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Alt Rehse

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Alt Rehse
StadtPenzlin
Wappen von Alt Rehse
Koordinaten:53° 30′ N,13° 10′ O53.513.16666666666760Koordinaten:53° 30′ 0″ N,13° 10′ 0″ O
Höhe: 60 m ü. NN
Fläche:9,11 km²
Einwohner:362 (31. Dez. 2007)[Ohne Beleg]Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/NoEinwQuelle
Eingemeindung:1. Juli 2008
Postleitzahl:17217
Vorwahl:03962
Typisches Fachwerkhaus im Dorf

Alt Rehse ist ein Dorf und Ortsteil der StadtPenzlin am westlichen Ufer desTollensesees imLandkreis Mecklenburgische Seenplatte inMecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Das Dorfensemble ist als seltenes Beispiel von dörflicherArchitektur im Nationalsozialismus architektonisch und historisch einmalig in Deutschland.

Geografie

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Blick über den Tollensesee nach Alt Rehse

Die Gemarkung des Ortsteils Alt Rehse grenzt an die GemeindenKuckssee,Wulkenzin,Hohenzieritz, die StadtPenzlin sowie an die KreisstadtNeubrandenburg.

Geschichte

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Dorfkirche in Alt Rehse

Der Ort istslawischen Ursprungs, hier lebten nach Abzug der germanischen Bewohner zur Zeit derVölkerwanderung die mittelalterlichen Stämme derRedarier undTollenser aus dem Stammesverband derWilzen, die später auch imLiutizenbund vereinigt waren. Der Name „Rehse“ könnte sich aus der altslawischen Sprache ableiten und „Ort am Wasser“ bedeuten.[1]

Alt Rehse wird 1182 in einer Bestätigungsurkunde von PommernherzogBogislaw I. für Besitzungen desKlosters Broda als „reze“ erstmals erwähnt. Ob es sich bei einem Ort, welcher als „michnin“ (1170), „Michninow“ (1244) bzw. „Michnino“ (1328) in teilweise gefälschten Urkunden erwähnt wurde, um Alt Rehse oder um ein anderes Dorf handelte, ist nicht mit hinreichender Sicherheit feststellbar. Die Landesgeschichtsforschung geht seit längerem davon aus, dass eine Siedlungskontinuität der beiden Orte nicht besteht.

Alt Rehse gehörte anfangs demPrämonstratenserkloster Broda, ehe danach 22 verschiedene Eigentümer das amTollensesee gelegene Dorf besaßen. Erwähnenswert sind:

  • (Georg) Ferdinand (Heinrich) von Maltzan, Reichsfreiherr zu Wartenberg und Penzlin (1778–1868), Erblandmarschall desFürstentums Wenden, der am 18. Oktober 1816 als Erster inMecklenburg die Aufhebung derLeibeigenschaft auf seinenGütern verkünden ließ,
  • Carl (Otto Ferdinand) Mercker (1816–1893), der großes Interesse an Archäologie und Geologie entwickelte und bei Wustrow slawische Pfostengruben freigelegt und als „Brücke zu Rethra“ deutete,
  • seit 1896 der freiherrliche Zweig der Familievon Hauff, vertreten durch Ludwig Freiherr von Hauff (1872–1923),[2] ein neues Schloss erbaute und den Gutspark in einen Landschaftspark umwandelte.
  • Hans Nikolaus von Hauff, verheiratet mit Gudrun von Hauff aus der württembergischen Linie der Familie; geschieden 1947. Deren ersten beiden Kinder sind in Alt Rehse geboren, die nächsten in Neubrandenburg, Mallin und Tübingen. Dasallodiale Rittergut Alt Rehse besaß einen Umfang von 497 ha. Pächter um 1928 war Knupe.[3] Hauptsitz derer von Hauffs wurde dann dasHerrenhaus Mallin.
  • 15. April 1931 Aufhebung des Konkursverfahrens des Mecklenburg-Schwerinschen Landgericht zu Güstrow als übergeordnete Instanz des Amtsgericht zu Penzlin, die die Eröffnung des Verfahrens zuvor angeordnet hatte. Beschwerdeführer war versus der Testamentsvollstrecker für die Miterben Ingeborg Freiin von Hauff und stud. jur. Ernst Günther Freiherr von Hauff[4]
  • im Oktober 1933 bewohnt zeitweise Martin Bormann das vormalige Herrenhaus
  • 1934,ohne Anerkennung der Rechtmäßigkeit, Enteignung der Hauffs, nach Eigenangaben[5] imGenealogischen Handbuch des Adels

1934 kamen das Gut und der Park durch Enteignung an denHartmannbund, der hier auf Verlangen der Reichsärzteführung dieFührerschule der Deutschen Ärzteschaft bauen ließ und das Gut in Besitz nahm.[6] Das alte Dorf wurde bis auf die Kirche, die Schule und das Pfarrhaus sowie einenKaten, den späteren Dorfkrug, abgerissen, und es entstanden in der Folgezeit bis 1939 22 niederdeutsch wirkende Fachwerkhäuser mit Schilfrohrdächern, die im Türbalken die Jahreszahl der Erbauung nach dem nationalsozialistischen Machtantritt und den Namen jeweils eines deutschenGaues trugen. Der Lehrbetrieb ging bis Januar 1943, während das Gut für die Führerschule und die Reichskanzlei produzierte.

Türsturz des Hauses „Kurhessen“ in Alt Rehse: im 3. Jahre bezeichnet das 3. Jahr nach der Machtergreifung Hitlers 1933

1945 evakuierte dieRote Armee die Bevölkerung und nutzte das Gelände bis Oktober 1947. Auf der Suche nach schriftlichen Unterlagen wurden im Ort umfassend Bücher beschlagnahmt, wobei auch die Kirchenbücher verschwanden.

Kinderdorf 1948 in Alt Rehse

Im Verlauf derBodenreform zog 1948 das als Heimstatt für Vertriebenenwaisen aus dem ehemaligen deutschen Osten gegründete „Kinderdorf Alt Rehse“ in Schloss und Park Alt Rehse ein. 1952 bezog ein Institut für Lehrerbildung die Schloss- und Parkanlage, die 1955 dann kurzzeitig vomDDR-Ministerium für Staatssicherheit übernommen und 1958 an dieNationale Volksarmee übergeben wurde. Der Alte Gutshof von 1862 im neugotischen Stil hatte 1939 eine neoklassizistische Fassade erhalten. Diese wurde in den 1960er Jahren zerstört, soll aber wieder hergestellt werden.[7]

Gedenktafel am Schloss Alt Rehse, an die Zeit als Kinderheim erinnernd

Anfangs diente die Anlage derNVA-Führung zu Erholungszwecken. Das Terrain war umzäunt und von einem Torposten bewacht. In den 1970er Jahren konnten sogar Zivilisten das Objekt unbehelligt betreten. Ab Anfang der 1980er Jahre wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft und das Objekt für die Errichtung halbunterirdischer Bauten auf eine südlich angrenzende Koppelfläche ausgedehnt. Von 1978 bis 1982 wurden Bunkeranlagen durch die NVA gebaut, die als Führungsstelle desMilitärbezirks V (Neubrandenburg) der Landstreitkräfte der NVA genutzt werden sollten. 1990 zog dieBundeswehr als Rechtsnachfolger der NVA in das Park- und Bunkergelände ein, verließ es aber im Jahre 1998. DasBundesverwaltungsamt hat für das 65 Hektar große Objekt einen Käufer gefunden, der es zunächst an die beiden Brüder Wallner durchgereicht hatte.

In der Zeit von 1990 bis 2003 stellte dieKassenärztliche Bundesvereinigung Restitutionsansprüche auf Dorf und Park. Erst nach erheblichen Protesten und Gerichtsverfahren verzichtete sie im Mai 2003 auf diese Ansprüche.

Mit einer Gruppe von Menschen aus ganz Deutschland wurde auf dem Gelände das Projekt „Tollense Lebenspark“ als Gemeinschaft gegründet. In diesem Zusammenhang wurden die seit 1998 ungenutzten Gebäude Schritt für Schritt als Tagungszentrum wieder in Betrieb genommen. (Stand 2013)

Schwerpunkte der Gemeinschaft war Selbstversorgung und Gemeinwohlökonomie, sowie auchBedingungsloses Grundeinkommen nach demMünchener Modell, letzteres war bis jetzt nur Theorie. Am 26. Januar 2014 kam dann durchZwangsversteigerungstermin und Rückabwicklung des Kaufvertrages das Aus für die noch verbliebene Bewohnerschaft. Momentan versucht eine Investorin aus Bayern mit Hilfe einer Gruppe ehemaliger Gemeinschaftsmitglieder, demPark am See neues Leben einzuhauchen.

Alt Rehse nahm als mehrfacher Kreis- und Landessieger am Bundeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ teil und errang 1995 eine Bronzemedaille.

Alt Rehse gehört nach ihrer Eingemeindung zusammen mit dem zugehörigen Dorf Wustrow seit dem 1. Juli 2008 zur Stadt Penzlin.[8] Der letzte Bürgermeister war Martin Aug.

Kultur

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Im Ort gibt es dasLindenkino, ein kleinesProgrammkino des mobilen Kinos Filmklub Güstrow.

Politik

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Von 1994 bis 2001 war der Tierarzt, Heimatforscher und SchriftstellerWolfgang Köpp Bürgermeister von Alt Rehse.

Wappen

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Das Wappen wurde am 1. April 1997 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 122 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „Über blauem Wellenschildfuß, darin ein silberner Fisch, gespalten; vorn in Gold eine rote Giebelfront eines Fachwerkhauses mit zwei Fenstern; hinten in Rot drei (1:2) goldene Lindenblätter.“

Das Wappen wurde von den Alt RehsernWolfgang Köpp undChristiane Junghans gestaltet.

Wirtschaft und Infrastruktur

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Wirtschaft

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Alt Rehse ist wegen der landschaftlich reizvollen Lage am Tollensesee ein beliebtes Ziel für denFremdenverkehr.

Infrastruktur

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LinienschiffRethra auf dem Tollensesee

Die Gemeinde ist mit dem Linienschiff Rethra derNeubrandenburger Stadtwerke von Mai bis September mitNeubrandenburg und demNaturschutzgebiet Nonnenhof verbunden.

Des Weiteren ist Alt Rehse an das Netz derMVVG mit der Linie 21 anPenzlin und 529 anNeubrandenburg angeschlossen[9][10].

Literatur

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  • Wolfgang Köpp:Alt Rehse. Schau auf dieses Dorf. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. M. Gust, Blankensee 1999,ISBN 3-934741-02-9.
  • Ronald Lemm:Alt Rehse. „Führerschule der Deutschen Ärzteschaft“. Norderstedt 2011,ISBN 978-3-8423-4118-0.
  • Thomas Maibaum:Die Führerschule der deutschen Ärzteschaft Alt-Rehse. Hamburg 2007 (Hamburg, Universität, med. Dissertation, 2007).
  • Anja Peters:Der Geist von Alt Rehse. Die Hebammenkurse an der Reichsärzteführerschule 1935–1941 (= Mabuse-Verlag Wissenschaft. Bd. 88). Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main 2005,ISBN 3-935964-90-0 (zugleich: Neubrandenburg, Fachhochschule, Diplomarbeit, 2003).
  • Stephan Porombka; Hilmar Schmundt [Hrsg.]:Böse Orte. Stätten nationalsozialistischer Selbstdarstellung – heute. Claasen, Berlin 2005,ISBN 3-546-00380-2.
  • Rainer Stommer [Hrsg.]:Medizin im Dienste der Rassenideologie. Die „Führerschule der Deutschen Ärzteschaft“. In:Alt Rehse. Links, Berlin 2008,ISBN 978-3-86153-477-8.
  • Jörg Zapnik:Die Führerschule der deutschen Ärzteschaft in Alt Rehse. In:Zeitgeschichte regional. Heft 2, 1999,ISSN 1434-1794, S. 47–50.

Weblinks

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Commons: Alt Rehse – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. Paul Kühnel:Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. In:Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 46, 1881,ISSN 0259-7772, S. 3–168, hier S. 117.
  2. Hans Friedrich v. Ehrenkrook, Otto Reichert, Elsa Freifrau v. Bethmann, geb. v. Werner, Wilhelm v. Blaschek:Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser / B (Briefadel / nach 1400 nobilitiert). 1954. In:Deutsches Adelsarchiv (Hrsg.):GHdA, von 1951 bis 2014; Nachfolgeschaft imGGH seit 2015.Band I,Nr. 7. C. A. Starke, 1954,ISSN 0435-2408,S. 147–148 (d-nb.info [abgerufen am 27. Februar 2022]). 
  3. Ernst Seyfert, Hans Wehner, W. Baarck:Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Band IV. Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe von Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts mit Angabe der Gutseigenschaft, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. In: Mit Unterstützung vieler Behörden und der Landbünde zu Güstrow und Neubrandenburg (Hrsg.):4. Letzte Ausgabe. 4. Auflage. IV Reihe Paul Niekammer. Verlag von Niekammer’s Adreßbüchern G.m.b.H., Leipzig 1928,S. 192 (g-h-h.de [abgerufen am 27. Februar 2022]). 
  4. Amtliche Beilage. Regierungs-Blatt für Mecklenburg-Schwerin. 1931. In: Landesregierung (Hrsg.):Öffentliche Bekanntmachung. Regierungs-Blatt für Mecklenburg-Schwerin. Beschluss,Nr. 17. EV, Schwerin 17. April 1931,S. 145 (google.de [abgerufen am 27. Februar 2022]). 
  5. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Otto Reichert, Elsa Freifrau v. Bethmann, geb. v. Werner, Wilhelm v. Blaschek:Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser / B (Briefadel / nach 1400 nobilitiert). 1954. In: Deutsches Adelsarchiv (Hrsg.):GHdA, von 1951 bis 2014; Nachfolge desGotha-Hofkalender.Band I,Nr. 9. C. A. Starke, 1954,ISSN 0435-2408,S. 157–159 (d-nb.info [abgerufen am 27. Februar 2022]). 
  6. Ulrike Henning:Verbrecher in weißen Kitteln. In Alt Rehse wurden die ideologischen Grundlagen der NS-Eugenik gelehrt. In:neues deutschland vom 10./11. Dezember 2016, S. 25.
  7. Norbert Jachertz, Thomas Gerst:Erinnerungskultur: Lernort Alt Rehse. In:Deutsches Ärzteblatt. Bd. 107, 2010, S. 1088–1089.
  8. StBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.2008
  9. MVVG: MVVG - Fahrplan Linie 21. Archiviert vom Original am 25. September 2018; abgerufen am 26. März 2024. 
  10. MVVG: MVVG Fahrplan Linie 529. Archiviert vom Original am 25. September 2018; abgerufen am 26. März 2024. 
Normdaten (Geografikum):GND:4376692-4 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS) |VIAF:245388129
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