kann in der Vollkaskoversicherung eine Leistung ablehnen und sich hinsichtlich des Haftpflichtschadens des Unfallgegners beim Fahrzeughalter bis zu einer Höchstsumme (meist 5000 Euro; vgl.KFZ-Haftpflichtversicherung) schadlos halten.
Seit dem 1. Oktober 2009 dürfen in Deutschland nur noch Reifen mit einer „s“-Kennzeichnung (besonders leise) verkauft werden. Diese Festlegung galt bis zum 1. Oktober 2010 nur für Reifen mit einer Breite bis 185 mm und einem Fahrzeuggewicht bis zu 3500 kg, und bis Oktober 2011 nur bis zu einer Breite von 205 mm. FürReisebusse gilt diese Regelung generell seit 2009.
Ab dem 1. Mai 2006 schrieb die StVO eine an die Wetterverhältnisse angepasste Bereifung vor: „Bei Kraftfahrzeugen ist die Ausrüstung an die Wetterverhältnisse anzupassen. Hierzu gehörten insbesondere eine geeignete Bereifung und Frostschutzmittel in der Scheibenwaschanlage.“ Bei einem Verstoß waren 20 Euro Verwarngeld vorgesehen, bei Behinderung sogar 40 Euro Bußgeld und ein Punkteeintrag imVerkehrszentralregister. Allerdings wurde seitens der StVO „geeignete Bereifung“ nicht weiter ausgeführt. 2010 wurde die Regelung wegen Verstoßes gegen dasBestimmtheitsgebot vomOberlandesgericht Oldenburg als verfassungswidrig eingestuft,[63] woraufhin im selben Jahr die StVO geändert wurde: Seit dem 4. Dezember 2010 ist – unabhängig von der Jahreszeit – das Fahren bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Reif- oder Eisglätte nur mit M+S-Reifen (Winter- und Ganzjahresreifen) erlaubt. Ausnahmen: Land- und Forstwirtschaftsfahrzeuge, bestimmte Einsatzfahrzeuge, nicht angetriebene Räder von Fahrzeugen derKlassen M2, M3, N2, N3, (Schwere Lkw, Busse). Die Bußgeldhöhen wurden verdoppelt.[64]
Die 2000 erlasseneRichtlinie für die Instandsetzung von Luftreifen regelt für die Bundesrepublik, welche Schäden am Autoreifen von einem Fachbetrieb repariert werden dürfen (bei Stichverletzungen im Laufflächenbereich bis 6 Millimeter Ausdehnung; Reparaturverbot, wenn der Reifen mittels Pannenhilfsmittel behandelt wurde) und welche Reparaturverfahren zulässig sind.
Die für ein Fahrzeug zugelassenen Rad-/Reifenkombinationen waren früher imFahrzeugschein eingetragen, der Nachfolger (Zulassungsbescheinigung Teil I) verzeichnet nur noch einen Typ. Welche Kombinationen möglich sind, kann der dem Fahrzeug mitgelieferten EWG-Übereinstimmungsbescheinigung (Certificate of Conformity, COC) entnommen, beim Hersteller oder einer Prüforganisation (z. B. TÜV, Dekra, KÜS, GTÜ und weitere) erfragt oder auch der Bedienungsanleitung des Autos entnommen werden. Die in der EWG-Übereinstimmungsbescheinigung aufgeführten Reifen- und Felgenkombinationen sind ausdrücklich vom Gesetzgeber erlaubt und brauchen nicht eingetragen zu werden.
Mit „Mischbereifung“ wird die Bereifung mit unterschiedlichen Typen, nämlich Diagonal- und Radialreifen bezeichnet. Mischbereifung auf einer Achse ist unzulässig. Bereifung mit Sommer- und Winterreifen auf einer Achse ist unzulässig; zulässig ist jedoch die Verwendung von Sommerreifen auf einer Achse und Winterreifen auf der anderen Achse. Bei PKW dürfen am ganzen Fahrzeug entweder nur Diagonal- oder nur Radialreifen gefahren werden. Für bestimmte Fahrzeuge existieren Ausnahmen (§ 36 StVZO).
Maßgeblich für den Einsatz von Reifen sind das Kraftfahrgesetz (KFG) und die Kraftfahrgesetz-Durchführungsverordnung (KDV).[65]
Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe beträgt in Österreich:
In Österreich herrscht im Zeitraum vom 1. November bis 15. AprilWinterreifenpflicht, und zwar
Als Winterreifen gelten nur M+S-Reifen oder M+S&E-Reifen (Matsch- undSchnee- undEis-Reifen), die die Mindestprofiltiefe für Winterreifen nicht unterschreiten. Nur sie erlauben den Betrieb bei Winterreifenpflicht oder auf Straßen, die nur mit Winterausrüstung befahren werden dürfen. Sind Winterreifen nicht vorgeschrieben, gelten auch für M+S-Reifen oder M+S&E-Reifen lediglich die auch für normale Reifen gültigen Mindestprofiltiefen.Es ist verboten, Kraftwagen mit nicht mehr als 3500 kg höchster zulässiger Gesamtmasse (und Anhänger die damit gezogen werden dürfen) achsweise mit Mischbereifung, also Sommerreifen auf einer Achse und Winterreifen (M+S mit Winterreifen-Profiltiefe) auf der anderen, zu betreiben (Ausnahme: Räder, die keine Kräfte auf die Fahrbahn übertragen). Außerdem dürfen auf einer Achse nur Winterreifen oder nur M+S-Reifen ohne Winterreifen-Profiltiefe oder nur Sommerreifen zum Betrieb verwendet werden.
Für KFZ bis 3,5 Tonnen sind in Österreich Spike-Reifen erlaubt, dann gilt aber eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 bzw. 100 km/h für Freiland bzw. Autobahn. Spikes befreien nicht von einer eventuell verordneten Kettenpflicht.
Sind an einem Zugfahrzeug Spikereifen angebracht, dann müssen auch am Anhänger Spikereifen montiert sein. Fahrzeuge mit Spikebereifung sind mit derSpikeplakette zu kennzeichnen.
Die Mindestprofiltiefe beträgt nachArt. 58 Abs. 4VTS 1,6 mm, für Winterreifen ist eine Mindestprofiltiefe von 4 mm empfohlen.
Der BegriffWinterreifen ist gesetzlich nicht definiert, folglich besteht auch keine Pflicht, ein Auto mit Winterreifen auszurüsten.[66] Zu berücksichtigen ist aber, dass das Fahrzeug unabhängig von der Witterung in einem betriebssicheren Zustand zu sein hat und die Fahrweise den Straßenverhältnissen anzupassen ist; andernfalls kann die Versicherung Regress auf den Fahrer nehmen und imSchadensfall die Versicherungsleistung vermindern (Art. 29SVG). Bei ungenügendem Profil oder unangepasster Bereifung (Sommerreifen im Schnee) ist die Betriebssicherheit nicht erfüllt.
Da moderne Fahrzeugreifen Produkte einer hochentwickelten Technologie sind, die ständig weiterentwickelt werden, fallen enorme Forschungs- und Produktionskosten an. Diese sind auf Dauer von kleinen und mittleren Unternehmen nicht aufzubringen. In der Reifenindustrie vollzieht sich deshalb, wie in anderen Industriezweigen auch, im Rahmen der weltweiten Liberalisierung des Handels ein Konzentrationsprozess. Mit wenigen Ausnahmen gehört der größte Teil der am weltweiten Reifenmarkt angebotenen Marken zu großen Teilen oder ganz zu einem der fünf großen, global operierenden Mutterkonzerne, die zusammen einen Weltmarktanteil von knapp 50 % erreichen:[67]
Weitere große Reifenhersteller sind:
Weltweit gibt es rund 1500 Reifenhersteller, ungefähr 1400 davon in China. Es werden jährlich rund 1,2 Milliarden Reifen verkauft.[67]
Meist werden die unter dem Namen des Mutterkonzerns vertriebenen Marken im oberen Marktsegment als „Premium-Marken“ angeboten. Um möglichst alle Preissegmente abzudecken, wird das Sortiment mit den Zweit- und Drittmarken im mittleren und unteren Preisbereich ergänzt. Außerdem werden für Serviceketten und Reifenfachhändler auf Bestellung „Hausmarken“ unter vielen verschiedenen Namen produziert. Letztere sind dann in der Regel altbewährte Modelle mit leichten Designänderungen, die im Rahmen der permanenten Sortimentserneuerung aus der Palette des eigenen Konzerns gefallen sind. Ebenfalls leicht abweichende Designs finden sich bei Reifen, die speziell für eine bestimmte Automarke hergestellt werden; derartige Reifen sind durch Zusätze in derReifenbezeichnung zu erkennen.
Der Pirelli-Konzern stand nach seinem verstärkten Engagement in der Telekommunikationsbranche in den letzten Jahren vor der Entscheidung, seine PKW-Reifensparte an Mitbewerber zu verkaufen, entschied sich jedoch wegen des Marktwerts der mit einem sportlichen Image behafteten Marke für den Behalt.
| Reifenhersteller | Marktanteil 2012 in %[67] | Umsatz 2013 in Mrd. Euro[69] | Umsatz 2021 in Mrd. Euro[70] |
|---|---|---|---|
| Bridgestone | 15,3 | 22 | 23,0 |
| Michelin | 14 | 20,2 | 23,3 |
| Goodyear | 10 | 14,2 | 15 |
| Continental | 5,8 | 10 | 11,8 |
| Sumitomo | 4,2 | 4,8 | 6,2 |
| Pirelli | 4,1 | 6,1 | 5,3 |
| Hankook | 3,4 | 5 | 5,3 |
| Yokohama | 3 | 3,4 | 4,5 |
| Maxxis | 2,5 | 3,2 | 3,2 |
Der nach Eigenaussage mit großem Abstand nach Stückzahl weltgrößte Hersteller von Reifen – für Spielzeug – ist dieLego Group: Im Jahr 2016 produzierte das Unternehmen über 730 Millionen Stück[71] und damit etwa viermal so viele wie der größte „reguläre“ Reifenproduzent Bridgestone.[72]
Altreifen sind weltweit im Überfluss verfügbar, allein in Deutschland fallen jährlich 600.000 Tonnen Altreifen an[73], eine Weiterverwertung neben der oben beschriebenenRunderneuerung erfolgt vielfältig:
Demontierte Reifen haben die Form einesTorus mit innen schlitzförmiger Öffnung. Egal in welcher Lage ein Reifen im Freien liegt, bildet sich in ihm durch Regenwasser eine Wasserpfütze aus, welche, durch den Reifen vor Wind geschützt, lange bestehen bleibt.
Einer der wichtigsten Verbreitungswege für invasive Mücken wie dieAsiatische Tigermücke und dieAsiatische Buschmücke ist der Gebrauchtreifenhandel. Mit den Reifen gelangen Eier aus Asien per Frachtschiff nach Europa, wo die Reifen u. a. zur Herstellung von Flüsterbeton verwendet werden.[74]
Auch Insekten wie dieMalaria übertragendeStechmücke nutzen die Pfützen in Reifen.