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Apalutamid

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Strukturformel
Struktur von Apalutamid
Allgemeines
FreinameApalutamid[1]
Andere Namen

4-{7-[6-Cyan-5-(trifluormethyl)pyridin-3-yl]-8-oxo-6-sulfanyliden-5,7-diazaspiro[3.4]octan-5-yl}-2-fluor-N-methylbenzamid

SummenformelC21H15F4N5O2S
Kurzbeschreibung

weißes, leicht gelbliches Pulver[2]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer956104-40-8
EG-Nummer (Listennummer)807-449-9
ECHA-InfoCard100.235.115
PubChem24872560
ChemSpider28424131
DrugBankDB11901
WikidataQ21098975
Arzneistoffangaben
ATC-Code

L02BB05

Wirkstoffklasse

nicht steroidale Antiandrogene

Wirkmechanismus

Inhibition des Androgenrezeptor-Signalweges

Eigenschaften
Molare Masse477,44g·mol−1
Aggregatzustand

fest[2]

Löslichkeit

praktisch unlöslich in Wasser[2]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von derKennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[3]

Gefahr

H- und P-SätzeH:360
P:?
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten beiStandardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Apalutamid (im EnglischenApalutamide) ist ein orales, nicht-steroidalesAntiandrogen (NSAA), welches zur Behandlung vonProstatakarzinomen eingesetzt wird.[4]

Entwicklung und Zulassung

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Prostatakarzinome entwickeln unter der Therapie mitAndrogendeprivation (Entzug vonAndrogenen, zum Beispiel durchHodenentfernung oderGnRH-Analoga) eineÜberexpression von Androgen-Rezeptoren und werden dadurchtherapieresistent. Daher wurde nach Medikamenten gesucht, die eine intensivere Bindung an Androgen-Rezeptoren aufweisen.[5] Im Tiermodell wurde das Pharmakon ARN-509 (späterer Name Apalutamid) als besonders aussichtsreich gefunden und in klinischen Studien erprobt. Am 14. Februar 2018 wurde Apalutamid aufgrund der SPARTAN-Studie[6] von der amerikanischenFood and Drug Administration (FDA) für die Behandlung von Patienten mit kastrationsresistentem, nicht metastasiertem Prostatakarzinom zugelassen.

Am 19. September 2019 erfolgte aufgrund der TITAN-Studie[7] die FDA-Zulassung von Apalutamid für Patienten mit Androgen-sensitivem, metastasierten Prostatakarzinom.[8] Am 19. März 2019 hat auch dieEuropäische Kommission Apalutamid für beide Indikationen zugelassen.[4]

Indikation

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DieLeitlinie Prostatakarzinom empfiehlt die Anwendung von Apalutamid beim Prostatakarzinom mit dem höchsten Empfehlungsgrad A in zwei Situationen:

  1. Patienten in gutemAllgemeinzustand (ECOG-Score 0-1) mitmetastasiertem (M1),hormonsensitiven, Prostatakarzinom (mHSPC) zusätzlich zu einerAndrogendeprivation.[9] Hormonsensitiv heißt in diesem Fall, dass die Tumoren auf eine Androgendeprivation, also einen Entzug vonAndrogenen ansprechen. Diese Patienten konnte man bisher schon gut mit einer Androgendeprivationstherapie (ADT) behandeln, zum Beispiel durch die Entfernung der Hoden (Orchiektomie) oder die Injektion vonGnRH-Analoga. In der Kombination mit Apalutamid ist das Therapieergebnis jedoch besser. Die Apalutamid-Behandlung soll innerhalb von drei Monaten nach Beginn der ADT einsetzen.
  2. Kastrationsresistente Prostatakarzinome reagieren nicht auf eine ADT durch Orchiektomie oder GnRH-Analoga und haben eine schlechte Prognose mit einem hohen Risiko einer Metastasierung. Die Leitlinie empfiehlt bei Patienten mit nicht-metastasiertem Prostatakarzinom (nmCRPC) und einem Risiko der Metastasierung innerhalb der nächsten 10 Monaten zusätzlich zur ADT Apalutamid oder ein anderes innovatives Präparat wieDarolutamid oderEnzalutamid zu geben.

Nebenwirkungen

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Unter der Einnahme von Apalutamid kam es zu kardiovaskulären Ereignissen, zum Teil mit Todesfolge. In den Zulassungsstudie SPARTAN and TITAN starben 0,5 % mit Apalutamid und 0,2 % ohne an koronaren Herzerkrankungen. In der SPARTAN-Studie wurden unter Apalutamid mehr Knochenbrüche (12 %) beobachtet als ohne (7 %).

Bei der Einnahme können ferner Müdigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Hypertonie, Hautausschläge und eineHypothyreose auftreten. Selten werden Krampfanfälle ausgelöst.[2]

Pharmakologie

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Apalutamid wird von der FirmaJanssen-Cilag unter dem HandelsnamenErleada in alsFilmtabletten in zwei Dosisstärken (60 mg und 240 mg Apalutamid) vertrieben.[10][11] Diedefinierte Tagesdosis (DDD) beträgt 240 mg pro Tag. Diese Dosierung wurde auch in den Zulassungsstudien TITAN[7] und SPARTAN[6] verwendet. Bei Nebenwirkungen dritten Grades wird eine Unterbrechung empfohlen, bis die Nebenwirkungen auf Grad eins abgeklungen sind, mit anschließender Dosisreduktion.[2]

DieBioverfügbarkeit beträgt 100 %. Im Mittel ist zwei Stunden nach Einnahme der höchste Plasmaspiegel erreicht. DiePlasmaproteinbindung beträgt 95 %.

Apalutamid bindet direkt an die „Ligand-binding-Domain“ desAndrogenrezeptors und verhindert eine Androgen-Rezeptor-Translokation in den Zellkern, die DNA-Bindung und damit alle Androgen-Rezeptor-abhängigenTranskriptionen.[12]

TITAN-Trial

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Auf Basis der Ergebnisse aus dieser Studie erfolgte die Zulassung von Apalutamid beim metastasierten, Androgen-sensitiven Prostatakarzinom. Die Bezeichnung TITAN steht für „The Targeted Investigational Treatment Analysis of Novel Anti-androgen“ (ClinicalTrials-Nummer: NCT02489318).[13] In einerrandomisierten, doppeltblinden,multizentrischenPhase-III-Studie wurden 525 Patienten mit metastasiertem Prostata-Karzinom mit Apalutamid und ADT behandelt, weitere 527 erhielten ein Placebo und eine ADT. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 22,7 Monaten lebten 68,2 % der Apalutamid-Patienten ohne Progress, in der Placebo-Gruppe nur 47,5 % (signifikant, p < 0,001). Auch das Gesamtüberleben war mit 82,4 % in der Apalutamid-Gruppe signifikant höher als in der Placebogruppe (73,5 %; p < 0,005).[7] Die Patienten hatten einen ECOG-Score von 0 oder 1.Viszerale Metastasen (Organbefall) hatten 128 der 1.042 Patienten. EineDocetaxel-Chemotherapie ging bei 10,7 % der Patienten voraus.

SPARTAN-Trial

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Diese Studie war die Datenbasis für die Zulassung von Apalutamid für Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom und einer kurzenPSA-Verdoppelungszeit als Zeichen der besonderen Bösartigkeit. Die Bezeichnung SPARTAN steht für „Selective Prostate Androgen Receptor Targeting with ARN-509“ (ClinicalTrials-Nummer: NCT01946204[14]). In einermultizentrischen,randomisiertenPhase-III-Studie wurden 1207 bisher metastasenfreie Patienten mit Prostatakarzinom, die trotz Androgendeprivatation einenPSA-Anstieg mit einer Verdoppelungszeit von 10 Monaten oder weniger hatten, in eine Apalutamid-Gruppe (806 Patienten) und eine Placebo-Gruppe (401 Patienten) randomisiert. Zum Zeitpunkt der Auswertung war das metastasenfreie Überleben in der Apalutamid-Gruppe 40,5 Monate, in der Placebogruppe 16,2 Monate (hochsignifikant, p < 0,001). In beiden Gruppe wurde die ADT in gleicher Form fortgesetzt.[6] In einer späteren Auswertung nachMedian 52 Monaten Nachbeobachtungszeit war auch die mittlere Gesamtüberlebenszeit unter Apalutamid mit 73,9 Monaten signifikant länger als mit Placebo (59,9 %).[15]

Einzelnachweise

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  1. INN Recommended List 75, World Health Organisation (WHO), 9. März 2016.
  2. abcdeHighlights of prescribing information. Janssen Pharmaceutical Companies, September 2019, abgerufen am 27. Februar 2022 (englisch). 
  3. Vorlage:CL Inventory/nicht harmonisiertFür diesen Stoff liegt noch keineharmonisierte Einstufung vor. Wiedergegeben ist eine von einer Selbsteinstufung durch Inverkehrbringer abgeleitete Kennzeichnung von 4-[7-[6-cyano-5-(trifluoromethyl)pyridin-3-yl]-8-oxo-6-sulfanylidene-5,7-diazaspiro[3.4]octan-5-yl]-2-fluoro-N-methylbenzamide imClassification and Labelling Inventory derEuropäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 5. Januar 2025.
  4. abErleada (Apalutamid) Übersicht über Erleada und warum es in der EU zugelassen ist. (PDF) Europäische Arzneimittelagentur, 2020, abgerufen am 28. Februar 2022. 
  5. Chris Tran, Samedy Ouk, Nicola J. Clegg, Yu Chen, Philip A. Watson:Development of a Second-Generation Antiandrogen for Treatment of Advanced Prostate Cancer. In:Science.Band 324,Nr. 5928, 8. Mai 2009,doi:10.1126/science.1168175,PMID 19359544,PMC 2981508 (freier Volltext). 
  6. abcMatthew R. Smith, Fred Saad, Simon Chowdhury, Stéphane Oudard, Boris A. Hadaschik:Apalutamide Treatment and Metastasis-free Survival in Prostate Cancer. In:New England Journal of Medicine.Band 378,Nr. 15, 12. April 2018,S. 1408–1418,doi:10.1056/NEJMoa1715546. 
  7. abcKim N. Chi, Neeraj Agarwal, Anders Bjartell, Byung Ha Chung, Andrea J. Pereira de Santana Gomes:Apalutamide for Metastatic, Castration-Sensitive Prostate Cancer. In:New England Journal of Medicine.Band 381,Nr. 1, 4. Juli 2019,S. 13–24,doi:10.1056/NEJMoa1903307. 
  8. FDA approves apalutamide for metastatic castration-sensitive prostate cancer. FDA, 18. September 2019, abgerufen am 27. Februar 2022 (englisch). 
  9. S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Langversion 6.2, 2021, AWMF Registernummer: 043/022OL. (PDF) Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF), Oktober 2021, abgerufen am 22. Februar 2022. 
  10. Elke Schlüssel: Neueinführung Erleada (Apalutamid). 30. Januar 2019, abgerufen am 21. Februar 2022. 
  11. Gebrauchsinformation: Information für Anwender Erleada® 60 mg Filmtabletten, Apalutamid. Janssen ‑ Cilag GmbH, Februar 2021, abgerufen am 21. Februar 2022. 
  12. Nicola J. Clegg, John Wongvipat, James D. Joseph, Chris Tran, Samedy Ouk:ARN-509: A Novel Antiandrogen for Prostate Cancer Treatment. In:Cancer Research.Band 72,Nr. 6, 15. März 2012,S. 1494–1503,doi:10.1158/0008-5472.CAN-11-3948,PMID 22266222,PMC 3306502 (freier Volltext) – (aacrjournals.org [abgerufen am 27. Februar 2022]). 
  13. A Study of Apalutamide (JNJ-56021927, ARN-509) Plus Androgen Deprivation Therapy (ADT) Versus ADT in Participants With mHSPC. ClinicalTrial.gov, Februar 2022, abgerufen am 27. Februar 2022 (englisch). 
  14. Has ResultsA Study of Apalutamide (ARN-509) in Men With Non-Metastatic Castration-Resistant Prostate Cancer. Clinicaltrials.gov, 25. Februar 2022, abgerufen am 27. Februar 2022 (englisch). 
  15. Matthew R. Smith, Fred Saad, Simon Chowdhury, Stéphane Oudard, Boris A. Hadaschik:Apalutamide and Overall Survival in Prostate Cancer. In:European Urology.Band 79,Nr. 1, Januar 2021,S. 150–158,doi:10.1016/j.eururo.2020.08.011. 

Anmerkungen

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Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient weder der Selbstdiagnose noch wird dadurch eine Diagnose durch einen Arzt ersetzt. Bitte hierzu denHinweis zu Gesundheitsthemen beachten!
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