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Allerheiligen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dieser Artikel beschreibt das kirchliche Fest; zu weiteren Bedeutungen sieheAllerheiligen (Begriffsklärung).
Die Vorläufer Christi mit Heiligen und Märtyrern,Fra Angelico (1423/24)

Allerheiligen (lateinischSollemnitas Omnium Sanctorum) ist ein christlichesHochfest, an dem allerHeiligen gedacht wird, der „verherrlichten Glieder der Kirche, die schon zur Vollendung gelangt sind“,[1] der bekannten wie der unbekannten.[2] Das lateinischfestum omnium sanctorum genannte Fest wird in derWestkirche am1. November begangen, in denorthodoxen Kirchen am ersten Sonntag nachPfingsten. Die Evangelische Kirche feiert denGedenktag der Heiligen ebenfalls am 1. November.[3] Einige Diözesen und Ordensgemeinschaften begehen in der Woche vom 2. bis zum 8. November oder im weiteren Verlauf des Novembers das Gedenken ihrer Heiligen.[4][5]

Geschichte

Rudolph Blättler,Holzschnitt:Gemeinschaft derHeiligen mit dem Auferstandenen[6]

Im Lauf der ersten Jahrhunderte wurde es wegen der steigenden Zahl von Heiligen zunehmend schwierig, jedes Heiligen an einem eigenen Fest zu gedenken. Jährliche Gedenktage für Verstorbene gab es bereits im antiken Christentum.[7] In derOstkirche finden sich seit Anfang des 4. Jahrhunderts dann ausdrücklich Allerheiligenfeste, die alsHerrentag aller Heiligen am 1. Sonntag nach Pfingsten gefeiert wurden. In derWestkirche weihte PapstBonifatius IV. am 13. Mai 609 oder 610 das zuvor allen Göttern Roms geweihtePantheon der Jungfrau Maria und allenMärtyrern(Sancta Maria ad Martyres) und ordnete eine jährliche Feier an, zunächst am Freitag nach Ostern, da das Fest inhaltlich stark von Ostern und demPascha-Mysterium her geprägt ist. PapstGregor III. weihte über hundert Jahre später eine Kapelle in derBasilikaSt. Peter allen Heiligen. Einige Quellen legen nahe, dass diese Weihe am 1. November stattfand und deshalb das Datum als 1. November als Datum für Allerheiligen üblich wurde.

Zu Beginn des 9. Jahrhunderts verbreitete sich der Brauch, das Allherheiligenfest am 1. November zu feiern, im ReichKarls des Großen. Schon im Jahr 800 ist die Existenz eines allen Heiligen geweihten Feiertages am 1. November inIrland undNorthumbrien belegt. Inwieweit der Einfluss deriroschottischen Mission in Karls Reich und an seinem Hof dazu beitrug, diesen Termin zu popularisieren, ist unklar. Ebenso ist umstritten, inwiefern die Existenz des vorchristlichenkeltischen NeujahrfestesSamhain, das Anfang November gefeiert wurde und möglicherweise ebenfalls einen Bezug zum Gedenken an die Toten und die Anderswelt beinhaltete, die Entscheidung für den 1. November als Datum von Allerheiligen beeinflusste.

Im Jahre 835 erklärte KaiserLudwig der Fromme den 1. November zu einemgebotenen Feiertag im gesamtenFrankenreich und im selben Jahr legte PapstGregor IV. Allerheiligen für die gesamteWestkirche auf den 1. November fest. Der enge Bezug zu Ostern wurde dabei aufgegeben, stattdessen ist „die sterbende Natur, durch die die ewige Welt der Heiligen sichtbar wird“, die Hintergrundfolie des Festes, so der TheologeManfred Becker-Huberti.[8][9]

Seit Ende des 10. Jahrhunderts wird, ausgehend von derBenediktinerabtei Cluny, am 2. November mitAllerseelen zusätzlich ein Gedenktag aller Verstorbenen gehalten, die sich nach katholischem Verständnis imPurgatorium befinden und die volle Gemeinschaft mit Gott noch nicht erreicht haben.[10] Einen besonderen Schutz und Bedeutung für die Rechtsgeschichte bekam das Fest im Mittelalter imAlten Reich, wo es, beispielsweise durchGottes- oderLandfrieden, alsGebundener Tag eingestuft war.[11]

Partikuläre Allerheiligenfeste

MancheDiözesen undOrdensgemeinschaften feiern eigene Allerheiligenfeste, um der Heiligen aus ihren Reihen zu gedenken. Einige Termine sind in der folgenden Tabelle dargestellt.

DatumFestbezeichnungName des Bistums bzw. der Gemeinschaft
3.11.Alle Heiligen von SevillaErzbistum Sevilla
5.11.Alle Heiligen, die in Toledo gefeiert werden und deren Reliquien in Toledo ruhenErzbistum Toledo
5.11.
5.11.[4]Gedenktag aller Märtyrer und Heiligen des BistumsBistum Osnabrück
6.11.[12]All the Saints of IrelandRömisch-katholische Kirche auf der Insel Irland
8.11.[13]Alle Märtyrer des ErzbistumsErzbistum Berlin
8.11.[14]Alle Heiligen des Erzbistums HamburgErzbistum Hamburg

Liturgie

Allerheiligen ist in derLiturgie derrömisch-katholischen Kirche einHochfest. In nahezu allenDiözesen ist es auchgebotener Feiertag.[15] Die Texte der Schriftlesungen in derheiligen Messe sindOffb 7,2–4.9–14 EU,1 Joh 3,1–3 EU und dieSeligpreisungen der Bergpredigt,Mt 5,1–12a EU.

In deranglikanischen Kirche hat es den Rang einesPrincipal Feasts. Dieliturgische Farbe ist Weiß.

In denlutherischen Kirchen kann es alsGedenktag der Heiligen (hier ist die liturgische Farbe Rot) begangen werden, ähnlich auch in weiterenprotestantischen Kirchen.

Allerheiligen in der Bildenden Kunst

In der christlichenIkonographie seit frühchristlicher Zeit erscheinen Versammlungen „aller“ Heiligen meist als Begleiter christozentrischer Darstellungen, also bezogen auf denapokalyptischen Christus in derMandorla, dasLamm Gottes (Beispiel:Genter Altar) oder denGnadenstuhl als Mittelfiguren (Beispiel: Dürer,Landauer Altar, 1511).Weltgerichtsdarstellungen und Rosenkranzbilder sind keine Allerheiligenbilder im eigentlichen Sinne.Die Bildkunst derNeuzeit hat kaum neue ikonographische Varianten des Allerheiligenthemas hervorgebracht.[16]

Allerheiligen als gesetzlicher Feiertag

Santa-Cruz-Friedhof inOsttimor zu Allerheiligen
Bundesländer Deutschlands, in denen Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag ist

In den katholisch geprägtenKantonen derSchweiz (sieheFeiertage in der Schweiz) und den katholisch geprägtendeutschenBundesländernBaden-Württemberg,Bayern,Nordrhein-Westfalen,Rheinland-Pfalz undSaarland sowie inÖsterreich undLiechtenstein ist Allerheiligen ein gesetzlicherFeiertag und wird am 1. November begangen; außerdem in den folgenden Staaten:Belgien,Andorra,Frankreich,Italien,Kroatien,Luxemburg,Litauen,Monaco,Osttimor,Polen,Portugal,San Marino,Slowakei,Slowenien,Spanien,Ungarn,Peru,Vatikanstadt und denPhilippinen.

InSchweden undFinnland fällt der Feiertag auf den Samstag zwischen dem 31. Oktober und 6. November. Beide Daten liegen normalerweise inKalenderwoche 44, nur inSchaltjahren, die mit einem Donnerstag beginnen (Sonntagsbuchstabe DC, 13-mal in 400 Jahren), liegen beide in KW 45 nachDIN ISO 8601.In denNiederlanden wurde Allerheiligen als gesetzlicher Feiertag 1960 abgeschafft.

In den genannten deutschen Bundesländern ist Allerheiligen ein sogenannterstiller Feiertag. Das heißt z. B., dass an diesem Tag im Prinzipkeine öffentlichen Tanzveranstaltungen durchgeführt werden dürfen und laute Musik verboten ist.

Brauchtum

Zwei MainzerNewwelinge

Als Allerheiligengebäck kennt man im süddeutschen Sprachraum denAllerheiligenstriezel, den dieTauf- oderFirmpaten an ihre Patenkinder verschenken. Den Brauch gibt es vomBurgenland über das oberösterreichischeInn- undHausruckviertel bis zum südostbayerischenChiem- undRupertigau. DerStriezel wird ausGermteig (Hefeteig) in Form geflochtener, mit Hagelzucker oderStreuseln bestreuter Zöpfe hergestellt. In der nördlichenOberpfalz heißt dieses Allerheiligengebäck „Strietzl“. In der Region um dasAltmühltal gibt es an Allerheiligen auf Spitzlmärkten „Spitzl“ (Spitzel), ein rautenförmiges Lebkuchengebäck.[17] Zu Allerheiligen finden auch Allerheiligenmärkte statt.[18]

Im englischen Sprachraum wird Allerheiligen (engl. „All Saints“, „All Saints’ Day“) häufig mit dem ProzessionsliedFor All the Saints begangen.

Totengedenken

Hauptartikel:Allerseelen

Am Tag nach Allerheiligen, dem 2. November, begeht dierömisch-katholische Kirche den Allerseelentag, an dem derArmen Seelen imFegefeuer gedacht wird. Vielerorts wird die damit verbundeneGräbersegnung bereits am Nachmittag von Allerheiligen, dem in einigen Ländern arbeitsfreien staatlichen Feiertag, vorgenommen. Damit wird oft der Brauch verbunden, die Gräber, auch mit Lichtern, besonders zu schmücken.

Allerheiligen und Halloween

Am Vorabend des Allerheiligenfestes, dem 31. Oktober, wird in denVereinigten Staaten und vielen Ländern Europas Volksbrauchtum zuHalloween begangen. Das WortHalloween leitet sich aus der englischen BezeichnungAll Hallows Eve, dem liturgischen Vorabend von Allerheiligen, ab. In der heutigen, aus Nordamerika zurückgekommenen Form hat es eine starkkommerzialisierte undsäkularisierte Form angenommen.

In denjenigen Ländern Deutschlands, in denen Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag ist, stellt der Status des stillen Feiertags einen Schutz vor „überlangen“ Halloweenfeiern dar. InBayern dürfen Halloween-Partys längstens bis 2 Uhr am 1. November dauern.[19]

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Allerheiligen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Allerheiligen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Präfation des Hochfestes Allerheiligen.
  2. Lichter für die Toten, katholisch.de, abgerufen am 6. November 2016.
  3. Lit. Texte – Gedenktag der Heiligen · 01.11. In: Kirchenjahr Evangelisch. Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern undVereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands, abgerufen am 31. Oktober 2025. 
  4. abDirektorium für Stundengebet und Messfeier in der Kirchenprovinz Hamburg Kirchenjahr 2020/2021 Herausgegeben im Auftrag des Erzbischofs von Hamburg, des Bischofs von Hildesheim und des Bischofs von Osnabrück Kirchenjahr 2021/2022. (PDF) S. VIII, XI, ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 6. November 2022 (Erzbistum Hamburg und Bistum Osnabrück).@1@2Vorlage:Toter Link/www.bistum-hildesheim.de (Seite nicht mehr abrufbar.Suche in Webarchiven) 
  5. Kirchenjahr. Erzbistum Berlin, abgerufen am 6. November 2022. 
  6. Otto Bitschnau:Das Leben der Heiligen Gottes. Einsiedeln, New-York, Cincinnati und St. Louis (Karl & Nikolaus Benziger), 2. Aufl. 1883, S. 815.
  7. Hansjörg Auf der Maur:Feste und Gedenktage der Heiligen. In: ders.:Feiern im Rhythmus der Zeit II/1. Regensburg 1994,ISBN 3-7917-0884-8 (Gottesdienst der Kirche. Handbuch der Liturgiewissenschaft, hrsg. vonHans Bernhard Meyer, Teil 6,1), S. 185.
  8. Manfred Becker-Huberti:Feiern – Feste – Jahreszeiten. Lebendige Bräuche im ganzen Jahr. Sonderausgabe, Herder Verlag, Freiburg (Breisgau) 2001,ISBN 3-451-27702-6, S. 370.
  9. Balthasar Fischer:Allerheiligen. In:Walter Kasper (Hrsg.):Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage.Band 1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993,Sp. 405. 
  10. Karl-Heinrich Bieritz:Das Kirchenjahr. Feste, Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart. C. H. Beck, München 2005, S. 177 f.
  11. Heiner Lück,Gebundene Tage. In:Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, 2. Auflage, Band I, Lieferung 8, Sp. 1974–1975.
  12. Nov 6 – All the Saints of Ireland. In: catholicireland.net. 6. November 2012, abgerufen am 6. November 2022 (englisch). 
  13. Das Kirchenjahr – Die Eigenfeiern des Erzbistums Berlin. In: HomepageErzbistum Berlin. 2020, abgerufen am 6. November 2022. 
  14. Hatto von Hatzfeld: Liturgischer Kalender Erzbistum Hamburg 2025. 3. August 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025. 
  15. Codex des Kanonischen Rechtes. Website des Vatikans. Abgerufen am 1. November 2014.
  16. Heinrich Feurstein:Allerheiligen, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. I (1934), Sp. 365–374; auch digital in: RDK Labor(hier) [18. Oktober 2021]
  17. [Franz] Eckstein:Zopfgebäck. In:Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens Bd. 9 (1938/41), Sp. 948Internet Archive.
  18. Thomas Tippach:Würzburg – Aspekte der Zentralität. In: Ulrich Wagner (Hrsg.):Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I–III/2 (I:Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. 2001,ISBN 3-8062-1465-4; II:Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. 2004,ISBN 3-8062-1477-8; III/1–2:Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007,ISBN 978-3-8062-1478-9), Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band III (2007), S. 369–393 und 1296–1298, hier: S. 397, Abb. 127 (Verkaufsstände anlässlich des Allerheiligen-Markts neben demWürzburger Dom).
  19. Tanzverbot in Bayern. Allerheiligen: So lange darf eine Halloween-Party vor dem stillen Tag dauern. pnp.de (Passauer Neue Presse), 30. Oktober 2025, abgerufen am 4. November 2025. 
Liturgische Zeiten und Festtage imKirchenjahr

Weihnachtsfestkreis:
Advent:Adventssonntage

Weihnachtszeit:Heiliger AbendWeihnachtenWeihnachtsoktav (mitStephanustag,Unschuldige Kinder,Heilige Familie undBeschneidung des Herrn bzw.Hochfest der Gottesmutter)Erscheinung des HerrnTaufe des Herrn

ev:Epiphaniaszeit undVorpassionszeit / rk:Zeit im Jahreskreis:
Sonntage(nach Epiphaniasvor der Passionszeit /im Jahreskreis)Darstellung des HerrnVerkündigung des Herrn

Osterfestkreis:
Fastenzeit/Passionszeit:AschermittwochFastensonntagePalmsonntagKarwoche

Triduum Sacrum:GründonnerstagKarfreitagKarsamstagOsternacht

Osterzeit:OsternOsteroktav (mitOstermontag undWeißem Sonntag)SonntageChristi HimmelfahrtPfingsten

ev:Trinitatiszeit / rk:Zeit im Jahreskreis:
Pfingstoktav (mitPfingstmontag undTrinitatis)Sonntage(nach Trinitatis /im Jahreskreis)FronleichnamHerz-Jesu-FestVerklärung des HerrnKreuzerhöhungErntedankfestKirchweihfestReformationstagAllerheiligenAllerseelenBuß- und BettagTotensonntagChristkönigsfest

Weitere Feste:
MarienfesteApostelfesteMarkustagLukastagJosefstagJohannistagMichaelistag

Die farbigen Kästchen kennzeichnen die bevorzugteliturgische Farbe für das entsprechende Fest. Zum Ablauf desKirchenjahres siehe beispielsweise diePerikopenordnung der evangelischen Kirche in Deutschland bzw. dasCalendarium Romanum Generale für die römisch-katholische Kirche.

Normdaten (Sachbegriff):GND:4141927-3 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS) |LCCN:sh85003608
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