Annemarie Jacir

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Annemarie Jacir auf dem43rd International Film Festival of India, 2012

Annemarie Jacir (arabisch آن ماري جاسر, *17. Januar1974 inBethlehem) ist einepalästinensisch-amerikanischeFilmemacherin. International bekannt wurde sie mit ihrem SpielfilmDas Salz des Meeres.

Inhaltsverzeichnis

Leben

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Annemarie Jacir stammt aus einer der ältesten christlichen Familien Bethlehems.[1] Sie wuchs dort und inRiad auf. Mit 16 Jahren schickten ihre Eltern sie in die USA auf eine Privatschule inDallas. Anschließend besuchte sie einCollege in Kalifornien. Sie jobbte in der Filmindustrie vonLos Angeles, bevor sie in New York einMasterstudium im Fach Film an derColumbia University absolvierte. Ihre Karriere beim Film begann sie alsEditorin undKamerafrau. Nach dem Studium kehrte sie nachPalästina zurück, pendelte zwischenRamallah undNew York. Nachdem ihr im November 2007 die Einreise insWestjordanland verwehrt worden war, lebte sie einige Zeit inAmman inJordanien.[1] Um sich inIsrael niederlassen zu können, nahm sie die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an. Sie lebt mit ihrem Ehemann und Kind inHaifa.[2] Gemeinsam mit ihrer Schwester, der KünstlerinEmily Jacir, eröffnete sie 2019 in dem restaurierten, 1890 von ihrem Großvater erbauten Haus in Bethlehem ein Kulturzentrum, das „Dar Yusuf Nasri Jacir for Art and Research“.[3] Neben ihrer Filmarbeit schreibt Annemarie Jacir Gedichte, die u. a. in der AnthologieThe Poetry of Arab Women. A Contemporary Anthology veröffentlicht wurden.[4]

Werk

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Filmemacherin

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Jacir arbeitet im Bereich desIndependent-Films und hat als Drehbuchautorin, Regisseurin oder Produzentin an über 16 Filmen mitgewirkt.[5] Sie drehte Kurz- und Dokumentarfilme sowie bis 2017 drei Spielfilme, die als offizielle palästinensische Beiträge für denOscar in der Kategorie „Bester ausländischer Film“ eingereicht wurden, aber nicht in die engere Auswahl kamen. Sie gehört zu derkosmopolitischen Generation arabischer Filmschaffender, die seit den 1960er Jahren geboren und in Europa oder den USA ausgebildet wurden.[6] Jacirs Filme beschäftigen sich aus einertransnationalen Perspektive mit palästinensischer Identität auf dem Hintergrund der „Nakba“ und mit der Suche nach kulturellen Wurzeln.

Sie war 1997 Mitbegründerin vonPhilistine Films, einer Produktionsgesellschaft der unabhängigen arabischen Filmszene,[7] die 2003 ihren KurzfilmLike Twenty Impossibles produzierte. Der 17-minütige Film ist wie eine Dokumentation inszeniert. Er folgt einer Filmcrew von derWest Bank bisJerusalem. Der Titel zitiert eine Zeile aus dem GedichtHere we shall stay des DichtersTawfiq Ziad.[8] Er war der erste arabische Film in der Auswahl desFilmfestivals von Cannes und wurde für dieStudent Academy Awards nominiert.[9] Er gewann mehrere Preise bei internationalen Filmfestivals wie demPalm Springs International ShortFest, demChicago International Film Festival, der Institute Du Monde Arabe Biennale und demInternationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg.

Im Jahr 2004 war Jacir auf der Liste der „25 neuen Gesichter im Indie-Kino“ der amerikanischen ZeitschriftFilmmaker.[10]

Als erste palästinensische Regisseurin drehte sie einen abendfüllenden Spielfilm:Das Salz des Meeres erzählt die Geschichte einer inBrooklyn geborenen Amerikanerin mit palästinensischen Wurzeln, die das erste Mal durch das Land ihrer Vorfahren reist.[11] Jacir wurde für das beste Drehbuch beim Internationalen Dubai Filmfestival ausgezeichnet. Bei der Verleihung gab sie den Preis an den irakischen TV-JournalistenMuntaser al-Saidi weiter, der kurz zuvor während einer Pressekonferenz in Bagdad als Symbol des Protestes seine Schuhe nach dem damaligen US-PräsidentenGeorge W. Bush geworfen hatte.[12]

Jacirs SpielfilmWhen I Saw You(Lamma shoftak) aus dem Jahr 2012 schildert das Leben eines zwölfjährigen Jungen und seiner Mutter nach demSechstagekrieg von 1967 im jordanischen Flüchtlingslager in Harir. Neben anderen Auszeichnungen erhielt er 2013 auf derBerlinale denNETPAC-Preis.[13][14]

In ihrem dritten SpielfilmWajib – Hochzeit in Nazareth aus dem Jahr 2017 begibt sich ein Vater mit seinem nach Italien ausgewanderten Sohn auf eine lange Autofahrt durchNazareth, um nach einer palästinensischen Tradition – man nennt sie „Wajib“ – Hunderte Einladungen zur Hochzeit der Tochter persönlich zu überbringen.[15] Jacir wurde zu diesem Film durch den „Wajib“ ihres Ehemannes inspiriert.[16] Mit ihrer autobiographisch gefärbten Geschichte thematisiere sie „parabelartig die Krux jener clanartigen Großfamilien, die unter Muslimen ebenso anzutreffen sind wie im Kulturkreis arabischer Christen, aus dem sie stammt“, so die Kritik inepd Film.[17] Der auch als Komödie und kammerspielartigesRoadmovie beschriebene Film lief im Wettbewerb beimLocarno Film Festival und gewann u. a. den „Don Quixote-Preis“ desFilmclubs.[18]

Jacirs Werk wird mit den Filmen gleichaltriger iranischer Regisseurinnen und Regisseure verglichen: Charakteristisch seien die scheinbar beiläufige, in Wirklichkeit durchdachte Kameraführung, natürlich wirkende Schauspiel-Performances und ein Hang zur Dramatik.[1]

Im Jahr 2018 war Jacir Jurymitglied der ReiheUn Certain Regard in Cannes.[19]

2020 wurde sie in die Wettbewerbsjury der70. Internationalen Filmfestspiele Berlin berufen.[20]

Festivalkuratorin und Dozentin

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Um das palästinensische Kino zu fördern, gründete sie zusammenHamid Dabashi das Filmfestival „Dreams Of A Nation“, dessen Kuratorin sie 2003 und 2004 war.[21][22] Sie unterrichtete Filmarbeit an den Universitäten vonColumbia,Bethlehem undBir Zait sowie in Flüchtlingslagern in Palästina, im Libanon und in Jordanien.[23]

Filmografie

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Langfilme

  • 2008:Das Salz des Meeres (Milh Hadha l-Bahr; Regie, Drehbuch, Produktion)
  • 2012: When I Saw You (Lamma shoftak; Regie und Drehbuch)
  • 2017: Wajib – Hochzeit in Nazareth (Wajib; Regie und Drehbuch)

Kurzfilme

  • An Explanation – And Then Burn the Ashes (2006)
  • Quelques miettes pour les oiseaux (2005)
  • Like Twenty Impossibles (2003)
  • The Satellite Shooters (2001)
  • A Post Oslo History (2001)

Weblinks

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Commons: Annemarie Jacir – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. abcNicholas Blincoe: Annemarie Jacir: an auteur in exile. In: The Guardian. Guardian News & Media Limited, 5. Juni 2014, abgerufen am 21. Oktober 2019 (englisch). 
  2. Christian Walther:Weshalb die einen feiern und die anderen gedenken, SFR, 15. Mai 2018
  3. Awad Hamad:Inaugural Exhibition of Dar Yusuf Nasri Jacir for Art and Research in Bethlehem. Bericht auf der Website der unabhängigen Qattan Foundation, 9. Juli 2019
  4. Fayeq Oweis:Annemarie Jacir, in:Encyclopedia of Arab American Artists. Greenwood Publishing, London 2007,ISBN 978-0-313-33730-7, S. 165
  5. Annemarie Jacir will receive the 17th Human Rights Film Festival Award. In: Human Rights Film Festival Donostia / San Sebastian. 12. April 2019, abgerufen am 25. September 2019 (englisch). 
  6. Roy Armes:New Voices in Arab Cinema, Indiana University Press, 2015,ISBN 978-0-253-01528-0, S. 20–21.
  7. Filmmaker/Screenwriter Annemarie Jacir '02, Coumbia Film Alum, To Receive Andrew Sarris Award At Columbia University Film Festival. In: Columbia University School Of Arts. Columbia University, 21. April 2016, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 18. Oktober 2019; abgerufen am 10. Juni 2023 (englisch). 
  8. Anna Ball:Palestinian Literature and Film in Postcolonial Feminist Perspective, Routledge, London 2012,ISBN 978-1-138-10953-7, S. 122.
  9. Barbara McGuire,Jill Feiwell, Barbara McGuire, Jill Feiwell: Acad unveils 28 student kudos finalists. In: Variety. 8. Mai 2003, abgerufen am 2. Oktober 2019 (englisch). 
  10. 25 New Faces Of Indie Film 2004. In: Filmmaker Magazine. IFP (Independent Filmmaker Project), abgerufen am 26. September 2019 (englisch). 
  11. Ian Mundell: ‘Salt’ to be Palestinian Oscar entry. In: Variety. Variety Media, LLC, 22. September 2008, abgerufen am 1. Oktober 2019 (englisch). 
  12. Dubai-Filmfestival. Schuhwerfer von Bagdad bekommt Drehbuchpreis, Spiegel Online Kultur, 18. Dezember 2008
  13. Extra-Preise der 63. Berlinale. In: Welt Online. Axel Springer SE, 16. Februar 2013, abgerufen am 18. Oktober 2019. 
  14. Ed Meza: ‘When I Saw You’ to be Palestinian Oscar entry. In: Variety. Variety Media, LLC, 6. September 2012, abgerufen am 18. Oktober 2019 (englisch). 
  15. Geri Krebs:«Wajib» – Hochzeit mit Hindernissen, NZZ, 7. März 2018
  16. Leigh Singer: “Laughing is a way to resist”: Annemarie Jacir on her father-son wedding drama Wajib. In: BFI. British Film Institute, 7. Januar 2019, abgerufen am 21. Oktober 2019 (englisch). 
  17. Manfred Riepe:Kritik zu Wajib, epd, 23. August 2019
  18. “Nazareth is a Violent City… But It’s also Hilarious”: Director Annemarie Jacir on Wajib, Filmmaler Magazine, 13. September 2017
  19. Palestinian director and writer Annemarie Jacir is also among the four additional jurors for the official sidebar. The Hollywood Reporter, 7. Mai 2018
  20. Berlinale 2020: Internationale Jury. In: berlinale.de, 4. Februar 2020 (abgerufen am 4. Februar 2020).
  21. „I Wanted That Story to Be Told“, Interview mit Annemarie Jacir, in:Alif. Journal of Comparative Poetics, No. 31/2011,The Other Americas, S. 241–254 (Preview)
  22. Hamid Dabashi: About Dreams of a Nation. In: The Center for Palestine Studies. Abgerufen am 2. Oktober 2019 (englisch). 
  23. Carol Fadda-Conrey:Contemporary Arab-American Literature: Transnational Reconfigurations of Citizenship and Belonging. NYU Press, 2014,ISBN 978-1-4798-2692-6 (google.de [abgerufen am 2. Oktober 2019]). 
Personendaten
NAMEJacir, Annemarie
KURZBESCHREIBUNGpalästinensisch-US-amerikanische Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin
GEBURTSDATUM17. Januar 1974
GEBURTSORTBethlehem
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