Arsenopyrit
Arsenopyrit | |
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Allgemeines und Klassifikation | |
IMA-Nummer | 1962 s.p.[1] |
IMA-Symbol | Apy[2] |
Andere Namen | |
Chemische Formel | FeAsS |
Mineralklasse (und ggf. Abteilung) | Sulfide/Sulfosalze, Metall:Schwefel (Selen, Tellur) < 1:1 |
System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana | II/C.09 II/D.22-010 2.EB.20 02.12.04.01 |
Ähnliche Minerale | Löllingit, Skutterudit, Chloanthit |
Kristallographische Daten | |
Kristallsystem | monoklin, pseudo-orthorhombisch |
Kristallklasse;Symbol | monoklin-prismatisch; 2/m[7] |
Raumgruppe | P21/c (Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14[8] |
Gitterparameter | a = 5,74 Å;b = 5,65 Å;c = 5,76 Å β = 110,6°[8] |
Formeleinheiten | Z = 4[8] |
Zwillingsbildung | allgemein nach {100} und {001},[9] auch Drillinge und polysynthetische Zwillinge möglich |
Physikalische Eigenschaften | |
Mohshärte | 5,5 bis 6[9] |
Dichte (g/cm3) | gemessen: 6,07; berechnet: 6,18[9] |
Spaltbarkeit | deutlich nach {101}, undeutlich nach {010}[9] |
Bruch;Tenazität | uneben |
Farbe | silberweiß, stahlgrau; dunkel oder bunt anlaufend |
Strichfarbe | grauschwarz bis schwarz |
Transparenz | undurchsichtig |
Glanz | Metallglanz, dunkel oder bunt anlaufend |
Magnetismus | nach Erhitzen magnetisch |
Weitere Eigenschaften | |
Besondere Merkmale | bitterer Geruch nach dem Aufbrechen |
Arsenopyrit, veraltet oderbergmännisch unter anderem auch alsArsenkies,Giftkies oderMißpickel bekannt, ist ein häufig vorkommendesMineral aus derMineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der idealisiertenchemischen Zusammensetzung FeAsS und damit chemisch gesehen einEisen-Arsen-Sulfid.
Arsenopyrit kristallisiert immonoklinen Kristallsystem und entwickelt tafelige bis prismatische oder blockigeKristalle, die meist entlang der c-Achse gestreift sind. Verbreitet sind auch pseudo-oktaedrische oder pseudo-orthorhombischeKristallzwillinge sowie sternförmige Drillinge.[10] Daneben findet er sich in Form körniger bis kompakterMineral-Aggregate.
Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der im frischen Zustand zinnweißen bis stahlgrauen Kristalle einen metallischenGlanz. Mit der Zeit laufen diese aber dunkel oder bunt schillernd an. SeineStrichfarbe ist dagegen stets grauschwarz bis schwarz.
Etymologie und Geschichte
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Chemisch gesehen ist Arsenopyrit einisomorphes Gemisch ausLöllingit (Eisendiarsenid, FeAs2) undPyrit (Eisendisulfid, FeS2). Dieser Zusammensetzung verdankt es auch seinen Namen.
Erstmals beschrieben wurde Arsenopyrit 1847 durchErnst Friedrich Glocker.
Arsenopyrit war bereits lange vor der Gründung derInternational Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Arsenopyrit theoretisch den Status einesgrandfathered Mineral. In der 1962 erfolgten Publikation der IMA:Commission on new minerals and mineral names empfahl die Kommission allerdings die Bezeichnung Arsenopyrit statt des parallel verwendeten NamensMispickel zu bevorzugen.[11] Da dies automatisch eine nachträgliche Ankerkennung für den Arsenopyrit bedeutete, wird das Mineral seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „IMA 1962 s.p.“ (special procedure) geführt.[1] Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auchMineral-Symbol) von Arsenopyrit lautet „Apy“.[2]
Ein Aufbewahrungsort für dasTypmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[12]
Klassifikation
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Bereits in der veralteten8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Arsenopyrit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Sulfide mit M : S < 1 : 1“, wo er als Namensgeber die „Arsenopyritgruppe“ mit der SystemnummerII/C.09 und den weiteren MitgliedernGlaukodot undGudmundit bildete.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisiertenLapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser klassischen Systematik vonKarl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr.II/D.22-10. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Sulfide mit Metall : S,Se,Te < 1 : 1“, wo Arsenopyrit zusammen mitAlloklas, Glaukodot, Gudmundit,Osarsit undRuarsit die „Arsenopyritgruppe“ mit der SystemnummerII/D.22 bildet.[13]
Die von derInternational Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[14]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Arsenopyrit dagegen in die Abteilung der „Metallsulfide mit M : S ≤ 1 : 2“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach dem genauenStoffmengenverhältnis und den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : S = 1 : 2, mit Fe, Co, Ni, PGE usw.“ zu finden ist, wo es zusammen mit Gudmundit, Osarsit,Paxit und Ruarsit die „Arsenopyritgruppe“ mit der Systemnummer2.EB.20 bildet.
Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlicheSystematik der Minerale nach Dana ordnet den Arsenopyrit ebenfalls in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Auch hier ist er in der „Arsenopyritgruppe (monoklin:P21/c (Pseudo-orthorhombisch))“ mit der Systemnummer02.12.04 innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n) : p = 1 : 2“ zu finden.
Chemismus
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Die idealisierte, theoretische Zusammensetzung von Arsenopyrit (FeAsS) besteht aus 34,30 % Eisen (Fe), 46,01 % Arsen (As) und 19,69 % Schwefel (S). Die chemische Zusammensetzung variiert allerdings im Allgemeinen von FeAs1,1S0,9 bis FeAs0,9S1,1.[10] Zudem konnten bei natürlichen Mineralproben auch geringeFremdbeimengungen vonCobalt (Co) undBismut (Bi) gefunden.[9]
Kristallstruktur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Arsenopyrit kristallisiert monoklin in derRaumgruppeP21/c (Raumgruppen-Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14 mit denGitterparameterna = 5,74 Å;b = 5,65 Å;c = 5,76 Å und β = 110,6° sowie 4Formeleinheiten proElementarzelle.[8]
Eigenschaften
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Man erkennt Arsenopyrit an seinem bitteren Geruch, wenn es gebrochen wurde oder in Pulverform vorliegt. InSchwefelsäure löst er sich unter Abscheidung vonSchwefel. Eine Probe auf Kohle gesetzt bildet vor der Lötlampe eine schwarze, magnetische Kugel.
Modifikationen und Varietäten
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Danait (Kobalt-Arsenopyrit,Kobaltarsenkies) ist die bisher einzige bekannteVarietät. Durch einen Massengehalt von etwa 6 bis 12 %Cobalt ist Danait etwas weicher als Arsenopyrit.
Bildung und Fundorte
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Arsenopyrit bildet sichhydrothermal inMineralgängen undGreisen, sowie durchMetamorphose inSkarn,Gneis undGlimmerschiefer. Er findet sich oft inParagenese mitChalkopyrit,Galenit,Kassiterit,Pharmakosiderit,Pyrrhotit,Pyrit,Scheelit und vielen anderen. AuchGold undSilber sind oft mechanisch in feinster Form beigemengt.
Als häufige Mineralbildung ist Arsenopyrit an vielen Orten anzutreffen, wobei bisher rund 5600 Fundorte (Stand: 2010) als bekannt gelten.[15] In Deutschland wurde das Mineral inFreiberg,Ehrenfriedersdorf,Thalheim/Erzgeb. (daher auch der Name „Thalheimit“),Harz,Hunsrück,Schwarzwald,Fichtelgebirge und imSauerland gefunden. In Österreich trat es in mehreren Regionen desBurgenlandes, vonKärnten,Niederösterreich,Salzburg, derSteiermark, vonNord- undOsttirol sowie vonOberösterreich auf.
Weitere Fundorte sindÄgypten,Albanien,Algerien, dieAntarktis,Argentinien,Armenien,Aserbaidschan,Äthiopien,Australien,Belgien,Bolivien,Bulgarien,Burkina Faso,Burundi,Chile,China,Ecuador,El Salvador,Eritrea,Fidschi,Finnland,Frankreich,Georgien,Ghana,Griechenland,Grönland,Guatemala,Guinea,Honduras,Indien,Indonesien, imIran, inIrland,Italien,Japan,Kambodscha,Kanada, die KanalinselJersey,Kasachstan,Kirgisistan,Kolumbien, dieDemokratische Republik Kongo,Nord- undSüdkorea, imKosovo,Kuba,Madagaskar,Malaysia,Mali,Marokko,Mauretanien,Mexiko, derMongolei,Myanmar,Namibia,Neuseeland,Niger,Nigeria,Nordmazedonien,Norwegen,Papua-Neuguinea,Peru, denPhilippinen,Polen,Portugal,Ruanda,Rumänien,Russland,Saudi-Arabien,Schweden, derSchweiz, inSerbien,Simbabwe,Slowakei,Slowenien,Spanien,Südafrika,Sudan,Eswatini,Tadschikistan,Taiwan,Tansania,Thailand,Tschechien,Tunesien,Türkei,Ukraine,Ungarn,Usbekistan, imVereinigten Königreich (Großbritannien), dieVereinigten Staaten von Amerika und inVietnam.
Auch in Mineralproben vomMittelatlantischen Rücken konnte Arsenopyrit nachgewiesen werden.
Verwendung
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Arsenopyrit ist das wichtigsteErz zur Gewinnung vonArsen.
AlsSchmuckstein findet Arsenopyrit keine Verwendung. Gelegentlich werden geeignete Steine allerdings von Hobbyschleifern für Sammlergeschliffen.
Siehe auch
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Ernestus Fridericus Glocker:Generum et Specierum Mineralium, Secundum Ordines Naturales Digestorum Synopsis, omnium, quotquot adhuc reperta sunt, mineralium nomina complectens. Eduardum Anton, Halae Saxonum (= Halle in Sachsen) 1847,S. 34–43,Ordo VI. Pyritae. Pyrite. III. Pyritae arsenopyritoidei. 10. Arsenopyrites (Latein,rruff.info [PDF;545 kB; abgerufen am 7. August 2019]).
- Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002,ISBN 978-3-89555-076-8,S. 48 (als Arsenkies).
Weblinks
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Arsenopyrit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung; abgerufen am 13. September 2022
- Arsenopyrite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy; abgerufen am 7. August 2019 (englisch).
- Arsenopyrite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF); abgerufen am 7. August 2019 (englisch).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Arsenopyrite. In: rruff.geo.arizona.edu. Abgerufen am 7. August 2019 (englisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- ↑abMalcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (englisch).
- ↑abLaurence N. Warr:IMA–CNMNC approved mineral symbols. In:Mineralogical Magazine.Band 85, 2021,S. 291–320,doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch,cambridge.org [PDF;351 kB; abgerufen am 26. November 2023]).
- ↑abcHans Lüschen:Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979,ISBN 3-7225-6265-1,S. 176, 276.
- ↑Synonyms of Arsenopyrite; other Language Names. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 7. August 2019 (englisch).
- ↑Karl Hugo Strunz,Christel Tennyson:Mineralogische Tabellen. 8. Auflage. Akademische Verlagsgesellschaft Geest & Portig KG, Leipzig 1982,S. 519.
- ↑Karl Hugo Strunz,Christel Tennyson:Mineralogische Tabellen. 8. Auflage. Akademische Verlagsgesellschaft Geest & Portig KG, Leipzig 1982,S. 581.
- ↑David Barthelmy: Arsenopyrite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 7. August 2019 (englisch).
- ↑abcHugo Strunz,Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001,ISBN 3-510-65188-X,S. 104 (englisch).
- ↑abcdeArsenopyrite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.):Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch,handbookofmineralogy.org [PDF;49 kB; abgerufen am 13. September 2022]).
- ↑abFriedrich Klockmann:Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.:Paul Ramdohr,Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978,ISBN 3-432-82986-8,S. 463–465 (Erstausgabe: 1891).
- ↑International Mineralogical Association: Commission on new minerals and mineral names. In:Mineralogical Magazine.Band 33, 1962,S. 260–263 (englisch,rruff.info [PDF;168 kB; abgerufen am 26. November 2023]).
- ↑Catalogue of Type Mineral Specimens – A. (PDF; 357 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 26. November 2023.
- ↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018,ISBN 978-3-921656-83-9.
- ↑Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
- ↑Localities for Arsenopyrite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 7. August 2019 (englisch).