Dieser Artikel behandelt den Wohnsitzwechsel ins Ausland. Zur Soziologie und Psychologie sieheInnere Emigration.
Deutsche Emigranten gehen an Bord eines in die USA fahrenden Dampfers (um 1850)Japanisches Regierungsplakat zur Förderung der Auswanderung nach BrasilienAuswanderer aus Österreich-Ungarn auf einem Schiff derAustro-Americana in Triest Anfang des 20. JahrhundertsAuswandererlager der HamburgerBallinStadt (1907)
Auswanderung oderEmigration (vonlateinischex,e ‚hinaus‘ undmigrare ‚wandern‘) ist das Verlassen einesHeimatlandes auf Dauer.Emigranten oderAuswanderer verlassen ihre Heimat auswirtschaftlichen,religiösen,politischen, beruflichen oder persönlichen Gründen. Auf die Auswanderung aus einem Land folgt dieEinwanderung (Immigration) in ein anderes. DerWohnsitzwechsel innerhalb eines festgelegten Gebietes wird hingegen alsBinnenmigration bezeichnet. Meist wandernEinzelpersonen oder einzelneFamilien aus; in der Geschichte gab es aber auch Auswanderungen von großen Bevölkerungsgruppen.
Laut Artikel 13 derAllgemeinen Erklärung der Menschenrechte hat jeder Mensch das Recht, „sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und seinen Aufenthaltsort frei zu wählen“ sowie „jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren“.[1]
Eine Person hat laut statistischem Bundesamt in Deutschland einenMigrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde.[2]
Wanderungsbewegungen hat es immer gegeben, zum Beispiel motiviert durch existenzielle Bedrohung (Hungersnöte, Kriege,Naturkatastrophen etc.) und/oder durch die Hoffnung auf bessere wirtschaftliche Bedingungen anderswo. In der Forschung spricht man vonPush- und Pull-Faktoren: Push-Faktoren im Herkunftsland bewirken einen (Aus)wanderungsdruck, angebliche oder wirkliche Vorteile am Zielort (Aufnahmeland) einen (Ein)wanderungs„sog“.
Insofern hat jede Auswanderung mindestens zwei Aspekte, nämlich
die Lage im abgebenden Land:Bevölkerungs- und Begabungsverlust, aber auch Entlastung bei knappen Ressourcen, sowie des akuten Verlustes von Einwohnern,
die Lage im aufnehmenden Land: Probleme derAkkulturation (vor allem Erlernen der Sprache)[3] und Integration, aber auch Zuwanderung von Arbeitskräften, Fachwissen und kultureller Vielfalt.
WährendReformation undGegenreformation (1550–1750) mussten vieleProtestanten ihre Heimat aus Glaubensgründen verlassen, denn seit Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Prinzipcuius regio eius religio von den Fürsten immer strenger durchgesetzt. Wer nicht zur Konfession seines Landesherren übertreten wollte, war gezwungen, dasius emigrandi (Recht auszuwandern) zu nutzen und auszuwandern. Zum Beispiel wanderten dieProtestanten in Böhmen von 1620 bis etwa 1680 in mehreren Wellen aus.
Während des Mittelalters wanderten in verschiedenen Wellen Menschen aus demHeiligen Römischen Reich in die slawisch und baltisch besiedelten Gebiete östlich davon aus (Ostsiedlung). Das führte teils zu einer Vermischung, teils blieben die deutschen Siedler eine Minderheit, teils assimilierten sich die Zuwanderer – zum großen Teil bewirkten sie allerdings insgesamt eine Germanisierung der jeweiligen Gebiete.
Das ist der Grund für die heutige östliche Ausdehnung desdeutschen Sprachraums bzw. dessen noch größere östliche Ausdehnung bis zum Zweiten Weltkrieg. Weite Bereiche des heutigen Ostdeutschlands sowie die östlichen Teile Preußens gehörten um 1000 noch nicht zum Gebiet des Heiligen Römischen Reiches und wurden erst durch die Auswanderungswellen aus dem Reichsgebiet deutschsprachig (manche auch nie, z. B. Teile der ehemaligenProvinz Posen), später zum großen Teil auch Bestandteil des Heiligen Römischen Reichs.
Die Siedlungsbewegung in Richtung Osten setzte sich auch in der Neuzeit fort. Allerdings unter veränderten Rahmenbedingungen (siehe unten), und die Zielgebiete lagen oft immer weiter im Osten. Sie waren nicht immer mit dem deutschen Sprachraum verbunden und wurden zu Inseln der deutschen Sprache (zum Beispiel Wolgadeutsche, siehe unten).
Zu starken Emigrationsbewegungen aus wirtschaftlichen Gründen kam es nach demDreißigjährigen Krieg, als Arbeitsemigranten aus der übervölkertenSchweiz (vor allem aus den KantonenBern,Zürich,Thurgau und aus Gebieten des heutigen KantonsSt. Gallen) sowie ausVorarlberg in den zerstörten, teilweise menschenleeren Gegenden Südwestdeutschlands ansässig wurden und halfen, das verwüstete Land wieder zu besiedeln.[4]
Seit dem 15. Jahrhundert förderten einige Landesherren wie dieGrafen zu Wied oder die Könige von Preußen die Ansiedlung von Glaubensflüchtlingen im Rahmen ihrerPeuplierungspolitik durch Vergünstigungen, weil sie auf Impulse für ihre Wirtschaft hofften. So fanden 1733 auch dieSalzburger Exulanten aus demErzstift Salzburg Aufnahme in Preußen.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts emigrierten viele Menschen aus den deutschen Staaten nach Osten: nachUngarn,Rumänien undRussland, auch hier ermutigt durch Landesherren. In manchen Ansiedlungsgebieten blieben die Sprache und Kultur des Heimatlandes jahrhundertelang erhalten, da die Siedlungen nach außen weitgehend isoliert waren und insbesondere Heiratsverbindungen mit Einwohnern des aufnehmenden Landes fast ausgeschlossen waren. Indessen entwickelten die Auswanderer eine bedeutende Wirtschaftskraft.
Personen, die aus religiösen Gründen auswanderten, zogen darüber hinaus schon im 18. Jahrhundert in dieVereinigten Staaten von Amerika, um bei der dort gewährten Religionsfreiheit ohne Repressalien leben zu können. Das war insbesondere für kleine religiöse Gruppierungen von Interesse. Vor allem der StaatPennsylvania zog Menschen aller religiösen Richtungen an. Man nahm[5] an, dass allein im 18. Jahrhundert ca. 200.000 Menschen aus Deutschland nach Amerika auswanderten.
Im 19. Jahrhundert erreichte die um 1820 einsetzende[6] Auswanderung im deutschsprachigen Raum einen Höhepunkt. Es kam verschiedentlich zu Massenauswanderungen; sie hingen unter anderem mit der konjunkturellen Entwicklung, mit Missernten und/oder mit derDemografie Deutschlands zusammen. Man kann drei Phasen der Massenauswanderung unterscheiden:
Der VulkanTambora auf der InselSumbawa (Indonesien) schleuderte im April 1815 so viel Asche in dieAtmosphäre, dass es 1815 und 1816 auf der nördlichen Halbkugel extrem nasse und kalte Sommer gab („Jahr ohne Sommer“) und die Ernte zweier Jahre ausfiel. Deshalb kam es zu einer großen Emigrationsbewegung. In Südwestdeutschland schifften sich viele Menschen auf derDonau ein und siedelten in Südrussland (Bessarabien, in der Gegend umOdessa und umTiflis imKaukasus). Ein kleinerer Teil der Emigranten wanderte in dieVereinigten Staaten aus.[7]
Wiederum löstenPauperismus und eine anhaltende Wirtschaftskrise eine Massenemigration – die größte des 19. Jahrhunderts – aus; nun zogen die Auswandererströme fast ausnahmslos in die Vereinigten Staaten. Dort wurden weite Landstriche erschlossen und besiedelt; man bekämpfte und vertrieb die ansässigenindigenen Völker. Ein weiteres Motiv zur Auswanderung warenGoldfunde inKalifornien seit 1848, die denkalifornischen Goldrausch auslösten.
Die Lage und Motive der Auswanderer dieser Zeit aus dem Hunsrück nach Brasilien thematisierteEdgar Reitz in seinem 2013 erschienenen SpielfilmDie andere Heimat.
DiePaulskirchenverfassung von 1849 sahGrundrechte derFreizügigkeit im Bundesgebiet (§ 133 Abs. 1) und derAuswanderungsfreiheit (§ 136 Abs. 1) vor.[8] Zuvor hatten bereits einzelne deutsche Staaten, angefangen mitBaden im Jahr 1803, eine Ausreisefreiheit festgeschrieben, und dieBundesakte vom 8. Juni 1815 hatte die Binnenwanderung ohne Abzugsgeld innerhalb des Gebiets desDeutschen Bundes ermöglicht, wobei die Auswanderung nach Übersee dem Ermessen der Einzelstaaten überlassen geblieben war.[9] Die Paulskirchenverfassung scheiterte zwar,[10] gilt aber als wegweisend für die deutschen Verfassungen des 20. Jahrhunderts.[11]
Nach der gescheitertenMärzrevolution wanderten viele Deutsche aus politischen Gründen aus; sie werden auch „Achtundvierziger“ oderForty-Eighters genannt.
Nach 1855 wanderten weniger Menschen aus, während desAmerikanischen Bürgerkriegs (1861–1865) fast keine.Friedrich Naumann bezifferte 1916 die Zahl der zwischen 1821 und 1912 in die USA Ausgewanderten auf 5,45 Millionen.[12]
Von 1816 bis 1861 war derbayerische Matrikelparagraf einer der Hauptgründe für das Überwiegen bayerischer Juden in der ersten jüdischen Einwanderungswelle in die USA.[13]
Als Teil der gleichen Auswanderungswelle wanderten auch tausende Deutsche in dieaustralischen Kolonien aus. Ihre Zahl wird auf etwa 70.000 bis 80.000 – bis zum Ersten Weltkrieg – geschätzt.[14] Die Deutschen prägten die Geschichte des Kontinentes nachhaltig.
Nach 1880 kam es noch einmal zu einer Auswanderungswelle in die Vereinigten Staaten,[15] die jedoch nicht mehr die Stärke der anderen Auswanderungsbewegungen erreichte. Die Auswanderung überBremen erfolgte jetzt größtenteils vonBremerhaven aus. Dort wurde seit 1850 einAuswandererhaus betrieben, damit die Emigration mit Schiffen erfolgen konnte, die mehr Tiefgang hatten.
Bilddokumente aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
„In den Jahren 1889/90 standen zwei Agenten derHapag, die ein Geschäftsbüro inAuschwitz (Oswiecim) betrieben hatten, wegen fortgesetztenBetrugs vor Gericht.“
–Agnes Bretting:Von der Alten in die Neue Welt.[16]
Die beiden Agenten Jacob Klausner und Simon Herz hätten in großem Stil Eisenbahnschaffner und Beamte, Zöllner und sogar Polizisten bestochen, wird berichtet. Die Wände ihrer Agentur in Auschwitz hatten sie mit dem deutschen Reichsadler und einem Porträt des Kaisers geschmückt. Dort stand ein „Telegraph“ – ein alter Wecker. Über den sprachen sie mit Herbergen inHamburg, Arbeitgebern in den USA oder sogar mit dem „Kaiser von Amerika“.[17] Polizisten, die von Auswanderern respektiert und gefürchtet waren, erzählten – im Auftrag der Agenten –, dass Amerika nur über Hamburg zu erreichen sei.
„Jeder, der eine Fahrkarte oder eine Passageanweisung für eine andere Linie als die Hapag besaß, wurde bedrängt und zum Teil gezwungen, diese verfallen zu lassen und in der Agentur eine "richtige" zu kaufen.“
–Agnes Bretting:Von der Alten in die Neue Welt.[16]
Diese Auswanderer glaubten, ihre Auswanderung sei ungesetzlich. Viele junge Männer wollten sich auch derWehrpflicht entziehen und hatten keinen Mut, sich den Praktiken der Agentur zu widersetzen. Wenn sie es dennoch taten, wurden sie „von einem der bestochenen Polizisten verhaftet, eingesperrt, geschlagen und auf andere Weise misshandelt, bis sie nachgaben und den Weisungen der Agenten folgten.“ Diese Agentur schloss in den späten 1880er Jahren mit etwa 12.400 Menschen pro Jahr Überfahrtsverträge ab.[16] Weit verbreitete Korruption im Verwaltungsapparat wird für das Funktionieren des Systems verantwortlich gemacht.
„Zudem kamen die meisten Auswanderer, die einer geschlossenen Front von Geschäftemachern ausgeliefert waren, aus kleinen Dörfern und konnten weder lesen noch schreiben. Für diese armen Bauern war Amerika die große Hoffnung auf ein besseres Leben; sie wußten nichts über dieses Land, aber weil sie so viele Wünsche damit verbanden, waren sie bereit, fast alles zu glauben, vor allem die guten Nachrichten. […] Das hochspezialisierte, gesetzlicher Kontrolle unterworfene System professionell betriebener Auswanderungsagenturen […] in Westeuropa […] galt nicht für den osteuropäischen Auswanderungsmarkt. Skrupellose Agenten sorgten dort für das Geschäft, von dem die deutschen Schiffahrtslinien inzwischen wirtschaftlich abhängig waren.“
–Agnes Bretting:Von der Alten in die Neue Welt.[16]
Nach derMachtergreifung derNSDAP 1933 setzten dieJudenverfolgung sowie eine vollständige Unterdrückung jeglicher politischen Opposition ein (siehe z. B.Gleichschaltung,Sopade / SPD im Exil). Menschen, die früh genug die Gefahr erkannten, genügend Geld und berufliche Ausbildung hatten, verließen das Deutsche Reich mehr oder weniger freiwillig. Die FilmmetropoleHollywood profitierte vom Zustrom an kreativem Personal wie Produzenten, Regisseuren und Schauspielern. Rund 2.000 deutschsprachige Filmschaffende emigrierten während derZeit des Nationalsozialismus.[18] Der spätere FilmklassikerCasablanca (1942) war beispielsweise überwiegend mit eingewanderten Schauspielern besetzt.
Etwa 10.000 Emigranten aus Deutschland und Österreich dienten während des Zweiten Weltkrieges in der britischen Armee und kämpften so gegen das NS-Regime.[20]
Nach 1945 kam es zu einer vorsichtigen Rückwanderung (Remigration) von einzelnen Personen in die beiden deutschen Staaten. Im Westen Deutschlands erlebten sie zum Teil offene Anfeindungen dafür, dass sie im Ausland gegen die Nazi-Politik direkt oder indirekt Stellung bezogen hatten. Einige Emigranten lehnten eine Remigration grundsätzlich ab; einige von ihnen wollten nie wieder „deutschen Boden“ betreten und proklamierten / begründeten das auch öffentlich.
Unter den Emigranten waren auch Täter desNazi-Regimes aus Deutschland, die zur Flucht vor einer Strafverfolgung die sogenanntenRattenlinien nutzten. Bis Sommer 1949 konnten aber nur wenige Deutsche auswandern, da der Emigration politische Hindernisse entgegenstanden. Diese Hindernisse wurden erst mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland abgebaut.
Nach 1945 emigrierten viele Menschen aus Deutschland zum Beispiel nach Australien und Südamerika, in erster Linie wegen der ökonomischen Perspektivlosigkeit der unmittelbaren Nachkriegszeit, die erst mitder Währungsreform und dem folgendenWirtschaftswunder endete. Hinzu kamen bei Wissenschaftlern die von denAlliierten erlassenen Forschungseinschränkungen, die in Deutschland bis 1955 in Kraft blieben.
Im Jahr 2015 wanderten etwa 140.000 Deutsche aus ihrem Heimatland aus,[21][22] im Jahr 2016 waren es 281.000[23] und im Jahr 2017 waren es 249.000 Deutsche.[24]
Die Zahl der jährlich aus Deutschland fortziehenden Ausländer ist um ein Vielfaches höher (siehe hierzu:Wanderungsbilanz Deutschlands).
Hygienische Verhältnisse auf den Auswandererschiffen
Die Verhältnisse auf den Auswandererschiffen waren zunächst ein Alptraum:
„Rund 400 Personen erlebten zum Beispiel im Zwischendeck des Segelschiffes "Bremen" die Überfahrt nach Amerika. Eine Separierung von kranken und gesunden Auswanderern war aufgrund des Platzmangels nicht möglich, so dass sich Krankheiten schnell ausbreiten konnten.“
Erst 1870 änderte sich das: Die beiden Hansestädte Bremen und Hamburg beschlossen in Gesetzen, dass kranke und gesunde Auswanderer getrennt werden mussten.
„Mit der Einführung der Dampfschiffe verbesserte sich die Situation deutlich. Es wurden Schiffsärzte eingestellt, und größere Raumkapazitäten ermöglichten die Einrichtung von Behandlungsräumen.“
–Tanja Fittkau:Wissenschaftliche Mitarbeiterin amDAH Bremerhaven; Sonntagsjournal der Nordsee-Zeitung, 16. Mai 2021, S. 4
Mehrere Gründe gab es für die Ausbreitung von Krankheiten auf den frühen Auswandererschiffen: Es fehlten sanitäre Anlagen, Schmutz und Abfälle wurden oft einfach auf den Boden geworfen, es mangelte an Reinigung und in den Schiffsräumen herrschte Enge und Feuchtigkeit. Desinfektionsmittel gab es in den damaligen Zeiten noch nicht. Die Reedereien ließen die Schiffe mit Wacholderbeeren, Essig oder Schwefel ausräuchern. Wenn die Reedereien sie bereitstellten, gab es eine kleine Medizinkiste mit Medikamenten. Den Auswanderern fielen die hygienischen Verhältnisse oft gar nicht auf; denn auch in ihren Heimatorten – oft auf dem Land – gab es keine Mediziner und man konnte sie sich finanziell nicht leisten,
„1854 standen auf dem Segelschiff "Bremen" nur Eimer zur Verfügung, eine Toilette gab es im Zwischendeck zu diesem Zeitpunkt noch nicht.“
–Tanja Fittkau:Wissenschaftliche Mitarbeiterin amDAH Bremerhaven; Sonntagsjournal der Nordsee-Zeitung, 16. Mai 2021, S. 4
In späteren Zeiten, z. B. auf der "Columbus 1929, standen den Passagieren auch in der dritten Klasse Mehrbettkabinen mit Waschmöglichkeiten zur Verfügung. Auf der "Lahn" gab es 1887 schon WCs und Gruppenwaschräume.
Eine Auswanderung gibt es in nahezu allen Ländern der Erde aus verschiedenen Gründen:
wegen besserer Arbeits- und Lebensbedingungen (besonders für angeworbene Arbeitskräfte, inDeutschland beispielsweiseGastarbeiter; Fachkräfte, die keine angemessene Arbeit finden, bzw. der hohen Steuer und Sozialabgabenlast entkommen wollen). (Sie werden abwertend auchWirtschaftsflüchtlinge genannt.)
Vermeidung von Steuerlast durch Personen mit hohen Einkünften oder Vermögenswerten
aus politischen Gründen (beispielsweisepolitisch verfolgte Systemkritiker undDissidenten (meist in Diktaturen) oder polizeilich verfolgte Straftäter)
zur Erhöhung der Lebensqualität bei gesichertem Lebensstandard (z. B. Emigration von Rentnern aufgrund besserer klimatischer Bedingungen in den „sonnigen Süden“ etwa in dieToskana, nachMallorca, auf dieKanarischen Inseln, oder in den „Sunshine State“Florida)
aufgrund von im Zielland wartenden Familienangehörigen und Bekannten.
Formen der Behinderung von Auswanderung sind Grenzbefestigungen, die ein heimliches Verlassen unmöglich machen (z. B. beimEisernen Vorhang in Mitteleuropa oder bei derGrenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko) aber auch fehlende Finanzen zur Deckung der Transportkosten (Armut).
Andererseits kann die Auswanderung staatlich gefördert werden, um die allgemeine Arbeitslosigkeit zu verringern, zum Beispiel in den 1960er Jahren in der Türkei, oder um gezielt unerwünschte arbeitslose Ausländer mit ihren Familien loszuwerden, so zum Beispiel in Spanien.[25][26]
Nach demAuswandererschutzgesetz von 1975 ist die geschäftsmäßige Beratung von an Auswanderung Interessierten in Deutschland eine erlaubnispflichtige Tätigkeit. Auch die Anreizung zur Auswanderung durch geschäftsmäßige Werbung ist verboten. Verboten ist eine Unterstützung von Auswanderern durch Unternehmen, internationale Einrichtungen oder ausländische Regierungen mit Zahlungshilfen, es sei denn, die Auswanderung erfolgt in Staaten der Europäischen Gemeinschaft. Damit will der Gesetzgeber verhindern, dass die Unsicherheit von Auswanderungswilligen finanziell ausgenutzt wird.
Es gibt klassische Auswanderungsländer wie die Staaten der sog. Zweiten und Dritten Welt (Entwicklungsländer). Aber auch aus Staaten der Ersten Welt wandern Menschen aus, wie beispielsweise aufgrundArbeitsmigration aus Polen, aus Rumänien und aus der Türkei. Darüber hinaus gibt es auch Länder, die Emigration nicht begrenzen müssen, weil sich aufgrund ihrer wirtschaftlichen Stärke oder sonstiger attraktiver Lebensbedingungen kein oder nur minimaler Emigrationsdruck aufbaut, zum Beispiel in denVereinigten Staaten. Umgekehrt gefährdet massive Auswanderung, besonders wenn sie gemeinsam mit einer niedrigen Geburtenrate auftritt, die volkswirtschaftliche Zukunft von Ländern. Aktuell ist dies insbesondere in einigen osteuropäischen Ländern wieBulgarien,Rumänien,Ungarn oderSerbien der Fall, insbesondere, wenn die Auswanderung durch EU-Freizügigkeitsabkommen stark vereinfacht wird. In diesen Ländern führt die lang anhaltende Auswanderung zum Rückgang und zur raschen Alterung der Gesamtbevölkerung.
2006 wanderten 18.242 Deutsche von Deutschland in dieSchweiz, in die USA 13.200, nach Österreich 10.300, nach Großbritannien 9.300, nach Polen 9.100, nach Spanien 8.100, nach Frankreich 7.500,nach Kanada 3.600, in die Niederlande 3.400 und in die Türkei 3.300 aus.Insgesamt emigrierten 144.815 Deutsche.[27] Im gleichen Zeitraum zogen ca. 128.000 Deutsche vom Ausland nach Deutschland. Insgesamt betrug die Zahl der Netto-Auswanderung 2005 somit ca. 17.000, was ungefähr 0,02 % der Bevölkerung entspricht.[28] Weiterhin gibt es erhebliche Unterschiede innerhalb der Bundesrepublik, so findet erhöhte Auswanderung aus den nördlichen Bundesländern statt, während die Entwicklung in Bayern genau umgekehrt verläuft: Die Bevölkerung steigt kontinuierlich und Auswanderung von gebürtigen Bayern gilt als ungewöhnlich.
Absolut – also losgelöst von der Frage der Staatsbürgerschaft – sind im Jahre 2009 734.000 Menschen aus Deutschland ausgewandert. Im gleichen Zeitraum sind 721.000 nach Deutschland migriert. Davon waren 606.000 nicht deutscher Staatsbürgerschaft.[29]
Im Jahre 2005 haben sich 160.000 Deutsche offiziell abgemeldet. Geschätzt wird die tatsächliche Zahl (incl. derer, die sich nicht abmelden) auf 250.000. Dies ist die höchste registrierte Auswanderung aus der Bundesrepublik seit 1950.[30] Es sind insbesondere gut ausgebildete Fachleute, die emigrieren.[31][32]Klaus J. Bade, Professor fürNeueste Geschichte an derUniversität Osnabrück und Migrationsexperte, spricht in dem Zusammenhang sehr pointiert von einer „migratorisch suizidalen Situation“ für Deutschland.[33]Heinrich Alt,Bundesagentur-für-Arbeit-Vorstand, sagt (in Bezug auf arbeitsfähige Personen): „Es gehen derzeit mehr Inländer ins Ausland als Ausländer nach Deutschland kommen.“[34] Besondere Bedeutung für diedeutsche Einwanderung in die Schweiz hat die geografische Nachbarschaft, diedeutschsprachige Umgebung und insbesondere dasschweizerische Steuerrecht, das hohe Vermögenswerte weniger stark besteuert, als dies in Deutschland der Fall ist. Die Schweiz hatte in den 2000er Jahren statistisch betrachtet von Jahr zu Jahr eine immer größere Einwanderung von Deutschen.
Dem Thema Auswanderung sind in Bremerhaven, Hamburg und Oberalben Museen gewidmet (siehe unten) und an anderen Standorten gehen Museumsabteilungen zum Beispiel auf regionale Auswanderungswellen oder die Vertreibung von Juden aus Deutschland ein. Auswanderung ist zudem ein Thema, das häufig im Fernsehen thematisiert wird. So zeigte dieARD als einLiving-History-Projekt 2004 mit der Reihe „Windstärke 8“ eine viel beachteteZeitreise von insgesamt 37 Personen, die wie anno 1855 den Atlantik mit dem TraditionssegelschiffBremen überqueren.[35] Der Medienwissenschaftler Thomas Waitz hat in einer Untersuchung, die sich mit den Problematisierungen von Auswanderung im Fernsehen beschäftigt, festgehalten: „[A]nders als bei den meisten anderen gesellschaftlichen Phänomenen haben sich im Hinblick auf Auswanderung eigenständige Programmformate mit eigenen Konventionen und narrativen Strategien entwickelt.“[36]Im Jahr 2009 verließen 40.000 Personen Deutschland und zogen in die Türkei, viele von ihnen gut ausgebildet. Für Akademiker ist fehlendes Heimatgefühl mit 41,3 Prozent der am häufigsten genannte Grund dafür, in die Türkei zu ziehen.[37] (Siehe hierzu auch:Türkeistämmige in Deutschland#Auswanderung in die Türkei.)
Nachdem 2008 mit 161.105 deutschen Auswanderern ein Rekordjahr war, kehrten im Jahr 2009 offiziell nur 154.989 Deutsche ihrer Heimat den Rücken. Davon siedelten allein 106.286 ins europäische Ausland, 23.462 wanderten nach Amerika aus, 14.592 nach Asien, 5.198 nach Afrika und 4.894 nach Australien bzw. Ozeanien.[38]Im Jahr 2009 kehrten hingegen insgesamt 114.700 Deutsche nach Deutschland zurück. Davon kamen 74.417 Rückwanderer aus europäischen Ländern, 18.718 aus Amerika, 12.685 aus Asien, 4.715 von Afrika und 3.378 von Australien bzw. Ozeanien.
Im Jahr 2010 war die Auswanderung Deutscher mit 141.000 weiterhin etwas rückläufig. Im gleichen Jahr verließen hingegen 529.606 Nichtdeutsche das Land.[39] Die Hauptauswanderungsländer der Deutschen waren die Schweiz (22.034), die USA (12.986), Österreich (10.831) und Polen (9.434).[40] 114.712 Deutsche kehrten zurück nach Deutschland.[41] Zusätzlich wanderten 683.529 Nichtdeutsche ein.
Für das Jahr 2015 wurden 138.273 ausgewanderte Deutsche gezählt. Zum Jahr 2016 wurde die Erhebungsmethode geändert: Seitdem werden alle Deutschen, die sich abmelden und nirgendwo anders in Deutschland erfasst sind, in der Bevölkerungsstatistik als Auswanderer gezählt (Deutsche, die im Landuntertauchen, werden also mitgezählt, wobei man hier von einem sehr geringen Anteil ausgeht). Bis 2015 wurden Fortzüge von Deutschen nur dann als Auswanderung erfasst, wenn der neue Wohnort im Ausland bekannt war. Die Zahl der ausgewanderten Deutschen war 2016 nach der neuen Erhebungsmethode 281.411, nach der früheren Erhebungsmethode wären es etwa 131.000 gewesen.[22]
Eine Gedenktafel inKukmirn erinnert an die großzügige Unterstützung der Auswanderer für ihre Kirche in der alten Heimat.
In Österreich waren vor allem die Gebiete der westungarischenKomitate, die 1921 im Zuge derLandnahme des Burgenlandes zu Österreich kamen, das Auswanderungsland schlechthin.[42] So wanderten Schätzungen zufolge bis zum Jahre 1923 etwa 40000Burgenländer in die USA aus, sodass manche Dörfer mehr als 10 Prozent ihrer Bevölkerung verloren.[43][44] Hohe Geburtenraten und sinkende Sterberaten aufgrund verbesserter ärztlicher Versorgung sorgten für einen Bevölkerungsüberdruck in den Dörfern, der sich durch die Amerikawanderung entlud.[45]
Zwischen 1815 und 1850 stieg die Bevölkerungszahl in Schweden vor allem durch Zuwachs auf dem Land von 2,5 auf 3,5 Millionen. Eine Lösung der daraus resultierenden sozialen Probleme bot die Auswanderung, die 1840 einsetzte und in den 1880er Jahren ihren Höhepunkt erreichte. Bis 1930 verließen mehr als 1,2 Millionen Schweden das Land.
Zwischen der Einverleibung desSudetenlandes im Rahmen desMünchner Abkommens und derOkkupation durch das Dritte Reich verließen viele gefährdete Menschen das Land. Viele von ihnen hatten bereits vorher vor den Nazis aus Deutschland fliehen müssen.
Nach dem Krieg kamen zwar viele Emigranten zurück, doch etliche verließen enttäuscht rasch wieder ihre Heimat. Neben derVertreibung der deutschen Bevölkerung verlor das Land auch Tausende vonTschechen undSlowaken. Nach der kommunistischen Machtübernahme im Februar 1948 flüchteten bis zurRevolution von 1989 etwa eine halbe Million Tschechen und Slowaken in den Westen (davon 60.000 unmittelbar nach demFebruarumsturz 1948, etwa 245.000 nach der Niederschlagung desPrager Frühlings 1968) sowie nach den Ausweisungen nach der Gründung derCharta 77 im Jahre 1977.
DasDeutsche Auswandererhaus ist ein Museum inBremerhaven mit dem zentralen Thema der Auswanderung Deutscher – insbesondere in die USA – zu verschiedenen Epochen. (Es wurde eröffnet im August 2005.)
Das Hamburger AuswanderermuseumBallinStadt (eröffnete im Juli 2007).
DasJüdische Museum Berlin zeigt dem Besucher zwei Jahrtausende deutsch-jüdischer Geschichte, die Höhe- und Tiefpunkte der Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden in Deutschland. Dabei warenImmigration und Emigration oderVertreibung/Flucht ein wiederkehrender Topos. Das Museum beherbergt unter anderem eine Dauer- und Wechselausstellungen sowie Forschungseinrichtungen.
Das AuswanderermuseumOberalben thematisiert insbesondere die Auswanderung aus derPfalz.
DasDonauschwäbische Zentralmuseum in Ulm thematisiert die Auswanderung nach Ungarn (heute Ungarn, Rumänien, Serbien, Kroatien) im 18. Jahrhundert, das multiethnische Zusammenleben an der mittleren Donau sowieFlucht und Vertreibung von Deutschen als Folge des Zweiten Weltkriegs.
In denHAPAG-Hallen amSteubenhöft inCuxhaven befindet sich eine Dauerausstellung „Abschied nach Amerika“. Thematisiert wird die Auswanderung über Hamburg/Cuxhaven mit Schiffen der ReedereiHAPAG nach Nordamerika.
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Simone Blaschka-Eick:In die Neue Welt. Deutsche Auswanderer in drei Jahrhunderten. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2010,ISBN 978-3-498-01673-9.
Ljubomir Bratić mit Eveline Viehböck:Die zweite Generation. Migrantenjugendliche im deutschsprachigen Raum. Österr. Studien-Verlag, Innsbruck 1994,ISBN 3-901160-10-8.
Manfred P. Emmes,Deutsche Massenauswanderung in den vergangenen drei Jahrhunderten und Rückwirkungen auf die Außenbeziehungen Deutschlands. Romeon-Verlag, 2021,ISBN 978-3-96229-215-7.
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Zur jüdischen Auswanderung aus dem „Dritten Reich“
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Zur Emigration deutscher Künstler in die amerikanische Filmbranche:
Marta Mierendorff, Walter Wicclair (Hrsg.):Im Rampenlicht der „dunklen Jahre“. Aufsätze zum Theater im „Dritten Reich“, Exil und Nachkrieg. Ed. Sigma, Berlin 1989,ISBN 3-924859-92-2 (=Sigma-Medienwissenschaft, Bd. 3).
Zur Darstellung von Auswanderung im Fernsehen in Deutschland:
Thomas Waitz:Auswandern. Heimat, Fremde, Fernsehen. In: Claudia Böttcher, Judith Kretzschmar, Markus Schubert (Hrsg.):Heimat und Fremde. Selbst-, Fremd- und Leitbilder in Film und Fernsehen. München 2008;thomaswaitz.de (PDF; 412 kB).
↑Vgl. bereitsErich Stern:Die Emigration als psychologisches Problem. Selbstverlag, Boulogne-sur Seine 1937; neu abgedruckt in: Uwe Wolfradt, Elfriede Billmann-Mahecha, Armin Stock (Hrsg.):Deutschsprachige Psychologinnen und Psychologen 1933–1945. Ein Personenlexikon, ergänzt um einen Text von Erich Stern. Wiesbaden 2015, S. 503–551.
↑Eberhard Fritz: Kriegsbedingte Migration als Forschungsproblem. Zur Einwanderung aus Österreich und der Schweiz nach Südwestdeutschland im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert. In: Matthias Asche/Michael Herr-mann/Ulrike Ludwig/Anton Schindling (Hrsg.): Krieg, Militär und Migration in der Frühen Neuzeit (Herrschaft und soziale Systeme, Band 9). Münster 2008. S. 241–249.
↑Zeugnisse Rheinischer Geschichte 1982 (hopman44).
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↑Karl Stumpp:Die Auswanderung aus Deutschland nach Rußland in den Jahren 1763 bis 1862. 5. Auflage. Stuttgart 1991.
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↑Helmut G. Asper:Etwas besseres als den Tod – Filmexil in Hollywood. Schüren Verlag, Marburg 2002, S. 20.
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↑Thomas Waitz:Auswandern. Heimat, Fremde, Fernsehen. In: Claudia Böttcher, Judith Kretzschmar, Markus Schubert (Hrsg.):Heimat und Fremde. Selbst-, Fremd- und Leitbilder in Film und Fernsehen. München 2008, S. 189;thomaswaitz.de (PDF; 412 kB); abgerufen am 22. Dezember 2020.