EinAttentat ist eineGewalttat, die auf die Tötung oder Verletzung einer Person oder einer Gruppe abzielt. In den meisten Fällen ist das Attentatterroristisch motiviert, in manchen Fällen stehen auch wirtschaftliche Interessen oder einepsychische Störung mitRealitätsverlust hinter einem solchenAnschlag. Oft ist das Attentat verbunden mit öffentlichkeitswirksamen Begleitumständen (öffentlicher Tatort, herausragende Persönlichkeit, Geständnis), die dem Anliegen des Attentäters Nachdruck und öffentliche Bekanntheit verleihen sollen. Bis auf wenige Ausnahmen, die wie derTyrannenmordethisch und juristisch gerechtfertigt sein können, gelten Attentate mit Todesfolge alsMord und deren Durchführung alsMordanschlag.
Attentat aufAbraham Lincoln im Ford Theater Washington, 1865
Die ursprüngliche Bedeutung vonAttentat, im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert bezeugt, war „versuchtes Verbrechen“ (vonit.attentato auslat.attemptatum, „das Versuchte“). Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff unter dem Einfluss vonfrz.attentat „Anschlag“ inhaltlich eingeengt.[1] Der BegriffAttentäter für die Person, die das Attentat ausübt, ist eine nach dem Anschlag auf KönigFriedrich Wilhelm IV. von Preußen 1844 in einem Drehorgellied als Reimwort zuHochverräter gebildete Ableitung mit scherzhafter Anlehnung anTäter, die seit dem zweiten Attentat auf KaiserWilhelm I. 1878 allgemein üblich geworden ist.[2]
Ziel des Attentats ist meist, eine hochrangige Person oder mehrere Menschen zu töten oder zu verletzen. Neben konventionellenWaffen gebrauchen Attentäter eine Reihe alternativer Angriffsmittel (etwaGift,Briefbomben,Autobomben). Die Aktion erfolgt durch einen Einzelnen oder eine kleine Gruppe und wendet sich meist demonstrativ gegen eine einflussreiche Macht. Attentate können auch Werkzeuge desTerrorismus sein.
Der Urheber oder Planer der Tat und der ausführende Attentäter müssen nicht notwendigerweise dieselbe Person sein. So sind politisch motivierte Attentate bekannt, die durchAuftragsmörder bzw.Geheimdienstmitarbeiter verübt wurden, etwa die Morde durch Mitglieder desjugoslawischen GeheimdienstesUDBA von Regimegegnern[3] oder das tödliche Attentat des bulgarischen Geheimdienstes auf einenDissidenten 1978 in London (sieheRegenschirmattentat). Bekannt sind unter anderem auch einige gescheiterte Attentate des amerikanischen AuslandsgeheimdienstsCIA auf den kubanischen StaatschefFidel Castro (sieheOperation Mongoose).[4]
Begeht eine Tätergruppe ein Attentat, so wird von einemGruppenattentat gesprochen, ansonsten liegt einEinzelattentat vor. Der KriminologeHans Langemann entwickelte die weitere Unterscheidung zwischen einemFinalattentat, mit dem ein Anschlag sein Ende findet, und demInitialattentat, mit dem eine Folge weiterer Ereignisse begonnen werden oder das sie auslösen soll, zum Beispiel einenStaatsstreich oder eineRevolution.[5]
Mit derselben Bedeutung wieAttentat wird auch das WortAnschlag gebraucht, das aber einen größeren Bedeutungsumfang hat. Es kann auch eine Beschädigung oder Zerstörung von Objekten und Abläufen bezeichnen (etwaSabotageakte) oder auch die Beschädigung von Werten (z. B. „ein Anschlag auf die Pressefreiheit“). Ein Attentat richtet sich dagegen immer gegen Menschen und hat meist die Tötung zum Ziel. Allerdings bilden die sogenanntenSäureattentate eine Ausnahme: Bei einem typischen Säureattentat ist nicht die Tötung des Opfers, sondern eine Körperverletzung das Ziel. Außerdem spricht man auch bei der mutwilligen Zerstörung von Gemälden oder anderen Kunstwerken durch Säuren von einem „Säureattentat“, obwohl es sich dabei um eine Sachbeschädigung handelt.
Es ist zwischen derHinrichtung von politischen Gegnern und Attentaten zu unterscheiden: Die Hinrichtung von politischen Gegnern kann alspolitischer Mord angesehen werden. Wenn sie aber durch staatliche Organe veranlasst wird (Anordnung derTodesstrafe), verleiht dies dem Vorgang zumindest eine vordergründige oderScheinlegalität. Ein Attentat wird dagegen grundsätzlich alsillegale Tat angesehen.
Einzige Ausnahme bildet hier dasWiderstandsrecht, das in einzelnenVerfassungen den Bürgern im Kampf gegen diktatorische Herrschaft das Recht auf auch gewalttätigenWiderstand einräumt. Das imGrundgesetz verankerte Widerstandsrecht (Art. 20 Abs. 4 GG) schließt denTyrannenmord als letztes Widerstandsmittel gegen einenDiktator nicht aus. In diesem Fall fiele die Tötung einer politischen Führungspersönlichkeit nicht unter den Straftatbestand desMordes, sondern wäre gesetzlich legalisiert.
Das Ziel eines Anschlages ist bei einem Attentat ein Entscheidungsträger oder ein Repräsentant, meist eine Persönlichkeit von hohem politischen, religiösen oder gesellschaftlichen Rang, nicht eine Privatperson. Der Kreis der prominenten öffentlichen Persönlichkeiten umfasst zum BeispielStaatsoberhäupter, Regierungsmitglieder,Richter, hochrangige Militärs, aber auch Journalisten oder Wirtschaftsführer, wenn sie eine besondere Rolle in der Politik spielen. Auch örtliche Beamte wieOberbürgermeister oder Polizeichefs zählen zu den prominenten Personen. Darüber hinaus zählen Führer politischer Parteien, großerGewerkschaften, sozialer undreligiöser Organisationen, Führer vonMinderheiten, Schriftsteller und andere prominente Mitglieder wichtiger sozialerInstitutionen zu den öffentlichen und somit gefährdeten Personen.
Huanggutun-Zwischenfall: Am 4. Juni 1928 wurdeZhang Zuolin, zu dieser Zeit einer der mächtigsten Politiker derRepublik China, durch eine von Daisaku Komoto, Oberst der japanischenKwantung-Armee, die damit in die chinesischen Machtkämpfe eingreifen wollte, an einer Eisenbahnstrecke platzierten Bombe getötet. Das Attentat gilt als mitentscheidend für die darauf folgende Beendigung derWarlord-Ära und für dieWiedervereinigung Chinas. Aus taktischen Gründen wurde die Nachricht vom Tod Zhangs später veröffentlicht, sodass alternativ die Daten 21. oder 28. Juni 1928 zu finden sind.
Georg Elser unternahm 1939 als Einzelgänger in München ein Attentat aufAdolf Hitler, das fehlschlug, weil dieser den Ort zu früh verlassen hatte.
Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler: Eine Gruppe hoher Wehrmachtsoffiziere verschwor sich zur Beendigung des militärisch verlorenen Krieges und deponierte eine Bombe im Führerhauptquartier. Durch die Explosion wurden vier Personen getötet und alle anderen 20 verletzt. Hitler selbst erlitt jedoch nur leichte Verletzungen. Der Staatsstreich scheiterte. Vier Verschwörer, darunterStauffenberg, wurden noch in der gleichen Nacht auf Befehl des MitverschwörersGeneraloberst Friedrich Fromm, der eine eigene Verstrickung in den gescheiterten Putschversuch vertuschen wollte, erschossen.
Attentate auf Mohammad Reza Schah Pahlavi: Auf Mohammad Reza Schah Pahlavi wurden mehrere Attentate verübt. 1949 wurde er während eines Besuches derUniversität Teheran angeschossen. Das Attentat von 1965 vor dem Eingang des Marmorpalastes inTeheran überlebte er nur durch das beherzte Eingreifen der Wachmannschaft.
Attentat auf John F. Kennedy: Der 35. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde in seinem Auto während einer Parade am 22. November 1963 inDallas erschossen. Kurz nach diesem Attentat wurdeLee Harvey Oswald als Verdächtiger verhaftet; zwei Tage später wurde er in Polizeigewahrsam vor laufender Kamera vonJack Ruby erschossen.
Attentat auf Wolfgang Schäuble: Am 12. Oktober 1990 wurde der CDU-PolitikerWolfgang Schäuble bei einer Wahlkampfveranstaltung von einem psychisch kranken Täter angeschossen. Er war seither querschnittgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen.
16. August 2005:Frère Roger, Gründer derCommunauté de Taizé, wurde durch eine wahrscheinlich psychisch kranke Frau mit Messerstichen verletzt und starb an den Folgen.
↑Alexander Elster, Rudolf Sieverts, Heinrich Lingemann, Hans Joachim Schneider (Hrsg.):Handwörterbuch der Kriminologie. Band 4. De Gruyter, Berlin 1979,ISBN 978-3-11-008093-3, S. 157.