
Archer Kent Blood (geboren am20. März1923 inChicago,Illinois; gestorben am3. September2004 inFort Collins,Colorado) war einamerikanischerDiplomat. Er wurde bekannt, nachdem er am 6. April 1971 in seiner Funktion als Generalkonsul inDhaka, damals die Hauptstadt Ostpakistans, ein Telegramm an dasamerikanische Außenministerium gesandt hatte, in denen er das rücksichtslose Vorgehen des pakistanischen Militärs gegen diebangladeschische Unabhängigkeitsbewegung alsVölkermord bezeichnete und in scharfen Worten die Südasien-Politik derNixon-Regierung kritisierte.
Blood studierte an derUniversity of Virginia (B.A. 1943) und später Internationale Beziehungen an derGeorge Washington University (M.A. 1963). Während desZweiten Weltkriegs diente er ab 1943 in derUnited States Navy im Nordpazifik. 1947 trat er in den diplomatischen Dienst und wurde im Laufe seiner Dienstzeit zu den amerikanischen Vertretungen in Griechenland, Algerien, Westdeutschland, Pakistan, Afghanistan und Indien bestellt. 1982 wurde er pensioniert und ließ sich 1993 in Fort Collins, Colorado nieder, wo er 2004 starb. 2002 veröffentlichte er seine Memoiren im Verlag der Universität von Dhaka.
1971 war Blood Generalkonsul der Vereinigten Staaten in Dhaka, der Hauptstadt Ostpakistans. Die seit Jahren anhaltenden Spannungen zwischen der (west-)pakistanischen Regierung und der sezessionistischenAwami-Liga eskalierten in den ersten Monaten des Jahres 1971 und führten schließlich zumBangladesch-Krieg. Am 25. März des Jahres ordnete der pakistanische PräsidentYahya Khan als Oberbefehlshaber der Streitkräfte dieOperation Searchlight an. Das Militär ging mit außerordentlicher Härte gegen tatsächliche oder mutmaßliche Separatisten vor, in wenigen Tagen wurden tausende getötet, wobei insbesondere Hindus Opfer der Militärgewalt wurden. Vor Beginn der Operation waren ausländische Journalisten des Landes verwiesen worden, so dass nur wenige Berichte über die Massaker den Weg in die internationale Presse fanden. Blood und die Mitarbeiter wurden jedoch Augenzeugen der Geschehnisse und berichteten in Telegrammen an das amerikanische Außenministerium davon. Bereits im Betreff des ersten dieser Telegramme vom 28. März bezeichnete Blood das Vorgehen Pakistans als „Selektiven Genozid.“ In weiteren Telegrammen unterrichtete er Washington über das Ausmaß der Gewaltakte, darunter über das Massaker an hunderten Studenten der Universität Dhaka, Leichenberge und Massengräber. Nachdem diese Berichte keine Reaktion zeitigten, sandte Blood am 6. April schließlich ein Telegramm mit dem BetreffDissent from U.S. Policy Toward East Pakistan, das alle Mitarbeiter des Konsulats unterschrieben. Blood kritisierte darin in scharfen Worten die Passivität der amerikanischen Regierung in der Krise:
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Das Telegramm zunächst als LOU (Limited Official Use) klassifiziert, einer recht niedrigen Vertraulichkeitsstufe, so dass es innerhalb des State Department rasch verbreitet wurde und es so viele Mitarbeiter des Ministeriums zu Gesicht bekamen. Angesichts der Brisanz des Telegramms reklassifizierte es das Ministerium jedoch am nächsten Tag als NODIS (No Distribution Outside the Department of State),[1] der höchsten Vertraulichkeitsstufe, um seine weitere Verbreitung zu unterbinden. Nachdem die amerikanischen Mitarbeiter des Konsulats in Dhaka per Flugzeug evakuiert wurden und in die USA zurückkehrten, wurde Blood während der Amtszeit Kissingers nicht wieder im Ausland eingesetzt, was oft als Bestrafung für sein Aufbegehren gedeutet wurde.
Die Umstände des Blood-Telegramms, das Verhalten der Vereinigten Staaten in der Südasienkrise und insbesondere die RolleHenry Kissingers sind seither Gegenstand einer historischen und juristischen Kontroverse. Der JournalistChristopher Hitchens forderte in seinem BuchThe Trial of Henry Kissinger (2001), dass Kissinger sich einem Kriegsverbrechertribunal stellen müsse und führte dabei Kissingers Verhalten in der Bangladesh-Krise gerade auch angesichts des Blood-Telegramms als Beweis für seine Komplizenschaft mit dem pakistanischen Regime an.[2] Auch ein Dossier derCalifornia Law Review führt das Blood-Telegramm als Beweismittel für den Fall an, dass Kissinger für sein Verhalten juristisch belangt werden sollte, da es zumindest seine Mitwisserschaft, wenn auch nicht zwingend seine Mittäterschaft belege.[3] Das Telegramm wurde über den sogenanntenDissent Channel verbreitet, einen Kommunikationskanal, den das State Department kurz zuvor im Kontext des Vietnamkriegs eingerichtet hatte, um Diplomaten eine Möglichkeit zu geben, problematische Anweisungen aus Washington coram publico oder zumindest amtsintern zu kritisieren[4]. Es ist bis heute das wohl bekanntesteMemo, das auf diesem Weg veröffentlicht wurde. Zu Vergleichen zumBlood Telegram regte in jüngster Zeit die DenkschriftAlternatives to Closing Doors in Order to Secure Our Borders (Januar 2017) an, die vehement dieExecutive Order 13769 des neuen PräsidentenDonald Trump kritisiert, ebenfalls über denDissent Channel vertrieben wurde und von mehr als 1000 amerikanischen Diplomaten unterzeichnet wurde.[5][6]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Blood, Archer |
| ALTERNATIVNAMEN | Blood, Archer Kent (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | amerikanischer Diplomat |
| GEBURTSDATUM | 20. März 1923 |
| GEBURTSORT | Chicago,Illinois |
| STERBEDATUM | 3. September 2004 |
| STERBEORT | Fort Collins,Colorado |