Amilorid

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Strukturformel
Struktur von Amilorid
Allgemeines
FreinameAmilorid
Andere Namen
  • 3,5-Diamino-N-carbamimidoyl-6-chlorpyrazin-2-carbamid (IUPAC)
  • N-Amidino-3,5-diamino-6-chlorpyrazin-2-carboxamid
  • Guanamprazin
  • 3,5-Diamino-6-Chlor-N-(diaminomethyliden)pyrazin-2-carbamid (IUPAC laut PubChem)
SummenformelC6H8ClN7O
Kurzbeschreibung

blassgelbes bis grünlich gelbes Pulver(Amilorid·Hydrochlorid)[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer220-024-7
ECHA-InfoCard100.018.205
PubChem16231
ChemSpider15403
DrugBankDB00594
WikidataQ419995
Arzneistoffangaben
ATC-Code

C03DB01

Wirkstoffklasse

Diuretikum

Eigenschaften
Molare Masse229,63 g·mol−1
Aggregatzustand

fest[2]

Schmelzpunkt

293°C(Amilorid·Hydrochlorid)[1]

pKS-Wert

8,7[3]

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von derKennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[2]

Gefahr

H- und P-SätzeH:301
P:264​‐​270​‐​301+310​‐​405​‐​501[2]
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten beiStandardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Amilorid ist ein Arzneistoff aus der Gruppe derkaliumsparenden Diuretika (Entwässerungsmittel). Es wird in Kombination mit einem weiteren diuretisch wirksamen Stoff – in der RegelHydrochlorothiazid – zur Behandlung einesKaliummangels infolge vonHerzinsuffizienz sowie zur Behandlung vonBluthochdruck eingesetzt.[4] Amilorid kam 1967 als Arzneimittel auf den Markt (Moduretik, MSD Sharp & Dohme).

Chemisch gesehen handelt es sich bei Amilorid um einPyrazinderivat. Es enthält weiterhin eineGuanidino-Gruppe. Amilorid ist lichtempfindlich.

Inhaltsverzeichnis

Wirkungsweise

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Die Wirkung von Amilorid beruht auf einer direkten Blockierung desepithelialen Natriumkanals (ENaC). Dieser befindet sich unter anderem im distalen Abschnitt des Tubulussystems eines Nephrons der Nieren und sorgt dort für die Wiederaufnahme vonNatriumionen aus dem Primärharn. Amilorid führt durch die Hemmung der Natrium-Wiederaufnahme zu einem erhöhten Natrium- und Wasserverlust, ohne jedoch dieKaliumausscheidung zu erhöhen.

Pharmakologische Eigenschaften

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Amilorid wird immer gemeinsam mit einemThiazid-Diuretikum oderSchleifendiuretikum eingesetzt. Durch die kaliumsparende Wirkung kann es zu einer Erhöhung des Blutkaliumspiegels bis hin zu einerHyperkaliämie kommen. Das Risiko hierfür ist bei gleichzeitiger Einnahme vonACE-Hemmern oderAldosteronantagonisten, erhöht. Kontraindikationen sind Hyperkaliämie (erhöhter Blutkaliumspiegel),Schwangerschaft undAnurie (krankhaft verringerte Harnproduktion).[4]

Durch die Hemmung der Natrium-Wiederaufnahme ist Amilorid ein geeignetes Mittel für Patienten mit demLiddle-Syndrom, die aufgrund ihres genetisch bedingten Natriumüberschusses im Blut unter einem Volumenhochdruck leiden.

Pharmakokinetik

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Nachperoraler Aufnahme tritt die maximale Blutplasmakonzentration nach etwa 4 Stunden ein.[7] 50 % der aufgenommenen Dosis sindbioverfügbar.[7] Die Ausscheidung erfolgt zu 50 %renal und zu 50 % über denStuhl.[6] Es findet kaum Metabolismus statt; der Großteil wird unveränderteliminiert.[6] Amilorid besitzt eine Halbwertszeit von etwa 18 Stunden.[7]

Erforschung anderer Eigenschaften

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In einem Mausmodell derMukoviszidose zeigten Zhou und Kollegen,[8] dass in den ersten Lebenstagen inhalativ verabreichtes Amilorid die typischen Symptome der Mukoviszidose sowie die Ausbildung/Entwicklung einer chronischen Lungenerkrankung verhindert. Waren die Symptome allerdings bereits vorhanden, trat keine Besserung durch die Behandlung ein. Ein chronischer Lungenschaden verhindert offensichtlich die Wirkung von Amilorid. Das deutet darauf hin, dass die Veränderungen, die die Erkrankung in der Lunge auslösen, möglicherweise irreversibel sind.

Weitere Verwendung

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Die Eigenschaft des Amilorids den epithelialen Natriumkanal zu blockieren wird auch bei der Erforschung desGeschmackssinns genutzt. ENaC befindet sich in den Geschmackssinneszellen auf der Zunge und im Rachenraum und ist in die Wahrnehmung des Salz-Geschmacks involviert. Amilorid hemmt denRezeptor fürSüßgeschmack durch Bindung anT1R2.[9]

Handelspräparate

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Reines Amiloridhydrochlorid: Ein blassgelbes bis grünlich gelbes kristallines Pulver
Kombinationspräparate

Amiloretik (D, A), Comilorid (CH), Diaphal (D), Diursan (D), Ecodurex(CH), Escoretic (CH), Kalten (CH), Loradur (A), Moducrin(D), Moduretic (A, CH), Rhefluin(CH), Tensoflux (D), diverse Generika (D, A, CH)

Weitere Eigenschaften

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Amiloridhydrochloridfluoresziert imultravioletten Licht (bei 365 nm[5]Wellenlänge). Das macht man sich bei der Detektion derdünnschichtchromatographischen Identitätsprüfung nachEuropäischem Arzneibuch zunutze.[5]

Amiloridhydrochlorid enthält etwa 12 % Kristallwasser;[5] die Kristallwasserabgabe beim Erhitzen hat Einfluss auf den Schmelzpunkt.[6]

Einzelnachweise

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  1. abEintragAMILORIDE HYDROCHLORIDE CRS beimEuropäisches Direktorat für die Qualität von Arzneimitteln (EDQM), abgerufen am 22. September 2009.
  2. abcDatenblattAmilorid-hydrochlorid Hydrat beiSigma-Aldrich, abgerufen am 10. Januar 2025 (PDF).
  3. Harry Auterhoff, Joachim Knabe, Hans-Dieter Höltje:Lehrbuch der Pharmazeutischen Chemie. 14. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 1999,ISBN 3-8047-1645-8.
  4. abcH. P. T. Ammon (Hrsg.):Hunnius. Pharmazeutisches Wörterbuch. 9. Auflage. de Gruyter, 2004,ISBN 3-11-017487-1.
  5. abcdEuropäisches Arzneibuch 6.2
  6. abcdeArzneibuch Kommentar. Gesamtwerk einschließlich 36. Aktualisierungslieferung 2010,ISBN 978-3-8047-2461-7.
  7. abcD. Steinhilber, M. Schubert-Zsilavecz,H. J. Roth:Medizinische Chemie. Targets und Arzneistoffe. Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart 2005,ISBN 3-7692-3483-9.
  8. Z. Zhou, D. Treis, S. C. Schubert, M. Harm, J. Schatterny, S. Hirtz, J. Duerr, R. C. Boucher, M. A. Mall:Preventive but not late amiloride therapy reduces morbidity and mortality of lung disease in βENaC-overexpressing mice. In:Am J Respir Crit Care Med. 178, 2008, S. 1245–1256.
  9. M. Zhao, X. Q. Xu, X. Y. Meng, B. Liu:The Heptahelical Domain of the Sweet Taste Receptor T1R2 Is a New Allosteric Binding Site for the Sweet Taste Modulator Amiloride That Modulates Sweet Taste in a Species-Dependent Manner. In:Journal of molecular neuroscience : MN. [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck] August 2018,doi:10.1007/s12031-018-1156-5,PMID 30120716.
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