Richard D. James kam 1971 als zweiter Sohn von Lorna und Derek James[1] im Limerick Regional Hospital zur Welt. Sein älterer Bruder Richard James starb bei der Geburt.[2] Seine Eltern gaben James den Namen seines verstorbenen Bruders, ergänzt um den zweiten VornamenDavid.[2]
Zusammen mit seinen beiden Schwestern wuchs er auf der britischen HalbinselCornwall auf. Seine SchwesterJulie James ist Politikerin derWelsh Labour Party.[3] In Cornwall begann er später auch seine musikalische Karriere als DJ in den örtlichen Clubs. So war er bereits als Teenager DJ im Shire Horse inSt Ives und legte zusammen mitTom Middleton im Bowgie Inn in Crantock,Newquay auf.
James gilt als eigenwilliger und etwas verschrobenerExzentriker. Er gibt nur ungern Interviews und die Aussagen, die er in ihnen macht, widersprechen sich häufig. Deswegen ist der Wahrheitsgehalt vieler biographischer Fakten stark umstritten.[2] So entpuppten sich viele der dargestellten Eigenwilligkeiten als reine Gerüchte, die nach Medienberichten auftauchten, etwa dass er in einer umgebauten Bank lebt und ein gepanzertes Spähfahrzeug besitzen soll.
Aus seiner ersten Ehe gingen zwei Söhne hervor.[4][5] James ist in zweiter Ehe verheiratet und lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Schottland naheGlasgow.[5][6]
Die Inspiration für einige seiner Musikstücke kam ihm nach eigener Aussage währendluzider Träume.
Die Musik von Aphex Twin lässt sich nicht auf einen bestimmten Stil festlegen. Bekannt wurde Aphex Twin mit seinen frühenAmbient-Stücken. Andere seiner Werke sind derIntelligent Dance Music, demTechno oder demDrill 'n Bass zuzuordnen. Drill ‘n Bass, deutsch etwa: den Bass bohren, ist eine speziell auf ihn zugeordnete Stilbezeichnung. Viele Stücke bestehen aus einfachenMelodien, ungewöhnlichen Klängen, begleitet von sehr detaillierten Schlagzeug-Arrangements. Diese Qualität wurde speziell auf „Drukqs“ und „Hangable Auto Bulb“ deutlich.
In seinenRemixes von Stücken anderer Künstler zerstört er das musikalische Ausgangsmaterial oft vollkommen, zum Beispiel bei denDie Fantastischen Vier. Den Remix vonNine Inch Nails produzierte er mit den Originalsamples, ohne aber je die ursprüngliche Komposition gehört zu haben. Für die Gitarrenrock-BandLemonheads lieferte er ein Stück ab, das er als Remix bezeichnete; in Wirklichkeit hatte er den Abgabetermin für den Remix versäumt.
Seinem Ruf als kreativem Soundbastler gerecht werdend, enthielten die Lieder der „Windowlicker EP“ versteckte Muster und ein Bild[9] von James mit seinem typischenGrinsen.[10] Darstellen kann man diese eingebetteten bildlichen Informationen mit einem Programm, welches das Frequenzspektrum visualisiert[11].
Der Musik von Aphex Twin wurde wiederholt ein Bezug zum Konsum von Drogen unterstellt, den Richard James selbst aber als sehr gering einschätzt, wie er in einem Interview mit der ZeitschriftFrontpage feststellte:
„... ich versuche, diesen Aspekt möglichst minimal zu halten ... Making tracks when you are tripping is almost a complete waste of time ...“[12]
Ähnlich äußerte er sich in der britischen ZeitschriftThe Guardian:
„Ich wollte das mit den Drogen nie an die große Glocke hängen, weil ich nicht glaube, dass die das verdienen. Es ist bloß etwas, was du machen willst. Ich komm höchstwahrscheinlich so rüber nach dem Motto, "Ja, Acid und Gras sind super". Aber sowas denk ich nicht, absolut nicht. Und wenn ich es tun würde, würde ich es nicht in Interviews preisgeben. Außerdem bin ich nie unter Drogeneinfluss, wenn ich Musik mache. Immer wenn ich es gemacht habe, war es totaler Müll. Es ist ein sehr diszipliniertes Ding, Musik machen. Wenn du auf Drogen bist, bist du bloß gefickt. Man könnte so nie einen Track auf die Kette kriegen. Wenn ich stoned bin, geh ich ins Bett“
–Richard D. James, in: The Guardian, 5. Oktober 2001[13][14]
Im Jahr 1995 kritisierte der deutsche Avantgarde-KomponistKarlheinz Stockhausen Aphex Twins Komposition „Alberto Balsalm“ als eintönig.[15]
Nach der Veröffentlichung des Albums „Drukqs“ im Jahr 2001 hatte James für drei Jahre kaum neues Material veröffentlicht. Während dieser Zeit erschienen nur die „26 Mixes for Cash“ betitelte Sammlung bereits veröffentlichter Remixe sowie drei neue Remixe unter dem Pseudonym AFX. Im Frühjahr 2005 kam die erste von insgesamt 11 geplanten Veröffentlichungen einer „Analord“ betitelten Serie heraus. Die zuerst und in einer Album-Box veröffentlichten Analord 10 war auf 1000 Stück limitiert. Im April 2006 erschien mit „Chosen Lords“ eine Compilation der Analords-Serie als CD.
Im April 2014 wurde eine der vier zuvor im Besitz von Richard James,Chris Jeffs,Grant Wilson-Claridge undMike Paradinas befindlichen Testpressungen des 1994 produzierten Caustic-Window-Albums beiDiscogs zum Verkauf angeboten.[16] Mit Erlaubnis von Rephlex Records und James wurde durch James E. Thomas, den Betreiber des englischsprachigen MusikforumsWe Are The Music Makers, eineKickstarter-Kampagne ins Leben gerufen, bei der 4.124 Unterstützer den Kaufpreis von 67.424 US-Dollar aufbrachten und dafür im Gegenzug eine Digital-Kopie des Albums erhielten.[17] Die originale Schallplatte wurde im Anschluss beieBay für 46.300 US-Dollar vomMinecraft-EntwicklerMarkus Persson ersteigert und das Geld z. T. für wohltätige Zwecke gespendet.[18]
Nach einer fast 10-jährigen Veröffentlichungspause begann im August 2014 eine Marketingkampagne für ein neues Aphex-Twin-Album. Zunächst flog ein mit dem Aphex Twin-Logo und der Zahl „2014“ gestaltetesBlimp über London. Kurz darauf postete Aphex TwinsTwitter-Account einenTor-Link, unter dem sich die Tracklist des neuen Albums und weitere Details abrufen ließen.[19] Das AlbumSyro erschien am 19. September 2014 auf dem LabelWarp Records. Bereits zwei Wochen zuvor war die Single „minipops 67 [120.2]“ veröffentlicht worden. Mit dem Album erreichte er nicht nur erstmals die Top 10 derbritischen Musikcharts, sondern war auch in weiteren europäischen Ländern erfolgreich und kam auf Platz 11 derUS-Albumcharts. Bei denGrammy Awards 2015 wurdeSyro als bestes Dance-/Electronicalbum ausgezeichnet.
Schon im Januar 2015 folgte mitComputer Controlled Acoustic – Pt 2 eine EP mit neuen Musikstücken. Zur gleichen Zeit begann ein anonymer Nutzer, unter den Namenuser487363530,user4873635301 unduser48736353001 mit der Veröffentlichung von 173 Musikstücken aufSoundcloud. Der Account wurde von Aphex Twins Twitter-Account verlinkt.[20] In Fankreisen war man sich schnell einig, dass die Stücke Outtakes seiner Produktionen aus den 1990er Jahren waren. Philip Sherburne schrieb in einem Artikel fürPitchfork, dass „die Markenzeichen der Produktionen an spezifische Zeitpunkte in James' Katalog erinnern ... man hört die gleichen Maschinen, die selben Prozesse, und vor allem die gleichen Ideen – wenn das nicht James ist, dann ein Musiker der ihm in jeder Hinsicht ebenbürtig ist, und wie wahrscheinlich ist es schon, dass so jemand für all diese Jahre unentdeckt blieb?“Mike Paradinas bestätigte, dass einige Stücke von James wären und er ihm diese bereits vor Jahren vorgespielt hätte.[21]
Am 6. Mai 2015 wurde der größte dieser Soundcloud-Accounts mit über 200 Tracks ohne irgendeine Erklärung gelöscht. Zwei Tage später wurden die Tracks vom Accountuser18081971 wieder hochgeladen. Der neue Nutzername nimmt Bezug auf James' Geburtsdatum, den 18. August 1971.
Anfang Juni 2016 kündigte James mit einem Poster dieCheetah EP mit sieben teils neuen Tracks an, welche am 8. Juli 2016 erschienen ist.[22][23]
Im August 2018 enthüllte James mit mysteriösen 3D-Plakaten in der LondonerU-Bahn-Station Elephant & Castle, dass am 14. September 2018 eine neue EP namensCollapse erscheinen wird. Am 7. August erschien die erste SingleT69 Collapse, begleitet von einem Musikvideo des Animationskünstlers Weirdcore. Der RadiosenderByteFM nannteT69 Collapse ein „gewohnt hirnverknotendes StückBreakcore, in dem sich zerstückelte Drums und Synthesizer in schwindelerregende Höhen schrauben“.[24]
Einem breiteren Publikum wurde Aphex Twin vor allem durch die ungewöhnlichen und teilweise verstörendenMusikvideos zu „Windowlicker“ und „Come to Daddy“ bekannt, die in Zusammenarbeit mit demRegisseurChris Cunningham entstanden. Bereits vor diesen Veröffentlichungen war Aphex Twin mehrfach in den britischen Charts vertreten, so 1992 mit einem Re-Release seines Stückes „Didgeridoo“ und 1993 mit der Single „On“, welche Platz 32 der britischen Charts erreichte. Insgesamt hatten sich seine Veröffentlichungen über Warp Records nach Angaben vonSteve Beckett Stand 2009 etwa eine Million Mal verkauft.[25] Seine sonstigen Veröffentlichungen sind oft in geringen Auflagen hergestellt worden und somit relativ unbekannt geblieben, zahlreiche Songs waren auch Achtungserfolge in der Electronica-Szene und teilweise Underground-Hits, ohne dabei einem größeren Publikum bekannt zu werden.
Sein Künstlername Aphex Twin bezieht sich auf die Firma Aphex Systems (Produzent von Effektgeräten). Mehrere von James Veröffentlichungen enthalten in denLinernotes den Hinweis „Aphex is a registered trademark of Aphex Systems Limited and is used by permission“. Der zweite Teil des Pseudonyms mit dem englischen Begriff für einenZwilling ist ein Hinweis auf Richards älteren Bruder gleichen Namens. Dieser verstarb bei der Geburt 1968. James’ Eltern gaben ihrem zweitgeborenen Sohn den gleichen Namen.[2] James veröffentlicht auch unter zahlreichen weiteren Pseudonymen:
Aphex-Twin-Logo
AFX
Caustic Window
Polygon Window
Bradley Strider
The Dice Man (nur für ein Stück)
GAK
Power-Pill
Q-Chastic
Soit-P.P. (nur für ein Stück)
Blue Calx (nur für ein Stück)
Analord
The Tuss (The Tuss wird auf der offiziellen BMI Seite „James, Richard David“ zugeordnet[26])
user48736353001
Zusammen mitMike Paradinas (µ-ziq) veröffentlichte James unter dem Projektnamen Mike & Rich 1996 das AlbumMike & Rich. Der Album-SubtitelExpert Knob Twiddlers wird gelegentlich und irrtümlich als Albumname verwendet.[27]
Gemeinsam mitMike Dred veröffentlichte er unter dem NamenUniversal Indicator ab 1992 diverse EPs und ein Compilation-Album auf Rephlex Records.
Zu James’ musikalischen Weggefährten zählen neben Mike Paradinas der ebenfalls in Cornwall aufgewachsene MusikerLuke Vibert. Seit Ende der 1990er Jahre fördert James auf seinem LabelRephlex Records unter anderem die Künstler Tom Jenkinson (Squarepusher), Michael C. Cullen (Mike Dred) und Chris Jeffs (Cylob). Mit Squarepusher produzierte er den Titel „Freeman Hardy & Willis Acid“, welcher auf der Warp Compilation „wap100 – we are reasonable People“ erschien. Einige von James' frühen EPs sowie sein DebütalbumSelected Ambient Works 85–92 erschienen auf dem belgischenLabelR&S Records bzw. dessen SublabelApollo Records. Später wechselte er zuWarp Records. Das Album26 Mixes for Cash, eine Zusammenstellung älterer Remixe, erschien 2003 auf Warp und sollte für elf Jahre das letzte bleiben. Zwischenzeitlich wurde daher über eine mögliche Trennung vom Label spekuliert. Ende 2009 bestätigte Warp Records jedoch die Verlängerung des Plattenvertrages mit James.[4]
↑Übersetzung vom Autor. Englisches Original:I never wanted to big up any drugs, because I don't reckon they deserve it. It's just something that you choose to do. I probably come across as, like, 'Yeah, acid and weed are amazing.' But I don't think that at all, really. And if I did, I wouldn't want to say it in an interview. Plus, I'm never under the influence of drugs when I make music. Whenever I have been, it's always been totally rubbish. It's a real disciplined thing, making music. When you're tripping, you're just fucked. You could never get it together to make a track. When I'm stoned, I go to bed.