
DieArmenversorgung bzw.Armenhilfe oderArmenfürsorge geht in ihren Anfängen bereits auf die ersten Jahrhunderte v. Chr. zurück.
ErsteArmenhäuser hat es wahrscheinlich schon imPerserreich zur Zeit desKyros gegeben, und imJudentum war es Pflicht,Armen,Waisen undWitwen zu helfen. Verschiedene Kulturen kannten einenZehnt, der sozialen Zwecken diente.
Forscher derUniversität Münster haben den bisher ältestenhebräischen Text außerhalb derBibel entziffert. Auf einer rund 3.000 Jahre alten Tontafel geht es um Sozialgesetzgebung und darum, wie Ausländer, Witwen und Waisen geschützt werden sollten.[1]
In derJerusalemer Urgemeinde wurde laut Apg 2 und 4 eine allgemeineGütergemeinschaft gepflegt, um die Armen versorgen und gleichberechtigt aufnehmen zu können. DieApostelgeschichte berichtet an mehreren Stellen darüber, aber auch von Verstößen dagegen.
Ab demMittelalter wurde die Fürsorge von verschiedenen Orden wie denKreuzrittern (insbesondereJohanniter undDeutscher Orden), denFranziskanern oderUrsulinen übernommen. Viele Städte und Pfarren führtenArmenkasten oder andere Einrichtungen für ihre „Hausarmen“.[2] Auch reformorientierten Herrschern wie beispielsweise KaiserJoseph II. war die Errichtung vonArmenhäusern und-spitälern ein großes Anliegen. Es wurde später teilweise vonSozialreformern aufgegriffen, aber auch von sozial gesinnten Landesfürsten undStatthaltern. Ein Beispiel für Letztere ist derböhmischeGubernatorKarl Chotek von Chotkow, der sich um 1830 neben der Förderung des allgemeinen Schulwesens auch um die Errichtung von Anstalten zur Armenversorgung verdient machte.

In den Notzeiten des20. Jahrhunderts gehörten zur Armenhilfe auchLebensmittelkarten, nach 1945Ausspeisungen (z. B. derUS-Besatzungsmacht), Rationen fürFamilien undRentner sowieErholungsaufenthalte für Kinder. Mit der Entwicklung desWohlfahrtsstaates wurden Errungenschaften wie allgemeine Gesundheitsversorgung,Kranken- undPensionskassen sowie Familienbeihilfen selbstverständlich. Heute ist das „soziale Netz“ in den meisten Industrieländern zwar eng geknüpft, leidet aber unter finanziellen Engpässen. Als Folge davon entwickeln sich widerstrebende Forderungen nachEigenvorsorge versusGrundeinkommen oder nachBetriebspensionen und einemMindestlohn.
InEntwicklungsländern ist hingegen nach wie vor derFamilienverband die wichtigste Absicherung gegen extreme Armut, gefolgt von religiös motiviertenHilfswerken (Mission, EZA usw.) und derEntwicklungshilfe.