Alexandre Cabanel, ca. 1865Das Grab von Alexandre Cabanel auf dem Cimetière Saint-Lazare in Montpellier.
Cabanel steht durch seinen LehrerFrançois-Édouard Picot mit der klassischen SchuleJacques-Louis Davids in Verbindung und hielt sich mit seinen ersten BildernDer Tod des Moses (1852),Der heilige Ludwig (1855) u. a. noch durchaus an die strengen akademischen Regeln, zeigte jedoch schon innerhalb derselben Talent für Zeichnung und Komposition.
Der modernen Empfindungsweise näherte er sich in dem BildDie Witwe des Kapellmeisters, die mit ihren Kindern den Klängen der Orgel lauscht, auf der die älteste Tochter die Werke des Verstorbenen zu spielen scheint (1859). In demflorentinischen Dichter, welcher einigen Männern und Frauen seine Gedichte vorträgt (1861), sind die Gestalten aus der Zeit der Frührenaissance von höchstem Adel und reiner Anmut. Nachhaltigen Erfolg errang Cabanel erst, als er zu mythologischen Stoffen und damit zur Darstellung des Nackten überging.
Er sieht es in der Behandlung des Fleisches nicht sowohl auf eine packende Naturwahrheit und Körperhaftigkeit ab, er gibt ihm vielmehr einen rosigen Ton, der nebst der üppigen Linienführung an die WerkeFrançois Bouchers und anderer Meister desRokoko erinnert. Zu seinem ersten Bild der Art, der vom Faun entführte Nymphe (1861), ist das Kolorit noch etwas kräftiger; in seinerDie Geburt der Venus (1863), die als sein Hauptwerk gilt, ist der Ton dagegen ganz matt und weichlich. Dieses Bild wurde für das kaiserliche Haus angekauft.
Bei derWeltausstellung Paris 1867 hatte Cabanel das KolossalbildDie Vertreibung aus dem Paradies ausgestellt, das KönigLudwig II. von Bayern in Auftrag gegeben hatte und das sich jetzt imMaximilianeum in München befindet. Die anmutige dekorative Wirkung seiner Malweise verwertete Cabanel bei der Ausmalung des Hotels Emile Pereires. Er folgte hierbei den französischen Freskomalern des 18. Jahrhunderts, und so zeigte auch in derWiener Weltausstellung von 1873Der Triumph der Flora (ein kolossales Deckenbild in Ovalform, für einenPlafond desLouvre bestimmt) die Kompositionsweise und die rosige Farbe derselben.
SeinTod der Francesca da Rimini und des Paolo Malatesta auf derselben Ausstellung fesselte trotz der allzu gesuchten Realistik durch die Energie der Auffassung. Auch als Porträtmaler war Cabanel sehr beliebt, namentlich bei der vornehmen Damenwelt, da er es verstand, den Herzoginnen, Gräfinnen und Marquisen durch sein frostiges, gedämpftes Kolorit ein interessantes und distinguiertes Aussehen zu geben und allen Launen der Mode in der Wiedergabe der Toilette mit geschicktem Pinsel zu folgen. Weniger glücklich war er beim Porträt von Männern, wie in dem PorträtNapoleons III. (1864). Sein letztes größeres Werk waren Momente aus dem Leben des heiligen Ludwigs für das Pantheon.
Cabanel geriet im Unterschied zu den Impressionisten langsam in Vergessenheit. DasWallraf-Richartz Museum in Köln organisierte in Zusammenarbeit mit dem ModedesignerChristian Lacroix und mehreren Museen wie demMusée Fabre in Montpellier eine umfassende Sonderausstellung im Frühling 2011.[1]
Sylvain Amic, Michel Hilaire:Alexandre Cabanel – Die Tradition des Schönen. Katalog zur Ausstellung. Hrsg.:Andreas Blühm. Hirmer, München 2011,ISBN 978-3-7774-3431-5.
↑Académicien décédé: Alexandre Cabanel. Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique, abgerufen am 20. August 2023 (französisch).