Atalanta Motors

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Ein Atalanta amGaisbergrennen 2013

DieAtalanta Motors Ltd. ist ein ehemaligerbritischerAutomobilhersteller inStaines (Middlesex), der zwischen 1937 und 1939 sportliche Automobile baute. Der Name geht aufAtalante, eine Figur dergriechischen Mythologie, zurück: Atalanta war einearkadische Jägerin und soll die schnellste Läuferin Griechenlands gewesen sein. Ihr Name ist abgeleitet vom Griechischenatalantos, etwa "im Gleichgewicht".[1] Ein Bezug zuAtalanta Light Cars, der von 1916 bis 1917Cyclecars herstellte, ist nicht bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Unternehmensgeschichte

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Atalanta V-12 short chassis 2-seater Drop-Head Coupe von Abbotts of Farnham (1939)

Treibende Kraft hinter dem Unternehmen warAlfred Gough, zuvor Chefingenieur beiFrazer-Nash. Für diese Marke hatte er einen Hochleistungs-Vierzylindermotor entwickelt. Nach einem Strategiewechsel verzichtete Frazer-Nash auf diese Konstruktion und setzte stattdessen auf dieLizenzproduktion vonBMW-Sportwagen. Gough verließ 1934 das Unternehmen. Mit der Unterstützung vonPeter Crosby undEric Scott, die beide beimKolbenherstellerSpecialloid Pistons gearbeitet hatten, gründete er im Dezember 1936[2] die Atalanta Motors Ltd. Auf den Namen Atalanta dürfte er gekommen sein, weil ein Rennsportwagen von Frazer-Nash so genannt wurde. Das Unternehmen war mit £ 20.000 finanziert, welche durch eine ganze Reihe von Persönlichkeiten gesichert wurden; darunter die wohlhabenden RennfahrerPeter Whitehead undTim Scott wie auch die RennstallbesitzerinMidge Wilby, die auch selbst Wettbewerbe bestritt.[3]

Für den Atalanta waren bei dessen Erscheinen zwei Versionen von Goughs Vierzylindermotor erhältlich. Das Hochleistungstriebwerk lieferte als1½-litre 78 bhp (57 kW) und als2-litre 98 bhp (72 kW); für letzteren war eine Leistungserhöhung durch einenZentrifugalkompressor möglich.[4] Auch dasFahrgestell war eine Entwicklung von Gough und mit zwei, später drei verschiedenenRadständen lieferbar.[3]

Der Katalog umfasste eine Reihe sehr sportlicher Aufbauten, die alle beim angesehenenKarosseriebauunternehmenAbbott of Farnham in Kleinstserien von Hand hergestellt wurden. Dadurch erhielt der Kunde auch sehr viel Gestaltungsfreiheit in Detailfragen.

Bis zur Fertigstellung einer Werkhalle an derLondon Road in Staines wurden Fahrzeuge in einem Schuppen hinter der DorfkneipeDexter's Cafe an derHigh Street zusammengebaut.[3] Obwohl der Atalanta offiziell erst 1937 vorgestellt wurde, scheinen erste Fahrzeuge bereits 1936 montiert worden zu sein.[3]

Das ambitionierte Projekt litt vor allem an einem zu wenig zuverlässigen Motor und einem sehr hohen Verkaufspreis.

1938 wurde den Vierzylindern derV-12 zur Seite gestellt, dessenV12-Motor für denUS-amerikanischenLincoln-Zephyr entwickelt worden war und vomFord-Konzern zugekauft wurde.

Rennsport

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Atalanta 2-litre short chassis 2-seat Fixed Head Coupe von Abbott (1939)

Midge Wilby übernahm drei Atalanta für ihren Rennstall, der damit als halboffizielles Werksteam gelten kann. Zeitgenössische Abbildungen[5] zeigen, dass ihr Fahrzeug ein V-12 Sports war. Daneben gab es je einen 1½-litre (wahrscheinlich ein Coupé) und einen 2-litre Sports mit derFahrgestellnummer 1011.[3][6] Team-Farbe war dunkelblau. Eine zweite Fahrerin,Joan Brotchie, sowieGordon Wilkins fuhren diese Autos gewöhnlich. Atalanta nahm vor allem an nationalen Wettbewerben wie derRallye Schottland, derRAC-Rallye oder derWelsh Rallye teil. Der erste Wettbewerb mit Beteiligung eines Atalanta waren dieLewes Speed Trials mit dem PrivatfahrerG.A.T. Weldon. Die FachzeitschriftThe Autocar nannte diesen Auftritt in einem Bericht vom 18. Juni „eindrücklich“.[5]

Das TeamCharles Morrison /Neil Watson nahm mit Wilbys 1½-litre Atalanta am24-Stunden-Rennen von Le Mans 1938 teil. Der Wagen mit der Startnummer 35 erlitt jedoch in einer Prüfung vor dem Rennen einen Unfall. Im eigentlichen Rennen fiel der Wagen – nach einem guten Start – bereits in der vierten Runde aus, weil die notdürftig vorgenommenen Reparaturen nicht gehalten hatten.[5][6]

Joan Brotchie siegte an der Rally of Scotland 1939 in der Klasse der geschlossenen Fahrzeuge (wahrscheinlich mit dem 1½-litre). An der Welsh Rallye im gleichen Jahr gewann Atalanta die Teamwertung;Midge Wilby holte gleichzeitig einen Klassensieg.

Der Ausbruch desZweiten Weltkriegs verhinderte eine längere Rennsportkarriere des Atalanta. Das Fahrzeug besaß viel Potenzial mit seinem hervorragenden Fahrwerk; Schwachpunkt war die mangelnde Zuverlässigkeit des Motors.

Technik

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Der Gough-Motor

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Der ursprünglich verwendeteVierzylindermotor war eine weiterentwickelte Version des Triebwerks, das Gough für Frazer-Nash entworfen hatte. Gough hatte es alsReihenmotor mit einerkettengetriebenen[6],obenliegenden Nockenwelle[7], dreiVentilen pro Zylinder (zweiEinlass- und einAuslassventil wie beimBugatti), zweiZündkerzen pro Zylinder[3] und einerDoppelzündung (Magnetzündung undZündspule) konzipiert. Auf Wunsch war ein zuschaltbarer Zentrifugal-[8]-Kompressor[6] erhältlich. Der Motor wurde später vom ehemaligen Inhaber und Chefingenieur vonAston Martin,A. C. Bertelli, überarbeitet. Auch diese Version hatte eine Doppelzündung, aber nur noch je ein Ein- und Auslassventil pro Zylinder. Gleichzeitig wurde möglicherweise der kleinere Motor auf 1650 cm³ vergrößert; mehrere Quellen nennen einen solchen Motor.[9][10] Zumindest die Version mit 1496 cm³ hatte einenArnott-Vergaser.[11]

Der Zephyr V12

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Atalanta V-12 short chassis 2-seat Drop Head Coupe von Abbott (1939)

Der V12 des 1936 vorgestellten Lincoln Zephyr war eine konventionelle Konstruktion, entwickelt mit der Vorgabe, möglichst viele Teile des Ford V8 zu verwenden, um die Herstellungskosten niedrig zu halten. Das eher unsportliche und auf Laufruhe ausgelegte 4,4 Liter-Aggregat warseitengesteuert und hatte einen einfachen Zahnradtrieb zwischenKurbelwelle und Nockenwelle. Anders als beim Ford mit einemGabelwinkel von 90° hatte der Zephyr V12 einen solchen von 75°. Es entwickelte 112 bhp (82 kW), die trotz des höheren Gewichts desGrauguss-Motors für sehr ansprechende Fahrleistungen gesorgt haben dürfte. Immerhin hatte das britische FachmagazinThe Motor einen serienmäßigen Lincoln Zephyr mit einer Spitzengeschwindigkeit von 145 km/h gemessen, die Beschleunigung von Null auf 96 km/h (60 mph) absolvierte er in für die Epoche bemerkenswerten 14 Sekunden.[12] Leider hatte der Zephyr V12 nicht den besten Ruf bezüglich Verbrauch und Langlebigkeit; insbesondere neigte er zu Überhitzung.

Selbstverständlich verlangte der schwere Motor Zugeständnisse bezüglich der Fahreigenschaften, bot aber andererseits das Prestige eines Zwölfzylinders zu einem nur unwesentlich höheren Preis als ein vergleichbarer Atalanta 2-litre.

Motordaten

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ModellZylinderVentileBohrung × HubHubraumVerdichtungLeistungbei Drehzahl
1½-litre4 Reihe1269 × 100 mm1496 cm³8 : 178 bhp (57 kW)
1½-litre4 Reihe81650 cm³
2-litre4 Reihe1275 × 113 mm1996 cm³98 bhp (72 kW)
2-litre s/c4 Reihe1275 × 113 mm1996 cm³
V-1212 V2469,85 × 95,25 mm4379 cm³112 bhp (82 kW)3900 min−1

Kraftübertragung

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Die Kraft wurde über eine Kardanwelle auf das spiralverzahnte Differential (Übersetzung 3.6 : 1) an der Hinterachse übertragen. Der Kunde hatte die Wahl zwischen einemWarner-Dreigang-Schaltgetriebe mit Overdrive zum 2. und 3. Gang oder einemCotal-Vorwählgetriebe nach Art der französischen "Grandes Routières".[8]

Fahrgestell

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Auch das Chassis war eine eigene und sehr moderne Konstruktion. Zur Gewichtsreduzierung griff Gough auch auf außergewöhnliche Materialien wieHiduminium,Elektron,Duraluminium[13] undMagnesium zurück. Das Fahrgestell bestand aus Längsträgern mit Kreuztraversen und Querstreben mit Rundprofil. Es gab sowohl vorn wie hinten eineEinzelradaufhängung mit Schraubenfedern; die vorderen waren vertikal angebracht. Eine ungewöhnliche, hinter dem Kühler geführte Verstrebung verband deren obere Aufnahmen miteinander und trug zur Steifigkeit des Rahmens bei. Die hinteren Federn waren in Längsrichtung des Fahrzeugs liegend angeordnet. DieStoßdämpfer waren eine Sonderanfertigung vonArmstrong, die Stärke der Dämpfung war einstellbar.[13] Atalanta verwendete Drahtspeichenräder der Dimension 18 Zoll.

Atalanta waren mit drei verschiedenen Radständen erhältlich: 2438 mm (Short Chassis), 2743 mm (Long Chassis) und später auch mit 3048 mm für mehrsitzige Versionen des V-12. Die Bremsen vonLockheed wurden hydraulisch betätigt;[3] die selber entwickelten Trommeln aus Elektron hatten einen Durchmesser von 16 Zoll (33 cm).

Der Tank fasste 90,9 Liter.[14]

Karosserien

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Atalanta V-12 long chassis 2-door Sports Saloon von Abbott (Werkbild, 1939)

Alle Werkskarosserien entstanden beiAbbott of Farnham; aufgeführt wurden:

  • Open two seat sports car (zweisitzigerRoadster mit ausgeschnittenen Türen und vorderen Kotflügeln im "Motorrad"-Stil)
  • Two seat sports tourer (zweisitzigerRoadster mit ausgeschnittenen Türen)
  • Two door fixed head coupe (zweisitzigesCoupé)
  • Luxury two door saloon (viersitzige, zweitürigeLimousine)
  • Two door drop head coupe (viersitziges, zweitürigesCabriolet)

Ein einzelnes, leider nicht erhaltenes Coupé entstand beiE. Bertelli Ltd. in Feltham (heuteLondon Borough of Hounslow). Enrico Bertelli war der Bruder vonA. C. Bertelli und Lieferant der Aston-Martin-Werkskarosserien.

Die Detailausführung wurde mit dem Kunden abgesprochen.

Preisgestaltung und Produktion

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Prospektbild des Atalanta V-12 long chassis 4-seat Saloon von Bertelli (1939)

Trotz der angebotenen Vielfalt entstanden zwischen 1937 und 1939 lediglich etwa 20 Fahrzeuge aller Varianten[3], nur sieben davon sollen V-12 gewesen sein. Der ausbleibende Erfolg lag am schwierigen wirtschaftlichen Umfeld, aber auch an den sehr hohen Preisen, die für einen Atalanta verlangt wurden; ein vergleichbares Konkurrenzmodell eines Volumenherstellers kostete etwa die Hälfte.[8]

Der V12 war etwa gleich teuer wie die Vierzylinder-Versionen. Das 2 litre Drophead Coupé war das teuerste Modell im Angebot.

Produktionsende

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1939 wurde die Fertigung kriegsbedingt eingestellt. Das Unternehmen wurde jedoch nicht aufgelöst. In den nächsten Jahren firmierte es zunächst unter der BezeichnungAtalanta Pumps und, nach einem Umzug nachChertsey (Surrey), unterAtalanta Engineering Ltd. Das Unternehmen war bis mindestens 1993 aktiv, hat jedoch nie wieder Automobile gebaut.[8]

Modelle

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ModellBauzeitraumBZylinderBHubraumBLeistungBei DrehzahlBRadstand
1½-litre1937–19394 Reihe1496 cm³78 bhp (57 kW)2438–2743 mm
2-litre1937–19394 Reihe1996 cm³98 bhp (72 kW)2438–2743 mm
V-121938–193912 V4379 cm³112 bhp (82 kW)3900 min−12743–3048 mm

RGS Atalanta

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Hauptartikel:RGS Automobile Components

Nach demZweiten Weltkrieg gelang es nicht mehr, die Produktion wieder aufzunehmen. Ab 1950 bauteRichard G. Shattock ("RGS") unter der BezeichnungRGS Atalanta vereinzelte Rennsportwagen auf Atalanta-Chassis mit offenen Fiberglas-Karosserien und Motoren vonJaguar oderAston Martin. 1953 übernahm er das komplette verbliebene Inventar, weil er vom Konzept des Fahrgestells immer noch überzeugt war. Die Fahrzeuge wurden noch einige zeit alsKit oder fertig verkauft.

NebenRGS Atalanta verfolgten die britischen RennställeCooper,HWM,Lister undTojeiro ein ähnliches Konzept und setzten meist auch auf Jaguar-Motoren.

Atalanta heute

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Atalanta amGaisbergrennen 2013

Etwa zehn Vorkriegs-Atalanta sollen noch existieren. Zumindest einer der Werks-Teamfahrzeuge, ein Zweiliter Roadster auf dem kurzen Chassis, ist erhalten. Dieser hat konventionelleKotflügel auch vorn. Der beschriebeneRGS Atalanta von Richard Shattock stand zum Verkauf.

Wiederbelebung?

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Die Markenrechte liegen heute beiMartyn Corfield. Nachdem er 2009 den einzigen noch existierenden Wisby-Teamwagen, einen 2 litre Roadster, erworben hatte, gelangten weitere Atalanta in seinen Besitz. Er plant die Auflage einer modernen Interpretation desAtalanta und hat dazu eine neueAtalanta Motors inTiptonStaffordshire gegründet, als derenCEO er fungiert.[15][16] Ein Vorstellungstermin im Frühjahr 2012 konnte offenbar nicht eingehalten werden.[17]

Literatur

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  • Culshaw, David und Horrobin, Peter:The Complete Catalogue of British Cars 1895–1975. Veloce Publishing, Dorchester 1999,ISBN 1-874105-93-6 (englisch).

Weblinks

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Commons: Atalanta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. atalantamotors.com:Atalanta Myth
  2. atalantamotors.com:Heritage
  3. abcdefghconceptcarz.com:Atalanta 2-Litre Short-Chassis Drop Head Coupé (1938)
  4. atalantamotors.com:Atalanta Cars of the 30's; 4-cylinder sports
  5. abcatalantamotors.com:Competition Heritage
  6. abcdsupercars.net:Atalanta 2-Litre Short-Chassis Drop Head Coupé (1938)
  7. Culshaw/Horrobin:Complete Catalogue (1999)
  8. abcdmotorbase.com:Atalanta
  9. Culshaw/Horrobin:Complete Catalogue (1997)
  10. motorbase.com:Atalanta Vierzylinder
  11. carfolio.com:Daten Atalanta 1½-litre FHC (1936)
  12. Bill Vance:Motoring Memories – Lincoln Zephyr
  13. abatalantamotors.com:Atalanta Cars of the 30's
  14. carfolio.com:Atalanta
  15. Homepage vonAtalanta Motors
  16. prewarcar.com magazine:The Revival of Atalanta Motors
  17. sportscardigest.com:Atalanta Motors to be Revived after 75 Years
Britische Pkw-Automobilmarken von 1931 bis 1945

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