Die Vorläufer Christi mit Heiligen und Märtyrern,Fra Angelico (1423/24)
Allerheiligen (lateinischSollemnitas Omnium Sanctorum) ist ein christlichesHochfest, an dem allerHeiligen gedacht wird, der „verherrlichten Glieder der Kirche, die schon zur Vollendung gelangt sind“,[1] der bekannten wie der unbekannten.[2] Das lateinischfestum omnium sanctorum genannte Fest wird in derWestkirche am1. November begangen, in denorthodoxen Kirchen am ersten Sonntag nachPfingsten. Die Evangelische Kirche feiert denGedenktag der Heiligen ebenfalls am 1. November.[3] Einige Diözesen und Ordensgemeinschaften begehen in der Woche vom 2. bis zum 8. November oder im weiteren Verlauf des Novembers das Gedenken ihrer Heiligen.[4][5]
Im Lauf der ersten Jahrhunderte wurde es wegen der steigenden Zahl von Heiligen zunehmend schwierig, jedes Heiligen an einem eigenen Fest zu gedenken. Jährliche Gedenktage für Verstorbene gab es bereits im antiken Christentum.[7] In derOstkirche finden sich seit Anfang des 4. Jahrhunderts dann ausdrücklich Allerheiligenfeste, die alsHerrentag aller Heiligen am 1. Sonntag nach Pfingsten gefeiert wurden. In derWestkirche weihte PapstBonifatius IV. am 13. Mai 609 oder 610 das zuvor allen Göttern Roms geweihtePantheon der Jungfrau Maria und allenMärtyrern(Sancta Maria ad Martyres) und ordnete eine jährliche Feier an, zunächst am Freitag nach Ostern, da das Fest inhaltlich stark von Ostern und demPascha-Mysterium her geprägt ist. PapstGregor III. weihte über hundert Jahre später eine Kapelle in derBasilikaSt. Peter allen Heiligen. Einige Quellen legen nahe, dass diese Weihe am 1. November stattfand und deshalb das Datum als 1. November als Datum für Allerheiligen üblich wurde.
Zu Beginn des 9. Jahrhunderts verbreitete sich der Brauch, das Allherheiligenfest am 1. November zu feiern, im ReichKarls des Großen. Schon im Jahr 800 ist die Existenz eines allen Heiligen geweihten Feiertages am 1. November inIrland undNorthumbrien belegt. Inwieweit der Einfluss deriroschottischen Mission in Karls Reich und an seinem Hof dazu beitrug, diesen Termin zu popularisieren, ist unklar. Ebenso ist umstritten, inwiefern die Existenz des vorchristlichenkeltischen NeujahrfestesSamhain, das Anfang November gefeiert wurde und möglicherweise ebenfalls einen Bezug zum Gedenken an die Toten und die Anderswelt beinhaltete, die Entscheidung für den 1. November als Datum von Allerheiligen beeinflusste.
Im Jahre 835 erklärte KaiserLudwig der Fromme den 1. November zu einemgebotenen Feiertag im gesamtenFrankenreich und im selben Jahr legte PapstGregor IV. Allerheiligen für die gesamteWestkirche auf den 1. November fest. Der enge Bezug zu Ostern wurde dabei aufgegeben, stattdessen ist „die sterbende Natur, durch die die ewige Welt der Heiligen sichtbar wird“, die Hintergrundfolie des Festes, so der TheologeManfred Becker-Huberti.[8][9]
Seit Ende des 10. Jahrhunderts wird, ausgehend von derBenediktinerabtei Cluny, am 2. November mitAllerseelen zusätzlich ein Gedenktag aller Verstorbenen gehalten, die sich nach katholischem Verständnis imPurgatorium befinden und die volle Gemeinschaft mit Gott noch nicht erreicht haben.[10] Einen besonderen Schutz und Bedeutung für die Rechtsgeschichte bekam das Fest im Mittelalter imAlten Reich, wo es, beispielsweise durchGottes- oderLandfrieden, alsGebundener Tag eingestuft war.[11]
Partikuläre Allerheiligenfeste
MancheDiözesen undOrdensgemeinschaften feiern eigene Allerheiligenfeste, um der Heiligen aus ihren Reihen zu gedenken. Einige Termine sind in der folgenden Tabelle dargestellt.
In der christlichenIkonographie seit frühchristlicher Zeit erscheinen Versammlungen „aller“ Heiligen meist als Begleiter christozentrischer Darstellungen, also bezogen auf denapokalyptischen Christus in derMandorla, dasLamm Gottes (Beispiel:Genter Altar) oder denGnadenstuhl als Mittelfiguren (Beispiel: Dürer,Landauer Altar, 1511).Weltgerichtsdarstellungen und Rosenkranzbilder sind keine Allerheiligenbilder im eigentlichen Sinne.Die Bildkunst derNeuzeit hat kaum neue ikonographische Varianten des Allerheiligenthemas hervorgebracht.[16]
Allerheiligen als gesetzlicher Feiertag
Santa-Cruz-Friedhof inOsttimor zu AllerheiligenBundesländer Deutschlands, in denen Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag ist
InSchweden undFinnland fällt der Feiertag auf den Samstag zwischen dem 31. Oktober und 6. November. Beide Daten liegen normalerweise inKalenderwoche 44, nur inSchaltjahren, die mit einem Donnerstag beginnen (Sonntagsbuchstabe DC, 13-mal in 400 Jahren), liegen beide in KW 45 nachDIN ISO 8601.In denNiederlanden wurde Allerheiligen als gesetzlicher Feiertag 1960 abgeschafft.
In den genannten deutschen Bundesländern ist Allerheiligen ein sogenannterstiller Feiertag. Das heißt z. B., dass an diesem Tag im Prinzipkeine öffentlichen Tanzveranstaltungen durchgeführt werden dürfen und laute Musik verboten ist.
Als Allerheiligengebäck kennt man im süddeutschen Sprachraum denAllerheiligenstriezel, den dieTauf- oderFirmpaten an ihre Patenkinder verschenken. Den Brauch gibt es vomBurgenland über das oberösterreichischeInn- undHausruckviertel bis zum südostbayerischenChiem- undRupertigau. DerStriezel wird ausGermteig (Hefeteig) in Form geflochtener, mit Hagelzucker oderStreuseln bestreuter Zöpfe hergestellt. In der nördlichenOberpfalz heißt dieses Allerheiligengebäck „Strietzl“. In der Region um dasAltmühltal gibt es an Allerheiligen auf Spitzlmärkten „Spitzl“ (Spitzel), ein rautenförmiges Lebkuchengebäck.[17] Zu Allerheiligen finden auch Allerheiligenmärkte statt.[18]
Im englischen Sprachraum wird Allerheiligen (engl. „All Saints“, „All Saints’ Day“) häufig mit dem ProzessionsliedFor All the Saints begangen.
Am Tag nach Allerheiligen, dem 2. November, begeht dierömisch-katholische Kirche den Allerseelentag, an dem derArmen Seelen imFegefeuer gedacht wird. Vielerorts wird die damit verbundeneGräbersegnung bereits am Nachmittag von Allerheiligen, dem in einigen Ländern arbeitsfreien staatlichen Feiertag, vorgenommen. Damit wird oft der Brauch verbunden, die Gräber, auch mit Lichtern, besonders zu schmücken.
Allerheiligen und Halloween
Am Vorabend des Allerheiligenfestes, dem 31. Oktober, wird in denVereinigten Staaten und vielen Ländern Europas Volksbrauchtum zuHalloween begangen. Das WortHalloween leitet sich aus der englischen BezeichnungAll Hallows Eve, dem liturgischen Vorabend von Allerheiligen, ab. In der heutigen, aus Nordamerika zurückgekommenen Form hat es eine starkkommerzialisierte undsäkularisierte Form angenommen.
In denjenigen Ländern Deutschlands, in denen Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag ist, stellt der Status des stillen Feiertags einen Schutz vor „überlangen“ Halloweenfeiern dar. InBayern dürfen Halloween-Partys längstens bis 2 Uhr am 1. November dauern.[19]
↑abDirektorium für Stundengebet und Messfeier in der Kirchenprovinz Hamburg Kirchenjahr 2020/2021 Herausgegeben im Auftrag des Erzbischofs von Hamburg, des Bischofs von Hildesheim und des Bischofs von Osnabrück Kirchenjahr 2021/2022. (PDF) S. VIII, XI, ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 6. November 2022 (Erzbistum Hamburg und Bistum Osnabrück).@1@2Vorlage:Toter Link/www.bistum-hildesheim.de (Seite nicht mehr abrufbar.Suche in Webarchiven)
↑Kirchenjahr. Erzbistum Berlin, abgerufen am 6. November 2022.
↑Otto Bitschnau:Das Leben der Heiligen Gottes. Einsiedeln, New-York, Cincinnati und St. Louis (Karl & Nikolaus Benziger), 2. Aufl. 1883, S. 815.
↑Hansjörg Auf der Maur:Feste und Gedenktage der Heiligen. In: ders.:Feiern im Rhythmus der Zeit II/1. Regensburg 1994,ISBN 3-7917-0884-8 (Gottesdienst der Kirche. Handbuch der Liturgiewissenschaft, hrsg. vonHans Bernhard Meyer, Teil 6,1), S. 185.
↑Manfred Becker-Huberti:Feiern – Feste – Jahreszeiten. Lebendige Bräuche im ganzen Jahr. Sonderausgabe, Herder Verlag, Freiburg (Breisgau) 2001,ISBN 3-451-27702-6, S. 370.
↑Heinrich Feurstein:Allerheiligen, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. I (1934), Sp. 365–374; auch digital in: RDK Labor(hier) [18. Oktober 2021]
↑Thomas Tippach:Würzburg – Aspekte der Zentralität. In: Ulrich Wagner (Hrsg.):Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I–III/2 (I:Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. 2001,ISBN 3-8062-1465-4; II:Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. 2004,ISBN 3-8062-1477-8; III/1–2:Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007,ISBN 978-3-8062-1478-9), Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band III (2007), S. 369–393 und 1296–1298, hier: S. 397, Abb. 127 (Verkaufsstände anlässlich des Allerheiligen-Markts neben demWürzburger Dom).