Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 von 1886, das erste „moderne Automobil“Ford Modell T, das erste Automobil ausFließbandfertigung (Produktionszeitraum 1908–1927), aber nicht das erste in Serie gebaute AutoAutomobile Massenmotorisierung:VW Käfer, von 1972 bis 2002 das (kumulativ) weltweit meistgebaute AutomobilAutomobile Massenmotorisierung in derDDR, derTrabant 601Eine deutsche Sportwagenlegende, derPorsche 911
EinAutomobil (Kraftwagen, in derSchweiz amtlichMotorwagen) ist ein mehrspurigesmotorgetriebenesStraßenfahrzeug zur Beförderung von Personen oder Lasten. Die umgangssprachliche KurzformAuto bezeichnet vor allemKraftfahrzeuge, die zum Transport von Personen bestimmt sind. Amtlich werden diese alsPersonenkraftwagen (kurz: Pkw) bezeichnet, oder – bei mehr Sitzplätzen – alsKraftomnibus.
Automobile, die keine PKW sind, werden alsNutzfahrzeug bezeichnet.Lastkraftwagen (Lkw) dienen mehrheitlich dem Straßentransport von Gütern.
Der weltweite Fahrzeugbestand lag im Jahr 2010 bei über 1,015 Milliarden Automobilen und stieg seitdem kontinuierlich an. 2011 wurden weltweit über 80 Millionen Automobile gebaut. In Deutschland waren im Jahr 2012 etwa 51,7 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen, davon sind knapp 43 Millionen Personenkraftwagen.
Wortherkunft
Automobil („Selbstbeweger“) ist ein substantiviertes Adjektiv, abgeleitet vongriechischαὐτόςautós, deutsch‚selbst‘, undlateinischmobilis‚beweglich‘. Die Wortschöpfung entstand in den 1860er-Jahren in Frankreich und diente damals – wielocomobile – zur Unterscheidung von den üblichen Landfahrzeugen, die damals von Pferden gezogen wurden. So bezeichnetefranzösischvoiture automobile‚selbstbewegender Wagen‘ 1875/1876 eine mit Pressluft betriebeneStraßenbahn.[1] Die Anwendung im heutigen Sinn setzte sich in den 1890er-Jahren durch: 1893 hieß es in der PublikationRadfahrergeschichten noch mit französischem Plural: „In den Straßen von Paris wird es bald komisch aussehen. Viele Fiaker fahren bereits ohne Pferde als numerirte Automobiles umher.“[2] Anschließend wurde das Wort im Deutschen schnell heimisch, zunächst nach französischem Vorbild noch als Femininum, unter dem Einfluss der KurzformAuto aber bald schon als Neutrum.[1] Das ältere deutsche Wort war hingegenMotorwagen.[2] Die deutschen ÄquivalenteKraftfahrzeug undKraftwagen wurden 1917 amtlich eingeführt.[3]
Die Definition „selbstbewegendes Fahrzeug“ würde auch motorisierteZweiräder undSchienenfahrzeuge einschließen. In der Regel wird unter einem Automobil jedoch ein mehrspuriges und nicht schienengebundenes Kraftfahrzeug verstanden, also ein Pkw, Bus oder Lkw. In der Alltagssprache ist meist nur der Pkw gemeint. Der Darmstädter Dozent für Kraftwagen,Freiherr Löw von und zu Steinfurth versuchte, sich in seinem StandardwerkDas Automobil – sein Bau und sein Betrieb über alle Ausgaben ab 1909 hinweg an möglichst exakten Definitionen von „Automobil“. In der 5. Auflage von 1924 schreibt er:
„Das Automobil ist ein Fahrzeug, das
durch Maschinenkraft bewegt wird,
die zu seiner Ortsveränderung dienende Energiequelle in sich trägt,
gewöhnliche Straßenfahrdämme benutzt, und
die zu befördernden Personen oder Güter – wenigstens zum Teil – selbst aufnimmt.“
–Ludwig Löw von und zu Steinfurth:Das Automobil – sein Bau und sein Betrieb[4]
Um diese strenge Klassifizierung zu beleuchten, lässt er beispielsweise Forderung 2 weg und kommt damit „zu den sogenanntengleislosen Bahnen, die aus elektrischen Wagen bestehen, denen durch eine Oberleitung die Energie zugeführt wird.“
ImEnglischen ist mit einemautomobile bzw.car nur ein Pkw gemeint. Eine Übersetzung im Sinne des zitierten von und zu Steinfurth gibt es im Englischen nicht. Das in diesem Zusammenhang oft erwähnte Wortmotor vehicle schließt auch Krafträder mit ein und ist demzufolge demdeutschen Begriff Kraftfahrzeug gleichzusetzen.
Der FranzoseNicholas Cugnot erbaute 1769 einenDampfwagen – das erste bezeugte und tatsächlich erbaute Fahrzeug, das nicht auf Muskelkraft oder einer anderen äußeren Kraft (wie z. B. Wind) basierte (und kein Spielzeug war). Um 1832 sollRobert Anderson in Aberdeen einenElektrokarren gebaut haben.[5] Im Jahr 1863 machteÉtienne Lenoir mit seinem „Hippomobile“ eine 18 km lange Fahrt; es war das erste Fahrzeug mit einem Motor mit interner Verbrennung. DerTaylor Steam Buggy von 1867 mitDampfmotor und zwei Zylindern erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 24 km/h und ist als das älteste kanadische Automobil. Jedoch gilt das Jahr 1886 mit demMotordreirad „Benz Patent-Motorwagen Nummer 1“ des deutschen ErfindersCarl Benz als das Geburtsjahr des „modernen“ Automobils mitVerbrennungsmotor, da es große mediale Aufmerksamkeit erregte und zu einer Serienproduktion führte. Zuvor bauten auch andere Erfinder motorisierte Gefährte mit ähnlichen oder gänzlich anderen Motorkonzepten. Z.B. wurde bereits 1881 mit demTrouvé Tricycle vorher das erste anerkannteElektroauto gebaut.
MotorisierteWagen lösten in nahezu allen Bereichen die von Zugtieren gezogenenFuhrwerke ab, da sie deutlich schneller und weiter fahren und eine höhereLeistung erbringen können. Durch diesen Vorteil steigerte sich seit dem Geburtsjahr des Automobils die Weite der zurückgelegten Strecken, u. a. deshalb wurde dem motorisierten Straßenverkehr immer mehr Raum zugestanden.
Trotz der schon Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts bekannten Vorteile der Elektromobilität setzte sich zunächst der Verbrennungsmotor als Antrieb durch.[6]
Zu den wesentlichen Bestandteilen des Automobils gehören dasFahrwerk mitFahrgestell und anderen Teilen, fernerKarosserie,Motor,Getriebe undInnenraum. Europäische Pkw bestehen zu über 54 Prozent ausStahl, die Hälfte davon hochfesteStahlgüten.[7] Die Technik der Fahrzeuge müssen Ingenieure und Designer in eine funktionale, ergonomische und ästhetische Form bringen, die die Markenwerte des Herstellers vermittelt und Emotionen weckt.[8] Beim Kauf eines Autos ist dasFahrzeugdesign heute eines der wichtigsten Entscheidungskriterien.[9]
Sicherheit
Nach Zahlen derWHO sterben 1,25 Millionen Menschen jährlich[10] an den direkten Folgen vonVerkehrsunfällen.
Die Sicherheit von Insassen und potenziellen Unfallgegnern von Kraftfahrzeugen ist unter anderem abhängig von organisatorischen und konstruktiven Maßnahmen sowie dem persönlichen Verhalten der Verkehrsteilnehmer. Zu den organisatorischen Maßnahmen zählen zum Beispiel Verkehrslenkung (Straßenverkehrsordnung mitVerkehrsschildern oder etwas moderner durch Verkehrsleitsysteme), gesetzliche Regelungen (Gurtpflicht, Telefonierverbot), Verkehrsüberwachung und straßenbauliche Maßnahmen.
Zu den persönlichen Maßnahmen zählen Verhaltensweisen wie eine defensive Fahrweise, das Einhalten der Verkehrsvorschriften oder Training der Fahrzeugbeherrschung, beispielsweise bei einemFahrsicherheitstraining. Diese sowie dieVerkehrserziehung speziell für Kinder helfen das persönliche Unfallrisiko zu vermindern.
Alle Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit zusammen können dazu beitragen, dass die Zahl der bei einem Verkehrsunfall getöteten Personen reduziert wird. In den meisten Industrienationen sind dieOpferzahlen seit Jahren rückläufig. In Europa spielen Verkehrsunfälle als Todesursache heute eine geringere Rolle als vor einigen Jahrzehnten, die Zahl der Todesopfer liegt unter den Zahlen derDrogentoten oderSuizidenten. So fielen in Deutschland, Österreich, den Niederlanden oder der Schweiz die Opferzahlen seit den 1970er-Jahren, trotz kaum rückläufiger Zahlen derVerkehrsunfälle, auf ein Drittel. 2011 ist in Deutschland die Zahl der Verkehrstoten zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder gestiegen,[11] in Österreich und der Schweiz allerdings auf dem historisch tiefsten Stand.
Nach längerer freiwilliger Aktion wurde das Fahren mit eingeschaltetem Licht am Tag inÖsterreich am 15. November 2005 verpflichtend eingeführt und 2007 auch per Strafe eingefordert. Zum 1. Januar 2008 wurde die Lichtpflicht allerdings wieder abgeschafft.[12] Ziel dieser Kampagne war es, die menschlichen Sinneseindrücke auf die Gefahrenquellen zu fokussieren und damit die Zahl der Verkehrstoten zu verringern. Schätzungen des Bundesministeriums zufolge wurden jährlich 15 Verkehrstote weniger erwartet. Allerdings zeigte sich nicht der erwartete Effekt, da vermehrt die Aufmerksamkeit von unbeleuchteten Gefahrenquellen (Hindernisse oder andere Verkehrsteilnehmer z. B. Fußgänger) weg zu den bewegten und beleuchteten Fahrzeugen gelenkt wurde. Auch inNorwegen wurden in den Jahren nach der Einführung der Lichtpflicht 1985 deutlich mehr Verkehrstote gezählt als in den Jahren davor.[13] Trotzdem wird in einigen Ländern (etwa Deutschland) weiterhin die Einführung einer solchen Maßnahme in Erwägung gezogen.
Autonomes Fahren
Video: Taxifahrt mitRobotaxi in Wuhan, China. Juli 2024
Sowohl Automobilbauer[14] und Zulieferbetriebe als auch Unternehmen aus der IT-Branche (insbesondereGoogle[15] undUber[16]) forschen und entwickeln am autonom fahrenden Kraftfahrzeug (meist Pkw). „Roboter-Autos sind feinfühligere und sicherere Autofahrer als Sie und ich“ (Chris Urmson, Googles Projektleiter undCarnegie-Mellon-Professor: heise.de:Rückenwind für autonome Autos). Erfahrungen amerikanischer Autoversicherungen würden nahelegen, dass bereits die Anzeigen der Assistenz-Sensorik das Unfallrisiko senken können.[17] Auch wird die Ansicht vertreten, dass ein gewisses Maß an Unsicherheit den Erfolg autonomer Automobile nicht verhindern wird.[18]
Das „Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr“ von 1968 verbot lange Zeit autonome Automobile, wurde jedoch Mitte Mai 2014 von der UN geändert, so dass „Systeme, mit denen ein Pkw autonom fährt, zulässig [sind], wenn sie jederzeit vom Fahrer gestoppt werden können.“[19] Davor schrieb es unter anderem vor, dass jedes in Bewegung befindliche Fahrzeug einen Fahrer haben und dieser das Fahrzeug auch beherrschen muss. Zu klären sind insbesondere Fragen bezüglich des Haftungsrechts bei Unfällen, wenn technische Assistenzsysteme das Fahren übernehmen.[20] Im bisher dem Fortschritt zugeneigten Kalifornien, das lange Zeit liberale Regelungen für autonome Automobile hatte, wurde 2014 die gesetzliche Situation jedoch verschärft – jetzt muss immer ein Mensch am Steuer sitzen, der „jederzeit eingreifen kann“.[21] Einer Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zufolge rechnet man damit, dass zumindest die Automatisierung einiger Fahrfunktionen bis spätestens 2020 technisch realisierbar sein werden, während fahrerlose Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen erst weit später zu erwarten seien.[22]
Auch Fahrzeuge ohne Lenkrad, Bremse und Gaspedal werden erprobt. In diesem Zusammenhang werden Verkehrskonzepte wie ein erweitertesCarsharing diskutiert: Man bucht das Auto übers Internet und steigt bei Bedarf zu. Keiner der Insassen benötigt eine Fahrerlaubnis.
Kosten
Kosten für den Fahrzeughalter
Die Gesamtbetriebskosten eines Autos setzen sich zusammen aus Fixkosten (auch „Unterhaltskosten“ genannt) und variablen Kosten (auch „Betriebskosten“ genannt), hinzu kommt der Wertverlust des Autos. Die Kosten werden von vielen Menschen unterschätzt.[23]
Daneben können freiwillige Zusatzversicherungen abgeschlossen werden, wie eineKaskoversicherung sowie weitere Versicherungen oder zusätzliche versicherungsähnliche Leistungen, welche dieAutomobilclubs bei einer Mitgliedschaft anbieten.
Betriebskosten
Die Betriebskosten hängen weitgehend von der jährlichen Kilometerleistung ab. Es entstehen Aufwände für denEnergieverbrauch (bei Verbrennungsmotoren ist das derKraftstoffverbrauch), den Ersatz von Verschleißteilen (insbesondereAutoreifen), sowie für weitere Wartung und ggf. außerplanmäßige Reparaturen. Die Wartung ist je nach Zeit und Kilometern erforderlich. Typische Zeitintervalle liegen bei 1 bis 2 Jahren, typische Kilometerintervalle bei 10.000 km bis 30.000 km.[24] Werden die Wartungsintervalle nicht eingehalten, kann das zu Schwierigkeiten mit Garantieansprüchen bei Defekten führen.Je nach individuellem Wunsch entstehen Kosten für die Fahrzeugreinigung.
Nicht direkt kilometerabhängig sind Park- und Mautgebühren.
Anschaffungskosten
Der Kaufpreis verringert sich sofort alsWertverlust auf den jeweiligen, zeitabhängigenVerkehrswert, während beimLeasing ein ähnlicher Verlust durch Zinszahlungen entsteht.
Beispielwerte
Statistisches Bundesamt undADAC veröffentlichen vierteljährlich einen Autokosten-Index. Dieser gibt an, um wie viel Prozent sich verschiedene Kostenbestandteile verteuert oder verbilligt haben.[25]
Der ADAC veröffentlicht eine Voll-Kalkulation für Neuwagen, eingeteilt in 6 Klassen (Stand: 04/2018):
Mittelklasse: Škoda Octavia 1.2 TSI Active: 502 €/Monat
Obere Mittelklasse: Škoda Superb Combi 1.6 TDI Active: 614 €/Monat
Oberklasse: Porsche 911 Carrera Coupé: 1357 €/Monat
Angeführt ist das jeweils günstigste Modell jeder Klasse.[26][27]
Von der Allgemeinheit getragene Kosten
Der Pkw-Verkehr bringtexterne Kosten, insbesondere im BereichUmweltverschmutzung und Unfallfolgekosten, mit sich. Viele der dabei betrachteten Größen sind kaum bzw. nur sehr ungefähr zu quantifizieren, weshalb verschiedene Publikationen zum Thema unterschiedlich hohe externe Kosten benennen.
Eine Studie aus dem Jahr 2022 kommt zu dem Schluss, dass jeder Autofahrer im Jahr mit rund 5.000 Euro von der Allgemeinheit subventioniert wird. Einbezogen wurden zehn verschiedene soziale oder externe Kostenarten, darunter Luftverschmutzung, Lärmbelastung, Schaffung und Erhalt der Straßeninfrastruktur, Parken im öffentlichen Straßenraum und Kosten des Klimawandels.[28][29]
GemäßUmweltbundesamt betrugen die externen Kosten im Straßenverkehr in Deutschland im Jahr 2005 insgesamt 76,946 Mrd. Euro, wovon 61,2 Mrd. auf den Personen- und 15,8 Mrd. auf den Güterverkehr entfielen. Die Unfallkosten machten dabei 52 % (entspricht 41,7 Mrd. Euro) der externen Kosten aus.[30] Das Umweltbundesamt berechnete 2007, dass Pkw in Deutschland durchschnittlich etwa 3 Cent pro Kilometer an Kosten für Umwelt und Gesundheit verursachen, die hauptsächlich durch Luftverschmutzung entstehen. Das ergibt rechnerisch Kosten von 3000 Euro für einen Pkw mit 100.000 Kilometern Laufleistung. Für Lkw betragen diese Kosten sogar 17 Cent pro Kilometer.[31] Diese externen Kosten werden nicht oder nur teilweise durch den Straßenverkehr getragen, sondern u. a. durchSteuern sowie Krankenkassen- und Sozialversicherungsbeiträge finanziert. Die Kostenunterdeckung des Straßenverkehrs (also alle durch den Straßenverkehr direkt und indirekt verursachten Kosten abzüglich aller im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr geleisteten Steuern und Abgaben) beziffert das Umweltbundesamt für das Jahr 2005 auf rund 60 Mrd. Euro.[32]
Der österreichische Pkw-Verkehr trug im Jahr 2000 nur einen Teil der von ihm verursachten Kosten: Ein großer Teil der Kosten für die Errichtung und Erhaltung der Straßen sowie derSekundärkosten wieUnfall- undUmweltkosten (Lärm, Luftschadstoffe) aller Verkehrsteilnehmer werden von der Allgemeinheit übernommen. Während der Pkw-Verkehr für 38 % der durch ihn verursachten Kosten aufkam, trugen Busse die eigenen Kosten zu 10 % und Lkw zu 21 %.[33]
DasHandbuch über die externen Kosten des Verkehrs der Europäischen Union bezifferte 2019 die wirtschaftlichen Kosten einer 20.000 km langen Autofahrt wie folgt:[34]
900 € für Unfallkosten
142 € für die Kosten der Luftverschmutzung
236 € für die Kosten des Klimawandels
236 € für die Auswirkungen der Lärmbelästigung
76 € für die Produktionskosten
110 € für den Verlust von Lebensraum
Auswirkungen der Automobilisierung
Wirtschaft
Der Pkw-Verkehr ist Forschungsgegenstand der Volkswirtschaft, namentlich derVerkehrswissenschaft. Das Automobil als industriellesMassenprodukt hat den Alltag der Menschheit verändert. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts hat es mehr als 2.500Unternehmen gegeben, die Automobile produzierten. Viele Unternehmen, die im 19. JahrhundertEisenwaren oderStahl produzierten, fingen Mitte des Jahrhunderts mit der Fertigung vonWaffen oderFahrrädern an und entwickelten so die Kenntnisse, die Jahrzehnte später im Automobilbau benötigt wurden.
Heute gibt es neben den großen Herstellern viele kleineBetriebe, die als Automanufaktur zumeist exklusive Fahrzeuge produzieren, beispielsweiseMorgan (GB).
Personenkraftwagen in Deutschland 1975–2005Personenkraftwagen in der Schweiz 1910–2000
Die Bedeutung des Automobils basiert neben der vergleichsweise hohen physischen Leistungsfähigkeit des Systems auch auf der hohen Freizügigkeit in den Nutzungsmöglichkeiten bezüglich der Transportaufgaben und der Erschließung räumlicher bzw. geografischer Bereiche. Bis ins 19. Jahrhundert gab es nur wenigeFortbewegungsmittel, zum Beispiel dieKutsche oder dasPferd. Die Verbreitung derEisenbahn steigerte zwar die Reisegeschwindigkeit, aber man war anFahrpläne und bestimmte Haltepunkte gebunden. Mit demFahrrad stand ab Ende des 19. Jahrhunderts erstmals ein massentauglichesIndividualverkehrsmittel zur Verfügung, allerdings ermöglichte erst das Automobil individuelle motorisierte Fortbewegung sowie den flexiblen und schnellen Transport auch größerer Lasten. In den 1960er Jahren herrschte eine regelrechte Euphorie, woraus eine vorherrschende Meinung entstand, der gesamte Lebensraum müsse der Mobilität untergeordnet werden („Autogerechte Stadt“). Schon in den 1970er Jahren wurden einige solche Projekte jedoch gestoppt. Die Emissionen aus dem Verkehr steigen auch im Jahr 2011 immer noch und im Gegensatz zu den Brennstoffen können die vereinbarten Ziele zum Klimaschutz bei den Treibstoffen (in der Schweiz) nicht erfüllt werden.[35]
Zum 1. Januar 2004 waren in Deutschland 49.648.043 Automobile zugelassen. Im Vergleich mitFußgängern und Fahrrädern, aber auch mitBussen undBahnen hat das Auto einen höheren Platzbedarf. Insbesondere in Ballungsgebieten führt dies zu Problemen durchStaus und Bedarf an öffentlichen Flächen, wodurch sich einige der Vorteile des Automobils auflösen.
DerGüterverkehr auf der Straße ist ein elementarer Bestandteil der heutigen Wirtschaft. So erlaubt es die Flexibilität derNutzfahrzeuge, leicht verderbliche Waren direkt zum Einzelhandel oder zum Endverbraucher zu bringen. MobileBaumaschinen übernehmen heute einen großen Teil der Bauleistungen. DieJust-in-time-Produktion ermöglicht einen schnelleren Bauablauf. Beton wird inBetonwerken gemischt und anschließend mitFahrmischern zur Baustelle gebracht, mobileBetonpumpen ersparen denGerüst- oder Kranbau.
Umwelt und Gesundheit
Verschrottete Pkw
Der massenhafte Betrieb von Verbrennungsmotoren in Autos führt zuUmweltproblemen, einerseits lokal durchSchadstoffemissionen, die je nach Stand der Technik vielfach vermeidbar sind, andererseits global durch den systembedingtenCO2-Ausstoß, der zurKlimaerwärmung beiträgt. Weiters argumentiert der PhilosophKilian Jörg, dass das Automobil ein katastrophales Umweltverhältnis zum Gemeinsinn macht. Natur wird demnach durch Prothesen wie das Auto zur Konsumware[36].
DieLuftverschmutzung durch dieAbgase der Verbrennungsmotoren nimmt, gerade in Ballungsräumen, oft gesundheitsschädigende Ausmaße an (Smog,Feinstaub). Die Kraftstoffe der Motoren beinhalten giftige Substanzen wieXylol,Toluol,Benzol sowieAldehyde. Noch giftigereBleizusätze sind zumindest in Europa und den USA nicht mehr üblich.
Allein in Deutschland sterben jährlich 11.000 Menschen infolge von Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr; Todesfälle, die potentiell vermieden werden könnten. Diese Zahl ist 3,5 Mal so hoch wie die Zahl der Todesopfer durch Unfälle.[37]
Auch der überwiegend vom Automobil verursachteStraßenlärm schädigt die Gesundheit. Hinzu kommt, dass das Autofahren, besonders über längere Zeit, teilweise mitBewegungsmangel verbunden sein kann.
Über die Folgen, welche vom massenhaftenReifenverschleiß ausgehen, ist bisher erst wenig bekannt. Ein großer Teil davon wird mit dem Regen in dieOberflächengewässer gespült.[38][39] Durch das freigesetzte Ozonschutzmittel6PPD könnenFischsterben verursacht werden.[40] Über die Auswirkungen der chemischen Verbindungen, welche insGemüse gelangen, wurde noch nicht viel geforscht.[41]
Nach Planungen derEU-Kommission sollen bis zum Jahr 2050 Autos mit Verbrennungskraftmaschinenantrieb aus den Innenstädten Europas gänzlich verbannt werden.[42] Inzwischen will dasEU-Parlament den Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab 2035 verbieten.[43] Die EU-Umweltminister hingegen, wollen ab 2035 nur noch Neuwagen ohne CO2-Emissionen zuzulassen.[44]
1928/1929 präsentierteEngelbert Zaschka in Berlin das erste Faltauto. Dieses Stadtauto-Konzept hatte das Ziel, kostengünstig und raumsparend zu sein.
DerFlächenverbrauch für Fahrzeuge und Verkehrswege verringert den Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen.Das Platz- und Parkplatzproblem derBallungsgebiete zeigte sich bereits in den 1920er Jahren und schon 1929 verfolgte der deutsche Ingenieur und ErfinderEngelbert Zaschka in Berlin den Ansatz des zerlegbarenZaschka-Threewheelers (Faltauto). Dieses Stadtauto-Konzept hatte das Ziel, kostengünstig und raumsparend zu sein, indem sich das Fahrzeug nach Gebrauch zusammenklappen ließ.[45][46][47]
Die Fertigung von Automobilen verbraucht darüber hinaus erhebliche Mengen an Rohstoffen, Wasser und Energie.Greenpeace geht von einem Wasserverbrauch von 20.000 l für einen Mittelklassewagen aus.[48] Die ZeitschriftDer Spiegel berechnete 1998 für die Herstellung eines Pkw der oberen Mittelklasse (etwaMercedes E-Klasse) gar 226.000 l Wasser.[49] Die Wasserwirtschaft sieht branchenpositive 380.000 l für ein Fahrzeug als notwendig an.Das Automobil wird derzeit (2013) zu 85 Prozent recycelt und zu 95 Prozent verwertet. Bei metallischen Bestandteilen beträgt die Recyclingquote 97 Prozent.[50]
Zu den Gefahren des Kraftfahrzeugverkehrs beziehungsweise zu den durch dessen Umwelteinwirkungen verursachten Kosten siehe die KapitelSicherheit bzw.Externe Kosten.
Soziale Auswirkungen
Die verbreitete Verwendung des Autos verändert die sozialen Räume – u. a. wurden folgende Auswirkungen in der Schweiz beklagt:
Kinder können immer seltener unbeaufsichtigt auf der Straße spielen;[51]
Freizeit-Orte liegen weiter entfernt als früher;[51]
folglich weniger spontane körperliche Betätigung sowie zum Beispiel eine Halbierung der Nutzung des Fahrrades bei jungen Schweizern innerhalb von 20 Jahren.[52]
Die gesamte kindliche Entwicklung wird beeinflusst.[53]
Seit 1. Dezember 2011 müssen in Deutschland Neuwagen mit einer Energieverbrauchskennzeichnung versehen werden. Die Klassen reichen von A+ bis G. Der Verbrauch wird auf das Fahrzeuggewicht bezogen, womit Vergleiche nur innerhalb einer Gewichtsklasse möglich sind. Dass ein leichterer Wagen bei gleicher Benotung weniger Energie für einen Transport benötigt als ein schwererer Wagen, ist an demLabel nicht erkennbar.
Interessenverbände in Deutschland
In Deutschland sind eine Reihe vonVerbänden entstanden, die anfangs Dienstleistungen für Autofahrer auf Gegenseitigkeit organisierten, vor allem Pannenhilfe. Heute arbeiten sie zunehmend auch alsLobby-Verbände und vertreten die Interessen der Autofahrer und der Automobilindustrie gegenüber Politik, Industrie und Medien.
Bereits 1899 wurde derAutomobilclub von Deutschland (AvD) gegründet, der ein Jahr später die erste Internationale Automobilausstellung organisierte. 1911 war derAllgemeine Deutsche Automobil-Club, der ADAC, aus der 1903 gegründetenDeutschen Motorradfahrer-Vereinigung entstanden. Er ist heute mit 15 Millionen Mitgliedern Europas größter Club. Weitere Verbände in Deutschland sind derAuto Club Europa (ACE), der 1965 von Gewerkschaften gegründet wurde, sowie seit 1986 der ökologisch orientierteVerkehrsclub Deutschland (VCD), der zusätzlich auch die Interessen der anderen Verkehrsteilnehmer (Radfahrer, Fußgänger,ÖPNV-Benutzer) vertritt.
Zu den neuen Entwicklungen gehören alternative Antriebe wie dasElektroauto (Elektrofahrzeug). Eine weitere Entwicklung ist das autonome Fahren (Autonomes Landfahrzeug). DurchCarsharing wechselt ein Auto vom Privatbesitz in einen Gemeinschaftsbesitz. Experimentell entwickelt werden zudem Prototypen vonFlugautos.
In den letzten Jahren nahm dieÜberwachung der Fahrer durch ihre Autos zu. In einer Untersuchung der US-Datenschutzbestimmungen von Auto-Herstellern durch dieMozilla Foundation 2023 fielen alle 25 untersuchten Automarken durch. Sechs der Hersteller erlauben sich explizit, genetische Informationen zu sammeln, Nissan und Kia gar Informationen zum Sexleben.[54]
Wolfgang Sachs:Die Liebe zum Automobil: Ein Rückblick in die Geschichte unserer Wünsche. Rowohlt, Reinbek 1984,ISBN 3-498-06166-6.
Peter M. Bode, Sylvia Hamberger, Wolfgang Zängl:Alptraum Auto: Eine hundertjährige Erfindung und ihre Folgen. Raben Verlag von Wittern, 1986.
Hannes Krall:Das Automobil oder Die Rache des kleinen Mannes: Verborgene Bedeutungen des Internationalen Golf-GTI-Treffens. DRAVA Verlags- und Druckgesellschaft, 1991,ISBN 3-85435-138-0.
Weert Canzler:Das Zauberlehrlings-Syndrom: Entstehung und Stabilität des Automobil-Leitbildes. Edition Sigma, 1996,ISBN 3-89404-162-5.
Arnd Joachim Garth:Das Dialogomobil: Marketing und Werbung rund um das Automobil. Berlin, Verlag Werbweb-Berlin, 2001,ISBN 3-00-006358-7.
Daniela Zenone:Das Automobil im italienischen Futurismus und Faschismus: Seine ästhetische und politische Bedeutung. WZB, Forschungsschwerpunkt Technik, Arbeit, Umwelt, Berlin 2002.
Weert Canzler,Gert Schmidt (Hrsg.):Zukünfte des Automobils. Aussichten und Grenzen der autotechnischen Globalisierung. Edition Sigma, Berlin 2008,ISBN 978-3-89404-250-9.
Herlyn:PPS im Automobilbau – Produktionsprogrammplanung und -steuerung von Fahrzeugen und Aggregaten. Hanser Verlag, München 2012,ISBN 978-3-446-41370-2.
Larry Edsall:Automobile der Zukunft. Neue Technologien für das 21. Jahrhundert. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2019,ISBN 978-3-7822-1342-4
Christian Manz, Halwart Schrader: Alternativ Mobil – Die Geschichte der Elektromobilität, Solar-, Wasserstoff- und Gasturbinenfahrzeuge von 1881 bis morgenISBN 978-3-7582-0255-1
↑Friedrich Kluge:Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 18. Aufl. bearbeitet vonWalther Mitzka. de Gruyter, Berlin 1960, S. 397.
↑v. Löw:Das Automobil. Kreidels, Berlin/Wiesbaden, 5. Auflage 1924, S. 1.
↑History of the Automobile. (PDF; 1,8 MB) In: General Motors Canada. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 20. März 2018; abgerufen am 29. Juni 2015 (englisch).
↑Christian Manz, Halwart Schrader:Alternativ Mobil Die Geschichte der Elektromobilität, Solar-, Wasserstoff- und Gasturbinenfahrzeuge von 1881 bis morgen. Olms Presse, 2022,ISBN 978-3-7582-0255-1.
↑C. Viewer: Leichtbau für die Großserie, in: Automobil Produktion 1–2/2013
↑Wolf-Heinrich Hugo: Design und Aerodynamik - Wechselspiel zwischen Kunst und Physik, in: Ralf Kieselbach (Hrsg.): The drive to design, Geschichte, Ausbildung und Perspektiven im Autodesign, Stuttgart 1998, S. 188
↑Auto der Zukunft braucht eigene Regeln. stuttgarter-nachrichten.de, 6. Mai 2014, abgerufen am 22. Mai 2014 „Im August 2013 fährt das erste Mal eine Mercedes-S-Klasse selbstständig von Mannheim nach Pforzheim. […] Nur ein einziges Mal ist das Fahrzeug überfordert. ‚Als eine ältere Frau am Fußgängerüberweg den Wagen durchwinken wollte, blieb er trotzdem stehen, das war nicht vorgesehen‘, erzählt Daimler-Entwicklungschef Thomas Weber[…]“
↑Gerüchte um Robo-Taxi von Google. heise.de; „Der Internet-Konzern habe in den vergangenen Monaten Gespräche mit Auftragsfertigern über den Bau von Autos nach Google-Vorgaben geführt, berichtete der Technologie-Journalist Amir Efrati.“
↑Lieber bequem als sicher. heise.de, abgerufen am 22. Mai 2014: Chefredakteur derTechnology Review über das Verhältnis zwischen Gefahr und Bequemlichkeit durch autonome Autos.
↑Kilian Jörg:Das Auto und die ökologische Katastrophe: utopische Auswege aus der autodestruktiven Vernunft (= X-Texte zu Kultur und Gesellschaft). transcript Verlag, Bielefeld 2024,ISBN 978-3-8376-7408-8.
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↑Claudia Franke-Brandau:Parken im Wohnzimmer: Der zerlegbare Kleinwagen des Berliner ErfindersEngelbert Zaschka von 1929. In:Oldtimer Markt. 7/1993, VF Verlagsgesellschaft,ISSN0939-9704, S. 206: 3 Abb.